BLKÖ:Di Pauli Freiherr von Treuheim, Andreas Alois

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Diotti, Joseph
Band: 3 (1858), ab Seite: 313. (Quelle)
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Di Pauli Freiherr von Treuheim, Andreas Alois (Präsident des Tyroler Appellations-Gerichtes, geb. zu Aldein unweit Botzen 14. Nov. 1761, gest. zu Innsbruck 25. Februar 1839). Sein Vater war ein wohlhabender und geschickter Landwirth im Fleimser Thale. Der Knabe verlor früh die Eltern. Zuerst besuchte er die Ortsschule, 1772 kam er nach Cavalese; hier bildete sich sein fester Entschluß zu studiren, wovon sein Vormund, der ihn für die Landwirthschaft bestimmt hatte, nichts hören wollte. Endlich gab dieser nach und brachte den Knaben 1773 nach Brixen. Später kam er nach Innsbruck, wo er das Gymnasium und 1782 die Universität besuchte. Als diese im J. 1782 aufgehoben wurde, begab sich D. nach Pavia und erhielt daselbst die juridische Doctorwürde. Nun trat D. in Staatsdienste u. z. 1786 beim Fiscalamte u. wurde bald vom Magistrate in Botzen zum Rath gewählt. Bei dem nach Kaiser Josephs II. Tode berufenen Landtage zu Innsbruck erschien D. als Vertreter der Stadt Botzen und erhielt dafür von der Stadt das Bürgerrecht (1790). 1791 kam er mit der Hofdeputation, welche die Wunsche des Landes überbrachte, nach Wien; er ward auch fernerhin mit den Angelegenheiten des Landes betraut, wodurch D. zur genauesten Kenntniß der Landesverfassung gelangte und mehrere Male Missionen nach Wien erhielt. In diese Zeit fällt auch die Ausführung seines Gedankens, eine „Bibliotheca tirolensis“ zu sammeln, welche Alles auf die Geschichte und Kunde seines Vaterlandes Bezügliche enthalten sollte. Im Jahre 1794 wurde D. von Kaiser Franz zum k. k. Rath ernannt. Die kriegerischen Ereignisse, welche im Jahre 1796 begannen, riefen nun D. auf ein anderes Feld; als Referent der Botzner Schutzdeputation entwickelte er eine unermüdliche Thätigkeit. Zur Beruhigung und Ermuthigungen des Publicums gab er ein sogenanntes „Kriegsblättchen“ heraus und betheiligte sich an allen Vorgängen der Tyroler Landesvertheidigung. Für seine Verdienste wurde D. im J. 1797 über Einschreiten der Landschaft in den Adelstand mit dem Prädikate von Treuheim taxfrei erhoben. D. kehrte nunmehr zu seinen Justizgeschäften zurück; aber mit dem Angriff der Franzosen auf die k. k. Truppen bei Martinsbruck (14. März 1799) begannen die kriegerischen Ereignisse von Neuem und D. wirkte in gewohnter Weise als Referent der zusammenberufenen südlichen Schutzdeputation, bis sich diese auflöste (März 1801). Im J. 1803 wurde D. zum Appellationsrath in Innsbruck befördert. Als in Folge der Kriegsereignisse des J. 1805 Tyrol sogar von Oesterreich losgerissen und bairisch wurde, behielt D. auch unter der neuen Regierung seinen Posten und wirkte zum Wohle des Landes. Um diese Zeit trieb er historische Studien und gab eine periodische Schrift heraus, betitelt: „Der [314] Sammler für Geschichte und Statistik von Tyrol“, 5 Bände. Als 1814 Tyrol wieder zu Oesterreich kam, blieb D. auf seinem Posten und führte auch längere Zeit das Präsidium des Appellationsgerichtes. Im