BLKÖ:Wretschko, Matthias Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 204. (Quelle)
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Wretschko, Matthias Ritter von (Schulmann und Naturforscher, geb. zu Gairach bei Tüffer in Untersteiermark am 23. Februar 1834). Sein Vater, ein Slovene, ertheilte ihm wohl nothdürftig den ersten Unterricht in der Muttersprache, da er aber den Knaben in ungewöhnlicher Weise veranlagt sah, entschloß er sich, trotz der beschränkten Mittel, die ihm zu Gebote standen, den Achtjährigen nach dem nur wenige Stunden entfernten Dorfe Laak an der Save zum Besuch der Trivialschule zu senden. Dort in einer befreundeten Familie untergebracht, machte Matthias zwei Classen durch und kam dann nach Cilli in die damalige dritte Hauptschulclasse. Im folgenden Jahre 1845 begann er daselbst den Besuch des Gymnasiums und beendete die Classen desselben mit dem besten Erfolge, und zwar von der vierten Classe ab auf sich selbst angewiesen. Nach im Jahre 1853 mit Auszeichnung abgelegter Maturitätsprüfung sollte er sich dem Wunsche seiner Eltern gemäß dem Studium der Theologie zuwenden; da aber dies mit seinen Neigungen nicht übereinstimmte, entschloß er sich, auf eigene Faust die Studien an der philosophischen Facultät in Gratz fortzusetzen. Er wendete sich an derselben den naturwissenschaftlichen und philosophischen [205] Disciplinen zu; da aber die Facultät in diesen Wissenszweigen nur mangelhaft besetzt war, gab er seine mühsam erworbene Stellung – denn auch jetzt war er auf sich selbst angewiesen – schon nach einem Semester auf und übersiedelte nach Wien. Dort gelang es ihm, in kurzer Zeit Privatstunden und später eine Unterstützung des k. k. Unterrichtsministeriums zu erlangen, was ihn in den Stand setzte, seine mathematisch-naturwissenschaftlichen Studien wieder aufzunehmen und dieselben durch Besuch der theoretischen Vorlesungen an der medicinischen Facultät zu ergänzen. 1857 erlangte er in seiner Fachgruppe die Lehrbefähigung für Gymnasien und für Realschulen und 1859 den philosophischen Doctorgrad. Dann leistete er ein Jahr lang Dienste als Assistent an der neugeschaffenen Wiener Handelsakademie, und Ende Juli 1859 wurde er als wirklicher Gymnasiallehrer in Pesth angestellt. In dieser Stellung blieb er bis zu der 1861 erfolgten Magyarisirung der Lehranstalt, worauf er als Gymnasiallehrer nach Laibach und nach fünfjähriger Dienstleistung daselbst 1865 als Professor an das akademische Gymnasium in Wien kam. Schon in Pesth trug er sich mit dem Gedanken, in die Universitätslaufbahn einzulenken, wurde aber durch den raschen Wechsel in den politischen Verhältnissen an der Ausführung desselben verhindert. Erst 1866 konnte er in Wien seine Absicht verwirklichen und sich an der Universität daselbst als Docent habilitiren. Auf sein Ansuchen erhielt er dann für das Schuljahr 1867/68 zum Zwecke weiterer wissenschaftlicher Ausbildung einen Urlaub, welchen er zum Besuch ausländischer Hochschulen theils in Heidelberg, theils in Halle und Berlin benutzte. Der große Aufschwung im Unterrichtswesen Oesterreichs infolge der Neugestaltung der einschlägigen Gesetzgebung veranlaßte ihn 1869, die wissenschaftliche Laufbahn zu verlassen und dem an ihn durch den Minister Dr. von Hasner ergangenen Rufe als Landesschulinspector für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Lehrfächer an den Mittelschulen in Steiermark, Kärnthen und Krain mit dem Amtssitze in Gratz zu folgen. An der Hochschule dieser Stadt docirte er noch einige Jahre, aber die vielen und sich stets mehrenden Geschäfte der Landesschulinspection nöthigten ihn, auf die Fortsetzung der Docentur zu verzichten. Nachdem er acht Jahre in Gratz thätig gewesen, wurde er 1877 zur Uebernahme des gleichen Inspectionsgebietes für Niederösterreich nach Wien berufen, in welcher Stellung er noch zur Stunde sich befindet. Seine literarische Thätigkeit begann Wretschko im Jahre 1861, in welchem er didaktische Aufsätze in der „Zeitschrift für österreichische Gymnasien“ veröffentlichte. Er blieb ständiger Mitarbeiter derselben bis 1870 und schrieb außer Recensionen über Bücher und Schulprogramme eine Anzahl von Artikeln über die Didaktik des naturwissenschaftlichen, insbesondere naturgeschichtlichen Unterrichtes, von denen wir hervorheben: „Ueber die Behandlung der Naturgeschichte an den Gymnasien“, im Jahrg. 1861; – „Zur Frage über die künftige Stellung der Naturwissenschaften an unseren Gymnasien“, Jahrg. 