BLKÖ:Czartoryski, Adam Kasimir, Fürst auf Klewań und Żukow

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 85. (Quelle)
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Czartoryski, Adam Kasimir, Fürst auf Klewań und Żukow[BN 1] (k. k. Feldmarschall, Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Danzig während der Belagerung durch die Russen, die Stadt Danzig vertrat Pathenstelle bei ihm, 1. Dec. 1734, gest. zu Sieniawa in Galizien 19. März 1823). Er wurde im elterlichen Hause erzogen und hatte den gelehrten Monnet und den Thomas Pruszak zu Lehrern. Durch Geburt, Reichthum und bedeutende Kenntnisse war er zu einer wichtigen Rolle in den Ereignissen seines Vaterlandes berufen. Nach Augusts III. Tode war er unter den Mitbewerbern um die Krone Polens; allein Stanisl. Poniatowski erhielt dieselbe. C. trat nach der Theilung Polens in österr. Dienste, wo er Feldmarschall wurde. Dessen ungeachtet war er auf dem Reichstage von 1788–91 ein eifriger Anhänger der Adelspartei, welche an der Wiederherstellung Polens energisch arbeitete, und der Constitution vom 3. Mai 1791. Er erhielt auch während dieser Zeit eine Sendung nach Dresden, um den Kurfürsten von Sachsen zur Annahme der Krone Polens zu bewegen, und suchte hierauf in Wien die Vermittlung und den Schutz des Kaisers gegen die Absichten Rußlands. Da seine Bemühungen fruchtlos geblieben und König Stanislaus der von Rußland begünstigten Conföderation von Targowica beigetreten war, zog er sich auf seine Güter zurück und lebte theils auf denselben, theils in Wien, zurückgezogen von allen politischen Geschäften. Erst die ephemere polnische von Napoleon beschützte Conföderation des J. 1812 riß den Fürsten aus der Ruhe des Privatlebens. Napoleon ernannte ihn zum Marschall des polnischen Reichstages. Von kurzer Dauer waren die Hoffnungen, welche C. und seine Partei auf Napoleon setzten, und der Fürst sah bald, daß er eine Würde bekleide, die ihn zu einer sehr kostspieligen Repräsentation zwang, während seine Güter von den Armeen verwüstet wurden. Der Brand Moskau’s entschied nicht allein Napoleons, sondern auch Polens Schicksal. Der Congreß zu Wien fand statt (1815); Czartoryski’s Sohn Fürst Adam (derzeit zu Paris) ging an der Spitze einer Gesandschaft nach Wien und legte dem russischen Kaiser die Grundzüge zur Constitution vor, der ihn zum Senator Palatinus ernannte. Der Feldmarschall brachte, der Wissenschaft lebend, bis zu seinem Tode auf seinen Gütern in Galizien zu. Auch auf dem Gebiete der Literatur war der Fürst vielseitig und mit Erfolg thätig und dies in der günstigen Epoche, in welcher der Piarist Stanislaus Konarski durch seine zahlreichen gehaltvollen Schriften und bessere Einrichtung der Schulen den Geschmack läuterte und die Wiedergeburt der Wissenschaften in Polen zu Stande brachte. Damals zählte das Land unter den Großen des Reiches mehrere Beschützer der Wissenschaften und an deren Spitze stand das Haus des Fürsten Czartoryski. C. hatte die vorzüglichsten wissenschaftlichen Institute in Europa in Begleitung seiner Lehrer bereist und eine segensvolle Liebe für die Wissenschaft und ihre Vertreter in seinem Herzen bewahrt. Als er Warschau zu seinem bleibenden Aufenthalte gewählt, öffnete er seinen Salon Allen, die sich zu jener Zeit durch Wissenschaften und Künste auszeichneten. So wurde sein Salon zu einer Schule der feinen Sitte und des veredelten Geschmackes für den jungen polnischen Adel. Diese unter dem Namen „Obiady czwartkowe“, d. i. Donnerstags-Mahlzeiten, [86] bekannten literarischen Zusammenkünfte, wurden sehr oft auch vom Könige Stanislaus mit seiner Gegenwart beehrt. Die wohlthätige Wirksamkeit dieser Diners zeigte sich in vielen Fällen. Als Stanislaus gleich im Anbeginn seiner Regierung das Cadetten-Institut begründete, erhielt Fürst Czartoryski, damals Generalstarost von Podolien, dessen Leitung. Unter derselben wurde das Institut eine Schule tüchtiger Soldaten. Vom J. 1765–94 arbeitete der Fürst unermüdet an der Entwickelung und Vervollkommnung der Anstalt, ließ aus Eigenem zahlreiche und kostbare Werke für die Bibliothek, mathematische und physikalische Instrumente und was sonst nöthig war, ankaufen. In seiner Großmuth für die Gelehrten und Schriftsteller ließ er die besten Werke jener Zeit theils auf seine Kosten drucken, oder bewerkstelligte die Herausgabe durch namhafte Unterstützungen. Durch sein ganzes