J. 1816 wurde D. als Hofrath zur obersten Justizstelle nach Wien berufen, noch im nämlichen Jahre zum Mitgliede der Hofcommission in Justizgesetzsachen ernannt; im J. 1822 (mit kaiserl. Handb. von 29. März) zum Landrechtspräsidenten in Steiermark befördert, und wirkte in dieser Sphäre so trefflich, daß ihn die steirischen Stände in die Matrikel des landständischen steirischen Adels aufnahmen. Im März 1824 kehrte er als Präsident des Appellationsgerichtshofes für Tyrol und Vorarlberg und des obersten Justizhofes des Fürstenthums Liechtenstein in sein Vaterland zurück. Nun wirkte D. in gewohnter Weise, insbesondere als Karl Graf Chotek (s. d. II. Bd. S. 360) das Tyroler Landes-Museum (Ferdinandeum) in’s Leben rief, wobei D. eine solche Thätigkeit entwickelte, daß ihm – wie Bergmann schreibt – das Verdienst eines zweiten Stifters zukommt. Für solche Verdienste erhielt D. 1827 die geheime Rathswürde, nach seinem 50jährigen Dienstesjubiläum das Commandeurkreuz des Leopoldordens und in Folge dessen die Erhebung in den Freiherrnstand. Die Akademie der bildenden Künste und die der Agiati in Roveredo hatten D. zu ihrem Mitgliede erwählt. D.’s „Bibliotheca tirolensis“ ist bis zu 1400 Bänden angewachsen und enthält die wichtigsten Vorarbeiten zur Geschichte Tyrols. D. hat Mehreres geschrieben, für den „Tyroler Almanach“, für die frühere „Innsbrucker Zeitung“; größeres für den „Sammler für Geschichte und Statistik von Tyrol“ und für die „Zeitschrift des Ferdinandeums“, darunter auch mehrere Biographien ausgezeichneter Tyroler. Selbständig gab er heraus: „Lebensgeschichte des Landmessers B. Hueber [mit umständlichen Nachrichten von den Arbeiten des Geodeten von Oberperfuss“ (Innsbruck 1805, Wagner, 8°.). Als D. starb, schrieb der „Tyr. Bote“ über ihn: „Er gehörte in die Zahl jener großartigen, ausgezeichneten Charaktere, wie sie in seltener Erscheinung Länder zieren, und welche die ganze Laufbahn ihres Wirkens auf allen Schritten durch reiche Früchte bezeichnen“.

Bergmann (Joseph), Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des östr. Kaiserstaates vom 16. bis zum 19. Jahrhundert (Wien 1857, Tendler, Lex. 8°.) II. Bd. S. 443. – Hormayr (Jos. Freih. v.), Taschenbuch für vaterländische Geschichte (Leipzig, kl. 8°.) Jahrg. 1841, S. 404: „Andreas Alois Di Pauli.“ – Neue Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg (Innsbruck 1840) VI. Bd. S. 1: „Gedächtnißrede auf Se. Exc. Andreas Di Pauli Freiherrn von Treuheim ... vorgetr. von Dr. Jos. Schletterer.“ – Staffler (J. J.), Tirol und Vorarlberg statistisch und topograph. etc. (Innsbruck 1841) II. Bd. S. 1124. – Oestr. Nat.-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 719 [setzt das Jahr 1763 als D.’s Geburtsjahr an]. – Wiener Zeitung 1839, vom 5. März. – Porträte. Joseph Bergmann im oben bezeichneten Werke, welchem wir die erheblichsten Daten zu dieser biographischen Skizze verdanken, führt mehrere Porträte an, welche von Di Pauli in Oel und Crayon vorhanden sind. Das im Ferdinandeum befindliche Oelgemälde ist von dem Botzener Maler Anton Psenner, der im J. 1830 von Di Pauli einen trefflichen Carton in Crayon nach der