BLKÖ:Folliot von Crenneville, Franz Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Fortner, Ludwig
Band: 26 (1874), ab Seite: 379. (Quelle)
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E Folliot von Crenneville, Franz Graf[BN 1] [Bd. IV, S. 278, im Texte der Biographie von Karl Graf Folliot von Crenneville]. Gegenwärtig k. k. Oberstkämmerer, in welcher Eigenschaft ihm die Sorge der kaiserlichen Kunstsammlungen anvertraut ist, für deren Förderung und eine den Ansprüchen der [380] Zeit entsprechende Ordnung und Einrichtung er angelegentlichst bemüht ist. So stehen die Schatzkammer, das Münz- und Antiken-Cabinet, die Ambraser Sammlung, die Gemälde-Gallerie des Belvedere unter seiner unmittelbaren Aufsicht und Oberleitung. Graf Crenneville ist, wie die angeführte Quelle berichtet, wirklicher Kunstfreund und Kenner, namentlich in den graphischen Künsten, auf deren Hebung, wie z. B. durch Preise und Stipendien für Kupferstecher er thätigst bedacht ist. Obgleich Hochtory, zählt er unter den Persönlichkeiten des Hofes, welche Sr. Majestät dem Kaiser zunächst stehen, zu jenen, welche sich ebenso hoher Achtung, wie wirklicher Beliebtheit im Publicum erfreuen.

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) Jahrg. 1869, I. Bd. Nr. 1355, S. 480, mit ähnlichem, von H. S. gezeichneten Holzschnitt-Bildnisse.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Folliot de Crenneville, Franz Graf [Bd. IV, S. 279; Bd. XXVI, S. 379]. Als Unterlieutenant aus dem Marine-Collegium ausgemustert, kam er mit 1. Mai 1831 in das Tiroler Kaiserjäger-Regiment, aus diesem mit 1. November d. J. als Oberlieutenant zu Fürst Bentheim-Infanterie Nr. 9, am 17. April 1836 als Capitän zu Prohaska-Infanterie Nr. 7 und aus diesem in gleicher Eigenschaft am 1. Jänner 1837 zu Erzherzog Ludwig-Infanterie Nr. 8, in welchem Regiments der Graf am 1. April 1839 wirklicher Hauptmann wurde. Als solcher wurde er noch im Juni d. J. in das Infanterie-Regiment Richter von Binnenthal Nr. 14 übersetzt und wurde in dieser Eigenschaft am 23. December 1840 Dienstkämmerer bei Sr. Majestät dem Kaiser Ferdinand I. In dieser Dienstleistung rückte er am 14. November 1842 zum Major im Infanterie-Regimente König der Niederlande Nr. 26; am 26. Februar 1847 zum Oberstlieutenant, am 14. September 1848 zum Oberst im Regimente und am 29. September 1848 zum Flügeladjutanten Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand I. vor. Am 27. December 1848 wurde der Graf Oberst und Grenadier-Bataillonscommandant im Infanterie-Regimente Erzherzog Leopold Nr. 53 und am 16. Juli 1849 Oberst und Regimentscommandant im Infant.-Regimente Graf Kinsky Nr. 47. Am 11. März 1850 zum General-Major und Truppen-Brigadier befördert, erhielt er als solcher am 1. November 1853 das Commando der Occupationstruppen in Toscana, wurde am 16. Jänner 1855 Militärbevollmächtigter am kais. französischen Hofe, am 27. März 1857 Feldmarschall-Lieutenant [334] und Truppen-Divisionär, in dieser Eigenschaft am 23. August 1859 Chef des Präsidial-Bureau’s des Armee-Obercommando’s, am 20. October d. J. Erster General-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und der Armee und Vorstand der ah. General-Adjutantur. Mit ah. Handschreiben ddo. 