BLKÖ:Beer, Peter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Beer, Joseph
Band: 1 (1856), ab Seite: 223. (Quelle)
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Beer, Peter (Lehrer der Moral, Geschichte und Geographie an der israelitischen Hauptschule in Prag, geb. nach einer handschriftlichen Mittheilung von G. Wolf in Wien, zu Neubidschow in Böhmen 19. Febr. 1758, gest. in Prag 10. Nov. 1838). Er ist der Sohn eines jüdischen Taback-Districtsverlegers, erhielt Unterricht im Talmud und durch den christlichen Schullehrer des Ortes in den deutschen Gegenständen und den Anfangsgründen der lateinischen Sprache. 14 Jahre alt kam er nach Prag, wo er die talmudischen Studien fortsetzte, ging von dort nach Preßburg und als 1780 durch Kaiser Joseph II. ein Umschwung in den Verhältnissen eintrat, nach Wien, wo er die Universität besuchte. Daselbst beschäftigte er sich mit Privatunterricht, und seine Bekanntschaft mit christlichen Gelehrten hatte großen Einfluß auf seine fernere Bildung und Entwickelung. Im Jahre 1785 kam er als Lehrer der deutschen Schule nach Mattersdorf in Ungarn, sodann in der nämlichen Eigenschaft in seine Vaterstadt, endlich (1811) als Lehrer der Moral, der Einleitung in die Geschichte, so wie auch der Erdbeschreibung, Naturlehre und Naturgeschichte an die Hauptschule der Israeliten in Prag, welche Stelle er bis zu seinem Tode, – im 80. Jahre, – bekleidete. Beer gehört zu denjenigen, welche am frühesten für die Bildung der österr. Juden thätig waren. Seine theils gedruckten theils ungedruckten Schriften sind: „Toldoth Jissrael“ (Prag 1796, 8°.). Eine Geschichte der Israeliten bis zur Zerstörung des ersten Tempels, als Unterrichtsbuch für israel. Jugend in hebr. Sprache. Das [224] Buch erlebte mehrere Auflagen, war das erste Werk dieser Art und erschien zuletzt von ihm in deutscher Uebersetzung (Wien 1808); – „Dath Jissrael,“ d. i. Eine erste Anleitung zum Unterrichte in der mosaischen Glaubens- und Sittenlehre; – „Kelch des Heils, gefüllt aus der Quelle der Wahrheit, und mit dem wärmsten Brudergefühle dargereicht den Kindern Israels in den k. k. Staaten“; – „Das Judenthum oder die Grundsätze der jüdischen Religion nach Maimonides in einem Gespräche zwischen einem Vater und seinen Kindern verfasst und mit Anmerkungen begleitet“ (Prag, 2 Bändchen); – „Geschichten, Lehren und Meinungen aller religiösen Secten der Juden“ (Brünn 1827), welches Buch auch außerhalb Oesterreich bekannt geworden, und obwohl eine kritische Sichtung des Materiales vermißt wird, doch wegen des letztern; das er mit großer Sorgfalt und Mühe gesammelt, eine sehr schätzenswerthe Arbeit ist; – „Das Handwörterbuch der deutschen Sprache“ (Wien 1827, 2 Bde.). – „Ceremonialgesetz der Juden“ (Prag 1818); – „Leben und Wirken des Rabbi Moses ben Maimonides“ (Prag 1834); – „Selbstbiographie“ (Prag 1838);– „Reminiscenzen“ [über Cultusangelegenheiten] (Prag 1835). – „Ueber Literatur der Israeliten in dem österr. Kaiserstaate im letzten Decennio des 18. Jahrhunderts,“ in der Zeitschrift: Sulamith, 2. Jahrg. 1. Bd.; fortgesetzt im Intell.-Blatt der „Annalen der Literatur und Kunst in dem österr. Kaiserstaat,“ IV. Jahrg. März 1805; – Mehrere Lehrbücher der israel. Religion, meist in Prag gedruckt 1808–36. Beers Leben war ein steter Kampf gegen Vorurtheil und Fanatismus, und während seine Verdienste nach Außen gewürdigt wurden, – er erhielt die mittlere goldene Civil-Verdienstmedaille, – feindeten seine Glaubensgenossen den wackern Mann an, weil sie in ihrer hartnäckigen, am Alten klebenden Beschränktheit die Verdienste des Reformators nicht zu würdigen verstanden. Doch war es ihm noch im späten Alter vergönnt, die Früchte seiner Arbeiten heranreifen zu sehen, denn seine Bemühungen um die Verbesserung des jüdischen Gottesdienstes führten kurz vor seinem Lebensende die Eröffnung des neuen Judentempels in Prag herbei.

Sartori (Franz Dr.), Histor. ethnogr. Uebersicht der wissenschaftl. Cultur, Geistesthätigkeit und Literatur des österr. Kaiserthums (Wien 1830, Gerold) I. Theil. S. 340 (gibt das Jahr 1762 als B.’s Geburtsjahr an). – Pierer (H. A.), Universal-Lexikon, 2. Ausg., IV. Bd. S. 70 (nach diesem ist B. 1758 geboren). – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibliogr. Inst.) IV. Bd. 4. Abtheil. S. 97 (setzt den 19. December 1763 als Beers Geburtsdatum an). – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 223. – Jüdisches Athenäum. Gallerie berühmter Männer jüdischer Abstammung (Grimma u. Leipzig 1851) S. 13 (nach diesen beiden ist B. den 19. Februar 1764 geboren). – Annalen der Literatur und Kunst in den östr. Staaten (Wien 1804, bei J. Degen) III. Jahrg. I. Bd. Intelligenzbl. Nr. 19, S. 146: „Beiträge zum gelehrten Oesterreich.“ – Handschriftliche Mittheilungen des Herrn G. Wolf in Wien.