Natur gemacht, aus dem Gedächtniß gemalt. Es wird daran das nicht sehr natürliche, zu stark in’s Gelbe fallende Colorit beklagt. Von Stichen sind zu nennen: 1) das von Joh. Gg. Schedler radirte und dann mit Tusch ausgefüllte kleine Porträt (um’s Jahr 1814 und 1815); – 2) dasselbe ganz schraffirt (1816) [die verdorbene Platte von Nr. 1]; – 3) Porträt nach Gebhard Flatz von dem Tyroler Franz Layr in Kupfer gest. (auch vor dem VI. Bändchen der Neuen Zeitschrift des Ferdinandeums). – Medaille. Avers: Linksgekehrtes, einer Antike ähnliches Brustbild. Umschrift: Andreae Al. Di Pauli L. B. De Treuheim Praesidi Judicii Appellat. Tir. Darunter: J. Weiss f. Revers: Im Felde das Wappen. Umschrift: Nato Aldeini XIV. Nov. MDCCLXI. Mortuo[315] Oenipotente XXV. Febr. MDCCCXXXIX. Im Abschnitte: Justitia Fide Literis De Patria Meritissimo Amici (3 Loth in Silber, auch in Bronce, in der Wiener Münzstätte ausgeprägt. Abbildung im obbenannten Werke Bergmanns Tafel XXIII. Nr. 123). – Monumente. Auf dem Gottesacker zu Innsbruck liegt Di Pauli innerhalb der Arkade Nr. 49 bestattet. Ein einfacher weißer, von schwarzem Marmor umrahmter Stein mit einer einfachen Inschrift ziert das Grab. – Ein Denkmal wurde dem um Tyrol Vielverdienten in der St. Jakobs-Pfarrkirche zu Innsbruck an der Mauer nahe am Eingange durch das linke Hauptportal gesetzt. Das Basrelief in der Mitte stellt den Engel am Grabe Christi vor, welcher den drei frommen Frauen dessen Auferstehung verkündigt und mit der Hand gen Himmel auf die in einer Linie stehenden Worte: Quem quaeritis Non . Est . Hic . Surrexit . Marcus XVI. 6. hinweiset. Ober dem Basrelief steht das h. Kreuz. Unterhalb befindet sich in einem Medaillon das Porträt Di Pauli’s. Rechts und links desselben befindet sich die Inschrift: Piae . Memoriae . Andreae . Alois . | Di . Pauli . L. B . De . Treuheim . | Praesidis . Judicii Appellat . Tirol . | Mortui . Oniponte . XXV . Febr . MDCCCXXXIX . | Parentis . Dulcissimi . Filii . Mocrentes . | – Das Porträt ist nach einer Marmorbüste des Innsbrucker Bildhauers Joseph Streicher von Franz Xav. Schwanthaler, einem Vetter Ludwig Schwanthalers, modellirt und 1845 vollendet. Das Monument selbst ist von Ludwig Schwanthaler modellirt und – mit Ausnahme des Kreuzes – unter seiner Leitung von Ferdinand Miller, Director der k. Kunstgießerei in München, aus Bronce gegossen. (H. 6′–7′, Br. 3′, Gewicht 41/2 Pfd.) – Wappen. Quergetheilter Schild. Im oberen silbernen Felde schwebt der rothe, goldgekrönte, an beiden Flügeln mit je einem aufwärts gebogenen silbernen Kleestängel belegte Tyroler Adler, dessen Kopf mit einem natürlichen Lorbeerkranze umgeben ist. Im unteren rothen Felde prangen kreuzweis gelegt Hellebarde und Streitkolben. Den Schild deckt die Freiherrnkrone, auf derselben drei gekrönte Helme. Der mittlere mit dem Tyroler Adler, auf dem zur Rechten Hellebarde und Streitkolben, auf dem zur Linken ein mit den Sachsen nach Innen gekehrter, mit einem silbernen Balken belegter Adlerflügel. Schildhalter: Zwei weiße braun gefleckte Jagdhunde (Emblem der Treue) mit silbernem in Gold gefaßtem Halsbande, woran vorn am Halse ein goldener Ring hängt.