BLKÖ:Hacquet, Belsazer

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
Band: 7 (1861), ab Seite: 163. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Belsazar Hacquet in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118699970, SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Hacquet, Belsazer|7|163|}}

Hacquet, Belsazer (Ethnograph und Naturforscher, geb. zu Le Conquet in der Bretagne 1739, gest. zu Wien 10. Jänner 1815). Wie er nach Oesterreich gekommen, ist nicht bekannt; [164] im siebenjährigen Kriege diente er schon als Unterarzt in der österreichischen Armee. Der berühmte van Swieten lernte ihn kennen und über dessen Verwendung erhielt er die Lehrkanzel der Anatomie und Chirurgie am Lyceum zu Laibach, später (1788) jene der Naturgeschichte zu Lemberg. Im Jahre 1810 legte er sein Stelle nieder, begab sich nach Wien und lebte dort ausschließend den Wissenschaften. Noch als Professor benützte er die Ferienmonate zu Reisen, welche er nicht selten zu Fuß machte. Auf denselben durchwanderte er die ganze Monarchie nach einem bestimmten Plane zu rein wissenschaftlichen Zwecken und wurde darin von Maria Theresia und Kaiser Joseph II. mit Geldmitteln unterstützt. An Zwischenfällen auf seinen Fahrten fehlte es überdieß nicht, so z. B. sahen ihn die Leute in Kärnthen für einen Ketzer an und zeigten ihn als solchen der Behörde an. Als Ethnograph und Naturforscher unterzog er Alles seiner Beobachtung, als Anatom jedoch zu sehr an ihre Außenseite, die Natur, sich klammernd, vergaß er über ihren materiellen Kräften auch ihre geistigen in die Wagschale zu legen; er ist also wohl ein geschickter und genauer Beobachter, aber seinen Beobachtungen fehlt der philosophische Tiefblick. Immerhin besitzt er aber um seine Wissenschaft unbestreitbare Verdienste. Als Gelehrter stand er mit vielen Forschern des In- und Auslandes im brieflichen Verkehre und war auch Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften. Seine selbstständig erschienenen Werke sind in chronologischer Folge: Oryctographia Carniolica, d. i. Physikalische Erdbeschreibung des Herzogthums Krain, Istrien und zum Theil der benachbarten Länder. 4 Bde. (Leipzig 1778–1780, mit Kupfer und Karten); – „Nachrichten von Versteinerungen, von Schaalthieren, die sich in ausgebrannten feuerspeienden Bergen finden, herausgegeben und mit Anmerkungen vermehrt von J. S. Schröter“ (Weimar 1780, Hoffmann, 8°.); – Observations sur deux conceptions douteuses“ (Erfurt 1781, Keyser, 4°.) [Vorher in den Actis Acad. Erfurt 1779]; – „Plantae alpinae Carniolicae collectae et descriptae“ (Wien 1782 [W. Nauck in Leipzig], mit K. u. K., gr. 4°.); – „Mineralogisch-botanische Lustreise vom Berg Terglon in Krain zu dem Berg Glockner in Tirol im Jahre 1779“ (Wien 1784, Sammer, gr. 8°., mit K.) [zuerst in den „Schriften der Berliner Gesellschaft naturforsch. Freunde“ 1780]; – „Physikalisch-politische Reise aus den Dinarischen durch die Julischen, Karnischen [aber nicht, wie es in Kayser’s Bücherlexikon steht, Kanarischen], Rhätischen in die Norischen Alpen im Jahre 1781 und 1782“. 2 Thle. (Leipzig 1785, [Cnobloch], gr. 8°., mit K. u. K.); – „Reise durch die norischen Alpen in den Jahren 1784–1786“. 2 Thle. (Nürnberg 1790, Bauer und R., gr. 8°., mit K.); – „Neueste physikalisch-politische Reisen in den Jahren 1788 und 1789 durch die Dacischen und Sarmatischen Karpathen“. 4 Thle. (Nürnberg 1790–1796, Bauer u. R., gr. 8°., mit K. u. K.); – „Bemerkungen über die Entstehung der Feuer- oder Flintensteine“ Wien 1792, 8°.), durch diese Schrift richtete er die Aufmerksamkeit der Industrie in Oesterreich auf einen noch nicht gewürdigten Gegenstand und gab sich alle Mühe, die in Frankreich stattfindende Benützung der Feuersteine auch in Oesterreich einzuführen; – „Abbildung und Beschreibung der südwestlichen und östlichen Wenden, Illyrier und Slaven, deren geographische Ausbreitung von dem adriatischen Meere bis an den Ponto u. s. w.“ 5 Hefte (Leipzig 1802–1805, 4°., mit illum. K. u. K.); – „Blicke über das menschliche [165] Wissen in der Naturkunde“ (Wien 1813), anonym erschienen, worin der damals 74jährige Forscher eine Art naturphilosophisches Glaubensbekenntniß niederlegte. Von seinen in gelehrten Zeitschriften und Sammelwerken gedruckten Abhandlungen folgen hier nur jene, welche zur Kunde Oesterreichs Beiträge bilden, und zwar: „Osservazioni sopra le miniere di ferro di Eisenerz nella Stiria“ [im Giornale d’Italia, tom. 9, 1774]; – „Ueber die sandige Gegend bey Theresienstadt“ [in der „Wiener Realzeitung“ 1775]; – „Verzeichniss der hauptsächlichsten Arten und Abarten der Quecksilber- und Zinnobererze aus der Grube von Idria im Herzogthume Krain“ [in den „Beschäftigungen der Berliner Gesellschaft naturforsch. Freunde“, Bd. III, 1777]; – „Versuche, aus den Quecksilbererzen von Idria Zinnober zu machen“ [in „Crell’s neuesten Entdeckungen der Chemie“, 6. Theil, 1783]. Hacquet hatte sich im vorgerückten Alter vermält, aber frühzeitig seine sehr geistreiche und gebildete Frau durch den Tod verloren. Seinen Wunsch, noch einmal seine Heimat zu sehen, vereitelte der Tod, der ihn unter den Vorbereitungen zur Reise im Alter von 76 Jahren der Wissenschaft entriß. Die Fortsetzung seines Werkes über die slavischen Völkerschaften Oesterreichs hatte er dem galizischen Superintendenten Bredetzky [Bd. II, S. 127} nebst einem versiegelten Packete, welches Nachrichten über sein Leben enthielt, übergeben. Bredetzky’s früher Tod vereitelte die Herausgabe beider Arbeiten.

