BLKÖ:Werner, Zacharias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 55 (1887), ab Seite: 72. (Quelle)
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Werner, Zacharias, mit ganzem Namen Friedrich Ludwig Zacharias (Poet und Theolog, geb. zu Königsberg in Ostpreußen, wie er selbst wörtlich schreibt: im Jahre 1768 gerade bei dem Schlage der den 18. vom 19. November trennenden Mitternacht, gest. zu Wien in den ersten Morgenstunden des 17. Jänner 1823). Der einzige Sohn des Professors der Geschichte und Redekunst an der Universität zu Königsberg Jacob Friedrich Werner aus dessen Ehe mit Luise Henriette Pietsch. Der Vater war Numismatiker von Fach und durch sein Ciceronianisches Latein als Redner anerkannt, überdies ein Gelehrter, der allgemeiner Achtung sich erfreute; die Mutter eine Nichte des seinerzeit vielgenannten Dichters Valentin Pietsch (geb. 1690, gest. 1733), dem ein Lobgedicht auf den Prinzen Eugen und dessen Sieg bei Temesvár im Jahre 1717 die Professur der Poesie in Königsberg verschaffte. Valentins Sohn aber, der Bruder von Werner’s Mutter, seines Amtes Regimentsquartiermeister und ein Mann von classischer Bildung, war bei sonst heiterem Temperamente sehr schwärmerisch mit nicht geringer Hinneigung zur Melancholie, welche durch tiefreligiösen Sinn einen noch ausgeprägteren Charakter erhielt. Es waren dies Eigenschaften, die sich auch in der Folge bei seinem Neffen, dem Dichter [73] F. L. Zacharias Werner, sehr bemerkbar machten. Die Mutter des Letzteren, eine hochbegabte Frau voll Geist und Phantasie, verfiel in letzterer Zeit in Verstandeszerrüttung, wobei der fixe Wahn sich bei ihr ausbildete: sie sei die Jungfrau Maria, ihr Sohn aber der Heiland der Welt. Den Vater verlor Zacharias, als er kaum vierzehn Jahre zählte, und so blieb er unter der Leitung der Mutter, welche seine sich früh entwickelnde Neigung zur Poesie und für religiöse Gegenstände nährte. Wie wechselnd auch und nicht immer harmonisch sein Lebenslauf sich gestaltete, diese Neigungen brachen sich in seinem Wesen immer wieder Bahn und behielten bei allen seinen Ausschweifungen und sonstigen Ausschreitungen die Oberhand. Da beide Eltern sich zur evangelischen Kirche bekannten, wurde auch der Sohn in dem Glauben derselben erzogen. Mit 16 Jahren vollendete er den vorbereitenden Schulunterricht, und 1784 bezog er die Königsberger Hochschule. An dieser wendete er sich dem Studium der Rechts- und Cameralwissenschaften zu, hörte aber auch Kant’s philosophische Vorlesungen. Der berühmte Denker, ein Schulgenosse von Werner’s Vater, brachte dessen Sohne theilnehmendes Wohlwollen entgegen. Ueberdies hatte sich Zacharias auch in den alten Sprachen ausgebildet, wofür zwei lateinische Reden und eine lateinische Disputation, welche er im großen akademischen Hörsale zu Königsberg hielt, Zeugniß geben. 1789 ließ er eine kleine Sammlung Gedichte erscheinen, aber dieselben tragen auch nicht eine Spur des Geistestitanen, als welcher er sich in der Folge entpuppte. Diese heute schon sehr seltene Sammlung verräth kaum ein eigentlich poetisches Talent. Er schlägt darin die landläufigen Töne an, welche die Nachahmer Wieland’s, Claudius, Blumauer’s und Anderer damals kennzeichneten; es ist eine derbe hausbackene Lyrik ohne Schwung und Phantasie, und nur ein Spottgedicht auf das Mönchthum, die Jesuiterei und Intoleranz trägt dem Geschmacke des damaligen Aufklärichts, das der wahren Aufklärung voranging, einige Rechnung. Im Jahre 1790 unternahm Werner eine Bildungsreise über Berlin nach Dresden, von wo er in seine Vaterstadt zurückkehrte, in welcher er verblieb, bis er 1793 die erste Anstellung im Staatsdienste, die eines expedirenden Secretärs zu Petřikau im ehemaligen Südpreußen, erhielt. Die mit diesem Dienste verbundene Beschäftigung war ganz untergeordneter Art und mochte zu einem Geiste, wie ihn Werner besaß, wenig passen. Doch er lag seinem Dienste ordnungsmäßig ob, auch als er später nach Warschau versetzt wurde, wo ihm freilich die Genüsse der Großstadt einen Ersatz boten für die Unbedeutenheit des amtlichen Dienstes, der ihm Zeit und Laune genug ließ, drei Ehen, eine geschmackloser als die andere, zu schließen und wieder aufzulösen und sich in ein wüstes Leben zu stürzen, dem nur solch ein Athletenkörper, wie der seinige, auf die Dauer Widerstand leisten konnte. Dieses Schwanken zwischen zwei Extremen, Anstand und wüstem Leben, Verkehr mit Edlen und Personen niederster Denkungsart, welches lange ein charakteristisches Zeichen Werner’s blieb, erklärt es, daß man in seinen Schriften, Reden und Handlungen oft das Gemeinste neben dem Erhabensten findet. Zwölf Jahre versah er den erwähnten untergeordneten Dienst und wurde in dieser Zeit mit zwei Menschen bekannt, die, jeder in seiner Richtung, nicht ohne [74] Einfluß auf das leicht erregbare Gemüth Werner’s blieben. Diese waren Mnioch und Hoffmann. Ersterer, bei der preußischen Lotteriedirection in Warschau angestellt, war ein begabter Schriftsteller, dessen Ansichten sich mit denen Werner’s begegneten, und dessen freimaurerische Ideen für denselben besonderen Anreiz ausübten. Ernst Theodor Hoffmann, Verfasser der Phantasiestücke in Callot’s Manier, lebte als preußischer Regierungsrath in Warschau – gleichsam dahin wegen einiger Satyren auf höhere Beamte verbannt – und übte ebenso durch sein excentrisches Wesen, wie die Liebe zur Kunst, Einfluß auf Werner. Im Verkehr mit diesen beiden hochbegabten Männern entfaltete sich allmälig des Letzteren poetisches Talent, und damals entstanden seine beiden dramatischen Dichtungen: zunächst „Die Söhne des Thales“ und einige Jahre später „Das Kreuz an der Ostsee“. (Die bibliographischen Titel seiner Werke folgen auf Seite 82.) Werner selbst nannte beide Schöpfungen seine Normal- und Meisterwerke, die sozusagen die Depots vorstellen sollten: jenes das seiner Ideen über menschliche Geselligkeit, dieses seiner religiösen Anschauungen insbesondere; gleichsam eine vollstimmige Symphonie, damit seine künftigen Arbeiten nur Variationen einzelner darin schon enthaltener Tacte sein dürften. Auch wendete er sich damals einem jungen Manne (Hitzig?), der als Referendarius bei der Warschauer Regierung angestellt war und den Dichter, zu dem er bewundernd emporblickte, als seinen Herrn und Meister ansah, in liebevoller Theilnahme zu und fand in dieser das, was er in seinen drei Ehen und im Verkehre mit Frauen jeder Sorte vergebens gesucht. Als dieser junge Freund dann nach Berlin versetzt wurde, nahm derselbe die oberwähnten zwei dramatischen Werke dahin mit und verschaffte ihnen in dem Buchhändler Sander einen Verleger. Mittlerweile trafen unseren Poeten zwei harte Schläge des Schicksals, welche er lange nicht verwinden konnte und, da sie an ein und demselben Tage über ihn gekommen, später in einer Dichtung verewigte, die das Datum dieses unheilvollen Tages trug. Der Zustand seiner in den letzten Jahren schon sehr leidenden Mutter, an deren Krankenlager er bereits 1801 mit seiner dritten Frau geeilt war, verschlimmerte sich immer mehr, und am 24. Februar 1804, am nämlichen Tage, an welchem sein Freund Mnioch das Zeitliche segnete, hauchte sie ihren längst getrübten Geist aus. Von diesem für ihn entsetzlichen Tage nahm er nun den Titel zu seinem späteren Schicksalsdrama: „Der 24. Februar“. Nachdem er den Nachlaß der Mutter, der ihn in den Besitz eines Vermögens von etwa zwölftausend Thalern brachte, geordnet hatte, kehrte er im Frühjahr 1804 wieder auf seinen Posten in Warschau zurück. Indessen richteten seine mittlerweile erschienenen Dichtungen die Aufmerksamkeit auf ihn und trugen dazu bei, daß er im folgenden Jahre 18053 als geheimer Secretär zum neu-ostpreußischen Departement in Berlin berufen wurde. Die Sache aber hatte folgenden Zusammenhang. Schiller war 1804 nach Berlin gekommen, um dort, da ihn die knappen Verhältnisse in Weimar wenig befriedigten, eine bessere Stelle zu finden. Als er bei einem Zusammentreffen mit Iffland denselben um Lecture bat, erhielt er Werner’s für die Bühne bearbeitetes Stück „Die Söhne des Thales“, das eben als Manuscript eingelaufen war. Er nahm es mit, las es, auf das lebhafteste [75] gefesselt, die Nacht hindurch und empfahl am nächsten Morgen, als er bei Iffland wieder vorsprach, demselben den Autor auf das dringendste. Durch Iffland kam der Name des Dichters in weiteren Kreisen herum. Staatsminister von Beyme sprach über den Verfasser mit Staatsminister von Schrötter, dem die maurerische Tendenz der Dichtung schon früher angenehm aufgefallen war, und Werner wurde ohne sein eigenes Zuthun von Warschau nach Berlin versetzt, wohin er am 14. October 1805 reiste. Dort eröffnete sich ihm eine neue Welt, welche bei dem vorherrschend polnischen Publicum in Warschau für den deutschen Poeten nicht zu finden war. Nicht nur im Hause seines Ministers Schrötter, seines Verlegers Sander und bei anderen geistig hochstehenden Familien fand er die gastlichste Aufnahme, er knüpfte auch freundschaftlichen Umgang an mit Männern, welche zu den Koryphäen des Geistes in dem damaligen Spree-Athen zählten, mit Johannes von Müller, Fichte, Hirt, Schadow, Uhden, mit den Künstlern der Berliner Bühne, namentlich mit der Unzelmann-Bethmann, und da seine Berufung weniger des Dienstes wegen, sondern um einem ausgesprochenen Talente Gelegenheit zur Entfaltung zu bieten, erfolgt war, sah er sich auch amtlich wenig beschäftigt und lebte dieses letzte Jahr vor der feindlichen Invasion – denn am 14. October 1806 ward die unglückliche Schlacht von Jena geschlagen – ganz seiner Muse und schuf das berühmte Stück: „Martin Luther oder die Weihe der Kraft“. Mit seiner Aufführung erlebte das Schauspiel, in welchem Iffland Luther’s Rolle spielte, einen so sensationellen Erfolg, daß dieser berühmte Mime mit dem Manuscripte von Stadt zu Stadt reiste und es dem Publicum Abends öffentlich vorlas. Als aber im October 1806 die siegreichen Franzosen in Berlin einrückten und es zur Trennung Süd- und Neu-Ostpreußens vom preußischen Staate kam, wurden zu gleicher Zeit die Dienstverhältnisse sämmtlicher bei diesen Departements angestellt gewesenen Beamten, also auch Werner’s aufgelöst. Im Dichterruhme schwelgend, vernachlässigte er seine dritte Frau, die er 1801 in Warschau geheiratet hatte, und die von Allen, so sie kannten, als liebenswürdig geschildert wird. Die Folge davon war die Auflösung der Ehe, welche mit Einwilligung beider Theile geschah. Nun fesselten ihn weder Dienst noch Familienbande, und nachdem er noch den Winter 1806 in Berlin geblieben, ging er im Sommer 1807 auf Reisen. Zunächst besuchte er Prag und Wien, von welchen beiden Städten er sich sehr angezogen fühlte, im Spätherbst begab er sich über München, wo er Jakobi’s und Schelling’s Bekanntschaft machte, nach Frankfurt a. M., Köln, dann nach Gotha, wo er bei dem geistvollen Herzog freundliche Ausnahme fand, endlich nach Jena und Weimar. In letzterer Stadt verstand er es sogar, Goethe’s, der sich fremden literarischen Persönlichkeiten gegenüber gewöhnlich sehr zugeknöpft verhielt, Theilnahme zu erregen, fand beim Herzog Karl August huldvolle Aufnahme und blieb drei Monate daselbst. Im Frühjahr 1808 kehrte er nach Berlin zurück, wo er den Einzug Napoleons sah. Von dort reiste er im Sommer in die Schweiz, traf bei einem Sonnenaufgang auf dem Rigi mit dem damaligen Kronprinzen von Bayern, Ludwig, zusammen und lernte durch ihn dann bei dem schweizerischen Volksfeste zu Interlaken die berühmte Madame Staël [76] kennen. Vier Monate hatte er – meist zu Fuß – die Schweiz durchwandert, nun ging er im Spätherbste 1808 nach Paris, von wo er aber bereits im December nach Weimar zurückkehrte. Um diese Zeit ließ er seinen „König der Hunnen Attila“ erscheinen, der aber nach den demselben vorangegangenen Werken das Interesse, das für Werner im Publicum in hohem Maße sich gesteigert hatte, einigermaßen abschwächte. Im Frühling 1809 verlieh der damalige Großherzog von Frankfurt, Fürstprimas von Dalberg, dem Dichter eine Pension, deren Fortsetzung später der Großherzog von Weimar, Karl August, gewährte. Auch entstand in diesem Jahre infolge eines Wettkampfes mit Goethe ein sogenanntes Fluch- und Segensgemälde im begrenzten Raume nur eines Actes, der in der Literaturgeschichte wie ein Markstein dastehende „24. Februar“, der eine förmliche Fluth von Schriften ins Leben gerufen. Zu der vorerwähnten Pension des Großherzogs gesellte sich im nämlichen Jahre die Verleihung des Hofrathstitels von Seite des Großherzogs von