BLKÖ:Weber, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Weber, Felix
Band: 53 (1886), ab Seite: 180. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Weber, Franz|53|180|}}

12. Weber, Franz (Historienmaler, geb. zu Fünfkirchen in Ungarn zu Beginn der Fünfziger-Jahre), nicht zu verwechseln mit seinem Landsmann Heinrich Weber (Veber) (s. d. S. 187, Nr. 18). Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns in Fünfkirchen. Bei Lebzeiten seines Vaters scheint er an die Laufbahn des Malers nicht gedacht zu haben, wenngleich er in seiner Geburtsstadt, wie es in einer kurzen Notiz über ihn heißt: „bei allen öffentlichen Unterhaltungen sich als „Schöngeist“ und Kunstdilettant unentbehrlich gemacht hatte. Nach dem Tode des Vaters ließ er seinem Künstlerdrange freien Lauf und begab sich nach München, wo er so ziemlich zu gleicher Zeit mit Benczur eintraf und sich im Atelier Piloty’s mit allem Eifer der Historienmalerei widmete. Die allgemeine Aufmerksamkeit richtete sich auf ihn, als er auf der Wiener Weltausstellung 1873 in der Abtheilung der Kunst, und zwar nur durch ein Werk, welches aber allgemeine Würdigung fand, vertreten war, durch das Historienbild: „Die letzten Augenblicke der Festung Szigeth“. Dasselbe zeigt eigentlich nur eine Hauptfigur, nämlich die in jedem Zuge die Heldin verrathende Gemalin Zriny’s, wie sie [181] im Begriffe steht, die Burg ihrer Väter, um dieselbe nicht in die Hände der Türken fallen zu lassen, in die Luft zu sprengen. Den ängstlichen, aber doch ergrimmten Blick auf die durch die Hinterthür hereindringenden Türken gerichtet, hält sie die angezündete Fackel auf das Pulverfaß. Das Bild ergreift uns durch die Wahrheit der Auffassung mächtig. Der graue Ton, in welchem es gehalten ist, paßt zu dem unheimlichen Momente, und sticht von der düstern, nur durch den Schein der Fackel matt erhellten Wand die Gestalt der Heldin, in deren schönen Gesichtszügen die volle Entschlossenheit zur grausigen That zu lesen, in plastisch kräftiger Haltung vortrefflich ab. Das Bild, in der xylographischen Anstalt von Brend’amour in München nach einer Zeichnung Heitland’s von E. Paul in Holz geschnitten, findet sich im Frauenblatte „Der Bazar“ vom 1. Jänner 1874, Nr. 2 abgedruckt. Von späteren Arbeiten des noch jungen Künstlers sind uns durch Holzschnitte bekannt geworden: „In der Klosterzelle“ [Stich der xylographischen Anstalt von Walla in München in der „Illustrirten Frauen-Zeitung“, 9. October 1876, Nr. 20, S. 317], „Die Nonne“ [aus ebenderselben Anstalt und in der nämlichen Zeitung 11. Juni 1877, Nr. 22, S. 173] und „Der Vertrauensmann“ [ebenda, geschnitten von MonogrammWeberFranzVolume53page181.jpg im „Bazar“ vom 1. November 1877]. Aber nicht blos auf dem ernsten Felde der Historienmalerei bewegt sich der Künstler, auch als Humoristiker, und zwar nicht ohne Glück, hat er sich versucht und redigirte einige Zeit lang das witzreiche Wochenblatt der Münchener jüngeren Kunstgenossenschaft, zu deren beliebtesten Mitgliedern er ebensowohl seines gutmüthigen als gesunden Humors wegen zählt. Obwohl unser Maler bereits durch mehrere von Fachmännern anerkannte Arbeiten in weiten Kreisen bekannt ist, suchen wir doch seinen Namen in den neuesten Werken über Kunst und Künstler Oesterreichs und Deutschlands vergebens.

Eigene Sammlungen und Notizen.