Allgemeine Literatur-Zeitung 1815, Ergänzungsblatt 9, S. 69 [nach diesem soll er zu Metz geboren sein, was jedoch von Anderen bestritten wird]. – Vaterländische Blätter für die österreichischen Kaiserstaaten, herausg. von Dr. Frz. Sartori (Wien, A. Strauß), Jahrg. 1815, S. 53: „Nekrolog von Ribini“ [Dieser berichtiget seinen Taufnamen, der gewöhnlich als Balthasar angegeben wird, auf Belsazer; nun aber ist Belsazer und Balthasar ein und derselbe Name]. – Poggendorff ( J. C.), Biograph. literar. Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Joh. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 986. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, 4°.) II. Section, 1. Theil, S. 85. – Gräffer und Czikann, Oesterr. National-Encyklopädie (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 466 [nennt seinen Geburtsort falsch Le Couquet]. – Oesterreich’s Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1830, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. II, S. 99 [mit Angabe des falschen Geburtsortes Le Cuquet]. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) Ersten Bandes 1. Stück, S. 165. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) Bd. XIV, S. 580 [nach diesem geb. 1740]. — Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, F. Didot, 8°.) Tome XXIII, Sp. 34. – Storch (Frz. Med. Dr.), Skizzen zu einer naturhistorischen Topographie des Herzogthums Salzburg (Salzburg, Mayr, 1857), I. Bd. S. 26, 238. – Porträt. T. Klimeß del. Leop. 1793, S. Halle sc. Berol. 1797 (8°.), ein seltenes Blatt.