BLKÖ:Dussek, Johann Ladislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 399. (Quelle)
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Dussek, Johann Ladislaus, öfter auch Johann Ludwig (Compositeur und Virtuos, geb. zu Časlau in Böhmen 9. Febr. 1761, gest. zu Paris 20. März 1812). Sohn des Johann Joseph Dussek und der Veronika Stebeta, Bruder des Franz Benedict u. der Veronika vermälte Cianchettini (s. d. Vor.). Zeigte früh eine seltene musikalische Begabung. Erst 9 Jahre alt, spielte er bereits die Orgel. Nun kam er nach Iglau, studirte an der dortigen Jesuitenschule und ward Discantsänger in der Minoritenkirche daselbst. Hierauf begab er sich nach Kuttenberg als Organist, setzte die Studien fort und beendete die Philosophie in Prag. Seine Absicht, in den Cistercienser-Orden zu treten, wurde vereitelt, da man ihn seiner Jugend wegen nicht aufnahm. Sein Entschluß, sich ausschließlich der Musik zu widmen, war nun gefaßt. Mit dem Artillerie-Hauptmann Männer reiste er nach Mecheln, wo er als Claviermeister lebte, später in gleicher Eigenschaft nach Amsterdam. Schon um diese Zeit gab er Compositionen im Stich heraus und trat auch öffentlich auf. 1785 ließ er sich in Mainz hören und erntete großen Beifall. 1786 reiste er nach Paris, wo er vor Maria Antoinette spielte und sehr gefiel. Nun reiste er nach Mailand, trat dort mit gleichem Erfolge auf und ließ sich 1790 in London nieder, wo er die Prinzessin von York zur Schülerin erhielt und mit seinen Compositionen die Anerkennung Händels gewann. Im J. 1793 ließ er seine Schwester Veronika (siehe Veronika II. im Texte der Biographie von Johann Joseph Dussek) nach London kommen. [400] Auch hatte er sich mit der Tochter des Compositeurs und Londoner Musikalien-Verlegers Corri[WS 1] vermält, mit welchem er im J. 1796 in Gesellschaft trat. Im J. 1800 reiste er nach Hamburg, um dort den Vertrieb seines englischen Musik-Verlages nach Deutschland zu befördern und hielt sich zu diesem Zwecke dort längere Zeit auf, ließ sich aber auch mehrere Male öffentlich hören. 1802 trat er in Wien mit großem Beifall auf. Nach einem Besuche seiner Heimat verfügte er sich 1803 nach Berlin, trat dann in Dienste des Fürsten von Isenburg, aus welchen er 1808 in jene des Herzogs von Benevent zu Paris als Conzertmeister übertrat. Schon 1812 im Alter von 51 Jahren ereilte ihn der Tod. Johann Ladislaus war ein geschickter und fruchtbarer Compositeur und seine Werke zeichnen sich durch Eigenthümlichkeit, reiche Erfindung und warmes Gefühl aus. Von seinen theoretischen Werken ist besonders die von ihm mit Pleyel herausgegebene, oft wieder gedruckte „Méthode nouvelle pour le Piano notamment pour le doigter“ (London 1796), auch mit engl. Titel, anzuführen. Dlabacz und Gerber – letzterer in seinem „Neuen historisch-biographischen Lexikon der Tonkünstler“ – zählen viele Compositionen Dusseks, Clavier- und Harfenconcerte mit Orchesterbegleitung, Duetten, Claviersonaten mit Violin, Solos, Rondos u. v. a., welche im Drucke erschienen sind, auf. Wir verweisen in Betreff derselben auf die genannten Werke. Der größte Theil seiner kirchlichen Compositionen befindet sich handschriftlich in der St. Barbarakirche zu Kuttenberg, und in der Decanatskirche zu Časlau. – Seine Frau (Sängerin und Compositeurin, geb. um das Jahr 1770) ist eine Tochter des englischen Musikverlegers und Compositeurs Corri und hatte sich mit ihm 1792 vermält. Sie war eine ausgezeichnete Sängerin, Harfen- und Clavierspielerin. Als ihr Gemal in das Musik-Verlagsgeschäft ihres Vaters als Gesellschafter eintrat, erschienen auch von ihr mehrere Compositionen für die Instrumente, welche sie spielte, im Verlage der Genannten u. z.: „III Sonat. for the Pf.“ (op. 1); – „III Sonat. for the Harp“ (op. 2); – „Duchess of York’s Waltz for the Pf.“; – „German Waltz for the Harp“; – „Deserter Air Rondo for the Pf.“; u. m. a.

Dlabacz (G. J.), Allg. hist. Künstler-Lexikon für Böhmen ... (Prag 1815, Haase, 4°.) I. Bd. Sp. 348 [führt ihn und die ganze Familie unter dem Namen Dussik auf). – Gerber (Ernst Ludwig), Historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, Breitkopf, 8°.) I. Bd. Sp. 366 [führt ihn als Johann Ludwig und im J. 1748 geb. auf]. – Desselben: Neues histor.-biogr. Lexikon der Tonkünstler (Ebenda 1812, Kühnel, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 966 [führt ihn auch als Johann Ludwig (oder Ladislaw) auf, setzt aber sein Geburtsdatum – dasselbe in der ersten Ausgabe des Lexikons berichtigend – auf das Jahr 1762 an. Sein Urtheil über ihn klingt nicht zu schmeichelhaft. Er schreibt über seine Compositionen: „In einem Zeitraume von noch nicht 11 Jahren hat er damit so vielerlei Pressen beschäftigt, daß das Ordnen seiner Werke zu einem Verzeichnisse beinahe ebenso viel Aufmerksamkeit und ungleich mehr Geduld erfordert, als er bei der Composition selbst scheint angewendet zu haben: denn ein großer Theil derselben scheint zu einer gewissen Art Fabrikwaaren zu gehören, welche gewöhnlich dutzendweise verkauft werden“]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1837, 6 Bde.) I. Bd. S. 766. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822 u. f., Gleditsch, 4°.) I. Sect. 25. Bd. S. 28 ([G. W. Fink führt ihn daselbst als Johann Ludwig auf]. – Nouvelle Biographie générale ... publ. sous la dir. de M. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XV. Bd. Sp. 494. [führt ihn als Dussik auf, nach dieser geb. zu Czaslau 9. Febr. 1761, gest. zu Saint Germain-en-Laye im März 1812]. – Fétis, Biographie universelle des Musiciens. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Auflage) V. Bd. S. 319 [führt ihn als Johann Ludwig auf]. – Porträt. 1) Unterschrift: J. L. Dussek. Darunter das Motto: „Musica a [401] l’uomo è norma di lei concenti e prendono da lei gli affetti consonanza e forma“ (nach des königl. engl. Hofmalers R. Cosway Porträt gest. von P. Condé. London 1800, gr. Fol.). – 2) C. F. Riedel sc. (Leipzig 1804, kl. Fol). – Ueber Dussek’s Frau: Gerber (Ernst Ludwig), Neues hist. biogr. Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, Kühnel, gr. 8°.) I. Bd. Sp. 970.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Domenico Corri (Wikipedia).