Leben stand er im innigen Verkehr mit den hervorragenden Vertretern des Geistes und der Wissenschaft, darunter mit Ignaz Potocki, Czacki, Ossoliński, mit dem Orientalisten William Jones und Rewicki, östr. Gesandten in Polen; mit Kleist, Goethe u. Herder, und in den letzten Jahren seines Lebens mit dem berühmten Theologen und Professor in Lemberg, dem Basilianermönch Hryniewiecki. Ferner war er es, der die so einflußreiche Erziehungscommission im Königreiche Polen in’s Leben rief, die berühmte Bibliothek in Puławy stiftete und die polnische Nationalbühne begründete. Der Fürst schrieb mehrere Original-Lustspiele: „Panna na wydaniu. Komedya we 2 aktach“, d. i. Ein Mädchen zu verheiraten (Warschau 1774, Grell, 8°.). Dieses Stück erschien anonym. Die Vorrede (84 S.) enthält viele geistreiche Ansichten über die Dramaturgie; – „Mniejszy koncept jak przysługa, czyli Pyszno-Skąpski. Komedya we 3 aktach“, d. i. Der unabsichtlich geleistete Dienst (Warschau, Dufur, ohne Angabe d. Jahres (um 1774). Dieses Stück erschien unter dem Namen Daniel Belgram, Kammerdiener Sr. königl. Majestät; – „Kawa. Komedya we 1 akcie“, d. i. Der Kaffee (Warschau 1779, Grell, 8°.). Der Anhang zu diesem Lustspiel enthält kritische Briefe (50 S.) über verschiedene literarische Werke und Gegenstände. – Aus dem Französ. des Regnard übersetzte er aber „Gracz. Komedya we 5 aktach, z francuzkiego P. Renard wytłómaczona“, d. i. Der Spieler, Lustspiel in 5 Acten aus dem Französischen des Regnard (Warschau 1796, Dufur, 8°.); – „Bliźnięta. Komedya we 2 aktach“, d. i. Die Zwillinge, Lustspiel in 5 Acten aus dem Französischen von Ebendemselben (Warschau 1775, Dufur, 8°.). – Außerdem gab C. heraus: „Mysli o pismach polskich, z uwagami nad sposobem pisania w rozmaitych materyach“, d. i. Gedanken über polnische Schriften, nebst Bemerkungen über die Methode, von verschiedenen Gegenständen zu schreiben (Wilna 1801, 2. Aufl. 1812, Zawadzki). Diese Schrift erschien unter dem Pseudonym A. Dantyszek; sie enthält treffliches kritisches Materiale zur polnischen Literatur. – Für das Cadetten-Institut schrieb er: „Katechizm moralny dla uczniów korpusu kadetów; definicye roznych cnot towarzyskich; i przepisy wewnętrznej karności korpusu“, d. i. Sittlicher Katechismus für die Zöglinge des Cadetten-Institutes, Erklärung verschiedener geselliger Tugenden und Vorschriften der innern Disciplin des Corps, welche Schriften auf Kosten der gewesenen Zöglinge dieses Institutes unter dem Titel: „Zbior pism tyczących się moralnej edukacyi wychowańców szkoły rycerskiéj“, d. i. [87] Sammlung der Schriften, betreffend die moralische Erziehung der Zöglinge der ritterlichen Schule (Warschau 1824, Glücksberg) herausgegeben wurden. Schon in seinem hohen Alter gab er als Pseudonym Vincenz Turski: „Pamiętniki o elekcyi Henryka Walezyusza“, d. i. Memoiren über die Wahl Heinrichs von Valois (Wilna 1818, Zawadzki, 8°.) heraus. Als die Gelehrten-Gesellschaft in Warschau den Gedanken faßte, ein größeres Sammelwerk über die Geschichte Polens herauszugeben, übernahm der Fürst die Periode der Regierung des Sigmund August; hatte auch schon die Materialien zu dieser Arbeit beisammen, aber das hohe Alter hinderte die Vollendung dieses Werkes. Auf seine Kosten erschienen die ersten Bände der geschichtlichen Denkmäler Polens: „Kronika Bolesława III., kr. polsk.“, d. i. Die Chronik Boleslaus’ III. polnischen Königs aus der Chronik eines ungenannten Polen v. J. 1115 (Warschau 1825); – „Kronika węgierska na początku wieku XII., kronika czeska na początku wieku XI.“, d. i. Ungarische Chronik zu Anfang des 12., böhmische Chronik zu Anfang des 11. Jahrhunderts (Warschau 1825, 8°.). Aus den in seinem Nachlasse vorgefundenen Schriften wurden herausgegeben im: „Czasopism naukowy księgozbioru publicznego imienia Ossolińskich“, d. i. in der gelehrten Zeitschrift der öffentl. Ossolinskischen Bibliothek; „Słowniczek wyrazów polskich znaczących narzędzia muzyczne niegdys wojskowem i pokojowem używaniu będące“, d. i. Kleines Wörterbuch jener polnischen Namen, mit denen ehedem die musikalischen, im Kriege oder zu Hause gebräuchlichen Instrumente benannt wurden (Jahrg. 1828, I. Bd. S. 81); – und „Słowniczek wyrazów przyjętych do mowy polskiéj ze wschodnich języków“, d. i. Kleines Wörterbüchlein der in die polnische Sprache aus den Sprachen des Westens aufgenommenen Bezeichnungen (1828, II. Bd. S. 79).