Darmstadt; man sieht, Werner war eine vielumworbene gefeierte Dichtergröße. Im Sommer genannten Jahres begab er sich wieder in die Schweiz, wo er vier Monate auf dem Landgute der Madame Staël in Coppet verweilte und auf ihren Rath und durch ihre Vermittelung im November über Turin und Florenz nach Rom reiste, wo er am 9. December ankam. Ueber vierthalb Jahre, bis zum 22. Juli 1813, blieb er in der ewigen Stadt, in welcher sein Gedicht auf Königin Luise und seine Tragödie „Wanda“ entstanden. In der Zwischenzeit – am 19. April 1810, nicht erst 1811, wie es meistens angegeben wird – trat er zur katholischen Kirche über und legte sein neues Glaubensbekenntniß in die Hände des Professors der Theologie am Collegium Romanum, des Abbate Don Pietro Ostini nieder. Wie er selbst berichtet, wurde er durch „Die Nachfolge Christi“ von Thomas a Kempis, welche er nach der heiligen Schrift den Kern aller Bücher nannte, vorzüglich dazu bestimmt. Er trat eines Tages, noch als Protestant, in die Peterskirche und sank am Grabe des h. Petrus, auf die Knie. Da nahm er das Werk des Thomas a Kempis, das er bei sich hatte, aus der Tasche. Zufällig schlug er das 53. Capitel des 3. Buches, das einzige des ganzen Werkes, auf, in welchem Thomas a Kempis von dem h. Petrus redet. Bei Durchlesung dieses inhaltreichen Capitels fühlte er sich tief ergriffen und es war ihm, als gehe erst ein Licht im bisherigen Dunkel seiner Seele auf. Nun ging er wegen seines künftigen Lebens mit sich zu Rathe und begann – damals bereits 43 Jahre alt – Theologie zu studiren. Im Sommer 1813 verließ er Rom. In Loretto erflehte er den Beistand der Gnadenmutter für sein Vorhaben, dann ging er nach Paris, wo er gegen sich selbst – als Widerspiel seiner gefeierten Dichtung: „Weihe der Kraft“ – die „Weihe der Unkraft“ schrieb; dann begab er sich nach der alten Krönungsstadt Frankfurt, wo ihn der Durchzug des Heeres der Verbündeten zu dem Kriegslied für die in den heiligen Kampf Ziehenden und zu einem Te Deum zur Feier der Einnahme von Paris nach dem ambrosianischen Hymnus begeisterte. Nun begab er sich nach Aschaffenburg, wo ihm sein Gönner Fürstprimas Erzbischof von Dalberg im Jänner 1814 die Aufnahme ins Seminar gewährte, in welchem er, nachdem er bereits in Rom mit den einzelnen [77] theologischen Disciplinen sich vertraut gemacht hatte, nur noch das Ritual des katholischen Kirchendienstes studirte und am 16. Juni 1814, im 46. Jahre seines Alters von dem damaligen Suffragan des Erzbischofs, dem Weihbischof von Kolborn, die Priesterweihe empfing. Ende August 1814 ging er von Aschaffenburg nach Wien, wo sich indessen der Congreß versammelt hatte. Daselbst ward er ohne sein Zuthun zum Predigen aufgefordert. Die Seltsamkeit seiner äußeren Erscheinung, das Entflammende, Hinreißende seines Vortrages, ein sozusagen milder Fanatismus, der sich durch alle seine Reden zog, verbunden mit dem Aufsehen, das sein religiöser Umschwung, das Entsagen allen weltlichen Ruhmes, der ihm als bedeutendem Poeten reichlich zutheil geworden, in allen geistig höher stehenden Kreisen hervorbrachte, trieb Alt und Jung, Hoch und Nieder zur Kirche, in welcher der vom Lutherthum Abgefallene, für die katholische Kirche neu gewonnene Priester das Gotteswort verkündete. Vornehmlich lag er dem Predigtamte ob, und zwar den Winter über meist in Wien, im Sommer in den anderen Provinzen der Monarchie, in den Erzherzogthümern, in Steiermark, Ungarn, sogar in Venedig. In dieser Zeit erschienen sein Schauspiel: „Die h. Kunigunde“ und das bereits 1809 aufgeführte erwähnte einactige Drama „Der 24. Februar“ in Druck. Man hatte, um den Abtrünnigen im katholischen Publicum zu verdächtigen und ihm sonst den betretenen Weg zu erschweren, allerlei Lügen ersonnen und Verdächtigungen gegen ihn vorgebracht, so unter anderen, daß er früher protestantischer Prediger gewesen; und in der That war sein Auftreten im Predigtamte vor einem so leicht beweglichen und erregbaren Publicum, wie das Wiener, keine geringe Aufgabe. Aber er ließ sich nicht irre machen. Gewappnet mit einem Gleichmuth gegen allen Erfolg oder Mißerfolg, ging er an seine Aufgabe und löste dieselbe wider alles Erwarten, indem sein aus den gewähltesten Zuhörern bestehendes Publicum durch die Macht seiner Beredtsamkeit ihm mit Andacht und Hingebung lauschte und mit jedem neuen Auftreten des Predigers der Andrang sich steigerte. Der Frühling 1816 gewährte ihm durch den Antrag in Wien gewonnener Freunde eine längere Erholung, die er bei der Anstrengung der vorangegangenen Jahre dringend bedurfte. Er begab sich nämlich auf den in Podolien gelegenen Landsitz der gräflichen Familie Choloniewski und verweilte daselbst ein volles Jahr. Da wurde ihm eine neue Auszeichnung zutheil, indem ihn der Bischof Mackiewicz in das altehrwürdige Capitel der Kathedrale von Kamieniec podolski im Frühling 1817 als Ehrendomherrn, jedoch ohne Residenzpflichtigkeit und Gehalt aufnahm. Nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich in Wien mit Herausgabe einiger theologischer Werke, über welche er in seiner Vorrede zu Silbert’s 1822 ebendaselbst erschienenen Uebersetzung der Nachfolge Christi von Thomas a Kempis nähere Aufklärung gibt. Im Jahre 1819 gewährte ihm der damalige Fürsterzbischof von Wien Graf von Hohenwarth Aufnahme in sein Haus. Daselbst lebte Werner, ohne je ein eigentliches Kirchenamt oder eine sonstige Anstellung zu bekleiden, ganz einer geistlichen Vertiefung in sich selbst hingegeben und im innigen Verkehre mit ihm gleichgesinnten Männern, von denen Antonin Franzoni, Hoffbauer, Friedrich Schlegel, Herr von Pilat und Graf [78] Széchényi vor Anderen genannt seien. Aber der anstrengende Predigtdienst, den Werner unter allen Umständen verrichtete, ob er sich wohl oder unwohl fühlte, griff auch seinen stahlharten Körper an. „Die Mutter der Makkabäer“, sein letztes Werk, hatte er im Jahre 1820 beendigt, und immer im Predigtamte mit einer bewunderungswürdigen Ausdauer thätig, begann er im Herbste 1821 sich so leidend zu fühlen, daß sein Zustand nicht mehr als vorübergehende Kränklichkeit gelten konnte, sondern als die ernste Krankheit sich erwies, die dem unausbleiblichen Ende zuführt. Aber noch raffte der willensstarke Mann sich auf. Als er zu Ostern 1822 bereits nahe dem Grabe war, brachten ihn seine Freunde vorerst nach Baden nächst Wien und dann nach Enzersdorf, einem anmuthigen, in Wiens nächster Nähe gelegenen, von frischer Waldesluft geschwängerten Landaufenthalte, wo er sich einigermaßen erholte. In dieser Zeit faßte er mit einem Male den Gedanken, in den damals eben erneuerten Redemptoristenorden – von dessen Stifter Alphons Liguori auch Liguorianerorden genannt – der in einem Theile des Wiener Publicums sich einer ungemein günstigen Aufnahme erfreute, einzutreten. Aber nur für kurze Zeit hatte er das Ordenshabit angelegt; als er eben daran war, das Noviziat anzutreten, legte er das Ordenskleid wieder ab und schied ganz aus der Congregation, in welcher Clemens Hoffbauer, der Stifter derselben für Oesterreich, sein intimster Freund war, dem er wie ein Knabe gehorchte. Die Ursache dieses auffälligen Schrittes ist nie recht klargelegt worden. Es hätten sich, wie es von einer Seite hieß, seine Ansichten vom Wesen geistlicher Ordensverbindungen mit einem Male geändert; nach Anderen wäre sein sich verschlimmernder Gesundheitszustand Ursache gewesen. Daß keiner der beiden Gründe stichhältig, leuchtet Jedem ein, der mit Werner’s innerem Wesen, das ziemlich klar, ja unverschleiert vor uns liegt, einigermaßen vertraut ist. Im Orden konnte Werner seinen geistliehen Pflichten nicht strenger nachkommen, als er es überhaupt und zu einer Zeit that, als sein Körper schon gebrochen war und sein Leben nur noch an einem Faden hing. In der Fastenzeit führte er in seinem letzten Leidensjahre seine Predigten dreimal in der Woche bis zum Schlusse durch und übte den aufreibenden Dienst in dem immer zahlreich besuchten Beichtstuhl. Als man ihm von allen Seiten zu Gemüthe führte, sich doch zu schonen, entgegnete er in ernster Ruhe: „Es geziemt einem echten Streiter, auf dem Schlachtfelde zu sterben.“ Der letzte seiner Vorträge fiel auf den Sonntag Epiphaniae, den 5. Jänner 1823. Noch war, wenn er von der Kanzel sprach, von seinem Zustande wenig zu bemerken. Auch an diesem Tage predigte er, wie immer, mit hinreißender Kraft. Aber als er heimkam, legte er sich zu Bette und verließ es nicht mehr. Die in Auflösung begriffene Lunge hatte ihren letzten Dienst gethan. Aber Werner, der die Hoffnungslosigkeit seines Zustandes genau kannte, behielt seine volle Gemüthsruhe, sah mit ungetrübter Fassung seinem Ende entgegen; bereits körperlich unfähig, etwas zur Labung oder Erquickung zu sich zu nehmen, blieb er sich gleich, bewahrte Witz und Laune und brachte seine Umgebung mit seinem heiteren Gemüth über die Trauerscene hinweg, die sich ihren Blicken darbot. Am 12. Jänner – an einem Sonntage – empfing er die letzte Oelung, vier Tage darauf errichtete er noch ein Codicill zu [79] seinem im Sommer des verflossenen Jahres niedergeschriebenen Testamente. Im Uebrigen beschäftigte er sich in seinen letzten Tagen vorherrschend mit Gebet und war so in dasselbe vertieft, daß, wenn er sich vorbeten ließ, was öfter mehrere Stunden hintereinander dauerte, weder ein Besuch, noch etwas Anderes in seiner Andacht ihn zu stören im Stande war. Seine letzten Augenblicke waren leicht. Den Tag vor seinem Tode befand er sich am Abend so gut und wohl, daß er gar nicht zulassen wollte, daß Jemand bei ihm wache. Der Diener, an welchem die Reihe des Wachens war, saß am 17. Jänner zwischen drei und vier Uhr Morgens, nichts Uebles besorgend, eine geraume Weite an Werner’s Bette, in der Meinung, daß derselbe im Schlummer liege, und verhielt sich ganz ruhig, um ihn nicht zu wecken. Als er aber das Athemholen völlig vermißte, rief er sofort mehrere Personen herbei, und es fand sich, daß der Leidende schon vollendet hatte. Werner’s Uebertritt zum Katholicismus hat seinen Dichterruhm völlig vernichtet, und doch ist Werner als dramatischer Dichter Goethe und Schiller ebenbürtig. Seine Dramen sind trotz ihrer formellen Gebrechen Schöpfungen eines gewaltigen Dichtergeistes und wurden nur von der protestantischen Kritikerclique Norddeutschlands mit Unrecht zurückgedrängt. Daß er selbst Alles: Wohlleben, Dichterruhm, Liebesglück für eitel erklärte, nimmt ihm vom Dichterruhme, der ihm gebührt, kein Tüpfelchen; im Gegentheile, Werner bleibt in der Sturm- und Drangzeit der deutschen Literatur immer eine ihrer hervorragendsten Größen. Wir haben in den Quellen, um unsere ganze Unbefangenheit zu wahren, die Urtheile jener Literaturhistoriker Deutschlands über ihn angeführt, die eben als Stimmführer in literarischen Sachen zu gelten pflegen, wenngleich wir beifügen müssen, daß wir ihnen ganz und gar nicht in Allem beipflichten. Daher lassen wir als Schluß dieser Skizze die Worte eines Poeten folgen, der Werner nahe steht, wenn ihn dieser auch um mehr als Manneshöhe überragt. Wir meinen Matthäus von Collin, der über unseren Poeten schreibt: „Wenn von Mysticismus die Rede ist, wie er bei Werner erscheint, wird man ihn berücksichtigen müssen, weil er ernstlich und treu gemeint ist. In diesem reich ausgestatteten Dichter findet sich das Bestreben, über das Gegebene und Willkürliche hinweg zu gehen und die eigentliche Handlung in eine fremde, geistige oder wunderbare Welt zu versetzen und in so vollem Maße, daß, seit dramatische Kunst besteht, ein Versuch dieser Art nicht unbekümmerter gewagt worden. Ebenso bezeichnend ist das Gewicht, welches er auf einzelne Charaktere legt, um das Ganze darüber zu vernachlässigen. Wer darf aber leugnen, wenngleich seine dramatischen Dichtungen mehr, als die irgend eines anderen zum Dichter wirklich geweihten Zeitgenossen, die Schwäche der Zeit verrathen, daß er durchaus nur in einem edlen Streben um die Kunst bemüht gewesen und auch gewohnt, Außerordentliches zu leisten! Die Hauptvorwürfe, die man ihm machen kann, sind, daß seine dramatischen Figuren nur als Mittel irgend einer mystischen Anschauung dienen, die ihrer Natur an sich fremd ist; daß er ferner in der Anwendung der Mystik vorzüglich darin fehlte, daß er die Dunkelheit aufsuchte, um in ihr mit Lust unterzutauchen, während der Mystiker im wahren Sinne des Wortes, dem die Welt ein Unbegriffenes ist, über welches ihm das ewige Licht in ahnungsvoller [80] Dämmerung leuchtet, aus dieser Dunkelheit des Seins durch stufenweise Aufhellung