1862; – „Ueber die Reform des naturwissenschaftlichen Unterrichtes an Mittelschulen“, Jahrgang 1869. Im Jahre 1870 entsandte ihn der steiermärkische Landesschulrath in die nach Wien einberufene Gymnasialenquête, und sein hervorragender Antheil an derselben ist aus dem von dem k. k. [206] Unterrichtsministerium 1871 veröffentlichten Werke: „Verhandlungen der Gymnasialenquête im Jahre 1870“ ersichtlich. Während seines Aufenthaltes in Gratz half er 1873 in vorderster Reihe das nunmehr öffentliche Mädchenlyceum begründen und gab auch zu diesem Zweck die Schrift: „Ueber das zu begründende Mädchenlyceum in Gratz“ (1873) heraus. Im nämlichen Jahre erhielt er auch vom Unterrichtsministerium den Auftrag, mehrere Mittelschulen in Görz und Istrien zu besuchen und seine Wahrnehmungen über deren Zustand in einem Berichte vorzulegen. Auf seinen Vorschlag ward nun das Franciscaner-Gymnasium zu Pisino in eine Staatsanstalt umgewandelt und sowohl in dieser als in jener zu Görz wurden Einrichtungen getroffen, welche die Fortführung der deutschen Unterrichtssprache ermöglichen sollten. Als er dann 1875 die Schrift: „Fortbildung und Prüfung der Lehramtscandidaten für Mittelschulen“ (Wien, Hölder) veröffentlichte, wurden mehrere der darin besprochenen Punkte, beziehungsweise Vorschläge in späteren Verordnungen berücksichtigt. In den Jahren 1878 und 1882 nahm er an den größeren zur Erörterung von Mittelschulfragen vom Unterrichtsministerium einberufenen Commissionen werkthätigen Antheil, wie er denn überhaupt bei allen umfangreicheren organisatorischen Fragen des Mittelschulwesens, welche seit 1869 zur Verhandlung kamen, mehr oder weniger eingreifend mitwirkte, so an den Lehrplänen für Realschulen im Jahre 1870 auf Grund der neuen Realschulgesetze, 1879 bei der Reform dieser Lehrpläne und Verfassung von Instructionen für die Gegenstände der Realschule, 1884 bei der Aenderung des Gymnasiallehrplanes und Verfassung von Instructionen für den Unterricht an den Gymnasien. 1870 bis 1877 versah er in Gratz neben seinem Amte die Direction der k. k. Prüfungscommission für Volks- und Bürgerschulen, war ferner von 1871–1877 Mitglied des steiermärkischen Landtages, in welchen Stellungen ihm Gelegenheit geboten war, nach mehreren Seiten praktisch zu wirken, Neues zu schaffen und in geregelten Gang zu bringen und vornehmlich auf die Vervollkommnung des Schul- und Unterrichtswesens und auf den weiteren Ausbau der Schulgesetzgebung seinen Einfluß auszuüben. Und wie in Steiermark bis zum Jahre 1877 setzt Wretschko von da ab seine einflußreiche und verdienstvolle Wirksamkeit für das Mittelschulwesen in Oesterreich nunmehr in Wien fort. Außer den bereits erwähnten schriftstellerischen Arbeiten haben wir noch einige anzuführen, so im Programm des Laibacher Gymnasiums für 1862 die Abhandlung: „Zur Entwickelungsgeschichte des Laubblattes“; – in der in Halle erscheinenden „Botanischen Zeitung“ des Jahres 1864: „Zur Entwickelungsgeschichte des Umbelliferenblattes“; – in den „Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften mathem.-naturw. Classe“: „Beitrag zur Entwickelungsgeschichte getheilter und gefiederter Blattformen“, mit 2 Tafeln [Bd. L, 1. Abthlg., S. 257–280]; – „Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Cruciferenblüte“, mit 2 Tafeln [Bd. LVIII) 1. Abth., S. 211–226]; – im Programm des akademischen Gymnasiums in Wien für 1866: „Beitrag zur Entwickelung der Inflorescenz in der Familie der Asperifolien; – ferner „Vorschule der Botanik für Oberclassen der Mittelschulen“ (Wien 1865, Gerold), dieses Hand- und Unterrichtsbuch ist nach den Grundsätzen ausgearbeitet, [207] welche Wretschko in der „Zeitschrift für österreichische Gymnasien“ entwickelte, ist allgemein approbirt und bis jetzt in vier Auflagen erschienen; – „Lehrbuch der Botanik für Lehrerbildungsanstalten“ (Wien 1886, Holder, 8°.). Außerdem schrieb Wretschko den Text zu Dr. Fitzinger’s in der Wiener Staatsdruckerei 1867 erschienenen „Naturgeschichte der Wirbelthiere“, mehrere Artikel über Unterrichtsfragen in der Gratzer „Tagespost“ und in der Unterrichtszeitung der „Neuen Freien Presse“ und hielt mehrere Vorträge im Wiener Vereine zur Verbreitung der naturwissenschaftlichen Kenntnisse. Für diese mannigfachen Verdienste um das Schul- und Unterrichtswesen im Kaiserstaate wurde er 1877 durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone dritter Classe ausgezeichnet, worauf 1883 seine Erhebung in den österreichischen Ritterstand erfolgte. Er ist seit 27. September 1867 mit Luise geborenen Rautner verheiratet, und sind aus dieser Ehe vorhanden: Alfred (geb. 7. Mai 1869), Oskar (geb. 6. Februar 1872) und Helene (geb. 31. October 1879).

Ritterstands-Diplom ddo. Wien. 27. Februar 1883.
Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namenszuges: „Dr. M. Wretschko“. Holzschnitt ohne Namen des Zeichners und Xylographen als Titelbild in Fromme’s „Oesterr. Studenten-Kalender für Mittelschulen, Fach- und Bürgerschulen auf das Jahr 1885/86“.