BLKÖ:Fendi, Peter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Feniczy, Johann
Band: 4 (1858), ab Seite: 173. (Quelle)
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Fendi, Peter (Maler, geb. zu Wien 4. Sept. 1796, gest. ebenda 28. August 1812). Eines Schullehrers Sohn, der früh eine große Anlage für das Zeichnen beurkundete. Der Knabe, Alles was er sah nachzeichnend, erhielt bald einen seltenen Grad von Fertigkeit im Copiren. Zufällig lernte der berühmte Augenarzt Jos. Barth (s. d. I. Bd. S. 166) den talentvollen Knaben kennen. Barth besaß eine kostbare Sammlung Antiken, auch den herrlichen Torso des Ilioneus aus der Niobe-Gruppe, und F. hatte unter der Leitung seines Schützers und Kenners Gelegenheit, sich an den großen Mustern des Alterthums zu bilden. Seine trefflichen Zeichnungen der Originale der berühmten Sammlung etruskischer und altgriechischer Vasen des Grafen Lamberg machten diesen auf den Künstler aufmerksam, und F. wurde durch dessen Verwendung zum kaiserl. Cabinetszeichner und Kupferstecher ernannt. In der reichen und gewählten Gallerie des Grafen lernte er auch die Meisterwerke der niederländischen Schule kennen, welche er wie die Natur auf das Fleißigste studirte und deren Vorzüge in Beleuchtung, Helldunkel, Colorit er glücklich sich zu eigen machte. Als Cabinetszeichner begleitete er den Director des kaiserl. Antiken-Cabinets Steinbüchel [174] nach Venedig (1821) zur Uebernahme des Museo Tiepolo und später nach Salzburg zur Leitung der Ausgrabung der Alterthümer. Die Muße widmete er selbständigen Arbeiten mannigfacher Art in Oel und Aquarell, in Kupferstichen und Lithographie. Unter seinen Schülern nennen wir Franz Zeilner, Joh. Bapt. Staudinger, Treml und Albert u. Karl Schindler (s. d.). von denen Letzterer dem Meister um eine Woche (22. Aug. 1842) in’s Jenseits voranging. In seinen im Ganzen nicht zahlreichen Oelbildern ist das Genre am stärksten vertreten. Von seiner Hand sind: „Ihre Majestät die Kaiserin Mutter (Karolina Auguste) Kniestück“; – „Leopold Maximilian Graf von Firmian, Fürstbischof von Wien“ (1831[WS 1]), in Lebensgröße; – dann die Genrebilder: „Das Mädchen vor dem Lotterie-Gewölbe“ (Oelgemälde 1829); – „Die Officierswitwe“; – „Die Pfändung“; – „Ein Klostergang mit Andächtigen“; – „Das Begräbniss auf dem Friedhofe“ (alle vier in der Sammlung [[BLKÖ:Arthaber, Rudolph Edler von|Arthaber]); – „Das Gewitter“ (in der Gallerie Kolowrat); – „Die Horcherin“; – „Das Mädchen an der Briefpost“; – „Der Mönch, der die Vögel füttert“; – „Das Milchmädchen“, nach Lafontaines Fabel; – „Der Kapuziner am Klosterfenster“; – „Eine Ueberschwemmungsscene“ (1830); – „Der heilige Augustin und der Engel am Meere“; – „Kaiser Franz und die Schildwache“; – „Eine Klosterfrau“; – „Der Brautmorgen“; – Und: „Die Mutter am Christabend“, nach Hebel; – Der Säemann“; – „Das Weihwasser“ (in der Sammlung Felner); – „Ein Engel, der Vögel singen lehrt“; – „Die aus dem Wasser gerettete Puppe“; – „Karl V. als Mönch einem Wolkenzuge nachsehend“; – „Der arme Geiger“; – „Amor bittet um Einlass“; – „Das Dachstübchen“; – „Hagar“; – „Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht“ (2 Mal); –- „Der Schutzengel“; – „Der Muttersegen in der Morgenbetstunde“ (in der Ausstellung des östr. Kunstvereins 1857, August, 180 fl.); – „Die Grotte von Corinale bei Triest“; für dieses Sr. Majestät dem Kaiser überreichte Oelgemälde erhielt er die goldene Medaille. F. malte auch einige historische Bilder als: „Erzherzog Ferdinand und Philippine