heraufstrebt; endlich, daß er gewohnt war, seine dramatischen Gestalten plötzlich an irgend eine willkürliche Idee zu verrathen, die ihn übermeisterte, und sie von dem vollen Leben, in dem sie wandelte, hinabzustürzen zu den Schattengestalten leerer Traumgebilde. Dagegen muß schon das allein für Werner eine günstige Idee erwecken, daß er zu derselben Zeit, wo Schiller das Theater beherrschte, nicht allein der Erwägung, sondern der Liebe werth gefunden wurde. Er hatte in der ersten Auflage der „Söhne des Thales“ so viel historischen Sinn im Drama gezeigt, von großartiger Charakteristik und einer glänzenden, zwar eigentlich Schiller nachgebildeten Sprache unterstützt, daß man das mystische Ende gern übersah, um sich an dem, was die Natur an dem Dichter geleistet, zu erfreuen. Später hat er, in seltener Mißkennung seines poetischen Berufes, die Poesie nicht mehr in der Wahrheit des Lebens, sondern in gewissen Ideen von Liebe und Einklang der Seele suchen wollen, die, durchaus in keinem großen Sinne aufgefaßt, auf Folgesätzen beruhten, welche aus einer nur einseitigen, daher mangelhaften Betrachtung des Verhältnisses der im Irdischen befangenen Menschenwelt zu einer höheren geistigeren hervorgingen. Er selbst hat sich späterhin auf das heftigste gegen seine eigene Arbeiten erklärt und sich durch die Last der über sie mit Erbitterung gewälzten Vorwürfe tiefer herabgewürdigt, als es Freund oder Feind thun mochte. Die nach dieser Nichtigkeitserklärung erschienenen Arbeiten sind aber, was den Charakter der Kunst anbelangt, in demselben Geiste wie die früheren verschmähten geblieben. Wie sehr auch einen anders Gesinnten die falsche Mystik der Werner-Tragödien feindselig berühren mag, so ist dennoch in ihm die Grundlage eines wahrhaft großen dramatischen Dichters nicht zu verkennen, und wenn er es zur Zeit über sich gewann, die Natur, wie sie ist, als eine unendliche Offenbarung des Höchsten zu ehren und ihr nicht die eigene Ansicht unterzuschieben, so lieferte er Bruchstücke einer so erhabenen Art, daß jedes dichterische Gemüth durch sie angeregt werden muß. Er ist auch in seinen Fehlern eine bedeutende Erscheinung der Zeit geworden und mit Heinrich von Kleist in der Hinsicht verwandt, daß Beide gern den einfachen Sinn der Handlung, der eben immer auch der tiefste ist, verschmähen, um ihr eine schlechterdings willkürliche Deutung aufzuzwingen.“ –Werners Uebertritt zum Katholicismus wurde von Seite der Protestanten nicht nur auf das heftigste angegriffen, sondern man hat diesen Schritt auch benützt zur Erfindung von Lügen, zur Ausstreuung von Verleumdungen und Alles dazu gethan, infolge dessen Werner’s verdienten Dichterruhm zu schmälern. Einer seiner Freunde, wenn wir nicht irren, der nachmalige Criminalrath und als Schriftsteller vielgenannte Hitzig, hat versucht, auch über diesen Punkt das Publicum aufzuklären. Werner, meint er, war, wie aus dessen Briefen, die sein geheimstes Innere schonungslos aufdecken, zu schließen, ursprünglich mit so gesundem religiösen Sinne begabt, als es der für das Leben und die Kunst in ihm war. Daß er die natürliche Straße verschmähte und die verschiedensten Wege einschlug, um einem Ziele nachzustreben, das ihm nie klar vor der Seele schwebte, und wie er darum in verschiedenen Lebensperioden und Lagen chamäleontisch [81] die Farbe wechselte, mag aus einer geistigen Unruhe abzuleiten sein, die in ererbten Anlagen wurzelte. Der allgemeinste Ausdruck, den er für sein Ziel brauchte, war Erwärmung der Menschheit, vermittels einer von ihm willkürlich gesetzten Dreieinigkeit von Kunst, Religion und Liebe, und die Wege, auf denen er es anfänglich zu erreichen hoffte, waren Poesie und Maurerei; nächstdem eine freie gesellige Verbindung edler Freunde zu diesem höchsten Zwecke. Als er aber gewahr wurde, wie wenig selbst ein mit hohem Beifall aufgenommenes dichterisches Werk, wie „Die Söhne des Thales“, das er seinen Freunden zuerst in der Handschrift mittheilte, eine Umschaffung der Ansichten, auch nur dieser in seinem Sinne, hervorzubringen vermochte, vorzüglich aber überall anstieß an den Hauptwall, den der Protestantismus aufgeworfen gegen den Sturmlauf der Religionsschwärmerei, in dem freien Vernunftgebrauch, schalt er diesen seinen angeborenen Glauben einen in seinen Grundsätzen zwar ehrwürdigen, aber dem Menschengeschlechte nicht angemessenen Drang eines durch keine Phantasie begrenzten Criticismus, der nur durch einen mittels der Maurerei geläuterten Katholicismus, durch eine neue Religion, durch Apostel im modernen Geschmack und Proselyten überwunden werden könne. Aber auch die Maurerei ließ ihn im Stiche, und nun warf er sich, ein Jahrzehnt später, nachdem er sich seinem Freunde gegenüber brieflich ausgesprochen und wie es scheint, der Idee entsagend, den Katholicismus zu läutern, gläubig in die Arme der auf dem ewigen Felsen begründeten Kirche, es als ein unverdientes hohes Glück betrachtend, in dieselbe aufgenommen zu werden. Bei diesem Glaubenswechsel war von einem persönlichen Vortheil nicht die Rede, er wechselte die Religion nicht, wie es etwa Juden zu thun pflegen, welche Protestanten oder Katholiken oder confessionslos werden, aber immer Juden bleiben, jedoch bei ihrem Confessionswechsel eine praktische Absicht verfolgen; davon war bei Werner nicht die Rede; er wechselte den Glauben, weil er in dem neuen ethisch das zu finden hoffte, was ihm der verlassene nicht gewährte; er wurde Katholik aus Ueberzeugung und um diese Ueberzeugung Anderen beizubringen, Prediger aus innerstem Drange seiner Seele. Wie er als Poet durch seine Dramen, die ihm, wie er selbst gesteht, nur als Vehikel dienten, seine religiösen Anschauungen ins Volk zu werfen, als Maurer in der unwandelbaren Eigenschaft des fleißigsten Logenredners, als Freund endlich durch einen mit seinen Freunden unterhaltenen lebhaften, aber immer auf sein Ziel lossteuernden Briefwechsel zu wirken strebte, so trat er durch eine innere Nöthigung, ohne von außen dazu eine Aufforderung zu erhalten, nach seinem Uebertritt zum Katholicismus sofort als Prediger auf, um von der Kanzel herab seinem Sehnen Luft zu machen und es offen auszusprechen, welch ein Heil ihm widerfahren, und die Gemüther seiner Zuhörer für das Reich zu gewinnen, das nicht hier, sondern im Jenseits zu suchen. Werner als Prediger ist verschiedentlich beurtheilt worden. Es fehlt nicht an Pamphleten, die aus Werner eine Caricatur machten. Gewiß aber ist es, daß er trotz seiner inneren Gläubigkeit, trotz seiner Begeisterung für eine heilige Sache, doch sich öfter zu weit hinreißen ließ und dadurch seinen Gegnern die Ruthe in die Hand drückte, womit sie ihn schlugen. Provocirte er vielleicht mit Absicht diese [82] Schläge? Nun möglich, denn an seinem Glauben war er ja unantastbar, so hielt man sich an seine Geberden, aber der Körper zerfällt in Staub und der Geist bleibt – ewig.

I. Uebersicht der Werke des F. L. Zacharias Werner nach ihren Originalausgaben. „Vermischte Gedichte“ (Königsberg 1789, Hartung, gr. 8°.). – Traité des Mésalliances trad. sur l’original de Conte A. A. C. de Lehndorf-Randels de latin avec des annotations pratiques par F. L. Z. Werner“ (Berlin 1792, Unger, 8°.). – „Die Söhne des Thales. Ein dramatisches Gedicht“. 1. Theil: „Die Templer auf Cypern“, nebst einer Beilage von J. E. Hitzig und Porträt (Berlin 1802; 2. Aufl. 1807; 3. Aufl. 1823, Sander). 2. Theil: „Die Kreuzesbrüder“ (ebd. 1804; 2. Aufl. 1807; 3. Aufl. 1823, 8°.). – „Die Kreuzfahrer. Ein dramatisches Gedicht. 1. Theil: „Die Pilgerin zum heiligen Grabe“. 2. Theil: „Die Vereinten am heiligen Grabe“. Mit KK. (Königsberg 1806; neue Aufl. ebenda 1817, Unger, 8°.). – „Das Kreuz an der Ostsee. Ein Trauerspiel“. 1. Theil: „Die Brautnacht“ (Berlin 1806, Sander, 8°.); 2. Aufl. 1823, 8°.), – „Martin Luther oder die Weihe der Kraft. Eine Tragödie’’. Mit Kupfern (Berlin 1807, Sander, 8°.). Neueste Ausgabe in Reclam’s Universal-Bibliothek Nr. 210; ins Dänische übersetzt: „Marten Luther eller Kraft ind vielsen. Tragoedie af Werner. Oversat af K. L. Rahbeck“ (Kbhvn. 1818, 8°.); ins Französische übersetzt in den von Ladvocat veröffentlichten „Chef d’oeuvres des théâtres étrangers“. – „Attila, König der Hunnen. Romantische Tragödie in 5 Acten“. Mit 5 KK. (Berlin 1808, Dümmler, 8°.; dasselbe, Ausgabe ohne KK. ebd. 1812). – „Klagen um seine Königin Luise von Preußen“, vierte Ausgabe (Rom 1810 [Haude und Spener in Berlin], 4°.). – „Wanda, Königin der Sarmaten. Eine romantische Tragödie in 5 Aufzügen“ (Stuttgart 1810, Cotta, 8°.). – „Kriegslied für die zum heiligen Kriege verbündeten Heere“ (Frankfurt a. M. 1813, 8°.). – „Theater“, 7 Bände mit Kupfern (Wien 1813–1820, Wallishausser), die Reihenfolge der Stücke ist ganz dieselbe wie in der späteren Grimma’schen Ausgabe der „Ausgewählten Schriften vom Jahre 1844“. – „Te Deum, zur Feier der Einnahme von Paris, nach dem ambrosianischen Hymnus mit dem Urtexte“ (Frankfurt a. M. 1814, Andreä, gr. 8°.). – „Die Weihe der Unkraft, ein Ergänzungsblatt zur deutschen Haustafel. Cum notis variorum, die besser sind als der Text“ (Frankfurt a M. 1814, Andreä, 8°.); dasselbe „nebst Antwort von einem Deutschen“ (Berlin 1814, Stuhr, 8°.). – „Der vierundzwanzigste Februar. Tragödie in 1 Act“ (Leipzig 1815; 2. Aufl. 1819, Brockhaus, 8°.). Neue Ausgabe in Reclam’s Universal-Bibliothek Nr. 107. [Eine Scene aus dem „24. Februar“ stand schon in Kannegießer’s „Pantheon“ 1810, Bd. I, S. 200 bis 201 abgedruckt. Ueber die Aufführung in Weimar am 24. Februar 1810 vergleiche Franz Passow im ebengenannten „Pantheon“ 1810, Bd. II, S. 179.] Ins Französische übersetzt in den von Ladvocat herausgegebenen „Chef d’oeuvres des théâtres étrangers“ unter dem Titel: „Le vingt-quatre février“; auch von Paul Lacroix: „Le vingt-quatre février, drame en un acte; traduit littéralement en vers“ (Paris 1849, Michel Levy, 18°.). – „Predigt vorgetragen bei dem jährlichen Dankfeste des Handlungs-Krankeninstitutes den 15. Mai 1815“ (Wien 1815, Gerold, gr. 8°.). – „Cunigunde die Heilige, römisch-deutsche Kaiserin. Ein romantisches Schauspiel in 5 Acten (Altenburg 1815 (Brockhaus m Leipzig) 8°.). – „Kein Katholik oder vom wahren und falschen Katholicismus“ (Göttingern 1815, Vandenhoeck und Ruprecht, 8°.). – „Geistliche Uebungen für drei Tage“ (Wien 1818, Wallishausser, 12°.). – „Die Mutter der Makkabäer. Tragödie in 4 Acten“ (Wien 1820, Wallishausser, gr. 8°.). – „Vorrede zu J. P. Silbert’s Uebersetzung des Thomas a Kempis von der Nachfolge Christi“ (Wien 1822). – „Die Posaunen des Weltgerichts. Eine Predigt. Herausgegeben von einem Freunde des Seligen. Mit Vorwort von J. G. Oettl“ (Würzburg 1825, Ellinger, 8°.) – „Nachgelassene Predigten. Gehalten in den Jahren 1814–1816° (Wien 1836, Wallishausser, gr. 8°.). – Ausgewählte Schriften. Aus seinem handschriftlichen Nachlasse, herausgegeben von seinen Freunden. Einzig rechtmäßige Gesammtausgabe in 15 Bänden (Grimma 1844, Verlagscomptoir, kl. 8°.). Inhalt. 1. bis 3. Band: „Poetische Werke“, herausgegeben von Jos. Baron Zedlitz, [83] 3 Bände: 1: Gedichte bis zum Jahre 1810; 2: Gedichte vom Jahre 1810–1823; 3: Geistliche Gedichte. Disrupta. 4. bis 10. Band: „Dramatische Werke“, 7 Bände: 1, und 2: Die Söhne des Thales, 2 Theile: Die Templer auf Cypern. Die Kreuzesbrüder; 3: Martin Luther oder die Weihe der Kraft. Historisches Schauspiel; 4: Das Kreuz an der Ostsee. Ein Trauerspiel. Wanda, Königin der Sarmaten. Eine romantische Tragödie in 5 Acten; 5: Attila, König der Hunnen. Eine romantische Tragödie in 5 Acten; 6: Der 24. Februar. Eine Tragödie in 1 Act. Cunigunde die Heilige, römisch-deutsche Kaiserin. Schauspiel in 5 Acten; 7: Die Mutter der Makkabäer. Eine Tragödie in 5 Acten; 11. bis 13. Band: „Ausgewählte Predigten“, 3 Bände. 14, und 15. Band auch unter dem Titel: Zacharias Werner’s Biographie und Charakteristik nebst Originalmittheilungen aus dessen handschriftlichen Tagebüchern, herausgegeben von Schütz. 2 Bände. Band 1–13 der obigen Ausgabe erschienen 1844 unter dem Titel: „Sämmtliche Werke“. – Werner’s Hauptwerke sind auch in Upsala 1813 und 1814 bei Em. Bruzelius – im Verein mit den meisten deutschen Schriftstellern – nachgedruckt worden. – Gedichte Werner’s finden sich im Morgenblatt, in A. Kuhn’s und Treitschke’s Musenalmanachen und in Erichson’s Musenalmanach. – Erzeugnisse seiner schwärmerischen Muse aus den letzten Jahren sind in dem von Emanuel Veith herausgegebenen 1823 bei Volk in Wien verlegten Taschenbuche „Balsaminen“ erschienen.
