BLKÖ:Habsburg, Rudolph IV. der Stifter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 137. (Quelle)
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278. Rudolph IV. der Stifter, der erste Erzherzog (geb. 1. November 1339, gest. 26. Juli 1365). Sohn Albrecht’s II. des Weisen [Bd. VI, Nr. 8] aus dessen Ehe mit Johanna, Gräfin von Pfyrt. Gemalin: Katharina von Böhmen (geb. 1342, gest. 1373), Tochter Karl’s, Königs von Böhmen, als deutscher Kaiser Karl IV., ihm 1360 vermält. Aus dieser Ehe stammen keine Kinder. Wahlspruch. Um einen Fuchs die Devise: „Jnsipiens sapientia“, welches Fugger übersetzt:

Die arge List
Mit Weisheit ist.

Hervorragende Lebensmomente: Mit seinen Brüdern Albrecht III. und Leopold III. übernahm Rudolph IV. gemeinschaftlich die Regierung der Erblande, doch war ihm, so lange er lebte, die eigentliche Leitung derselben überlassen. Eine der glücklichsten Unternehmungen seiner Regierung war die Erwerbung Tirols. Heinrich, Herzog von Kärnthen, der letzte Graf von Tirol, war 1320 gestorben; Kärnthen, als erledigtes Reichslehen, fiel an die Herzoge von [138] Oesterreich, Tirol verblieb seiner hinterlassenen Tochter Margaretha, genannt die Maultasche. Ueber Kärnthens Verlust erbittert, verband sich Margaretha mit Bayern und fiel in Kärnthen ein, in nicht weiblicher Art in dem schönen Lande hausend. Bald wurde ihr Heer aus dem Lande vertrieben. Margaretha, welche nach der Scheidung von ihrem ersten Gemal Johann, Markgrafen von Mähren, zur zweiten Ehe mit Ludwig, Markgrafen von Braunschweig, geschritten war, hatte von letzterem einen Sohn Meinhard, der mit Albrecht’s II. Tochter Margaretha vermält war, aber in jungen Jahren starb. Margaretha Maultasch, welche zwar in einem früheren Vertrage den Anfall Tirols den bayerischen Herzogen zugesichert hatte, trat, weil sie mit diesen in beständiger Feindseligkeit lebte, Tirols wegen mit den österreichischen Herzogen in Unterhandlungen. Rudolph, um seiner Sache gewiß zu sein, begab sich nun selbst nach Meran zu Margarethen und erreichte es, daß sie ihm mit Beistimmung der tirolischen Stände nicht nur die Erbfolge zusicherte, sondern sogar das Land bei Lebzeiten schon abtrat (1363). Rudolph aber nahm die Herzogin Margaretha nach Wien, wo er ihr in einem Dörfchen nahe bei Wien ein Schlößchen zum Wohnsitz anwies, welches nach ihr Margarethen benannt wurde und später einer Vorstadt Wiens den Namen gab. Margaretha starb in Wien, über 60 Jahre alt (13. März 1366). Uebrigens war die Besitzergreifung Tirols für Rudolph mit um so ernsteren Kämpfen verknüpft, als mehrere Adelige, wie Hanns von Freundsberg, der Landeshauptmann Ulrich Graf von Matsch, Petermann von Schena, Heinrich von Rottenburg, Conrad Kunnersberger von Kundelberg u. A. sich gegen den neuen Herrn auflehnten und auf Seite Stephan’s, Herzogs von Bayern, schlugen. Der Kampf um Tirol mit Bayern endete erst vier Jahre nach Rudolph’s Tod, und nur die Treue der Bürger von Innsbruck und Hall rettete Rudolphen vor einem meuterischen Anschlage der Aufrührer. Nun nahm Rudolph IV. den Titel Pfalzerzherzog von Oesterreich (Archidux palatinus) an, der seinem Hause schon nach einer