BLKÖ:Zois von Edelstein, Anton Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Zohner
Band: 60 (1891), ab Seite: 236. (Quelle)
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Zois von Edelstein, Anton Freiherr (Humanist, geb. in Laibach 22. Juli 1808, gest. daselbst 9. Mai 1873). Er entstammt einer edlen im Lande Krain hochangesehenen Familie, über welche die Quellen S. 238 nähere Nachricht geben. Ein Sohn des Freiherrn Karl aus dessen Ehe mit Seraphine geborenen Gräfin Aichelburg, erhielt er im Elternhause eine sorgfältige Erziehung. Nach des Vaters 1836 erfolgtem Tode übernahm er als der älteste Sohn den Fideicommißbesitz der Herrschaft Egg. Das Wirken des Freiherrn entzog sich wohl der Oeffentlichkeit, war aber darum ein nicht minder verdienstliches. Sein eigener Ausspruch lautete: „Wer in der That einer Hilfe bedürftig ist, hat auch das Recht, die Hilfe von solchen zu verlangen, welche im Stande sind, ihm solche zu leisten, sei es auf politischem Felde für die heimischen Rechte, sei es, wenn Jemand in bedrängter Lage materieller Hilfe bedarf. Da es mir nicht gegeben, mit donnernden Worten auf ersterem zu wirken, so halte ich mich verpflichtet, nach meinen Kräften auf dem zweiten thätig zu sein.“ In diesen seinen Worten liegt der Schlüssel seiner ganzen geräuschlosen, aber doch hilfreichen Lebensthätigkeit. Indessen hat sich der Freiherr nicht ganz dem öffentlichen Wirken entzogen. Als 1851 die neue Gemeindeordnung ins Leben trat, übernahm er auf inständiges Bitten der Gemeinde Predoslje die Vorstandschaft in derselben und besorgte ihre Geschäfte durch ein Decennium bis 1862. Im Kriegsjahre 1866 errichtete er in seinem Schlosse Egg ein Spital für zehn verwundete Soldaten, deren Pflege mit Aerzten und Arzeneien er aus Eigenem besorgte. Während seiner Gemeindevorstandschaft wurde das neue große Schulhaus gebaut [237] und der Schulbaumgarten angelegt; dabei betheilte er die bravsten Schüler und Schülerinen mit den Prämienbüchern, wobei die Festlichkeit immer im Schlosse Egg stattfand, und als er später die Vertheilung der Gaben nicht persönlich vornahm, überschickte er dem Pfarrer von Predoslje Geld und Bücher zur Vertheilung der Prämien und Geld zur Winterbekleidung für die ärmeren Schüler und Schülerinen. Der Baron beschränkte sich aber nicht bloß auf den Ankauf der Bücher, sondern traf, indem er sich mit dem Inhalt derselben vertraut machte, selbst die Auswahl, was, wenn man die Jugendschriften auf ihre Zweckmäßigkeit prüft, von nicht geringer Wichtigkeit ist. Um aber auch für die in Jahren vorgerückteren Leute seiner Gemeinde in humanistischer Richtung thätig zu sein, förderte er die Bestrebungen des Hermagoras-Vereins, welcher sich die Vertheilung nützlicher Schriften unter der Landbevölkerung zur Aufgabe macht. Um die Leute zum Eintritt aufzumuntern, zahlte er für viele im ersten Jahre den Beitrag selbst, wodurch sie, wenn sie den Nutzen des Vereins aus eigener Erfahrung kennen gelernt, in demselben gern verblieben; für ärmere Leute bestritt er aber den Jahresbeitrag überhaupt aus Eigenem. Diese humanistischen Bestrebungen des Freiherrn blieben aber auch auf die Gesittung der Insassen und ihre Lebensführung nicht ohne Erfolg. Auch in landwirthschaftlicher Hinsicht war der Freiherr seiner Gemeinde ein Vorbild. Die klimatischen Verhältnisse jener Gegend sind dem Getreidebau nichts weniger als günstig, der Reif vernichtet leicht die edleren Getreidegattungen. So suchte er die Leute für den minder heiklichen, aber nicht weniger ergiebigen und nahrhaften Kukuruz zu gewinnen. Indem er selbst mit dem Beispiel voranging, schenkte er überdies den Aermeren den Samen oder lieh ihnen denselben zum Anbau. Ueberhaupt seit 1837 ein entschiedenes Mitglied der krainischen Landwirthschaftsgesellschaft, ging er thätig als praktischer Fachmann mit dem guten Beispiel, wo es noth that, der Bevölkerung voran. Dadurch gewann aber der Baron in der Landbevölkerung einen solchen Anhang, ein so unbedingtes Vertrauen, daß es bei Leuten, die von einem Unglück betroffen wurden, zur stehenden Redensart wurde: „Ich gehe zu unserem Herrn Baron, er wird mir gewiß helfen.