II. Porträts. 1) Nach E. Schnorr. G. Zumpe sc. (8°.). – 2) J. F. Schröter sc. (8°.). – 3) J. Ender sc. (Wien bei Artaria, 4°.). [Von Leuten, die Werner persönlich kannten, als das ähnlichste bezeichnet.] – 4) Dasselbe auch mit Nadelschrift. – 5) Holzschnitt. A. v. C. Lauer, mit Facsimile des Namenszuges. [Werner in jungen Jahren], auch in Heinr. Kurz’s „Geschichte der deutschen Literatur“ Bd. III, S. 468. – 6) Auf einem Blatte mit Heinrich IV. (Kaiser), Alba, Scribe, A. Dumas und Abraham v. St. Clara. Stahlstich von Karl Mayer’s Kunstanstalt in Nürnberg. Verlag von C. A. Hartleben in Pesth, kl. 4°.
III. Reliquien, Briefe, Gedichte u. dgl. m. Becker’s Taschenbuch zum geselligen Vergnügen (12°.), 1825, S. 392: „Werner’s Klagen um seine Königin Luise von Preußen. Rom 4. August 1810“. S. 401: „Aus Tina’s Stammbuche“. – L. A. Frankl’s Sonntagsblätter, 1847, S. 450: „Bisher ungedrucktes Gedicht von Zacharias Werner. An Signora Imperatrice Sessi“ [auch abgedruckt im Wiener „Fremden-Blatt“, 1867, Nr. 98]. – Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz. Herausgegeben von Gubitz[WS 1] (Berlin, 4°.) 1833, Nr. 93: „Reliquien von Zacharias Werner“. Zu Schiller’s Todtenfeier aufgeführt auf dem Theater zu Warschau 1805 [bisher ungedruckt]. – Derselbe, 1837, Nr. 2–17 und Nr. 64–71: „Briefe von Zacharias Werner“. [Es sind deren 16 Briefe, der erste datirt aus Warschau 1796, die folgenden aus den Jahren 1797, 1798, 1802, dann aus Königsberg 1803, 1804, dann wieder aus Warschau 1805 und der letzte aus Berlin 22. Februar 1806. Den Briefen geht das folgende kurze Vorwort voran: „Diese Briefe sind, wie leicht zu bemerken, an einen solchen Vertrauten geschrieben. dem man nichts, gar nichts verschweigt. Gleiches kann die Oeffentlichkeit nicht verlangen, und wir gestehen, daß wir Einiges – vielleicht nicht einmal genug – was Werner schrieb, ihr vorenthalten, obwohl wir auch hinzusetzen dürfen, sie verliere nichts Wesentliches dabei; denn diese Briefe, wie Jeder sehen wird, bleiben immer eine volle Charakteristik.“ Das ist auch wahr, und sie gestatten einen tiefen Einblick in das Seelenleben und den Charakter Werner’s, dieses Einen der merkwürdigsten Menschen, die es gegeben.] – Derselbe, 1840, Nr. 39: „An die Dichter“. Von Werner (aus seinem Nachlaß). – (Gräffer’s) Conversationsblatt (Wien, Wallishausser,. gr. 8°.) 1819, Nr. 45 und 46: „Scene aus der noch ungedruckten Tragödie: Die Mutter der Makkabäer“. – Joh. Val. Teichmann’s literarischer Nachlaß, herausgegeben von Franz Dingelstedt (Stuttgart 1863, Cotta) [enthält manches von Zach. Werner, so das am 25. December 1809 im Berliner Opernhause zur Feier der Rückkehr des Königspaares gedichtete „Friedenslied“ u. a.]. – „Werner’s Klage an seinen hochsel. Oberhirten und Wohlthäter (Siegmund Graf Hohenwarth, Erzbischof von Wien)“ in Seb. Brunner’s: „Clemens Maria Hoffbauer und seine Zeit“. S. 281. – „Clemens Maria Hoffbauer. In zwei Gesängen“. Von F. L. Z. [84] Werner, ebenda S. 287–312. – Zeitung für die elegante Welt, 1823, Nr. 196: „Sonett von Werner“. [Als in Königsberg „Die Söhne des Thales“ von Werner aufgeführt wurden, componirte auf dessen Wunsch ein ihm persönlich unbekannter Landsmann zu den lyrischen Stellen des Werkes Melodien. An den Compositeur dieser Stücke ist obiges Sonett Werner’s gedichtet.]
IV. Urtheile über Werner den Poeten. Goedeke über Zacharias Werner. „Es ist schwer“, meint Goedeke, „sich ein richtiges Bild von Werner zu schaffen, da Leben und Dichtung bei ihm in unversöhnlichem Widerspruch zu stehen scheinen. Seiner Zeit und dem Orte seiner Geburt entsprechend, begann er mit Gedichten im Sinne der damaligen Verstandesaufklärung und endete wie Brentano mit Schriften, die von den esoterischen Katholiken für ausgezeichnet und für mehr als correct erklärt wurden. Sein wildes liederliches Leben, das wie bei Brentano erst recht heraustritt, wenn man die tagebuchartigen Selbstbekenntnisse mit ihrer Mischung von sinnlichem Genuß und geistliche Uebung neben seine Biographie hält, scheint mit dem mystischen Katholicismus nicht zu stimmen. Aber wenn man nach Novalis Ausspruche, um büßen zu können, vorher sündigen, um sich mit Gott liebevoll zu versöhnen, vorher von ihm abfallen mußte, lebte Werner ganz correct, nur daß wir Protestanten und hoffentlich auch die unbefangenen Katholiken weder die Theorie noch die Praxis dieser Lebensphilosophie für zulässig erkennen. Früher schon wollte Werner, daß man in ihm den prosaischen Menschen vom poetischen unterscheide. Prosaisch sei er mit dem kältesten Denker einverstanden, daß Aufklärung des Verstandes und Veredlung der moralischen Freiheit die Hauptgüter der Menschheit seien, und daß die schönsten Bilder weder zur Erfüllung unserer Handlungspflicht hinleiten, noch von Erfüllung unserer Denkpflicht ableiten sollen; mit einem Worte, er trenne die hohe Moral ganz von der Aesthetik oder Disciplin des Schönen. Aber eben aus diesem Grunde mache er letztere auch nicht zur Dienerin der Moral oder der Humanität, welche beide er für hoch erhaben, aber für total prosaisch halte. Kunst und Religion sollten seiner Meinung nach das Herz wie ein Gefäß durch Anschauen des Schönen und des Universums nur reinigen so weit, daß es für die höheren Wahrheiten der Moral empfänglich sei, nicht dem Herzen diese Wahrheiten selbst „eintrichtern“, denn das wäre ein der Moral, die nur reine Motive brauche, unwürdiges Vehikel. Nun seien aber die Herzen der Alltagsmenschen kalt, sie müßten also durch Bilder des Uebersinnlichen erst entflammt werden, wie ein irdenes Gefäß ausgeglüht, ehe die reine Milch der Moral in sie gegossen werden könne. Das sei sein kurzes Glaubensbekenntniß über Kunst, die ihm nicht als flüchtiges Amusement; sondern als Leiterin durchs Leben gelte. Er setzte demnach die Kunst (mit Inbegriff der Dichtung) als eine Stufe der Moral voraus, während die der ganzen Menschheit nöthige Moral und deren göttliches Fundament vor aller Kunst wirken muß, da die Kunst nur die freiere Entfaltung des menschlichen mit der Pflicht im Einklange stehenden Lebens sein kann. Seine poetischen Arbeiten waren demgemäß nicht Ausflüsse einer in sich heiter geschlossenen Natur, sondern Zeugnisse eines unklar drängenden Strebens nach einem unklar dämmernden Ziele. Die Haupttendenz seiner „Söhne des Thales“ erklärt er (1802) für nichts weiter als für den Sieg des geläuterten Katholicismus mittels der Maurerei über den in seinen Grundsätzen zwar ehrwürdigen, aber dem Menschengeschlecht als solchem nicht angemessenen durchaus prosaischen Gang eines durch keine Phantasie begrenzten Criticismus. (Repräsentanten des ersteren sollen der Erzbischof und das Thal, Repräsentanten des letzteren Molay und die Templer sein.) Den geläuterten Katholicismus nannte er neun Jahre vor seinem Uebertritt seinen Götzen, dem er durch seinen Inquisitor Wilhelm von Paris ein nicht unwürdiges Opfer zu bringen hoffe. Diesen idealisirten Katholicismus hatte er, der damalige Protestant oder Kryptokatholik, sich erst zu schaffen, und sein Ideal wich weit ab von der Kirche. In poetischer Hinsicht nahm er nicht nur die Maurerei, sondern selbst manches von ihrer Geheimnißkrämerei, ja. wie er sich ausdrückt, den jetzt aufs neue Mode werdenden Katholicismus, nicht als Glaubenssystem, sondern als eine wiederaufgegrabene mythologische Fundgrube theoretisch und praktisch in Schutz und erklärte, daß allen europäischen Kunstgenuß und Kunstgeschmack allmälig der Teufel hole, wenn wir nicht zu einem geläuterten, keineswegs metamorphosirten Katholicismus. von dem wir ausgegangen, zurückkehren würden. [85] Und in diesem Sinne meinte er, könne sein Schauspiel ebenso gut eine Predigt heißen. Immerhin dann aber zunächst eine Capucinerpredigt (ist oft besser als eine salbungsvolle protestantische Kanzelrede, der nicht selten die Hauptsache, die Ueberzeugung fehlt), da sein idealisirter Katholicismus selbst nur ein Gemisch von christlichem und heidnischem Glauben und Aberglauben, von positiver Religion und phantastischen Extravaganzen war; neben einer christlich demüthigen Ergebung in den als höher und besser erkannten Rathschluß Gottes lag eine brutale Erlahmung menschlicher Willenskraft vor einer selbstgeschaffenen fatalistisch despotischen Weltordnung, nach welcher die Schuld auch an der Unschuld gerächt wird, gleichsam nur um ein Exempel überirdischer Machtvollkommenheit zu statuiren. Mit dieser Ansicht, die namentlich im „Vierundzwanzigsten Februar“ beleidigend (!) hervortritt, schuf Werner die Caricatur der Schicksalstragödie, die erst recht zu spuken begann, als Werner selbst bereits verschollen war.“ – Rudolf Gottschall über Zacharias Werner. „Werner’s wechselnde Lebensverhältnisse spiegeln sich in seinen Werken und bilden ziemlich scharfe Einschnitte in seine Entwicklung, die zuletzt in vollendete seraphische Poesie und Gedankenlosigkeit ausartete (?). Werner hatte ein ursprüngliches dramatisches Talent von realistischer Tüchtigkeit, die Gabe, Charaktere durch kleine Züge bedeutend hinzustellen, und wußte die scenischen Mittel ebenso phantasievoll zu beherrschen, wie in grandioser Weise in Anwendung zu bringen. So war er für die historische Tragödie vortrefflich organisirt, umsomehr als auch der Schwung des Gedankens und Andacht und Wärme des Gemüths, die Sehnsucht etwas Geistiges zu gestalten, in ihm lebendig waren. Aber gerade dieses Brüten des Gemüthes wurde bei ihm zur dämonischen Macht, die über seine Vorzüge gespenstisch übergriff, mit jedem Stücke mehr in den Vordergrund trat und zuletzt in einem Gemisch von Sang und Klang und phantastischem Bilderwust die Kraft der dramatischen Gestaltung erstickte... Werner hat offenbar von seiner Mutter den Keim einer Geisteskrankheit geerbt, die bei ihm nicht vollständig zum Ausbruch gekommen ist. aber doch seinem Talente die Spitze abbrach. Er liebte die epische Malerei selbst in den Decorationen. Das Gerüst der Werner’schen Dramen ist in der Regel großartig. jedoch mehr episch breit als dramatisch niet- und nagelfest. Er läßt stets mehrere Ströme der Handlung nebeneinander herlaufen, ohne sie zu einem Hauptstrome zu vereinigen. Es ist schwer, aus vielen seiner Dramen den eigentlichen Helden herauszufinden. Dagegen gibt es in allen Charakteren, in denen die Schiller’sche sittliche Energie sich zu einer Potenz erhebt, die an das Karikirte grenzt, Kraftmenschen, nicht im Sinne der Stürmer und Dränger, sondern im Sinne einer an die Barbarei grenzenden Strenge der Pflichterfüllung oder jener titanischen Größe des Strebens, für welche kein gewöhnlicher Maßstab ausreicht. In Werner liegt daher die Wurzel, aus der später die Grabbe’sche Richtung hervorging. Durch seine Art und Weise zu charakterisiren unterscheidet sich indeß Werner wesentlich von Schiller, indem er es liebt, das Realistische herauszukehren und die Naturseite des Menschlichen so reich zu dotiren, daß sie dem idealistischen Capitale das Gegengewicht hält. Bei Schiller sind die Helden durch das Feuer der sie bestimmenden Gedanken zu idealer Menschlichkeit geläutert; ihr erstes Auftreten schon zeigt das volle Gewicht ihres Wesens. Werner dagegen baut seine Charaktere allmälig auf aus einer Menge von Eigenheiten, und die geistige Einheit und Bedeutung der Persönlichkeit schimmert erst spät durch das festgebaute Gehäuse. Dies gibt indeß den Gestalten lebendige Wahrheit und dramatischen Kern, ja eine an Shakespeare erinnernde humoristische Originalität. Daher kommt auch in die Werner’schen Dramen eine frische dramatische Bewegung, ein anschauliches Leben, eine Fülle von Begebenheiten. die allerdings nicht immer Thaten sind, denen auch die straffe dramatische Einheit fehlt, die aber doch durch wirksame Bilder und Gruppen erfreuen. Die theatralische Drapirung der Werner’schen Tragödien übertrifft an Glanz und Pomp noch die Schiller’sche. Man denke nur an die Ausstattung des Templerordens und an die mystische Macht seiner Mysterien, an die geheimnißvollen Sitzungen der „Söhne des Thales“, an den Reichstag zu Worms und an die Scenen der Bilderstürmer im „Luther“, an die polnische Hochzeit und die Kampfscenen im „Kreuz an der Ostsee“, und man wird einräumen, daß Werner der deutschen Bühnenregie im scenischen Arrangement der Massenbilder und großer geschichtlicher und kirchlicher Tableaux, sowie im brillanten Aufgebot [86] von Costum und Decoration das Höchste zugemuthet, ohne die Grenzen der scenischen Möglichkeit zu überschreiten. Darin lag aber unmittelbar der Uebergang in das Opernhafte, das bei Werner noch durch die Neigung seines Gemüthes zum Phantastischen begünstigt wurde. In der That spielt der Gesang in den verschiedensten Abstufungen vom einfachen Volksliede bis zum Chorale und bis zu jeder Art der Kirchenmusik eine große Rolle in den Werner’schen Stücken, die sich zum Theil in die Oper auflösen. Die gespenstischen Gestalten und die verschiedenen Geister, die einmal nothwendig zum Rollenrepertorium seiner Stücke gehören, mußten ihre Geheimnisse musicalisch ausplaudern, da der Inhalt derselben zu bodenlos war, um sich in der gewöhnlichen dramatischen Weise aussprechen zu lassen. Bei Shakespeare sind die Geister dramatische Gestalten, haben ihre bestimmten Zwecke und greifen wesentlich in die Handlung ein. Die Werner’schen Geister aber sind um ihrer selbst willen da, legendenartige Figuren, die ihren eigenen Vergnüglichkeiten nachgehen. Sie tauchen aus einem mystischen Urgrunde auf, der wie eine zweite dunkle Welt hinter dieser ersten steht und sein Geheimniß nur in banger Ahnung den Gemüthern erschließt. Die klare Entfaltung des Lebens muß für ungenügend gelten, wenn sie nicht das Symbol für irgend eine ungekannte Tiefe ist. Daher das ewige Symbolisiren bei Werner, das Ineinanderschachteln von mysteriösen Einwirkungen, das Hineinragen einer Traumwelt und ihrer Phänomene in die wirkliche; daher seine Vorliebe für den geheimnißvollen Formalismus des Ordenswesens, für Alles, hinter dem sich viel suchen, bei dem sich viel denken läßt, wenn auch nie ein klarer und bestimmter Inhalt. Diese Geisterwelt mit ihren Geheimmitteln muß uns auch über die Rohheit der sinnlichen Martern hinwegheben, die von Werner mit großer Vorliebe und Virtuosität geschildert werden. Werner ist darin ein wahrer Hunne – auf einige Foltergrade mehr oder weniger, auf das Todtschlagen mit Keulen, das Zerren bei den Haaren, das Verbrennen in den Flammen, das Sieden in großen Kesseln u. d. m. kommt es ihm weiter nicht an; ja er wählt gern solche barbarische Stoffe, bei denen haarsträubende Gräuel ein unumgängliches Zubehör sind. Je gröber der Körper angepackt wird, desto feiner verhimmelt die Seele, desto mystischer ist ihre Ekstase. So hängt die Grausamkeit mit Wollust und Andacht zusammen. In der That ist Werner’s Geisterwelt nur eine raffinirte Sinnenwelt, in der sich das ätherisirte Bedürfniß in ekstatischer Weise ausspricht, denn das ist das Geheimniß aller mystischen Liebe. So bietet uns dieser Dramatiker das merkwürdige Schauspiel, das anscheinend Unverträgliche in sich zu vereinigen, eine derb naturalistische Charakteristik und eine sublimirt phantastische Tendenz.