Bulle Kaiser Friedrich’s I., 1156 gebührte. Weil zu diesem Range ein Erzamt gehörte, fügte er noch den Titel: Des heiligen römischen Reiches Oberjägermeister bei, und seiner Abstammung wegen nannte er sich noch Fürst zu Schwaben und im Elsaß. Den Pfalzerzherzogentitel, wie jenen von Schwaben und Elsaß legte er aber über Andringen des Kaisers Karl IV. wieder ab, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt: „Daß die etlichen Dinge, so er Kaiser und Reich zu Ehren und zu Liebe gethan, ihm und seinen Nachkommen bei künftigen römischen Kaisern unschädlich sein sollen.“ So kurz die Regierung Rudolph’s war, so inhaltreich war sie für Oesterreich. Vor Allem legte er den Grundstein zum Weiterbau des Stephansdomes, woraus sich der nachherige Prachtbau entwickelte. Zu diesem Zwecke führte er eine Consumtionssteuer ein, die sich nachmals in die Tranksteuer verwandelte, und gab das bisherige Vorrecht, die umlaufende Münze alljährlich zu verändern, wobei die alte durch eine neue tief unter ihrem Werthe stehende ersetzt wurde, auf. Unter den Kaufleuten und Handwerkern hob er alle Innungen, Zechen und Zünfte auf und führte vollständige Gewerbefreiheit ein; die Steuerfreiheit für Geistliche und [139] Weltliche hörte gleichfalls auf, alle mußten gleich den Bürgern die Steuern entrichten. Das Asylrecht vollständig aufzuheben, konnte er nicht unternehmen, jedoch schränkte er es auf die Burg, bei St. Stephan und bei den Schotten und nur innerhalb der Ringmauern ein. Ein Decret von 1364 setzte fest, daß er kein gesprochenes Urtheil in seinem Zuge aufhalten, keinen letzten Willen beirren, Bürgerskinder durch seine Empfehlung zu keiner Heirath zwingen und überhaupt alle Rechte der Stadt aufrecht halten wolle. Mehrere Anordnungen betreffs des Weinbaues wirkten fördernd für denselben. Unter seiner weisen Regierung machte der Adel in Wien sich seßhaft, es entstanden große Bauten daselbst, viele Klöster suchten zur Abwickelung ihrer Geschäfte den Aufenthalt in der Residenz und aus jener Zeit datiren der Zwettelhof, der St. Pöltnerhof, Heiligen-Kreuzerhof, Neustädterhof, Kremsmünsterhof. Die bisherige Uebung, wornach Bürger Wiens, welche auf fremdem Grunde Häuser gebaut oder gekauft hatten, nie die eigentlichen Besitzer dieser Gebäude waren und immer dem Grundherrn dienstbar sein und Steuer zahlen mußten, hob er auf, erklärte jedes erkaufte Grundstück oder Gebäude für des Käufers unantastbares Eigenthum und gestattete den eigentlichen Grundherren nur mehr den Grunddienst und die Gebühren bei Besitzesveränderung. Das Zimmer in der Burg, wo er geboren worden, verwandelte er in eine Capelle, seines Geburtstages am 1. November wegen Allerheiligencapelle genannt; begründete 1359 dabei eine Collegiatkirche mit 1 Propst, 24 Chorherren und 26 Hilfspriestern, welche er später ob Mangel an Räumlichkeit auf die alte Pfarrkirche zu St. Stephan übersetzte; erhob diese Pfarrei zur Propstei, enthob sie mit Urkunde vom 21. December 1359 der Metropolitangewalt des Erzbischofs von Salzburg und des Ordinariats von Passau und verlieh dem Propst Inful und Stab. Vier Jahre später schenkte er dieser Kirche die kostbaren Reliquien, welche