“ Wenn die Zeit des Winters herankam, so schickte er jedesmal dem Pfarrer Geld, damit es derselbe nach seiner Einsicht unter die Dürftigen vertheile, und für Kranke, welche in das Laibacher Spital gebracht werden mußten, zahlte er die betreffenden Kosten bis zu ihrer Genesung. Wenn Brände in seinem Grundbesitz oder sonst in der Umgebung stattfanden, schickte er sofort Hilfe in entsprechenden Geldsendungen von 100, 200 und mehr Gulden, gab Holz unentgeltlich zum Bau und Futter für das Vieh. So spendete er in der Stille ungezählte Summen, und man hörte unter den Leuten nicht selten die Worte: „Der Herr Baron gibt den Abbrandlern immer so viel, daß er mit ihnen gemeinschaftlich abbrennt.“ Auch arme Studirende fanden in dem Baron ihren Wohlthäter. Als dann 1861 in Oesterreich das Verfassungsleben begann, wurde Freiherr Zois zunächst vom Großgrundbesitze in den Landtag gewählt. Aber schon bei der zweiten Wahl fand es sich, daß er bei der Bevölkerung solches Vertrauen besaß, daß er im Wahlbezirke Krainburg-Lack in den Landtag gewählt wurde, was sich bei jeder neuen Wahl bis 1869 wiederholte, [238] in welchem Jahre er seiner geschwächten Gesundheit wegen sich ganz vom öffentlichen Leben zurückzog und jede Wiederwahl ablehnte. Als Mitglied des Landtages zeigte er sich als Edelmann in der vollen Bedeutung des Wortes. Wenn es auch als zweifellos anzusehen ist, daß Anton Freiherr Zois den berechtigten nationalen Bestrebungen seine volle Sympathie entgegenbrachte, so ist es aber auch andererseits ebenso als zweifellos anzusehen, daß ihm jeder Gedanke ferne stand, den nationalen Bestrebungen auf Kosten des Einheitsstaates des gewaltigen Oesterreich Rechnung zu tragen. Ein treuer Sohn seines weiteren und engeren Vaterlandes, war er von der Ueberzeugung durchdrungen, daß in dem letzteren beide Nationalitäten wie seit Jahrhunderten auch fernerhin friedlich nebeneinander wohnen können, ohne sich gegenseitig zu befehden, und durch gemeinsames Wirken, durch gegenseitige Unterstützung mit vereinten Kräften das Wohl des Landes, in demselben das Wohl des Staates fördern und so die Interessen der Monarchie in jeder Richtung, somit auch zum Besten der Bevölkerung vertreten werden. Er selbst gleich seinem Vater, Großvater und Urgroßvater Repräsentant und Träger einer höheren Cultur, wie sie sich aus allen Handlungen der Zois ausspricht, war ihr getreuer Sohn, Enkel und Urenkel. Der Narodna citalnica in Laibach vermachte er testamentarisch 5000 fl. und den Armen der St. Jacobspfarre in Laibach, aus welcher seine Gattin stammte, 3000 fl. und eine gleiche Summe den Armen der Pfarre Predoslje, damit die Zinsen dieses Capitals alljährlich am St. Katharinentage – seine Gattin hieß Katharina – unter dieselben vertheilt werden. Freiherr Zois war seit 12. Juni 1832 in glücklichster Ehe mit Katharina geborenen Schwarzenberg vermält, welche ihm eine Tochter Seraphine, später vermälte De Traux, gebar. Die humanitären Verdienste des Freiherrn würdigte Kaiser Franz Joseph durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone.

Letopis matice slovenske ze 1872 a 1873. Herausgegeben von E. H. Costa (Laibach, 8°.) S. 151, slovenischer Nekrolog.
Porträt. Unterschrift: Baron Anton Zois u. s. w. Rojen v Ljubljani 22. julija 1808, umeri v Ljubljani 9. maja 1873. Lithogr. Druck bei Köck in Wien (8°.).