“ – Nun läßt Gottschall eine eingehende Prüfung der „Söhne des Thales“, des Dramas „Das Kreuz an der Ostsee“, des „Luther“, „Attila“, „24. Februar“ und der „Mutter der Makkabäer“ folgen. Wenn auch in Gottschall’s Urtheil die Voreingenommenheit des Protestanten nicht fehlt, so ist er doch duldsamer als der schonungslose Goedeke, gründlicher denn der als Literarhistoriker leichtfertige Laube und gründlicher als Wolfg. Menzel, der von seinem Standpunkte aus den katholischen Werner denn doch zu oberflächlich nimmt, wenn man auch in einer Literaturgeschichte nicht einen literarischen Essay fordern kann, wie ihn Eichendorff in seinem Werke „Die neuere romantische Poesie in Deutschland“ Werner in liebevoller Pietät (S. 118–161) widmet, auf das wir auch alle Freunde der Werner’schen Muse, als auf eine tief eingehende Charakteristik des Dichters verweisen wollen. – Heinrich Laube über Werner. „Bei diesem merkwürdigen Cyniker sind die Beziehungen zur romantischen Schule stärker. Feindlich, aber wahr beginnen sie in der ersten Hälfte seines Lebens, hingebend, ja sich verloren gebend in der zweiten Hälfte. Die Stürme einer nach Poesie ringenden Epoche zeigen sich an diesem leidenschaftlichen Manne grell, erschreckend und nach allen möglichen Seiten hin, er ist wie ein Compendium solcher schwerer Geschichtsepoche, und Druck, Papier und Einband desselben sind obenein von unreinlichster Art. Demüthige Anmaßung, hoffärtige Zerknirschtheit, Schwäche der stärksten Talentkraft, begeisterter Schwung der Ohnmacht toben und sterben in ihm wie Weihe der Kraft und Weihe der Unkraft in seiner literarischen Welt. Er beginnt im lustigsten, muntersten Unglauben, ein Zuhörer Kant’s, ein bakchischer Priester des sinnlichen Genusses, und er endigte als ascetischer Priester der katholischen Kirche. – Die Mutter Werner’s ist von großer Wichtigkeit [87] für dessen literarische und Charakterentwicklung. Schon in ihrem Schoße scheint er die Anlage zu allem Ungestüm, aller Kraft, allem Gegensatze, aller ungelösten Verwirrung empfangen zu haben. Sie war höchst begabt an Kraft des Geistes und des Gemüthes, konnte ebenfalls die große Begabung nicht im Gleichgewicht erhalten und verfiel in Gemüthskrankheit. Am 24. Februar starb sie. Es ist bekannt, daß eine Hauptschöpfung Werner’s, das kurze schauerlich ergreifende Drama. „Der vierundzwanzigste Februar“ hieß, und daß es zugleich die erste Schicksalstragödie war, welche so viel andere erweckt hat. Sie war der letzte Wurf seines erschütterten, aber noch ausdrucksvollen Talentes. – Ein Rest überlegener Unbefangenheit, dies echte Zeichen außerordentlicher Befähigung, soll ihm selbst in den überspanntesten Lagen seiner Lebensentwicklung geblieben sein. Als bußfertiger Redemptorist hat er den Humor nicht eingebüßt; ja dieser Triumph der Unbefangenheit soll auf dem Sterbebette noch lebendig gewesen sein. – In seinem „Kreuz an der Ostsee“ – Hoffmann hat eine Musik dazu geschrieben – drängt sich das religiöse Moment immer stärker, den Dichter selbst unterjochender hervor. Als er im Jahre 1805 nach Berlin versetzt war. schreibt er fürs dortige Theater seinen Luther, „Die Weihe der Kraft“, worin die Reformationsstiftung in eine auffallend phantastische Mystik versetzt war. Luther, in diesem Nimbus auf der Bühne, machte einen durchschlagenden Effect. – Was Heine einmal beiläufig über Hoffmann sagt, wo er dessen Poesie die Poesie des Fiebers nennt, das kann in weiterer Bedeutung auf diese beiden wilden Romantiker ausgedehnt werden. Sie repräsentiren die Romantik des Fiebers. – Hitzig hat Werner’s Biographie gegeben, und im „Gesellschafter“ waren 1837 viel Briefe mitgetheilt, in denen dies Werner’sche Gemisch von Hast, Unsauberkeit, genialem Drange und Unordnung in schlechtem Style auffallend genug sich darbietet. Werner’s Kraft großartiger Charakteristik, großartiger Wendung im poetischen Bereiche und Ausdrucke wird aber stets wie der lebensvoll grüne Ast eines von Wetter und Raupen zerstörten Baumes mahnen, der auf einem weitsehenden Kirchhofsberge steht.“ – Wolfgang Menzel über Zacharias Werner. Nachdem Menzel die Ausartungen der abergläubigen Poesie, welche aus der poetischen Wundersucht entsprang, geschildert und dargelegt, wie selbst ausgezeichnete Dichter, wie Goethe, Schiller, Jean Paul, und selbst die Tonkünstler, wie Mozart (in seiner „Zauberflöte“) von ihr eingesponnen wurden, bemerkt er: daß den höchsten Gipfel dieser Poesie Werner erreicht habe, der sie zur tragischen Würde zu erheben bemüht war. „Werner“, schreibt Menzel, „suchte diese Erhebung und Veredlung dadurch zu bewerkstelligen, daß er die Zaubermächte oder mystischen Gesellschaften, von denen die Leitung und Prüfung der Uneingeweihten abhängen sollte, geradezu in Delegirte Gottes verwandelte und das ganze Wunderwesen unter die religiösen Ideen der Vorsehung und Prädestination brachte. Dieser Mann besaß poetisches und noch mehr leidenschaftliches Feuer, aber vielleicht ein zu trockenes Gehirn, denn wer mag leugnen, daß es ihm ein wenig angebrannt war. Rettung suchend vor der im Innern ihn verzehrenden Glut, warf er sich in jenes Meer der Gnade, wo dergleichen arme Sünder gewöhnlich den irdischen Menschen ablegen, um den himmlischen anzuziehen. In seiner tiefsten Zerknirschung galt dem Dichter jetzt der Wahlspruch der Frommen: „Eigene Gerechtigkeit ist vor Gott ein scheußlich Kleid!“ in seiner ganzen Härte. Er erkannte, daß eigene That und Tugend eitel sei, daß der Mensch willenlos und blind den Schluß des Verhängnisses vollziehe, daß er zu allem seinem Thun und Leiden prädestinirt sei. Alle seine Gedichte verkündigen diese Lehre. Seine Helden werden am Gängelbande des Verhängnisses in das helle Reich von „Azur und Licht“ oder in das dunkle von „Nacht und Glut“ geführt. Eine mystische Gesellschaft übernimmt die irdische Leitung, und man kann darin ein Analogon der hierarchischen Tribunale nicht verkennen. Jene „Söhne des Thales“, jene mystischen Alten bilden bald eine heilige Vehme, bald unter einem allerheiligsten Aeltesten ein Inquisitionsgericht, und dieser Alte vom Thal und Berge kann wie der Großinquisitor in Schiller’s „Don Carlos von dem Helden der Tragödie jedesmal sagen: „Sein Leben liegt angefangen und beschlossen in der Santa Casa heiligen Registern. Die Helden sind von Geburt aus zu dem bestimmt, was sie thun und leiden müssen. Die einen sind Sonntagskinder, geborene Engel, die nach einigen Theaterpossen, nachdem sie wie Tamino durchs Feuer und Wasser gegangen sind, wohlbehalten [88] in den ihnen längstbestimmten Himmel einziehen. Das Schicksal spielt eine Zeit lang Verstecken mit ihnen, hier wird dem Auserwählten das geheimnißvolle Thal, dort die mystische Geliebte verborgen, und zuletzt wird ihnen die Binde von den Augen genommen. Der Schüler wird ein Eingeweihter und der Geliebte findet seine andere Hälfte; wären die beiden Leute auch noch so weit von einander entfernt, das Schicksal bringt sie zusammen, und sollte sich „der Nordpol zum Südpol beugen“ müssen. Da dem Helden auf diese Weise alle Freiheit genommen ist, so kann auch diese Art Poesie niemals zur tragischen Würde sich erheben, wie große Mühe Werner sich auch deshalb gegeben hat. Indeß mangelt es seinen Gedichten nicht an religiösem Tiefsinn und an einer gewissen Gluth der Andacht, besonders in den lyrischen Stellen, die ihnen außerhalb der Bühne einen Werth verleihen. Auch hat er fast immer nur die Lichtseite jenes Fatalismus aufgefaßt, sein einziges vollkommenes Nachtstück war „Der 24. Februar“.“
V. Werner und seine drei Frauen. Als Ergänzung zur Biographie fügen wir nach Werner’s eigenen Aufzeichnungen das Wichtigste über seine drei Frauen bei, die er selbst übrigens nur als ein wenig beachtenswerthes Beiwerk seines Lebens ansah, und über die er daher wie über etwas ganz und gar Gleichgiltiges hinwegging. „Im Jahre 1791“, schreibt Werner, „lernte ich im Winter in Königsberg eine H. aus Frankfurt a. d. O. kennen. Bis Johanni schleppte ich mich mit ihr als Maitresse. Um jene Zeit ging ich mit ihr durch, weil mein Herr Vetter C., der anfangs meinen Umgang mit ihr begünstigte, mich mit einem Male zum Gegentheil zwingen wollte. Ich zog zigeunermäßig und unter Lebensgefahr mit dem Weibe in einer Kibitke von Königsberg über Danzig, Thorn u. s. w. nach Warschau. Dort ward ich mit derselben eiligst und schleunigst getraut und kehrte dann mit ihr wohlbehalten nach Königsberg zurück.“ Nach der Schilderung seines wechselvollen Lebens während der Jahre 1792–1794 in Königsberg, Petrikau, Thorn, Plozk schließt er diese Episode mit seiner ersten Frau mit den Worten: „Meine Frau lebte in Plozk nach Herzenslust mit einem schlechten Komödianten W. Ich trennte mich daher gerichtlich von der mir unwerthen Creatur und gab ihr zur Abfindung ein kleines Capital – ... Ich fahre in meiner Leidensbiographie fort. Im Jahre 1799 ging ich nach Königsberg auf Urlaub. Zufällig lernte ich hier eine Demoiselle J., Tochter einer verwitweten Criminalräthin kennen, die eine Legion Liebhaber gehabt, angeblich auch noch einige tausend Gulden in bonis hatte. Man schaffte mir ihre Bekanntschaft; Alles ward darauf angelegt, uns zu verkuppeln und ich, aus Tollheit, aus Ekel vor dem Cölibat, halb auch (so tief war ich gesunken) aus Interesse, heiratete sie ohne alle Liebe. Bei ihr war es der nämliche Fall. Im November 1799 war unsere Hochzeit zu Königsberg. Es war eine jämmerliche Ehe, ohne Haß, ohne Liebe... Im Frühjahr 1801 ließen wir uns mit beiderseitiger Einwilligung von der Warschauer Regierung förmlich scheiden, wobei ich mein letztes väterliches Capital als Abtrag bezahlen mußte. Itzt war ich zwei Frauen und den Rest meines väterlichen Erbes los. Um eben diese Zeit ungefähr lernte ich eine achtzehnjährige Polin kennen, die Tochter eines Warschauer Schneidermeisters M..., ich liebte sie vom ersten Augenblicke, als ich sie sah, und ich, der zweimal geheiratet und sich getrennt hatte, liebte jetzt in meinem dreiunddreißigsten Jahre zum ersten Mal. Im August 1801 war unsere Hochzeit, und bis itzt (1804) ist sie das erste hauptsächlichste Glück meines Lebens. Außer meiner seligen Mutter kenne ich kein Weib – und ich habe sehr viele Weiber sehr genau kennen gelernt – von einer so glühenden Phantasie als meine itzige Frau u. s. w.“ Aber diese überschwengliche Leidenschaft war nicht von langer Dauer. Als er später ohne sein Zuthun nach Berlin versetzt worden war und dort bald der Löwe des Tages wurde, vernachlässigte er seine Frau so unbarmherzig, daß auf beiderseitigen Wunsch die Trennung der Ehe erfolgte. Man findet hie und da erwähnt, daß Werner aus einer oder der anderen seiner drei Ehen Kinder entsprossen seien, dem ist nicht so. Alle Ehen blieben kinderlos. Ueberhaupt scheint er über Frauen und die Ehe seine eigenen Gedanken gehabt zu haben; wenigstens erzählt man sich von ihm, daß er auf eine an ihn gerichtete Frage: weshalb es im Paradies keine Ehen gebe, entgegnete: „Weil es in der Ehe kein Paradies gibt“. Jedenfalls war er nach drei mißglückten Ehen competent zu einer Antwort auf diese Frage. [Blätter für literarische Unterhaltung, 1827, Nr. 1 und 2: „Zur Biographie des Dichters Werner“. (Der berühmte [89] oder wenn man so sagen will, berüchtigte Brief Werner’s ddo. Königsberg den 25. März 1804, in welchem der Dichter eine Beichte über sein bisheriges Leben mit schonungsloser Offenheit niederlegt).]
