BLKÖ:Braun, Peter Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Braunau, Franz von
Band: 2 (1857), ab Seite: 123. (Quelle)
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Braun, Peter Freiherr von (Industrieller, geb. 1758, gest. zu Wien 15. Nov. 1819). War der Sohn des k. k. Hofrathes Johann Gottlieb v. B., trat 1777 in Staatsdienste und wurde Hofsecretär. Der Aufschwung, den damals [124] die österreichische Industrie nahm, bewog ihn, den Staatsdienst zu verlassen, und sich der Industrie zu widmen. B. richtete sein Augenmerk auf die zur Zeit noch sehr unvollkommene Seidenfabrikation. Er errichtete 1789 selbst eine Fabrik und ließ Arbeiter aus Lyon kommen. Die Unternehmung glückte und veranlaßte nützliche Nacheiferung. Kaiser Joseph belohnte ihn 1790 durch Ernennung zum Truchseß. 1790 wurde B. Großhändler, 1792 negocirte er ein Anlehen bei den Reichsfürsten, 1794 erhielt er die Leitung der beiden Wiener Hoftheater und wurde 1795 taxfrei in den Freiherrnstand erhoben. Als er das Jahr darauf die Herrschaft Schönau nächst Wien kaufte, legte er darin mit großem Kunstsinn einen prächtigen Park, und den Tempel der Nacht an, wovon ersterer täglich, letzterer – da die Darstellung desselben einige Vorbereitung kostete – alle Montag vom Publicum besucht werden konnte. Die Inschriften im Tempel der Nacht waren von Kotzebue; in diesem Parke errichtete B. dem Dichter Alxinger (s. d.) das noch dort befindliche Monument. Dabei nahm B. auf seiner Herrschaft vielfältige Verbesserungen vor; er ließ Leute aus Italien kommen und fabricirte Strachino und Parmesankäse, die dem echten völlig gleich kamen, auch führte er auf seinen Gütern die italienische Bewässerungsmethode ein. Im J. 1796 wurde B. Hofbanquier. Auf der 1801 erkauften mährischen Herrschaft Jaslowitz wurde die Viehzucht veredelt, 300 Tyrolerkühe lieferten alles zu der auch dort wie in Schönau eingerichteten Käsefabrik. In Schönau und Sollenau legte B. noch zwei große englische Baumwollspinnereien an, in welcher solche Arbeiten producirt wurden, daß sie an Schönheit und Gediegenheit denen des Auslandes gleichkamen. Im J. 1804 regulirte er auf Befehl des Kaisers die galizische Tranksteuer. Bis zum J. 1807 leitete er beide Hoftheater, und die 13 Jahre seiner Verwaltung waren die goldene Aera dieser beiden Bühnen. Kotzebue wirkte einflußreich als Präsident dabei. B. war im vollen Sinne des Wortes Mäcen der Künstler, die er durch humanes liebenswürdiges Benehmen zu fesseln verstand. Mehrere derselben verdanken ihm ihren spätern Wohlstand, so z. B. der Maler Schönberger, der berühmte Maschinist Mälzel (s. d.). Außerdem war er virtuoser Dilettant im Clavierspiele und hat als Compositeur unwiederlegliche Beweise eines schönen Talentes gegeben. Bekannt sind als seine Compositionen: „Bürgers Leonore“ (Wien 1796); – „Sonata per il Cembalo solo“ (Wien 1800); – „Menuetto e Trio ... per il Pianoforte“ (Wien).

Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835 u. f.) I. Bd. S. 373 u. Suppl. VI. Bd. S. 381. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues Historisch-biograph. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, Kühnel, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 502. – Nicolai, Reisen IV. Bd. – Jahrbuch der Tonkunst von 1796. – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke (Wien 1846, Mörschner, 8°.) I. Bd. S. 50: „Mit Herrn von Kotzebue“ [darin führt Gräffer auch den Baron Braun vor].