BLKÖ:Fuhrmann, Mathias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Fulda, Wilhelm von
Band: 5 (1859), ab Seite: 28. (Quelle)
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Fuhrmann, Mathias (Geschichtforscher und Topograph, geb. in Wien um das Jahr 1690, gest. zu Wien 1773). Besuchte die unteren Schulen in Wien und trat dann zu Hernals in den Orden der Paulaner. Abwechselnd in den Klöstern zu Wiener-Neustadt u. Wien verrichtete er die Seelsorge und widmete die Mußestunden geschichtlichen Arbeiten. Außer diesen hinterließ er als Denkmal seines Fleißes den musterhaft gearbeiteten Katalog des Archivs von Wr.-Neustadt, welches er auch selbst geordnet hatte. Einen großen Theil der Kupfer zu den weiter unten angegebenen Werken hat F. selbst gezeichnet und gestochen. Er starb als General der östr. Provinz seines Ordens im hohen Alter von 83 Jahren. Seine Werke sind in chronologischer Ordnung: „Alt- und Neu-Oesterreich oder compendiöse Universal-Historien“, 4 Bde. (Wien 1734–37, [29] m. K. K.); – „Alt- und Neu-Wien oder dieser Residenzstadt chronologisch und historische Beschreibung“, 2 Bde. (Wien 1738 u. 1739[WS 1], mit K. K.); – „Historia sacra de baptismo Constantini Max. Aug. Colloquiis familiaribus digesta. Pars I et II“ 1. Bd. Rom 1743, m. K. K., 2. Bd. Wien 1747), der 2. Thl. ist leider sehr durch Druckfehler entstellt; – „Leben und Wunderthaten des Heiligen Nordgauer und Oesterreicher Apostels Severini Abtens im Closter Heiligenstadt nächst Wien. Aus dem Lateinischen“ (Wien 1746); – „Dux viae Angelicus ad urbem Romam“ (ebd. 1749, deutsch 1749); – „Abhandlung von den historischen Streitfragen: 1. Ob die altröm. Gränz-Stadt Vindobona oder Fabiana auf dem Platz des heutigen Wiens gestanden? 2. Ob die alte Stadt so gross als Wien gewesen? 3. Ob das alte Wien allezeit eine Stadt allezeit eine Stadt verblieben oder abgekommen sey? 4. Ob Henricus Jasomirgott der letzte Markgraf oder erste Herzog von Oesterreich Stifter vom heutigen Wien gewesen?“ (Ebd. 1764). Gegen diese Schrift erschien von dem Priester der Gesellschaft Jesu Leop. Fischer (s. d. IV. Bd. S. 242) die Gegenschrift: „Erinnerung an den Leser der Abhandlungen von den histor. Streitfragen Math. Fuhrmanns“ (Wien 1764, 8°.) und von Ph. Lambacher: „Beantwortung der von dem Hrn. Verfasser des Alt-und Neu-Wien gemachten Einwürfe“ (Ebd.). In Folge derselben bearbeitete F. sein Werk von Neuem, versuchte die Einwürfe zu widerlegen und gab es nun unter dem Titel: „Beschreibung und kurze Nachricht von der Stadt Wien und ihren Vorstädten“, 4 Thle. (Wien 1766–1770, mit vielen K. K., 8°.) heraus; – sein letztes Werk ist die „Allgemeine Kirchen- und Weltgeschichte von Oesterreich, von Kaiser August an bis auf das 337. Jahr nach Christi Geburt“ (Wien 1768, mit 15 K. K., gr. 4°.). Ungeachtet der mannigfaltigen Irrthümer in seinen Werken, welche die späteren Forschungen dargethan, zählt F. doch zu den vorzüglichsten Historikern Oesterreichs und sind seine Schriften bis heute eine ergiebige Quelle für den Culturhistoriker.

Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750–1800 verstorb. deutschen Schriftsteller III. Bd. S. 573. – Baur (Sam.), Allg. histor.-biogr.-literar. Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die im ersten Jahrzehend des 19. Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, Lex. 8°.) II. Bd. Sp. 335. – Adelung, Fortsetzung und Ergänzung zu Jöchers Gelehrten-Lexikon. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann'), (Wien 1837) II. Bd. S. 243. – Gräffer (Franz), Neue Wiener Tabletten und heitere Novellchen (Wien 1848, Kuppitsch) S. 14: „Historiker Fuhrmann und die Paulaner.“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1839.