BLKÖ:Eskeles, Bernhard Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 78. (Quelle)
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[BN 1] Eskeles, Bernhard Freiherr von (Banquier, geb. zu Wien 1753, gest. zu Hietzing bei Wien 7. August 1839). Verlor frühzeitig seinen Vater und der verwaiste Israeliten-Knabe ging zu Beginn der zweiten Hälfte des vor. Jahrhunderts nach Amsterdam, dieser trefflichen Schule wahrer Handelswissenschaft. 17 Jahre alt, führte er das Geschäft eines großen Amsterdamer Handlungshauses, 20 Jahre alt, gründete er ein Handlungshaus in Wien, das durch seine Solidität und vielfachen Geschäftsverbindungen berühmte Hans Arnstein und Eskeles, dem er 50 Jahre hindurch vorstand. Mit einem fast unbedeutenden Stammcapital, das er ererbt, hat er sich durch Klugheit und durch mit logischer Schärfe ausgemittelte Geschäftschancen zu so ausgebreitetem Besitzthum erhoben. Schon Kaiser Joseph II. bediente sich bei seinen Finanzoperationen des trefflichen und erprobten Rathes dieses tüchtigen Finanzmannes, ebenso Kaiser Franz I., der ihm in verhängnißvollen Zeitperioden mehrere der wichtigsten Missionen in’s Ausland übertrug. Im J. 1795 trug E. wesentlich zur Entdeckung der Fälscher bei, welche durch Nachahmung der damals in Umlauf gesetzten Reservescheine in Frankfurt der österr. Regierung großen Schaden zufügten. In d. J. 1805 u. 1809 [79] leistete sein Credit bei Uebernahme mehrerer Aerarialgüter von den Franzosen große Dienste und war wie im J. 1810 bei seiner Sendung nach Paris u. Holland von großem Einfluß. Als im J. 1816 die priv. östr. Nationalbank in’s Leben trat, wirkte E. zu ihrer Gründung und zur Entwerfung ihrer Statuten kräftig mit und widmete diesem Institute durch 23 Jahre, in welcher Zeit er vorerst als Director, dann als Gouverneur-Stellvertreter an demselben fungirte, zu dessen Gedeihen energisch mit. Ebenso wirkte E. bei Begründung der Wiener Sparcasse durch Rath u. That mit. Zwei Tage vor seinem Tode theilte der 87jährige Greis mehrere treffliche auf die wichtigsten Zweige des Bankwesens sich beziehende Bemerkungen einer der höchsten Staatspersonen brieflich mit. Zahlreiche fromme Stiftungen bewahren sein Andenken, darunter eine von 50.000 fl. CM. für 10 Stipendien an arme den höhern Facultätswissenschaften sich widmende Studirende und zur jährlichen Ausstattung einer Braut. Der Monarch zeichnete diese Verdienste durch Erhebung in den Adelsstand, zuletzt in den Freiherrnstand aus. Alle ihm sonst angebotenen Auszeichnungen standhaft zurückweisend, verwirklichte E. nur die ihm durch kaiserliche Gnade gewährte Errichtung eines Realfideicommisses, damit seine Nachkommenschaft bis in die spätesten Zeiten gegen Wechselfälle des Schicksals gesichert sei. In seinem Privatleben glänzte E. durch Biederkeit, Wohlthätigkeit, Scharfsinn und Gemüthlichkeit. Zur Zeit des Wiener Congresses vereinigte sein Salon die Spitzen der Diplomatie; darin bewegten sich ein Talleyrand, Wellington, Castlereagh, Hardenberg u. A. und in den Memoiren jener denkwürdigen Periode wird sein Name oft genannt. E. blieb dem Glauben seiner Väter bis an seinen Tod treu. – Denis Freiherr von Eskeles, Sohn des Obigen und Chef des Handlungshauses Arnstein und Eskeles, königl. dänischer Generalconsul, Ritter und Commandeur mehrerer Orden, führt im Geiste seines Vaters die Geschäfte des berühmten Handlungshauses fort und zählt zu den ersten Finanzgrößen der Monarchie, die an den mannigfaltigen financiellen Operationen der Neuzeit und industriellen Unternehmungen, welche den Verkehr und die Industrie der Monarchie in der Gegenwart heben und beleben, wesentlichen Antheil hat. – Seine Gemalin Wilhelmine, geborne Baronin Brentano-Cimaroli glänzt – wie einst Fanni Arnstein (s. d. I. Bd. S. 69) – als eine der geistreichsten und gebildetsten Damen der Residenz in der Gegenwart.