er von seinen Vorfahren ererbt hatte. Sie wurden in dem an der Kirche angebauten unter dem Namen „Heilthumstuhl“ bekannten und 1700 abgetragenen Gebäude aufbewahrt, alsdann aber in die Schatzkammer von St. Stephan feierlich übertragen. Am 5. August 1364 wurde die St. Stephanskirche zur gefürsteten Propstei erhoben, mit welcher Würde mannigfache Ehren verbunden waren. Am 12. März 1365 erließ Rudolph zugleich mit seinen Brüdern Albrecht und Leopold die Stiftungsurkunde der Wiener Hochschule, an welcher nun die Naturkunde, Arzneiwissenschaft, das bürgerliche und canonische Recht und die freien Künste gelehrt wurden. Sie feiert 1865 ihr fünftes Säcularfest. Nur die Theologie blieb noch der älteren Universität zu Prag vorbehalten, und kam erst unter Rudolph’s Bruder Albrecht mit dem Zopfe (1380) auch hiezu. Schon das erste Jahrhundert dieser Hochschule weist Namen von europäischer Berühmtheit, als z. B. einen Albrecht von Sachsen, nachherigen Bischof von Halberstadt, den Dichter Conrad Celtes, die Geschichtschreiber Aventin, Haselbach, die Astronomen Peuerbach und Regiomontanus, ferner einen Cuspinian, Hieronymus Balbus, Ursinius Velius, Heinrich von Hessen, Heinrich von Oyta, Thomas von Straßburg, Papst Pius III., vieler Anderen nicht zu gedenken. In Folge eines mit Albrecht, Grafen [140] von Görz, geschlossenen Vertrages, erwarb er den Theil von Krain und der windischen Mark, welchen dieser früher besessen und mit dem Hause Luxemburg, welches in Böhmen herrschte, hatte er eine Erbverbrüderung geschlossen. Auch war es Rudolph, welcher den Wappenschild mit den fünf Adlern, von Anderen als die Lerchen der zehnten römischen Legion: Legio alaudarum gedeutet, einführte. Im Jahre 1365 begab sich Rudolph nach Mailand, um die Braut seines Bruders Leopold, Viridis aus dem Hause Barnabo Visconti, heimzuführen. Dort aber erkrankte er an einem hitzigen Fieber, welches ihn in dem schönen Alter von 26 Jahren am 26., nach Anderen am 27. Juli nach 7jähriger ruhmvoller Regierung dahinraffte. Mit vollem Rechte verlieh ihm, der so vieles Gute gestiftet, die Geschichte den Beinamen des Stifters (Fundator). Die Trauer über seinen Tod im Lande war allgemein. Seine Leiche wurde nach Wien gebracht und in der von ihm 1363 bei St. Stephan gestifteten Fürstengruft beigesetzt; diese Gruft gerieth schon vor 1579 an, da mehrere der nachfolgenden Regenten als Könige von Böhmen in Prag bestattet wurden, in Vergessenheit und wurde 1645 durch einen Zufall wieder entdeckt. Jedoch erst 1739 wurde sie vollständig eröffnet, 1754 auf Befehl Maria Theresia’s die fürstlichen Leichen erst in eichene, dann in kupferne Särge übertragen, von der Zeit an aber nur die Eingeweide der verstorbenen Regenten und Prinzen daselbst beigesetzt. An der dem Churhause gegenüber befindlichen Eingangshalle sieht man noch heut das herrliche Cenotaphium Rudolph’s mit den steinernen Bildsäulen, welche ihn und seine Gemalin Katharina von Böhmen vorstellen. Rudolph war es endlich, der den Bau der beiden hohen Thürme am Dome von St. Stephan begonnen hatte, und war dieser bei seinem unvorgesehenen Tode bis zur Hälfte seiner nachherigen Höhe gediehen.

Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) Bd. VIII, S. 323: „Ueber den Grafen Ulrich von Schaunberg, den angeblichen Erzieher des Herzogs Rudolph IV. von Oesterreich“. [Hormayr, der ihn übrigens Schaumburg nennt, charakterisirt den Grafen folgendermaßen: „Ein Mann von ungemeinem Geiste und Kraft. So irrig auch seine Begriffe über die höchste Ursache, über die menschliche Seele und ihre Freiheit waren, so ist es doch schon außerordentlich genug, wahrzunehmen, wie in denselbigen Zeiten der Rohheit und Unwissenheit ein Ritter alle Kräfte seines Verstandes dem Nachdenken über solche Gegenstände geweihet habe. Die Seele des Menschen hielt er: „für eine einzelne Fulguration des unendlichen Lichtes, ein Wirken in einer körperlichen Hülle, für die Zeit der Prüfung, der Läuterung ewigen Kampfes der Sinne gegen den Geist. Werde der Körper ein zu ungleichartiger und unwürdiger Gefährte der Seele, so reiße sich der ewige unzerstörbare Funke los, senke sich zurück in das unendliche Licht und lasse den todten Körper in seiner vollen Nichtigkeit“. Er war der bitterste Feind jener Geistlichen, deren eben dazumal verfallene Kirchenzucht ihm manche Blöße darbot. Leider war Graf Ulrich nicht ebenso der Beste seiner Zeit, wie er der Klügste war. Man weiß, daß er oft nach fremdem Gute lüstern und eben nicht ängstlich in der Wahl der Mittel gewesen, dazu zu gelangen; also daß die Vermuthung nicht ungegründet ist, er habe sich vom Glauben der Väter vornehmlich darum entfernt, weil ihm dieser in manchen Stücken unbequem schien.“] – Kurz (Fr.), Oesterreich unter Rudolph IV. (Linz 1821, 8°.). – Fugger (Joh. Jac.), Spiegel der Ehren des Erzhauses Oesterreich (Nürnberg 1668, kl. Fol.) S. 337, 338, 342, 345, 346. – Lichnowsky (E. M. Fürst), Geschichte der Söhne Herzog Albrecht’s des Zweiten (Wien 1839, Schaumburg u. Comp., 8°., mit 3 K. K.), auch unter dem Titel: Geschichte des Hauses Habsburg (ebd.) 4. Theil, S. 3–98. – Hormayr’s Plutarch, Bd. III, S. 5–16 [in der Biographie Leopold’s des Biederben]. – Geschichts- und Erinnerungs-Kalender, [141] herausg. von Schimmer (Wien, Sollinger, 4°.) Jahrg. 1845, S. 144: „Rudolph IV.“ – Hormayr’s Archiv für Geographie, Historie u. s. w. (Wien, 4°.) Jahrgang 1816, S. 478: „Rudolph der Weise. Oesterreichs erster Erzherzog bestätigt der Stadt Freyburg im Vochtlande ihre Freiheiten. Innsbruck, October 1363“; – Jahrg. 1818, S. 314: „Villachs Belagerung und Zerstörung im Jahre 1359“. Von S(imon) M(artin) Mayer. – Tiroler Almanach 1804, S. 104: Uebergabs-Urkunde Tirols an das Erz-Haus Oesterreich (1363). – Feßmayer (J. G.), Stephan der Aeltere, Herzog von Beyern, wegen dem Verluste der Grafschaft Tirol gegen Johannes von Müller vertheidigt (München 1817, 8°.). – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde von J. P. Kaltenbäck, Jahrg. 1837, S. 156: „Das Reitersiegel Herzog Rudolph’s IV.“ – Neue Zeitschrift des Ferdinandeums (Innsbruck, 8°.) 1836, S. 118–126: „Zwei bisher unbekannte Silbermünzen von Rudolph IV., Herzoge von Oesterreich, als Grafen von Tirol, und von Meinhard II. Von Jos. Bergmann“. – Chmel (Jos.), Der österreichische Geschichtsforscher (Wien 1838, 8°.) Bd. I, S. 217: „Ein bisher unbekannter Goldgulden vom Herzoge Rudolph IV. von Oesterreich“. von J. Bergmann. – L. A. Frankl in seinem Romanzen-Cyclus: „Das Habsburgslied“ (Wien 1832, gr. 8°.), widmet Rudolph dem Stifter zwei Dichtungen, S. 51: „Der Fürstin Entsagung“, und S. 53: „Des Geistes Segen“. – Porträte. 1) In Fugger’s Ehrenspiegel S. 346, gestochen von J. F. Fleischberger; – 2) gez. von C. Mayer, gest. von Hyrtl [in Lichnowsky’s „Geschichte des Hauses Habsburg“].