VI. Werner’s Testament. Mit einer Genauigkeit im Detail, welche weder mit der Zerfahrenheit und dem unsteten Wesen des Jünglings und Poeten, noch mit des nachmaligen Katholiken und Priesters Weltverachtung und Gleichgiltigkeit gegen alles weltliche Gut zusammenstimmt, hat Werner seinen letzten Willen zu Papier gebracht. Die Theilnahme, die man dem berühmten Domprediger in Oesterreich und vornehmlich in Wien entgegenbrachte, war so groß, daß nach seinem Tode sein Testament in einer besonderen Broschüre gedruckt und veröffentlicht wurde. Dasselbe, aus 22 Paragraphen bestehend, von denen der zweite 3 und der zwanzigste 8 Unterabtheilungen enthalten, ist in Enzersdorf bei Wien den 24. Juli 1822 geschrieben und mit des Dichters ganzem Namen und Charakter: Friedrich Ludwig Zacharias Werner, Priester und Redemptorist unterzeichnet. Der Nachtrag dazu trägt das Datum: Enzersdorf den 27. Juli 1822 und das Codicill das Datum: Wien am 16. Jänner 1823. Daran schließt sich eine testamentarische Zuschrift ddo. Florenz 24. September 1812 mit einem Motto, Symbolum und Trostspruch im Tode. Zum Erben seines Vermögens, das sich ohne die Prätiosen und sonstigen Werthsachen auf etwa 20.000 fl. in Silber belief, setzte er den Prior der Liguorianer ein. Da sich aber damals von seinen drei Frauen eine noch am Leben befand, so dürften, hieß es zu jener Zeit, die Gerichte der letzteren das Erbe zusprechen. In den Mittheilungen über sein Leben erscheint Werner als Liguorianer angeführt, er selbst schrieb sich im Testament Redemptorist, was ein und dasselbe ist. Er war thatsächlich in den Orden eingetreten, hat aber denselben wieder aus nie recht klar gewordenen Motiven verlassen. Die Armen bedachte er in seiner letztwilligen Verfügung nicht eben zu günstig, dagegen vermachte er zwei weiblichen Orden in Wien je 300 fl., den Capucinern in Wien 100 fl., den barmherzigen Brüdern daselbst 300 fl., und dem Priesterkrankenhause 100 fl. Seine Manuscripte, bestehend aus Predigten und geistlichen Uebungen, erhielt sein Wiener Verleger Wallishausser. Dos Legat für die Maria-Zeller Wallfahrtskirche erwähnen wir S. 92 g) unter der Rubrik „Werner’s goldene Feder“ noch besonders. Das ganze Schriftstück ist seiner Einzelheiten wegen nicht uninteressant. [Friedrich Ludwig Zacharias Werner’s letzte Lebenstage und Testament. Nebst einem hierher gehörigen, im Jahre 1812 zu Florenz begonnenen Aufsatze des Verblichenen (Wien 1823, J. B. Wallishausser[WS 2], 8°.).]
VII. Zacharias Werner’s Grab und Grabschrift. Der Dichter ordnete in seinem letzten Willen an, daß er auf dem Friedhofe zu Maria-Enzersdorf bei Wien, an der Seite seines Freundes Clemens Maria Hoffbauer, ehemaligen Generalvicars des Redemptoristenordens [Bd. IX, S. 154], beerdigt werde. Das Oelgemälde seiner seligen Mutter Luise Henriette sollte nebst den drei Schattenrissen seines Vaters, seiner Mutter und seiner Cousine mit in den Sarg gelegt werden. Auf dem Grabe wünschte er einen einfachen Stein mit folgender Inschrift: (das Zeichen des Kreuzes), dann: Friedrich Ludwig Zacharias Werner, | Priester aus der Versammlung zum allerheiligsten Erlöser, | geboren zu Königsberg in Preußen den 18. November 1768. | Zu Rom zum allein wahren allgemeinen Vaterglauben zurückgekehrt den 19. April 1811, gest. zu Wien den 17. Jänner 1823. | Gott sei dem armen Sünder gnädig! | Wanderer! bitte gütigst für seine arme Seele! | Lukas, C. 7, V. 47?! – (Unten eine zerbrochene Leyer). Das Fragezeichen der Inschrift deutet auf die Stelle in Lukas hin, welche den Wunsch ausspricht, daß der liebevollen Seele die Fülle der göttlichen Verheißungen zutheil werden solle.
VIII. Einige wenig oder gar nicht bekannte „geflügelte Worte“ von Zacharias Werner nach seinem Uebertritt zum Katholicismus. Gott prüft gewöhnlich durch Leiden, durch Schmerzen: Er prüft aber auch manchmal durch Freuden, durch Lust. – Der Weg der Vernunft, der Weg der Demuth und der Weg der demuthsvollen Entsagung führen zur Klarheit und die Klarheit führt zur Heiligkeit. – Den Sündenfall der ersten Menschen haben wir alle wiederholt, ein Jeder und eine Jede. – Der Tod des Gerechten ist ja eigentlich kein Tod; es ist nur ein Hinüberschlummern in die ewige Wonne. – Nach dem Himmel gibt es nichts Schöneres [90] und Trostreicheres als das Gleichniß vom verlorenen Sohne. – Was ist das ganze Menschenleben wohl anders, als ein Spiel der ewigen Liebe? – Die Ehre ist oft mehr als das Leben, weil Gott selbst, der edel und groß, die Ehre, die wahre Ehre ist. – Die bereuete Sünde ist das beste Opfer, das wir Gott bringen können. – Alle Philosophie kann nur die Räume angeben, innerhalb welcher das menschliche Denken gleichsam einlogirt ist. Die gesammte Weltweisheit vermag nur die Grenzen festzusetzen, über welche das menschliche Denken nicht hinüber kann. Das wissen die wahrhaft Gebildeten. – Das Gedicht Salomonis ist ein Gedicht, dessen Erklärung vielleicht einem anderen besseren, glücklicheren Zeitalter als unserem zerstreuten und verderbten, vorbehalten ist. – Die erste Thräne des reuigen Sünders, sie ist auch zugleich ein Blick ins Paradies. – Das Christenthum ist ein auf alle menschlichen Leiber passender dichter, warmer Kittel, der, je nachdem man ihn trägt, zum herrlichsten Purpurmantel werden kann. – Poesie ist der Versuch, dasjenige, was die philosophische Prosa nicht zu geben vermag, durch ein Bild in das Gemüth des Menschen zu werfen. Durch Poesie sind schon Tausende bekehrt worden. – Der Ochse liegt vor dem Lukas, wie Hermeneutik liegt vor der Offenbarung. – Wie kann man am besten das Wort Wehmuth erklären? Wehmuth ist Muth im Wehe, im Schmerz. – Das Christenthum oder die Theologie begreift in sich: 1. das Heldenthum, 2. die Physik, 3. die Geschichte, 4. die Philosophie und 5. die Poesie. – Die tiefsten religiösen Ansichten in späteren Jahren sind oft nur Resultate der ersten mütterlichen Erziehung. – Golgatha, das ist das wahre Lilienfeld, wo die Lilie Gottes, Jesus Christus, ewige Blüten getragen hat. – Der Mensch ist eine Blume des ewigen Lebens. – Der Papst ist der Stellvertreter nicht des dreieinigen Gottes, sondern ist der Stellvertreter des Gottmenschen Jesus Christus hier auf Erden. – Es gibt eine dreifache geistige Anschauung Gottes: 1. die Anschauung des kindlichen Glaubens, 2. der schmerzvollen Hoffnung und 3. der siegenden Liebe. – Der Körper des Menschen ist das Meisterwerk alles Sichtbaren, das Meisterstück der Schöpfung. – Der Glaube ist das Licht, die Vernunft das Auge. Und so wie das Auge ohne Licht nicht sehen kann, so kann auch die Vernunft des Menschen nichts erkennen, nichts ahnen ohne den Glauben.
IX. Werner s Mutter. Auf den Poeten übte unbedingt seine Mutter großen und nachhaltigen – ja wir geben es gern zu – geradezu unheimlichen Einfluß. Er scheint von ihr die Anlage zu allem Ungestüm, aller Kraft, all’ den Gegensätzen, die sich in seinem Lebenslaufe kundgeben, aller ungelösten Verwirrung, die sich in den Werken dieses großen Geistes ausspricht, empfangen zu haben. Nach dem Tode seines Vaters blieb er bis zu seinem 22. Jahre unter der Obhut seiner Mutter. Diese war die Nichte eines nicht unbegabten Poeten, Valentin Pietsch (geb. 1690, gest. 1733), eines geborenen Königsbergers, der zwar seine Muse in hohen Namenstags- und Festgesängen verzettelte, aber ein unleugbares poetisches Talent besaß, wie es seine von J. G. Bock 1740 herausgegebenen „Gebundenen Schriften“ an vielen Stellen bezeugen. Werner selbst nannte seine Mutter, der er übrigens manchen Kummer und manche schwere Sorge bereitet haben mag, eine reine heilige Kunstseele und Martyrin; Hippel, der Dichter der „Lebensläufe in aufsteigender Linie“, sagte von ihr, daß sie jeden Gegenstand mit Adlerblicken durchschaute, und auch Hoffmann, der Verfasser der „Serapionsbrüder“, gibt ihr das Zeugniß, daß sie mit Geist und Phantasie hochbegabt gewesen. Daß ihr übrigens der Sohn manchen und wohl schweren Kummer bereitete, ersehen wir aus seinen eigenen Bekenntnissen. So schreibt er 1804, bald nach dem Tode der Mutter, an seinen Freund: „Wie schwer liegen meine jugendlichen Vergehungen auf mir! Wie viel gäbe ich darum, sie noch eine Woche zu erwecken und mein gepreßtes Herz in Reuethränen zu entladen. Mein geliebter Freund! mache Deinen Eltern keinen Kummer! Ach, keine irdische Stimme weckt die Todten mehr. Gott und Eltern, das ist das Erste, alles Andere ist weniger!“ In ihrem besten Alter verfiel aber Werner’s Mutter in eine schwärmerische Gemüthskrankheit, von der sie nie genas, und in der sich der Wahn in ihr ausbildete, sie sei die Jungfrau Maria und ihr Sohn der Heiland der Welt. Diese Gemüthsart, diese geistige Verwirrung der Mutter blieb sicher auf den Sohn nicht ohne Einfluß, wenn sich derselbe auch nicht bis zum Irrsinn zuspitzte. In dem philosophisch [91] gebildeten protestantischen Dichter des „Martin Luther“ finden wir im Anbeginn keine Spur religiöser Schwärmerei, vielmehr gerade das Gegentheil von dem, als der er sich später wies, als eifernder katholischer Bußprediger, der seine Schreibfeder, als das Hauptwerkzeug seiner Verirrungen, seiner Sünden, seiner Reue der Schatzkammer der Mutter Gottes von Maria-Zell vermachte, damit sie dort Jedem als warnendes Zeichen seiner Verirrung gezeigt werde.