11. Juli 1867 dieser Stelle enthoben, wurde er zum Oberstkämmerer Sr. Majestät des Kaisers und in dieser Eigenschaft am 12. Juli 1867 zum Feldzeugmeister ad honores, am 9. August 1870 zum wirklichen Feldzeugmeister ernannt. In dieser vieljährigen Dienstperiode focht der Graf im italienischen Kriege des Jahres 1848 und wurde mit dem auszeichnenden Auftrage betraut, nach der Schlacht von Custozza dem Feldmarschall Radetzky das Großkreuz des Maria Theresien-Ordens zu überbringen; nun wohnte er dem Vorrücken der kaiserlichen Armee bis Mailand bei, stand im Jahre 1849 in der Grenadier-Brigade bei Novara und als Qua-Brigadier unter dem General der Cavallerie von Gorzkowski in Bologna und focht im Jahre 1859 als Truppen-Divisionär bei Montebello und Solferino, in welch letzterer Schlacht er sein Pferd unterm Leibe verlor und mit gebrochenem Schlüssel- und Schulterbeine noch längere Zeit dem Kampfe beiwohnte. Am 17. Mai 1840 wurde der Graf zum Kämmerer ernannt. In Würdigung der vorerwähnten Dienstleistungen bei der Truppe und im ah. Hofdienste wurden dem Grafen mannigfache Auszeichnungen zu Theil: so erhielt er mit ah. Armeebefehle vom 15. August 1859 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration, wurde mit ah. Entschließung vom 15. September 1859 wirklicher k. k. geheimer Rath und mit gleicher vom 17. Jänner 1860 Inhaber des aus den Regimentern Nr. 11, 18 und 21 neu formirten 75. Linien-Infanterie-Regiments, so daß der Graf dessen erster Inhaber ist. Mit ah. Handschreiben ddo. 16. August 1862 erhielt der Graf das Großkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration des Ritterkreuzes, mit gleichem vom 18. August 1867 das goldene Vließ und wurde am 10. Mai 1870 zum Kanzler des österreichischen kais. Leopold-Ordens ernannt. In seiner Eigenschaft als Oberstkämmerer Sr. Majestät des Kaisers hat der Graf sein Augenmerk auf die Kunstzustände des Kaiserstaates gerichtet und das in dieser Richtung erwachende Kunstleben in wirklich bemerkenswerther Weise gefördert. Schon die „Leipziger Illustrirte Zeitung“ 1869, Nr. 1355, hat in flüchtigen Umrissen die Verdienste des Grafen auf diesem Gebiete gewürdigt; die in den Quellen angeführten Aufsätze lassen einen tieferen Blick in diese Wirksamkeit des Grafen thun. Bald nachdem der Graf die Würde des kais. Oberstkämmerers übernahm, als welchem ihm unter anderem die kaiserliche Schatzkammer, die naturwissenschaftlichen Sammlungen, das Münz- und Antikencabinet, die Ambraser Sammlung und die kaiserliche Gemälde-Gallerie im Belvedere unterstehen, nahm er sorgsam Bedacht theils auf angemessene Bereicherungen dieser Sammlungen, theils auf die dem heutigen Stande der Kunstwissenschaft entsprechende Reform der einzelnen Institute. So erhielt – der Graf nahm bei allen diesen Erwerbungen die Initiative durch an Se. Majestät den Kaiser gestellte Anträge – die Münz- und Antikensammlung im Jahre 1869 aus der Sammlung des Kaisers Maximilian I. von Mexiko eine kostbare Collection (115 Stück) mexikanischer Alterthümer, als Götzenbilder, [335] Gefäße, Masken, Idole u. s. w. Für die Waffensammlung wurden als Spende des Grafen Ernst Hoyos Werkzeuge aus Stein und Bronze (300 Stück) erworben. Ueberdieß ließ der Graf selbst zu Potschach, dann