Roczniki Towarzystwa król. Warszawskiego Przyjaciol Nauk, d. i. Jahrbücher der Warschauer königl. Gesellschaft der Wissenschaftsfreunde. XVIII. Bd. – Bentkowski (Felix). Historya literatury polskiej, d. i. Geschichte der polnischen Literatur (Warschau u. Wilna 1814, Zawadzki, 8°.) I. Bd. S. 123, 174, 200, 528, 559. Bentkowski schreibt S. 123 über den Fürsten: „Aber dem Fürsten Adam Czartoryski gebührt der höchste Ruhm, er war der erste und mächtigste Beschützer der Wissenschaft und ihrer Pfleger in der ganzen Epoche der wiederkehrenden Aufklärung zur Zeit des Königs Stanislaus August. Es ist hier weder der Platz, noch reichen meine Kräfte dazu aus, dieses Mannes unvergängliche Verdienste um sein Volk darzustellen, dieses Mannes, mit dem Maecenas unter August auf den ersten Blick große Aehnlichkeit weist, aber eine genauere Vergleichung mit ihm nicht besieht, denn unser Czartoryski ist wahrhaftig über alles Lob erhaben. – Wiszniewski (Mich.), Historya literatury polskiéj, d. i. Geschichte der poln. Literatur (Krakau 1840–1857, Buchdruckerei des Stanislaus Gieszkowski, 8°.) I. Bd. S. 130, 136, 148 u. II. Bd. S. 312, 316. – Chodynicki (Ignacy)[WS 1], Dykcyonarz uczonych Polaków, d. i. Lexikon der gelehrten Polen (Lemberg 1833) I. Bd. S. 94. – Rozmaitości, d. i. Miscellen (ein Lemberger Unterhaltungsblatt, 4°.) 1823, Nr. 26, S. 201. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Auflage) IV. Bd. S. 528. – Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld und Dr. Meynert (Wien 1851) I. Bd. S. 837. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 643. – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, G. L. Michaud, 8°.) II. Bd. S. 273. – Stanislaus Potocki in seiner Denkrede auf Szymanowski hielt folgende Apostrophe auf den Fürsten Adam Czartoryski: „Bei der Erinnerung an das Haus Adam C.’s ist es mir, als hörte ich den Schatten Szymanowski’s so zu mir sprechen: Freund, halte ein mit meinem Lobe und lobe den, dem ich mein Lob verdanke. Erneuere das wohlgefällige Andenken so vieler über ihn gepflogenen Unterredungen. Erzähle, was ihm schulden die polnische Jugend, der gute Geschmack, die Wissenschaft, die Unglücklichen. Staune über die Mannigfaltigkeit seines Wissens, über [88] seine vollendete Kenntniß so vieler Sprachen. Zeige in ihm Einen der Gelehrtesten, den Liebenswürdigsten seiner Zeitgenossen, zeichne uns das schöne Bild seiner Tugenden, seiner Einsicht und seines Herzens. Stell’ auf das Muster eines Sohnes, das Muster eines Vaters, das eines Richters, eines Freundes, das eines edlen Menschen. Lüfte den Schleier, unter dem sich seine heimliche Wohlthätigkeit verbirgt“ u. s. w. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch 1836. 73. Jahrg. S. 95, und 1848, LXXXV. Jhrg. S. 119. – Wappen: Ein aufrecht stehender, viereckiger, nach unten in eine Spitze auslaufender rother Schild mit der königlichen Krone über dem Herzoghute auf dem grünen Boden (der eine lange, die rechte Kante des Schildes berührende und bis zum vierten Theil der Breite des Schildes reichende Mauer, die von drei Thürmchen überragt wird, sehen läßt) reitet nach rechts auf weißem oder silbernen Pferde mit blauem goldbeschlagenen Zügel ein silbergeharnischter Ritter, mit geschlossenem, roth gefiedertem Helm, die rechte Hand schwingt das Schwert, die linke hält einen ovalen blauen Schild, der ein goldenes Doppelkreuz trägt. Schildhalter: Zwei dem Schilde zugekehrte geharnischte Männer mit offenen mit Gold vergitterten, roth bebuschten Helmen, eine Hand hält das Wappen, die andere ruht auf dem blauen Schild mit dem goldenen Doppelkreuze. Den ganzen Schild umgibt der Fürstenmantel. –

Berichtigungen und Nachträge

  1. Czartoryski, Adam Fürst, Staatsmann (Bd. III, S. 85), gest. in Frankreich 15. Juli 1861. [Bd. 9, S. 470.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Chodyniecki (Ignacy).