X. Einzelheiten. a) Werner’s Vierundzwanzigster Februar. Es ist gewiß interessant, den Ursprung dieses cultur- und literar-historischen Stückes zu erfahren, umsomehr, als wiederholt gedruckt zu lesen war, daß Werner den Stoff aus Abraham a Sancta Clara’s „Gemisch-Gemasch“ geschöpft habe. Nun, mir ist Abrahams in Rede stehendes Buch nicht zur Hand, aber diese Ansicht wird durch Werner und Hitzig, der mit Ersterem befreundet war, vollkommen widerlegt. Hitzig berichtet in einem aus Berlin im März 1841 datirten Briefe, wie folgt: „Als ich meinen Freund Werner im Frühling 1809 in Weimar besuchte und von dort mit ihm nach Jena hinüberfuhr, erzählte derselbe mir unterwegs: er habe neuerdings mit Goethe viel über die Aufgabe gesprochen, eine bedeutende Handlung dergestalt zusammenzufassen, daß sie nur einen Act fülle und dennoch klar motivirt und vollständig entwickelt erscheine. Das Ende der Besprechung sei gewesen, daß Beide sich vorgenommen, einen Versuch zu machen an einem tragischen und einem Stoffe zu einem Drama sanftrührenden Inhalts, einem Fluch- und einem Segensgemälde, wobei Goethe zu Werner die mir treu im Gedächtniß gebliebenen Worte sprach: „Das Fluchgemälde werdet Ihr besser machen als ich; das Segensgemälde mache ich besser als Ihr.“ Daß Goethe Hand an die Lösung der Aufgabe gelegt, davon ist nichts bekannt geworden, wohl aber machte sich Werner sogleich an die Arbeit. Zunächst an das Fluchgemälde, welches eben der „Vierundzwanzigste Februar“ ist (der Sterbetag seiner Mutter, für ihn vorzugsweise dies infestus in seinem Leben). Zum Segensgemälde hat er sich als Stoff Wilhelm Tell’s Tod gewählt, der nach einer Schweizersage erfolgte, als Tell noch im hohen Alter ein Kind aus dem Schöchenbache rettete, welches darin zu versinken drohte. Was nun das Stück „Der vierundzwanzigste Februar“ selbst betrifft, so erzählte Werner seinem Freunde die Begebenheit gerade so. wie sie in Vogl’s „Leipziger Annalen“ ausführlich mitgetheilt wurde, und fügte hinzu: er habe auch schon eine prächtige Oertlichkeit im Sinne, wo sich so Entsetzliches zugetragen haben könne, wobei er dann in ergreifenden Worten die Lage des Wirthshauses im Gasternthale schilderte, in welchem er auf seiner Schweizerreise im Sommer[WS 3] 1808 eine Nacht zubrachte, die einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht hat. – b) Werner’s selbstgeschriebene Biographie im Rahmen eines Sonettes. Im Herbst 1818, also fünf Jahre vor seinem Tode, schickte Werner einem Jugendfreunde in Königsberg in einem Briefe ein Sonett, das er seine Biographie und damaligen statum causae et controversiae in nuce nannte. Es heißt:

               Drei Bitten.
     Was ich auf Erden noch zu wünschen übrig habe,
Ist wenig, und ich will es Euch erzählen:
Um Ehr’ und Reichthum mag ich Gott nicht quälen.
Des Teufels Stricke sind der Stolz, die Habe.

     Nur Unschuld möcht’ ich wieder mir erwählen,
Doch nichts erweckt die, wenn sie ging zu Grabe;
Der ird’schen Liebe Taumelkelch, die Gabe
Von Gift, that sie dem Tode mir vermälen.

     Den Taumelbecher, ich hab’ ihn geleeret,
Auch das Gelüst zum Lorbeer ist geschieden,
Und matt von allem Gaffen, Rennen, Lärme,

     Bet’ ich nur um ein Winkelchen mit Frieden,
Und wo, wonach ich lechze, mir bescheeret
Die drei nur würden: Ordnung, Stille, Wärme.

c) Werner’s äußere Erscheinung. Es sind verschiedene Bildnisse Werner’s aus seiner Jugendzeit und seinen späteren Jahren vorhanden. Ein Profilbild stellt ihn in seinem 32. Jahre dar mit langem lockigen Haare und um die Schultern geschlagenem Mantel. Es ist kein Zeichner und Stecher genannt, doch möchte es wohl ähnlich sein. Ganz trefflich aber zeigt ihn als Priester ein Kupferstich von Gust. Zumpe, welcher in der von den Gebrüdern Schumann in Zwickau herausgegebenen Sammlung enthalten ist. Verschiedene Schriftsteller, Sebast. Brunner, Hitzig, Schütz und Andere, haben seine äußere Erscheinung mit Worten geschildert, das am meisten zutreffende Bild entwarf Andreas Schumacher. „Mir drang es“, schreibt derselbe „immer schon einige Achtung für einen Menschen ab, wenn er überhaupt an einer Ansicht hielt – und dieser Grund [92] würde mir genügt haben, Werner zu achten, wenn ich ihn auch nicht geliebt hätte. Und so erging es in der That Tausenden, die blos die Medisancen über ihn gehört, die nichts von ihm wußten, als daß er Komödien geschrieben und was das Fraubasengeschrei und Kaffeeweisheit ihrer Cirkel über ihn austrompetete. Er trat in unsere Mitte – nicht der fahrende Schüler war gekommen – der Glücksritter – und reisende Literat – der Länder beschaut und Völker mustert, um dann bei Hoffmann und Campe eine Broschüre drucken zu lassen: „Wien und die Backhühnel“ – oder „Wien, wie es ißt und trinkt“ u. s. w. Es war der ernste Mann mit dem eisernen Willen – es war der Prediger, der zur Buße mahnt – der alte Mönch Irner in Mitte des lebenslustigen Wien. Die gemeine Rotte erklärte ihn schlechtweg für einen Betrüger – die Mäßigen für einen Schwärmer – Wenige begrüßten ihn mit dem Herzen als einen jener kräftigen Geister, die, was sie als Recht erkannt, auch mit der That bestätigen müssen! Ich seh’ ihn noch – mit seinen schwarzen Locken – mit den tiefgefurchten Zügen und vorragenden Backenknochen – mit den dunklen Augenhöhlen, aus denen zwei blitzende Feuerräder gleich Pechfackeln aus dunkler Nacht hervorloderten! – So denkt man sich den Prediger der Wüste – der in das Gewühl der Stadt tritt – und das Volk zur Buße mahnt. – Und er mahnte das Volk zur Buße – und das Volk, das ihn verlacht, gelästert, hörte ihn und staunte und wußte nicht, was mit mit ihm geschehen – und die abgelebten Ungläubigen und die Wüstlinge und Witzbolde – die Lacher und Gaffer an den Straßenecken, die wahrlich nicht in die Kirchen gekommen, sich zu erbauen – sie hörten ihn und schienen versteinert – und das Volk von Wien brach in lautes Weinen aus und verließ den Tempel, den es so lebenslustig besucht, mit zerknirschtem Herzen, mit rothgeweinten Augen. So hab’ ich gesehen und erlebt im Jahre des Heils 1814.“ Uebrigens eine treffliche Charakteristik Werner’s und seines Verhältnisses zu Hoffbauer entwirft Sebastian Brunner in seinem Buche „Clemens Maria Hoffbauer“ S. 187 u. f. – d) Zacharias Werner und Goethe. Goethe brachte nur mit Widerstreben Werner’s Stück „Der 24. Februar“ zur Aufführung. Nachdem er sich aber einmal dazu entschlossen hatte, that er es doch wieder in seiner Art, und zwar erfolgte die erste Aufführung am 24. Februar 1810. Drei von den eilf Wiederholungen, welche das Werk erlebte, verlegte er ebenfalls auf einen 24. Februar. Als der alte Wieland über Zulassung des Stückes, das eine tief erschütternde Wirkung im Publicum hervorgebracht, Vorwürfe machte. erwiderte ihm Goethe: „Sie haben wohl recht, aber man trinkt ja nicht immer Wein, man trinkt auch einmal Branntwein“. Uebrigens ist ja die Geburtsstätte dieser berühmten Schicksalstragödie das Gasthaus „zum Schwan“ in Weimar, wo Werner gewohnt und innerhalb einer Woche das Stück gedichtet hat. – Als ein Wiener Schriftsteller nach Weimar reiste und die Absicht aussprach, dort Goethe zu besuchen, rief ihm Werner, der zugegen war, zu: „Grüßen Sie mir den alten Goethe, sagen Sie ihm, daß er sehr hoch stehe, daß, er bis an den Himmel gewachsen, er möge auch ein wenig hineinschauen.“. – e) Werner’s Schlagfertigkeit. Werner versuchte einmal, ob auf eigenen oder fremden Impuls, ist nicht bekannt, einen eben in Wien anwesenden fremden protestantischen Fürsten für die katholische Confession zu gewinnen. Er nahm bei demselben Audienz. Als nach längerer Unterredung endlich Werner geradeaus auf sein Ziel lossteuerte, erhielt er von dem Fürsten die kurze und abwehrende Antwort: „Halte nichts von Leuten, die ihren Glauben wechseln.“ Werner erwiderte – nichts weniger denn aus der Fassung gebracht – sofort: „Nun. was halten Euere H.... dann aber von Jesus?“ Die Antwort des Fürsten ist uns nicht bekannt. – f) Werner’s Handschrift. Adolf Henze in seinem Buche: „Handschriften der deutschen Dichter und Dichterinen mit 305 Facsimiles“ (Leipzig 1855, Schlike, 12°.) charakterisirt Werner’s Handschrift, wie folgt: „zurückgezogene Buchstaben, die gern für sich sind und im Stillen wirken“. – g) Werner’s Schreibfeder. Werner hat über eine goldene ihm zu Geschenk gernachte Schreibfeder in seinem Testamente ddo. Enzersdorf bei Wien 24. Juli 1822 verfügt, und zwar lautet Absatz 19 dieses Testamentes wörtlich, wie folgt: „In die Schatzkammer der heiligsten Mutter Gottes zu Maria-Zell, der Mutter aller und auch der vielen mir unwürdigen, im Oesterreichischen zutheil gewordenen geistlichen Gnaden, lege ich (wie weiland Justus Lipsius zu Loretto that, aber mit innigster, [93] tiefster, dankvollster Beschämung, und mit der heißesten Bitte, daß die Mutter der Barmherzigkeit sich meiner vor dem strengen, unentrinnbaren, Alles entscheidenden Gerichtsmomente des Todes gnädigst annehmen möge meiner durch Schuld verwüsteten Seele) ein Hauptwerkzeug meiner Verirrungen, meiner Sünden und meiner Reue, meine Schreibfeder nämlich, symbolisch dadurch nieder, daß ich vorerwähnter Schatzkammer zu Maria-Zell die mir von meines hochsel. Wohlthäters königl. Hoheit, dem verstorbenen Fürsten Primas von Dalberg, verehrte goldene Schreibfeder, nebst dem zu deren Behältniß dienenden, mit einem Solitär oben verzierten, unten aber mit den blau emaillirten Monatstagen und dem Buchstaben W bezeichneten und in einem abgenutzten, weiß gefütterten Futteral von rothem Maroquin befindlichen goldenen Crayon vermache. Zugleich bitte ich um Jesu Willen alle Christgläubigen, welche dies mein Votivgeschenk künftig etwa beschauen sollten, aufs flehentlichste, gütigst für meine höchst hilfsbedürftige Seele zu beten, und beauftrage ich des Behufs meinen Erben ausdrücklichst und aufs gemessenste, sofort nach meinem Tode vorerwähntes goldenes Crayon und darin steckende goldene Feder, zugleich nebst einer wohlgeschriebenen und leicht leserlichen vidimirten Abschrift dieses ganzen, obigen Gegenstand betreffenden Artikels 19 meines gegenwärtigen Testamentes, der hochwürdigen geistlichen Behörde zu Maria-Zell mit dem ganz gehorsamsten Ersuchen zu übermachen, in der dortigen Schatzkammer dem ihr legirten Votivgeschenke die solches betreffende letzterwähnte Abschrift beiheften zu lassen und, um Jesu Willen, diese meine dringende Aufforderung an die Liebe und Barmherzigkeit meiner geliebten Mitchristen. den resp. frommen Wallfahrtern nach mehrbesagtem Gnadenorte bei jeder sich ereignenden Gelegenheit gütigst vorzuzeigen. [Als eine Glosse interessanter Art betrachten wir den längeren Aufsatz, den Böttiger anläßlich dieser letztwilligen Verfügung Werner’s über seine Schreibfeder in der „Zeitung für die elegante Welt“, 1823, Nr. 52, 53, 54 veröffentlicht hat.]