bei Maiersdorf in der „Neuen Welt“ und bei Kettlach Nachgrabungen anstellen, welche eine reiche Ausbeute an Geräthen, Schmucksachen u. dgl. m. ergaben. An Denkmälern classischer Kunst wuchsen namentlich zu: Funde aus dem römischen Theater zu Zara und durch Consul Hahn [Bd. VII, S. 200] inschriftliche Denkmäler von der Insel Santorin; die Münzabtheilung gewann sehr seltene griechische Imperialmünzen; aus der mittelalterlichen Periode eine Folge polnischer Münzen mit den ältesten Typen, aus der Münzsammlung von Theodor Mayer [Bd. XVIII, S. 180, Nr. 113] 92 Thaler und Medaillen, welche das kaiserliche Cabinet noch nicht besaß; die Ambraser Sammlung ein herrliches Niellowerk, ein sogenanntes Pax zum Küssen, florentinische Arbeit des 15. Jahrhunderts im schönsten Renaissancegeschmacke. Die kaiserliche Schatzkammer befand sich bis dahin in ziemlich verwahrlostem Zustande; der Graf ließ sofort die entsprechenden Adaptirungen vornehmen, die Sammlung neu aufstellen und durch Schatzmeister J. G. Seidl einen Katalog anfertigen. Unter den Erwerbungen dieses Jahres für die Belvedere-Gallerie sind zu nennen: Matejko’s „Reichstag in Warschau 1773“; „Seeschlacht bei Lissa“, von Durand Brager, 2 Bilder; „Maria’s Gang über das Gebirge“, von Führich; „Gebet Mosis“, von Kupelwieser; „Testamentseröffnung“, von Danhauser; eine „Landschaft“, von Hansch; „Das Rendezvous“, von Pettenkofen; „Vernichtung der Hussiten und Tod des Procopius“, von Ruben; „Einzug Leopold’s des Glorreichen“, von Trenkwald; es sind also vornehmlich österreichische Künstler, welchen die Auszeichnung zu Theil ward, in der kaiserlichen Gallerie vertreten zu sein. Ueberdieß erhielten Karl Wurzinger und Ed. Engerth Aufträge zu zwei großen Bildern, Ersterer zu einem Gemälde, das den verwundeten Rüdiger Grafen Starhemberg darstellt, wie er den Vertheidigungsarbeiten auf den Wiener Wällen zusieht, Letzterer sollte die Krönung Ihrer Majestäten im Jahre 1867 zu Ofen durch seinen Pinsel verherrlichen. Schon im Jahre 1868 hatte der Graf eine Commission einberufen, an deren Spitze die Maler Blaas und Engerth standen, deren Aufgabe es war, die in den verschiedenen Depots zerstreuten Bildnisse von Mitgliedern des Kaiserhauses, worunter sich wirkliche Meisterwerke großer Künstler befinden, einer genauen Prüfung zu unterziehen und eine sorgfältige Beschreibung derselben auszuführen. Alsdann wurde die Restauration der bedeutenderen angeordnet und so die Restaurationsschule geschaffen, in welcher fähige junge Künstler, denen gute Stipendien verliehen wurden, sich zu tüchtigen Restauratoren heranbildeten. Andere, durch das Oberstkämmereramt bestellte Werke wurden zu Geschenken in’s Ausland verwendet: so ein Chorfenster für die deutsche Kirche in Paris, ein Werk des berühmten Wiener Glasmalers Karl Geyling; die Porträtbüste Sr. Majestät des Kaisers aus Marmor für das Hôtel de ville in Paris, von Joseph Gasser; die Bildnisse Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin für die Stadt Nancy, letzteres nach Winterhalter von Gustav Gaul, ersteres von Einsle gemalt, und das Missale romanum für [336] Se. Heiligkeit den Papst mit 24 Bildern von Ruben, Geiger, Führich, Madjera, Leopold Schulz, Kupelwieser, Trenkwald, Blaas, K. Mayer, Anton