BLKÖ:Damianich, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Damianitsch, Martin
Band: 3 (1858), ab Seite: 141. (Quelle)
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Damianich, Johann[BN 1] (ungar. Revolutionsgeneral im J. 1848 und 49, geb. zu Stàsa 1804, hingerichtet zu Arad 6. Oct. 1849). Ist serbischer u. z. raitzischer Abkunft und wurde in einer k. Cadettenschule militärisch ausgebildet. Nach seinem Austritt aus der Schule kam er in ein Gränzregiment, wo er es bald zum Lieutenant brachte. In seinem Range avancirte er, 40 Jahre alt, zum Hauptmanne und benützte die Zeit, welche ihm der nicht angestrengte Dienst in der Gränze ließ, zu seiner weitern Ausbildung, wozu ihn der Umgang mit unterrichteten Officieren besonders angeregt hatte. Zu gleicher Zeit hatte er sich den politischen Oppositionsbestrebungen, welche damals in Ungarn sich bildeten, angeschlossen, den Umgang mit slavischen Officieren meidend, jenen der Magyaren in auffallender Weise bevorzugt, weßhalb er wiederholte Verweise von Seite seiner Vorgesetzten erhielt. Im März 1848 bot[WS 1] sich ihm genug Spielraum dar, seine Sympathien offen an den Tag zu legen; er sollte aber nach seiner Beförderung zum Major in der italienischen Armee den Schauplatz seiner bisherigen und künftigen Thätigkeit verlassen. Das ungarische Ministerium verhinderte über D.’s eigenes Bemühen seinen Abgang; dadurch, daß er in unmittelbaren Verkehr mit Kossuth trat und die Gränz-Regimenter für die ungar. Partei zu gewinnen suchte, war der Bruch seinerseits mit dem Corps, in dem er bisher gedient, Thatsache; das Ministerium sandte ihn nach Szegedin und ernannte ihn zum Commandanten des dritten später auch des neunten Honvédbataillons. Die aus mehreren ung. Bataillons bestehende Besatzung von Temesvár wünschte D. zum Befehlshaber, wodurch diese Festung in die Hände der Aufstandspartei gekommen wäre; doch FML. Rukavina, die Gefahr durchblickend, vereitelte dieses Vorhaben und vertauschte die ungarischen Truppen mit slavischen, wodurch das Uebergewicht auf Seite dieser letzteren kam. Indeß bildete D. eine 2 Bataillons, ihrer rothen Kappen wegen, die sie zur Auszeichnung erhalten hatten, die „Rothkäppler“ genannt, so heran, daß sie zu den besten der ung. Armee gehörten. Bald wurde D. zum Obersten befördert und führte auf dem südlichen Kriegsschauplatze gegen die Raitzen, [142] seine eigenen Stammgenossen mit glühendem Haß den Vernichtungskampf und erkämpfte die Siege bei Lagerndorf (9. Nov. 1848) und bei Alibunar (17. Dec.). Er gab in diesen Kämpfen große Beweise persönlicher Tapferkeit. Bei dem Einmarsche von Windischgrätz wurde er aus dem Süden abberufen, um zur Deckung der Theiß gegen Debreczin zu marschiren und vollbrachte am 5. März 1849 den Ueberfall von Szolnok, den der später bei Ofen gebliebene Generalstabsofficier Kleinheinz entworfen hatte und wobei der verschanzte Brückenkopf diesseits der Theiß in die Hände der Aufständischen gerieth. Nun wurde er zum General ernannt. Bei den Rückzugsbewegungen der Ungarn focht er gemeinschaftlich mit Görgey in den Schlachten bei Hatvan, Aszod, Gödöllö, Tabicbicsko, Waizen (14. April) und Nagy-Sárlo (19. April) und die letzten drei wurden durch ihn entschieden. Auch an der Entsetzung Komorns (vom 24.–27. April) hatte er wesentlichen Antheil. Bei seinem Einzuge in Komorn warf sein Wagen um, und er brach das rechte Bein. Der Fuß mußte ihm abgenommen werden und so konnte er der letzten ungarischen Campagne nicht beiwohnen, bis er, noch nicht hergestellt, in Arad den Befehl übernehmen mußte. Nach der Waffenstreckung von Villagos (13. August) übergab D. die Festung Arad auf Görgey’s Aufforderung den Russen (17. August), welche D. an Oesterreich auslieferten. Er wurde mit noch 12 andern ungarischen Anführern zum Tode durch den Galgen verurtheilt, mit der Verschärfung, daß er der Hinrichtung der 12 Andern beiwohnen mußte. Zahlreich sind die Belege für D.’s fanatischen Charakter. Unter andern ist merkwürdig die Proklamation, womit er den Feldzug im Südosten Ungarns eröffnete; sie war an seine raitzischen Glaubensgenossen gerichtet und lautet: „Ich komme, Euch erst sammt und sonders auszurotten und werde mir dann selbst eine Kugel durch den Kopf jagen, auf daß keiner übrig bleibt, den raitzischen Volksstamm fortzupflanzen“. Als D. mit gebrochenem Fuße den letzten Gang zum Hochgerichte hinkte, waren seine letzten Worte: „Sonderbar, sonst wenn es zum Tode gehen hieß, war ich immer der Erste und jetzt muß ich der Letzte sein“. In seiner äußern Erscheinung riesengroß mit starkem gedrungenen Gliederbau, hochgewölbter Brust, entschlossenem aber wildem Ausdruck des gebräunten Gesichts, verworrenem Barte und rothem Haupthaar in langen zum Nacken niederwallenden Locken, mahnte er an die kriegerischen Gestalten des Mittelalters. Er hinterließ eine junge dem Unglück anheimgefallene Witwe.

Er erscheint bald Damianics, oder Damianich, Damjanics, auch Damianitsch geschrieben. – Balleydier (Alph. de), Histoire de la guerre de Hongrie (Paris 1855, 8°.). – Zur Geschichte des ungar. Freiheitskampfes. Authentische Berichte (Leipzig 1851, Arnold, 8°.) I. Bd. S. 200. – Görgey, Memoiren. – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft (Pesth 1850, Heckenast, 8°.) I. Bd. S. 85 [nennt seinen Geburtsort irrig Stava. Levitschnigg charakterisirt ihn folgender Maßen: „Unterfeldherr sans pareil, Raisonneur gegen schwachköpfige Vorgesetzte, blind gehorchend, wo er achtete, Riese von Gestalt, ein zweiter Kleber, kühn wie ein Löwe. Seine Rolle: General Tilly im Raitzenlande. Sein Feldgeschrei: „Let their blood flow like water!“Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) II. Suppl. Bd. S. 1274 [nach diesem geb. zu Pancsowa]. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Auflage) IV. Bd. S. 561. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XII. Bd. Sp. 858. – Steger, Ergänzungsblätter VI. Bd. S. 413.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Damianich, Johann [Bd. III, S. 141].
    Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1872, Nr. 241: „Ueber das Grab Damianic’s und Lahner’s“. [Bd. 28, S. 329.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: both.