XI. Biographien. a) Selbständige Schriften. Kurze Biographie von F. L. Z. Werner (Landshut 1822, 8°.). – Hitzig (Julius Eduard), F. L. Z. Werner’s Lebensabriß (Berlin 1823, 8°.). – (Schütz), Zach. Werner’s Biographie und Charakteristik, nebst Originalmittheilungen aus dessen handschriftlichen Tagebüchern. 2 Bände (Grimma 1841, 8°.) [berichtigt die Mittheilungen Hitzig’s; sehr wichtige Schrift]. – Zacharias Werner. Kein Katholik (Göttingen 1823, Vandenhoeck und Ruprecht, 8°.) [vergl. darüber „Blätter für literarische Unterhaltung“ 1825 (?), Sp. 191]. – Düntzer (Heinrich). Zwei Bekehrte. Zacharias Werner und Sophie von Schardt (Leipzig 1873, gr. 8°.) [vergl. darüber „Blätter für literarische Unterhaltung“, 1874, Nr. 9]. – Zacharias Werner’s letzte Lebenstage und Testament. Nebst einem... 1812 zu Florenz begonnenen Aufsatze des Verblichenen (Wien 1823, Wallishausser, 8°.), – Regiomontanus (Isidorus). Geistesfunken, aufgefangen im Umgang mit weiland F. L. Z. Werner (Würzburg 1827, 8°.) mit Porträt. – b) Kürzere Biographien in Sammelwerken und Zeitschriften zerstreut. Allgemeines Theater-Lexikon..... Herausgegeben von K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg und Leipzig o. J., Expedition des Theater-Lexikons, kl. 8°.). Neue Ausgabe, Bd. VII, S. 207. – Binder-Howitt: „Friedrich Overbeck. Sein Leben und Schaffen“ (Freiburg im Breisgau 1886, 8°.) Bd. I, S. 281 u. f. – Brümmer (Franz). Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über Dichter aller Zeiten. Mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart (Eichstätt und Stuttgart 1877, Krüll’sche Buchhandlung, schm. 4°.) Bd. II, S. 489. – Europa. Redigirt von Gustav Kühne, 1873, Sp. 1345 u. f. und Sp. 1385 u. f.: „Zacharias Werner in Weimar“. – Der Gesellschafter. Von Gubitz (Berlin, 4°.) 1841, S. 266: „Fr. L. Z. Werner“. – Goedeke (Karl). Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859 u. f., Ehlermann, 8°.) Bd. III, S. 42 –47. – Grenzboten. Herausgegeben von Ignaz Kuranda (Leipzig, Herbig, gr. 8°.) 1851, Bd. II, S. 441 bis 450; 496 bis 505. Von J.(ulius) S.(eidlitz). – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) 1823, Nr. 12 und 13: „Ebenbilder aus der Vorzeit und merkwürdiger Zeitgenossen. XII“ (F. L. Zacharias Werner). – Kehrein (Joseph). Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen [94] Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im neunzehnten Jahrhunderte (Zürich, Stuttgart und Würzburg 1871, Leo Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 250 [mit reicher Literatur]. – Kurz (Heinrich). Geschichte der neuesten deutschen Literatur von 1830 bis auf die Gegenwart. Mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1859, Teubner, schm. 4°.) Bd. III, S. 34a (lyrische Gedichte); S. 44b (geistliche Lieder); 47b (Sonette); 48a (Canzonen); 384b (Charakteristik Werner’s als Dramatiker)0 469a bis 470b (über seine einzelnen Dramen); 468 und 469 (Leben). – Neuer Nekrolog der Deutschen (Ilmenau. Voigt, kl. 8°.) Jahrg. 1823, Bd. I, S. 56. – Neuer Plutarch oder Biographien und Bildnisse der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen und Stände u. s. w. Vierte Auflage. Mit Verwendung der Beiträge des Freiherrn Ernst von Feuchtersleben neu bearbeitet von Aug. Diezmann (Pesth, Wien, Leipzig 1838, C. A. Hartleben, 12°., Bd. IV, S. 117. – Oelzweige (Wien, gr. 8°.) V. Jahrg. (1823), Nr. 15, S. 56–64. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien, 8°.) Bd. VI, S. 76. – Pesther Sonntagsblatt. Herausgegeben und redigirt von H. v. Levitschnigg (4°.) Jahrgang 1854, S. 475: „Biographische Denkmale. Ludw. Zacharias Werner“. Von Geldern. – Raßmann (Friedrich). Pantheon deutscher jetzt lebender Dichter und in die Belletristik eingreifender Schriftsteller. ..... (Helmstadt 1823, Fleckeisen, 8°.) S. 361. – Realis. Curiositäten und Memorabilien-Lexikon von Wien (Wien 1846, gr. 8°.) Band II, Seite 410. – Salzburger Kirchenblatt, 1856, Nr. 33, 35, 38, 39: „Zacharias Werner“. – Dasselbe, 1856, Nr. 43 [Nachträge zu obiger Biographie mit näheren Angaben über zwei Freunde Werner’s, und zwar über Antonin Franzoni und Franz Xaver Schmid]. – Schütz. Biographie und Charakteristik Werner’s im 14. und 15. Bande der in Grimma 1841 (8°.) herausgegebenen „Ausgewählten Schriften Zacharias Werner’s“. – Stern (Adolf). Lexikon der deutschen Nationalliteratur. Die deutschen Dichter und Prosaiker aller Zeiten mit Berücksichtigung der hervorragendsten dichterisch behandelten Stoffe und Motive (Leipzig 1882, bibliograph. Institut, br. 12°.) S. 385. – Waitzenegger (Franz Joseph). Gelehrten- und Schriftsteller-Lexikon der deutschen katholischen Geistlichkeit (Landshut 1822, Jos. Thoman, gr. 8°.) Bd. III, S. 409–421. – Wiener Kirchen-Zeitung von Sebast. Brunner, 1856, Nr. 79, 80 u. f. – (Wigand’s) Conversations-Lexikon, Bd. XV, S. 155 u. f. – Carlyle (Ph.). Critic. and miscell. essays (1847), I, p. 85–145: „Life and writings of Werner“. c) Zur Biographie. In Zeitschriften und verschiedenen Werken Zerstreutes. Archiv für Literaturgeschichte, Bd. VI, S. 233–249: „Neue Actenstücke über Zacharias Werner’s Priesterweihe“. Von Dr. Erich Schmidt [vergl. auch die „(Augsburger) Allgemeine Zeitung“, 1876, Nr. 316, Beilage]. – Blätter für literarische Unterhaltung, 1827, Nr. 1 und 2: „Zur Biographie des Dichters Werner“ [ein höchst interessanter Brief Werner’s aus Königsberg 1804]. – Dieselben, 1841, S. 360; „Ein Brief von Hitzig, Werner betreffend“. – Brunner (Sebastian). Clemens Maria Hoffbauer und seine Zeit. Miniaturen zur Kirchengeschichte von 1780 bis 1820 (Wien 1858, Braumüller, 8°.) S. 9, 111, 150, 151, 160, 176, 186, 187 bis 191, 195 bis 198, 281 bis 312. [Werner erscheint hier immer als Friedrich Werner, während er gewöhnlich Zacharias Werner genannt wird; interessante Einzelheiten über denselben.] – Castelli (I. F. Dr.). Memoiren meines Lebens. Gefundenes und Empfundenes. (Wien und Prag 1861, Kober und Markgraf, 8°.) Bd. I, S. 119 u. f. – Depping’s Erinnerungen aus dem Leben eines Deutschen in Paris (Leipzig 1832) S. 201, auch nachgedruckt in den „Leipziger Lesefrüchten“ 1832, Bd. I, S. 650: „Zacharias Werner in Paris oder das ist der Weg nach Rom“. – Erinnerungen und Leben der Malerin Luise Seidler.... Aus handschriftlichem Nachlaß zusammengestellt und bearbeitet von Hermann Uhde. Zweite umgearbeitete Auflage (Berlin 1875, Wilh. Hertz, 8°.) S. 26 und 27, im Text und in der Anmerkung. – Feierstunden (Wien), herausgegeben von Ebersberg, 1835, S. 1316: „Schöne Antwort Werner’s“. – L. A. Frankl’s Sonntagsblätter, 1847, Nr. 3: „Zacharias Werner. Originalbeitrag zu seiner Charakteristik“. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 252. [Ueber die Aufführung einzelner Stücke Werner’s in [95] Weimar.] – Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt (Leipzig, [[Robert Keil|, 4°.) 1875, S. 836, in J. Löwenberg’s Aufsatz: „Dichtermütter“ [eine kurze zutreffende Charakteristik dieser merkwürdigen, zuletzt unheimlichen Frau, die tiefen Einfluß auf den Sohn hatte]. – Gräffer (Franz). Kleine Wiener Memoiren. Historische Novellen, Genrescenen, Fresken u. s. w. zur Geschichte und Charakteristik Wiens und der Wiener in älterer und neuerer Zeit (Wien 1842, Fr. Beck, 8°.) Bd. I, S. 141: „Ein Diner“. – Derselbe. Wiener Dosenstücke (Wien 1846) Theil I, S. 12: „Wieder Einiges über F. L. Z. Werner“. – Derselbe. Neue Wiener Tabletten (Wien 1848) S. 57: „Noch einige Züge von Werner“. – Gubitz’ „Gesellschafter“, mit F. L. Z. Werner“. Von G. C. Herloßsohn [sehr interessant]. – Kölnische Zeitung. 1864, Nr. 291, im Feuilleton in den „Erinnerungsblättern aus dem Leben einer deutschen Frau“ [über Werner’s Aufenthalt in Jena mit einem Gedichte von ihm]. – Königsberg in Preußen und die Extreme des dortigen Pietismus (Braunsberg 1841, Verlag von Otto Model) [enthält interessante Einzelheiten über Zacharias Werner; Mehreres auch abgedruckt in Gubitz’ „Gesellschafter“, S. 266]. – Lang (K. H.). Memoiren (1842), Bd. II, S. 302. – Lebensbilder aus Oesterreich. Herausgegeben von Andreas Schumacher (Wien 1843, 8°.) S. 325: „Erinnerung an Z. Werner“. Von Schumacher. – Loewe (Jos. Heinrich). Johann Emanuel Veith. Eine Biographie (Wien 1879, Braumüller, 8°.) S. 54 u. f. – Magazin für die Literatur des Auslandes, herausgegeben von J. Lehmann, 1874, S. 585: „Ueber Werner“. Von Wilh. Berg. – Oesterreichisches Bürgerblatt (Linz, 4°.) 1829, Nr. 30: „Schiller und Zacharias Werner“. – Pappe’s[WS 4] „Lesefrüchte“ (Hamburg. 8°.) 1831, Bd. III, S. 368 [aus Werner’s Leben]. – Dieselben, Jahrg. 1832, Bd. II, S. 25 u. f.: „Erinnerungen aus dem Leben eines Deutschen in Paris“ [Einzelnes aus Zach. Werner’s Aufenthalt in der Seinestadt (1808–1811)]. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 84, im Feuilleton: „Der Fastenprediger Zacharias Werner“. Von Emil Kuh [eine ungemein-interessante und psychologisch scharfsinnige Charakteristik Werner’s, die mit viel Behagen und wenig Pietät viele ergötzliche Einzelheiten erzählt]. – Schlesische Zeitung (Breslau, Fol.) 1863, Nr. 492, im Feuilleton [über Werner als Correspondenten des Berliner Theaters]. – Der Volksfreund (Wiener Parteiblatt, Fol.) 1865, Nr. 72, im Feuilleton: „Zacharias Werner“ [eine Abfertigung des Schriftstellers Emil Kuh, anläßlich einer Charakteristik Werner’s, welche Kuh in der Wiener „Presse“ veröffentlichte und die ein Gemisch von Dichtung und Wahrheit war]. – Der Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1860, Nr. 94, im Feuilleton: „Aus den Memoiren des Dr. I. F. Castelli“. – Zeitung für die elegante Welt, 1825, S. 502: „Werneriana“.– Dieselbe, 1825, Nr. 71, S. 562: „Werneriana“.
XII. Zu Werner’s literarischer und persönlicher Charakteristik. Blätter für literarische Unterhaltung, 1827 [auch Pappe’s[WS 4] „Lesefrüchte“ 1827, Stück 6. S. 94]. – Bremer Sonntagsblatt. Redigirt von Pletzer (4°.) 1856, Nr. 51 und 52: „Zacharias Werner als Dramatiker“ Von Thad. Lau. – Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) 1863, Nr. 19. S. 147, in einem literarisch-kritischen Essay von Dr. Max Wellner über Kleist, Oehlenschläger, Collin, Müllner und Grillparzer wird auch Werner apostrophirt, natürlich mit ziemlicher Geringschätzung. – Deutsche allgemeine Zeitung, 1858, Nr. 257, S. 2170: „Ueber die Aufführung seines „Luther““ [diese Aufführung erfolgte nach der Bühneneinrichtung von Dingelstedt und mit der dazu componirten Musik von A. Riccius]. – Eichendorff (Joseph Freiherr). Ueber die ethische und religiöse Bedeutung der neueren romantischen Poesie in Deutschland (Leipzig 1847, Liebeskind, kl. 8°.) S. 111–161. – Ersch und Gruber. Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste. I. Section, 43. Theil, S. 280, Anmerkung: „Feßler’s Urtheil über Werner’s Dramen“; auch in Feßler’s „Resultate meines Denkens und Erfahrens“ (Breslau 1826) S. 266. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter. Red. und herausgeg. von – (Wien, Pfautsch und Voß, 8°.) I. Jahrgang (1842), S. 542 in „Literargeschichtliches von Franz Gräffer“. – Gottschall (Rudolf). Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte [96] des neunzehnten Jahrhunderts. Literarhistorisch und kritisch dargestellt. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage (Breslau 1861, Trewendt, 8°.) Bd. I, S. 218–231. – (Gräffer’s) Conversationsblatt, II. Jahrgang (1820), Nr. 28: „Ueber F. L. Z. Werner’s Vorworte zu seiner „Mutter der Makkabäer““. Von Franz Gräffer. – Dasselbe Nr. 31: „Ueber Werner’s „Mutter der Makkabäer““. Von Wilh. Hebenstreit. – Gräffer (Franz). Historisch-bibliographisches Bunterlei (Brünn 1824, 12°.) S. 219: „Ueber Heinrich von Collin, Werner, Grillparzer“. – Hamburger Jahreszeiten 1855, Nr. 10, S. 308: „Schiller über Zacharias Werner“. – Laube (Heinrich). Geschichte der deutschen Literatur (Stuttgart 1840, Hallberger, gr. 8°.) Bd. III, S. 193 u. f. – Literatur-Blatt (der Mitternacht-Zeitung) 1825, Nr. 69 und 71: „Müllner’s Urtheil über Zacharias Werner’s „Das Kreuz an der Ostsee““. – Literarisches Wochenblatt. Von A. von Kotzebue gegründet, 1820, Nr. 64: „Ueber Werner’s „Mutter der Makkabäer““ [Ccc, wie sich der Verfasser dieses Verdictes gegen Werner’s Dichtung unterzeichnet, schließt dasselbe mit den Worten: „Wohin soll dies Spiel der Erdenwürmer mit den Himmelsfunken führen? Hier zu nichts, als die ganze Tragödie für das heillose Spiel eines Irrwisches auf dem Sumpfe des Mysticismus zu erklären.“ Ganz Kotzebue!] – Mainzer Unterhaltungsblatt, 1840, Nr. 347: „Der Stoff zu Werner’s 24. Februar“. Von K. B.....e. – Menzel (Wolfgang). Die deutsche Literatur (Stuttgart 1836, Hallberger, 12°.). Zweite verm. Aufl., 4. Theil, S. 219. – Neues Wiener Tagblatt, 1864, Nr. 67, im Feuilleton: „Kleine Culturbilder. Fastenpredigten und ihr Publicum“. Von F.(riedrich) S.(chlögl). – Zeitung für die elegante Welt. 1841, Nr. 168: „Ein Urtheil Hoffmann’s über Werner“ (aus Dorow’s „Denkschriften und Briefen“).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Gubiz.
  2. Vorlage: J. A. Wallishausser.
  3. Vorlage: Somer.
  4. a b Vorlage: Pape’s.