Kanka u. A. Die neue Aufstellung der Schatzkammer ergab bei dem Besuche derselben die glänzendsten Resultate, betrug ihr Besuch im Jahre 1868 20.071 Personen, so hatte sich derselbe im Jahre 1870 auf 28.610, also auf neunthalbtausend Personen mehr gesteigert; für die Gemälde-Gallerie wurden Arbeiten von folgenden österreichischen Künstlern, von Ludwig Halauska, Julius und Eugen Blaas, Eugen Felix, Georg Raab, Makart, von diesem „Juliens Tod“ u. m. a., erworben; endlich wurde die oberwähnte, anfänglich probeweise errichtete Restaurirschule als integrirender Bestandtheil der kais. Gemälde-Gallerie sanctionirt und Engerth zu ihrem Director ernannt. Auch wurde der Katalog des Hof-Waffenmuseums vollendet und Quirin Leitner’s Werk über die Waffen, ein wahres Prachtwerk und das erste dieser Art, in’s Leben gerufen. In solcher Weise wurden Jahr um Jahr die genannten, unter des Grafen unmittelbarer Leitung stehenden kaiserlichen Sammlungen gefördert, bis das Ausstellungsjahr 1873 herankam, in welchem auch das Oberstkämmereramt der Kunst seinen Tribut darbrachte, da in diesem Jahre die ansehnliche Summe von 114.000 fl. zu Kunstzwecken, und zwar 80.000 zum Ankaufe von Gemälden, ein gleicher Betrag zu Aufträgen für einzelne Künstler und 14.000 für die Ambraser Sammlung verwendet wurden. Unter den für die Belvedere-Gallerie erworbenen Gemälden befinden sich Werke der einheimischen Künstler Angeli, Berres, Canon, Ditscheiner, Lichtenfels, Fiedler, Ranzoni, Schroedl und der Bildhauer Zumbusch und Kundtmann. Auch wurden 29, der Gratzer landständischen Sammlung im Jahre 1841 leihweise überlassene Bilder, darunter Werke von Titian, Tintoretto, Bassano, Seghers, Kranach u. A.. der kaiserlichen Gallerie einverleibt, der Gratzer Gallerie aber 24 Gemälde guter Meister zum Geschenke gemacht. Die neueste Erwerbung, welche sich im Juli 1874 vollzog, ist der Melusinen-Cyklus von Moriz Ritter von Schwind, welchen der Graf um 20.000 Thaler für die Belvedere-Gallerie erwarb. Schließlich sei noch bemerkt, daß der Graf eine Bildniß-Gallerie berühmter österreichischer Künstler angeregt hat, welche in den Räumen des neuen, jetzt noch im Baue begriffenen kunsthistorischen Museums Aufnahme zu finden bestimmt ist. Das von Amerling über Aufforderung des Grafen vor Kurzem vollendete Selbstbildniß eröffnete den Reigen der neueren Meister, während nach Bildnissen älterer Künstler sorgfältige Nachforschungen gehalten und dieselben zu diesem Zwecke gesammelt werden. Vorstehende, nur flüchtige Uebersicht enthält Thatsachen, die weiter keines Commentars bedürfen, jedenfalls aber sprechende Belege liefern, wie auch an höchster Stelle das in reger Entwickelung begriffene Kunstleben im Kaiserstaate erfaßt und gefördert wird.
    Wiener Abendpost (Abendblatt der Wiener Zeitung) 1869, 5. Jänner, Nr. 19: „Die Erwerbungen des k. k. Münz- und Antiken-Cabinets im Jahre 1868“; – dieselbe 1872, 25. Jänner, Nr. 20: „Pastellmalerei“. – Wiener Zeitung 1869, 13. März, Nr. 59: „Einiges aus dem Gebiete der Kunst in den Hofsammlungen“; – dieselbe 1870, 10. März, Nr. 56: „Einiges aus dem Gebiete der Kunst in den Hofsammlungen“; – dieselbe 1873, 25. December, Nr. 298: „Die Kunst und die Hofsammlungen“. [Bd. 28, S. 333 f.]