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar 1828, Voigt, 8°.) XVII. Jahrg. S. 683. – Allgem. (Augsburger) Zeitung 1839, Beilage Nr. 235. – Allg. Theaterzeitung von Ad. Bäuerle XXXII. Jahrg. (Wien 1839) Nr. 161; „Nekrolog.“ – Der Humorist, herausgeg. von M. G. Saphir 1839, Nr. 161: „Cypressenblatt, gelegt auf das Grab des Freiherrn Bernhard von Eskeles“ von M. G. Saphir. [„Er starb wie er lebte, voll Milde! Sein Tod war ein Kuß, den das jenseitige Leben dem irdischen gibt, um es für Jenseits zu heiligen. Sein Name ist seine herrlichste Grabrede, an seinen Namen knüpft sich die Erinnerung an jede Erdentugend ....“ so Saphir über E.]. – Morgenblatt (Stuttgart, 4°.) 1839, S. 820. [Charakterisirt ihn unter Anderem folgendermaßen: „Bernhard Freiherr von E., der Chef eines der ersten und geehrtesten Handelshäuser Europa’s, der Hauptbegründer der österreichischen Nationalbank, deren Director er gewesen, der Mann, dessen Rechtlichkeit fast sprichwörtlich geworden ist, dessen Haus der Sammelplatz alles dessen war, was Wien an Fremden und Einheimischen, Vornehmen und Geringen, vom Fürsten bis zum armen Künstler, Ausgezeichnetes besaß, war ursprünglich ein armer jüdischer Waisenknabe.“] – Der Freischütz (Hamburger Unterhaltungs-Blatt) 1839. Nr. 38: „Erinnerung an Bernhard Freiherrn von Eskeles“ [nach diesem gest. 7. Aug. 1839]. – Frankfurter Conversations-Blatt 1839, in einer der letzten Nummern des August. – Frankl (Ludw. Aug.) Dr.), Inschriften des [80] alten jüdischen Friedhofes in Wien (Wien 1855) S. XX und 424, 479, 691. [Grabesinschriften über Bernhards Vater und andere dieses Namens und S. XX Nachricht über den von Bernhards Vater gestifteten, in Brünn angelegten bedeutenden Fond für Rabbiner, den sein Sohn Bernhard, dessen Biographie obige Skizze bildet, für Studierende im Allgemeinen bestimmte.] – Pesther Lloyd 1856, Nr. 44. [Gibt Nachricht von dem Funde, den Paul Hunfalvy[WS 1] in der Handschriften-Sammlung der ungar. Akademie gemacht, und welcher in einem Pergamentdiplome besteht, laut welchem Kaiser Karl VI. unterm 10. Sept. 1725 dem Bernhard Gabriel Eskeles, Schwiegersohn seines Hoffactors, Samiel Wertheimber, damals Oberrabbiner von Mähren, die Würde eines Oberrabbiners von Ungarn verleiht. Es wird die Frage gestellt, ob dieser Eskeles ein Vorfahre der berühmten Banquierfamilie gleichen Namens ist.] – Erhebung in den Adelstand vom 6. Nov. 1797. – Erhebung in den Ritterstand vom 8. April 1811. – Erhebung in den Freiherrnstand vom 29. Sept. 1822. – Freiherrn-Wappen. Ein aufrechter, oblonger, unten in einer Spitze auslaufender gold und blau viergetheilter Schild mit silbernem Herzschild. In diesem eine belaubte Weinranke mit zwei blauen Weintrauben. Im rechten oberen und linken unteren goldenen Feld ist in der Schildestheilung ein halber schwarzer Adler mit offenem Schnabel, roth ausgeschlagener Zunge und von sich gestreckter Kralle, im linken obern und rechten unteren blauen Felde zwei geflügelte gegeneinander aufrechtgestellte dreimal gekrümmte Drachenschlangen. Schildhalter: Zwei natürliche Kraniche, die mit einem Fuße das Wappen halten. Devise: Patriae suisque. – Das Ritterwappen bestand aus einem der Länge nach getheilten Schilde, in der ersten Hälfte das Emblem des Herzschildes und in der zweiten das des linken oberen und rechten unteren des freiherrlichen Wappens. Dieses letztere war auch das Emblem des Wappens bei der ersten Adelserhebung.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Eskeles, Bernhard Freiherr [Bd. IV, S. 78].
    d’Elvert, Notizenblatt u. s. w., wie bei Alois Carl, 1862, S. 58, 68 u 75: „Die Berend (Bernhard) Gabriel Eskeles und Bernhard Freiherr von Eskeles’sche Stiftung“, von Joseph Franz Wild. [Bd. 24, S. 405.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Peter Hunfalvy.