Welser zu Ambras“; – „Eginhard und Emma“; – „Der Ring der Treue“, diese zwei für den Grafen Salm; – außerdem mehrere Aquarelle, von denen sich manche, namentlich Scenen aus dem Volksleben, in den Mappen der kaiserl. Familie befinden. Zu nennen sind einige zu Schillers Gedichten, als: „Ritter Toggenburg“, zum „Lied von der Glocke“, und sein im Auftrage I. Maj. der Kaiserin Karoline Auguste vollendetes Gruppenbild: „Die kaiserliche Familie im 1834“, mit 37 Porträts in ganzer Figur, äußerst gelungen componirt und größtentheils auch sehr ähnlich. Das schöne Aquarell-Gemälde ist durch Johann Passini’s Grabstichel vortrefflich in Kupfer gestochen; – ferner sind von seiner Hand mehrere Copien aus altdeutschen Gebetbüchern der kais. Hofbibliothek; – die Zeichnungen zu Hormayrs „historischem Taschenbuch“ und zum Almanach“ Vesta“; die Zeichnungen der schönsten und wichtigsten Denkmäler des kaiserl. Münz- und Antiken-Cabinets und mehrere zu Dibdins Prachtwerk: „Bibliographical, antiquarian and picturesque tour in France and Germany“. Fendi, der sich keiner festen Gesundheit erfreute, starb – zu früh für die Kunst, zu deren begabtesten Jüngern er zählte – im Alter von 47 Jahren.

Wiener Zeitung vom 6. Oct. 1842, S. 2047: „Nekrolog“ von Joseph Bergmann ]nennt ihn treffend den Peter Hebel der Genremalerei und gibt ein sehr reiches Verzeichniß von F.’s Arbeiten und ihrer Besitzer]. – Hormayrs Archiv für Geschichte, Statistik, Liter. und Kunst (Wien, 4°.) 1822, Nr. 28, S. 151: „Wanderung durch die Ateliers der hiesigen Künstler.“ – Theaterzeitung von Ad. Bäuerle 1842, Nr. 210, S. 930. – Frankl [175] (L. Aug.), Sonntagsblätter (Wien, Lex. 8°.) 1842, S. 645: „Nekrologe. Schüler u. Meister“ [meldet zugleich den Tod Karl Schindlers und seines Lehrers Peter Fendi’s. Entwirft folgende persönliche Schilderung F.’s: „F. war kleiner Statur, höckerig wie Aesop, und trug auf dem kurzen Halse ein großes breites Gnomenhaupt. Sonderbar hatte die Natur in eine solche Quasimodo-Gestalt so viel Geschmack und Kunstsinn gelegt“]. – Dieselben 1843, S. 93. – Perger (A. R. v.), Die Kunstschätze Wiens in Stahlstich nebst erläuterndem Text (Triest 1857, östr. Lloyd) 27. Hft. S. 389 [nach diesem geb. 8. Sept. 1795, gest. zu Wien 28. August 1842; daselbst auch das von N. Dietz gestochene, in der Gallerie Kolowrat befindliche Bild F.’s : „Das Gewitter“]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allg. Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.) IV. Bd. S. 274. – Heller (Jos.), Prakt. Handbuch für Kupferstichsammler (Bamberg 1836, kl. 8°.) III. (letzter) Bd. S. 134. – [[Oesterreichische National-Encyklopädie|Oestr. National-Encyklopädie] (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) II. Bd. S. 113 [nach dieser geb. 8. Sept. 1795] und VI. Suppl. Bd. S. 434. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Auflage) VI. Bd. S. 2. – Müller (Fr.)[WS 2], Die Künstler aller Zeiten u. Völker (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, Lex. 8°.) II. Bd. S. 28. – Wiens Kunstsachen (Wien 1856, L. W. Seidel, kl. 8°.) S. 20 [sagt von F.: „Von ihm ist eine kleine Schule ausgegangen ... hinterließ nur wenige, aber sehr geschätzte Werke“]. – Krafft (Albrecht), Die moderne Schule der k. k. Gemälde-Gallerie (Wien 1854, Pichler, 8°.). – Nouv. Biographie générale... publiée sous la dir. de M. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XVII. Bd. Sp. 316.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1531.
  2. Vorlage: Müller (Franz).