BLKÖ:Habsburg, Anna von Oesterreich (Königin von Frankreich)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 152. (Quelle)
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Anna von Österreich (1601–1666) in der Wikipedia
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29. Anna von Oesterreich, Königin von Frankreich (geb. 1602, gest. 20. Jänner 1666). Tochter Philipp’s III., Königs von Spanien. Am 25. December 1615 vermälte sie sich mit Ludwig XIII., König von Frankreich, und wurde Mutter Ludwig’s XIV. Anna ist eine der merkwürdigsten Fürstinen des Mittelalters. Durch Beschluß vom 18. Mai 1643 übertrug ihr, als ihr Gemal gestorben, das Parlament die Regentschaft während der Minderjährigkeit ihres Sohnes und verwarf das Testament Ludwig’s XIII. Die Siege des großen Condé erwarben ihr die Achtung der Nation und als die maßlosen Unterdrückungen Mazarin’s den Bürgerkrieg (den Krieg der Fronde) hervorriefen, stellte sie sich unter Condé’s Schutz. Berühmt ist die Antwort, welche sie Mazarin gab, als dieser sie durch die Drohung, ihr erstgeborner Sohn könnte Mazarin’s Nichte Hortensia heirathen, besorgt machen und einschüchtern wollte: „Wenn der König“, erwiederte sie dem schlauen Staatsmann, „fähig wäre, diese Unthat zu begehen, so stellte ich mich mit meinem zweiten Sohne an die Spitze meines Volkes, und stünde gegen den König und gegen Euch auf.“ Eine Eigenthümlichkeit, die sie besaß, war, daß sie, obgleich sie Blumen leidenschaftlich liebte, nicht den Anblick der Rose, ja selbst im Gemälde nicht, ertragen konnte. Ihr Körper war von einer ausnehmenden Empfindlichkeit und es war schwer, genug feine Linnen für ihre Hemden und Leibwäsche zu finden. Mazarin, als er über diese Verweichlichung einst witzelte, sagte zu ihr: „Königin, wenn Ihr im Jenseits verdammt werdet, so [153] wird Eure Strafe sein, auf holländischer Leinwand zu schlafen.“ Das Porträt, welches Frau von Motteville von Anna entwirft – und damals (1639) zählte die Königin bereits 37 Jahre – läßt sie als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit erscheinen. „Sie war weiß,“ schreibt diese Dame, „und keine Büste war mit der ihrigen zu vergleichen; die Augen waren tadellos schön, Anmuth und Majestät sprachen aus ihnen, ihr Mund war klein und vom reinsten Purpur, ihr Lächeln bezaubernd, die Form des Gesichtes edel und die Stirn schön gewölbt, Hände und Arme waren von überraschender Vollendung und ganz Europa vernahm das Lob derselben, sie wetteiferten ohne Uebertreibung mit dem blenden Weiß des Schnees. Sie war groß, aber aus ihrer erhabenen Erscheinung sprach kein Stolz. In ihrer Miene saß ein unaussprechlicher Zauber und in den Gemüthern Aller, die ihr nahten, ließ ihre Schönheit die Eindrücke von Verehrung und Ergebenheit zurück.“ Ungeachtet aller dieser Reize verlebte sie ein Dasein ohne Liebe an der Seite ihres von Richelieu beherrschten Gatten. Als Ludwig XIII. eines Tages gegen die Königin durch die Verleumdung aufgestachelt ward, daß sie ihm, um sich neuerdings zu vermälen, nach dem Leben trachte, erwiderte ihm Anna Angesichts des Staatsrathes, vor welchem der König diese Beschuldigung ausgesprochen hatte, in Würde: „Der Gewinn bei einem solchen Wechsel wäre zu unbedeutend, um ein so großes Verbrechen für einen so geringen Erfolg zu begehen.“ Als der Krieg der Fronde beendet war, widmete sich die Königin ganz dem beschaulichen Leben, und die prächtige Kirche Val de Grâce ließ sie erbauen. Sie starb im Alter von 64 Jahren.

Boyer (Pierre), Remarques de signalés bienfaits rendus à l’Etat par Anne d’Autriche, depuis le commencement de sa régence jusqu’à l’an 1649 (Paris 1649, 4°.). – Carmagnole (Andre), Oraison funebre d’Anne Autriche (Paris 1666, 4°). – Chaumetz (Louis de), Devises panegyriques pour Anne d’Autriche (Bordeaux 1667, 4°.). – Mascaron (Jules), Harangues prononcées au parlament, chambre des comptes, cour des aides de Provence pour la publication de la charge de grand maître ... en faveur de la reine-mère et régente (Paris 1647, 12°.). – Montigny (Jean de), Oraison funebre d’Anne d’Autriche (Rennes 1666, 4°.). – De la Serre (Jean Pierre), Portrait d’Anne d’Autriche (Paris 1644, 4°). – Pelisson-Fontanier (Paul), Abrégé de la vie d’Anne d’Autriche en forme d’épitaphe (Paris 1666, 4°.). – Amours d’Anne d’Autriche, epouse de Louis XIII., avec le C(ardinal) D(e) R(ichelieu) (Cologne 1691, 12°.; – ebd. 1693, 12°. [auf dieser sehr seltenen Ausgabe steht auf dem Titel der Zusatz: avec le cardinal de Richelieu, le véritable père de Louis XIV., ebd. 1696, 12°. u. London 1738, 12°.)]. – Eine noch größere und interessantere Ausbeute liefern aber die Memoiren und Geschichtswerke jener Periode, als: La Rochefoucauld, „Mémoires“; – Aubery, „Histoire du Cardinal Mazarin“; – Saint Auclaire, „Histoire du la Fronde I, 106“; – Bernard Le Vassor, „Histoire de Louis XIII.“; – Sismondi, „Histoire des Français, Bd. XXIV“.