BLKÖ:Becsey de la Volta, Stephan Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 217. (Quelle)
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Becsey de la Volta, Stephan Freiherr von[BN 1] [BN 2] (k. k. Oberstlieutenant, Ritter des Mar. Theresienordens, geb. zu Szegedin in Ungarn 1804). Im Jahre 1820 trat er unter dem Namen Piller als Expropriis-Gemeiner in das Inf.-Reg. Erzh. Franz Karl, machte als Cadet die Expedition gegen die neapolitan. Insurgenten mit, ward 1823 Fähnrich, 1828 Unterlieut., 1831 Oberlieut., 1840 Capitänlieut. u. 1842 Hauptmann. Die Friedenszeit benutzte er zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung. Als 1848 der Aufruhr in Italien ausbrach, stand sein Regiment bei dem 2. Armeecorps [218] unter FML. Baron d’Aspre. Schon am 6. April zeichnete sich B. bei der durch seine zweckmäßigen Anordnungen gelungenen Einnahme mehrerer feindlichen Blockhäuser, bald darauf bei Montanara, Vicenza und Somma Campagna aus. Das Höchste der Bravour und Tapferkeit leistete er aber am Tage von Custozza (25. Juli), indem er einen dem Feinde nach heißem Kampfe abgenommenen Maierhof durch 4 Stunden im heftigsten Feuer und ohne selbst ein Geschütz zur Disposition zu haben, behauptete. Im Verlaufe der Schlacht durch den Tod seines Officiers, der ihm eine Ordre überbringen sollte, auf sich selbst angewiesen, machte B. eine so glückliche Bewegung gegen den Feind und unterstützte die Operation der Brigade so kräftig, daß jener in wilder Flucht sich zurückzog. Am 26. Juli Abends rückte man gegen Volta vor, während der Feind von Goito her sich näherte. B., mit seiner Division den Ort besetzt haltend, ward vom Feinde mit überlegener Macht angegriffen und hielt sich durch 31/2 Stunden mit seiner kleinen Schaar so tapfer, daß die Angreifer erfolglos sich zurückzogen. B., obgleich verwundet, entfernte sich dennoch nicht vom Kampfplatze, bis Erschöpfung und der Blutverlust ihn dazu nöthigten. Für diese Heldenthaten ward er mit dem Ritterkreuze des Mar. Theresienordens geschmückt und am 10. März 1849 zum Major bei dem Inf.-Reg Großherz. Baden Nr. 59 ernannt. Zu Ende März desselben J. focht er mit Auszeichnung in den Schlachten von Mortara und Novarra. Am 10. Dec. 1850 ward er Oberstl. im Inf.-Reg. Nr. 52. Seinen wissenschaftlichen Bestrebungen verdankt B. die Ernennung zum correspondirenden Mitgl. der Akademie della Valle Tiberina Toscana, der Artistischen Akademie zu Florenz, der Akademie degl’ Incamminati zu Modigliano, genannt Cosontinese del Buonaroti zu Bibbiana im Toskanischen und der Akademie Florimontana zu Montelione im Römischen.

Oestr. Soldatenfreund (Wien, 4°.) III. Jahrg. 1850, Nr. 88: „Ehrenhalle VI. Steph. von Becsey (ehedem genannt Piller). – Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausgeg. von Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) I. Bd. S. 277. (Artikel von Stk.) – Wappen: Ein gevierteter Schild mit einem Mittelschilde. Im oberen rechten goldenen Felde zwei pfahlweise übereinander gestellte rothe Sterne; im oberen linken blauen Felde ein mit zwei silbernen Pfeilen belegter Adlerflügel. Im unteren rechten blauen Felde drei silberne Querbalken; im unteren linken goldenen ein aufgerichteter rother Löwe, einen blanken Säbel in der rechten Pranke schwingend. – Der Mittelschild enthält im blauen Felde ein aufspringendes silbernes Einhorn. – Devise: Fidelis et fortis.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Bécsey de la Volta, Stephan Freiherr [s. d. Bd. I, S. 217], gestorben zu Paris 17. Juli 1865. Nach einer 32jährigen ausgezeichneten Dienstzeit wurde B., aber nicht mit seinem Willen, in den Ruhestand versetzt und will man die Ursache seiner Pensionirung, welche einen tiefen Eindruck auf sein Gemüth machte, darin suchen, daß er, eben nur Soldat, sprach und handelte wie er dachte und dadurch gegen Manche und Manches verstieß. Sein Gönner und väterlicher Freund war der alte Herzog von Parma, den B. seit seiner Pensionirung fast alljährlich besuchte. Anläßlich eines solchen Besuches machte B. auch die Reise nach Paris, wo er unerwartet nach kurzer Krankheit seinen Tod fand. Als der französische Kriegsminister Feldmarschall Graf Randon den Tod des Helden erfuhr, ordnete er an, daß derselbe, dessen Körper eine große Zahl von Schuß-, Hieb- und Stichwunden schmückten, mit den ihm gebührenden Ehren begraben werde, wie es auch geschah. B. wurde auf dem neuen, in der Ebene von St. Denis außerhalb Paris gelegenen Cimetière du Nord mit allen in der französischen Armee üblichen militärischen Ehrenbezeugungen beigesetzt. Mehrere in Paris eben anwesende Oesterreicher, darunter auch der Feldmarschall-Lieutenant Freiherr von Gablenz, gaben dem Sarge ihr Geleit. Noch sei bemerkt, daß Freiherr B. längere Zeit die Absicht hatte, in mexikanische Dienste zu treten, aber da er mehreren in Szegedin lebenden armen Verwandten ein hilfreicher Wohlthäter war, gab er den Gedanken, den Kaiserstaat zu verlassen, auf. Er starb im Alter von 60 Jahren, nachdem er bereits längere Zeit den Umgang mit Kameraden und überhaupt jeden geselligen Verkehr gemieden hatte.
    Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 317 u. 319 [in letzterer Notiz heißt er irrig Recsay, was hier, da es auch einen österreichischen General dieses Namens gibt, der in den denkwürdigen Ereignissen Wiens im Jahre 1848 öfter genannt wird, zur Vermeidung von Irrungen ausdrücklich angemerkt wird]. – Oesterreichischer Soldatenfreund, herausgegeben von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) III. Jahrg. (1850), Nr. 88: „Ehrenhalle. VI.“ – Wiener Chronik. Sonntags-Abendblatt der Const. österr. Zeitung 1865, Nr. 34. – Fremden-Blatt 1865, Nr. 198 u. 199. – Wiener Abendpost (Beilage der Wiener amtlichen Zeitung) 1865, Nr. 164, S. 654. [Bd. 14, S. 395.]
  2. E Becsay de la Volta, Stephan Freiherr [Bd. I, S. 217; Bd. XIV, S. 395].
    Hoffinger (Ritter von), Oesterr. Ehrenhalle u. s. w. III. 1865, S. 16 [nach diesem gest. 15. Juli 1865]. [Bd. 24, S. 377.]