BLKÖ:Haidinger, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 206. (Quelle)
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Haidinger, Karl (Mineralog und Geolog, geb. zu Wien 10. Juli 1756, gest. ebenda 16. März 1797). Sein Vater Georg Cornelius war in dem damals an der Stelle des gegenwärtigen allgemeinen Krankenhauses in der Alservorstadt bestandenen großen Armenhause Obervater in der weiblichen Abtheilung. Seine Mutter Maria Ursula war eine geborne Kaiser. Nach den zurückgelegten unteren Schulstudien machte er als k. k. Pensionär (1777) den ganzen Curs der höhern Mathematik, verwendete sich auch (1778) bei den Arbeiten der k. k. Universitäts-Sternwarte in Wien und wurde dann (1. März 1780) Directions-Adjunct an dem k. k. Naturaliencabinete. Bei der Aufstellung der auf Befehl der Kaiserin Maria Theresia durch Hofrath von Born [s. d. Bd. II, S. 71] bewerkstelligten Aufsammlung der inländischen Producte des Mineralreiches, sowie jener, welche sich in dem von Kaiser Franz I. angekauften Cabinete des Ritters von Baillou befanden, war H. mit dem Detail der Arbeit beschäftigt; aus diesem Anlasse gab er auch die Schrift: „Eintheilung der kais. kön. Naturaliensammlung in Wien“ (Wien 1782, Chr. Fr. Wappler, 8°.), und in lateinischer Bearbeitung: „Dispositio rerum naturalium Musei Caesarei vindobonensis“ (ebd. 4°.) heraus. Als Born im Jahre 1777 nach Wien übersiedelt war, nahm H. neben den wissenschaftlichen Beschäftigungen am k. k. Naturaliencabinete auch thätigen Antheil an den technischen Arbeiten, welche für die von Born angeführte verbesserte Amalgamationsmethode unternommen wurden, und zugleich mit dem damaligen Bergrath Anton von Ruprecht besorgte H. im Sommer 1785 zu Schemnitz die Einleitung des Amalgamationsprocesses und die Einrichtung der ersten Amalgamirhütten in den niederungarischen Bergstädten. An den von Born damals herausgegebenen „Physikalischen Arbeiten der einträchtigen Freunde in Wien“ hat H. auch mitgewirkt; seine Beiträge sind: „Beschreibung einer seltenen Versteinerung aus dem Geschlechte der Gienmuscheln“ (I. Jahrg., 3. Quart., S. 87, mit 9 Taf.); – „Verzeichniss aller in dem Wieliczkaer Salzwerke, im Königreiche Galizien einbrechenden Salz- und Steinarten“ (I. Jahrg., 4. Quart., S. 1); – „Entwurf einer systematischen Eintheilung der Gebirgsarten“ (II. Jahrg., 2. Quart.), als Beantwortung der von der kais. Petersburger Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1785 aufgegebenen Preisfrage. Die Akademie erkannte dem Verfasser den Preis zu; diese Schrift erschien auch besonders gedruckt (Wien 1787). Die neueren [207] Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften enthalten von H.: „Etwas über den Durchgang der Blätter bei Fossilien; über Saphir, Rubin und Spinell“ (1795, 2 Bde. S. 95). Im Jahre 1786 hatte Haidinger auch den Bau des Amalgamirwerkes in Joachimsthal geleitet, und seine Adjunctenstelle am k. k. Hof-Naturaliencabinete wurde in den Jahren 1786 und 1787 durch einen Stellvertreter versehen. Am 9. Mai 1788 wurde H. als Bergrath und Professor der Mathematik und Mechanik an die Bergakademie nach Schemnitz gesandt; aber schon im Herbste 1790 wieder nach Wien berufen, wo er ein Referat in der k. k. Hofkammer für Münz- und Bergwesen übernahm. Born’s Tod (1791), das durch die Zeitverhältnisse eingetretene Stocken wissenschaftlicher Thätigkeit und Haidinger’s Aufgehen in seinem amtlichen Berufe hatte einen augenblicklichen Stillstand zur Folge; da gab die große Entwickelung der wissenschaftlichen Technik in England Veranlassung zu einer Reise, welche Haidinger in Gesellschaft der Herren Hofrath v. Maillard, v. Dürfeld, v. Tschoffen und eines Zeichners Swoboda im August 1795 im Interesse der neu gebildeten Canal- und Bergbau-Gesellschaft unternahm, um die Fortschritte, namentlich für die Zwecke des Canalbaues, der Anwendung der Steinkohlenfeuerung, des Eisenwesens, der Geschirrfabrikation und anderer industrieller Zweige näher kennen zu lernen. London, Oxford, Birmingham, Derby, Sheffield, Newcastle upon Tyne, Edinburgh, Liverpool, Manchester waren die Stationspuncte seiner Reise. Nach der Rückkehr im April 1796 wurden Berichte über das Geschehene verfaßt, Plane für großartige Anwendungen so mancher neu erworbenen Kenntnisse zum Besten des Landes entworfen, als der Tod in Folge eines nervösen Fiebers die zu erwartenden Erfolge vereitelte. Haidinger starb im schönsten Mannesalter von erst 41 Jahren. Aus seiner Ehe mit Josepha Schwab, einer Tochter des k. k. Regierungsrathes Philipp Anton Schwab, und Antoniens, einer gebornen Freiin von Tönnemann aus Westphalen, hinterließ er vier Söhne, Moriz Karl, Eugen Karl, Rudolph Karl, Wilhelm Karl, und eine Tochter, Maria Clara Sidonia. Moriz (geb. 23. September 1788, gest. 1809) trat 1809 erst zum 5. Wiener Landwehr-Bataillon, dann zum Carneville’schen Jägercorps, wurde Oberlieutenant, im April bei Landshut verwundet, und starb bald darauf an seinen Wunden. – Die zwei Söhne Eugen (geb. 13. Mai 1790, gest. 29. März 1861) und Rudolph (geb. 26. März 1792), gründeten im Jahre 1815 die Porzellanfabrik in Elbogen, und trugen nicht wenig zu dem Aufschwunge der inländischen Industrie in ihrem Fache bei. – Der jüngste Sohn Wilhelm ist k. k. Hofrath und Director der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien [s. d. Folgenden]. Die Tochter Sidonia (nachgeb. 9. August 1797, gest. am 16. März 1843) war seit 1820 mit Ferdinand Edlem Herrn von Thinnfeld, nachmaligem Minister für Landescultur und Bergwesen und Freiherrn, vermält. Haidinger war Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften, unter anderen auch der im Jahre 1786 durch v. Born gemeinschaftlich mit von Trebra, Ferber, v. Charpentier, d’Elhuyar zu Glashütte bei Schemnitz gegründeten Bergwerks-Societät, die sich über die ganze bergbautreibende Welt ausdehnen sollte, und bereits Directionen in Preußen, Oesterreich, Sachsen, am Harz, [208] in der Schweiz, Schweden, Dänemark, Italien, in Frankreich, England, Norwegen, Spanien, Santa Fé di Bogota, Mexiko, Rußland hatte. Zwei Bände Denkschriften wurden bei Göschen in Leipzig 1789 und 1790 unter dem Namen „Bergbaukunde“ herausgegeben, aber das Unternehmen hatte keinen ferneren Bestand. Haidinger zählt in Oesterreich zu den ersten Vorkämpfern auf dem Gebiete der Mineralogie und Geognosie, und die glänzenden, wissenschaftlichen Erfolge seines Sohnes schmälern nicht, sondern verherrlichen nur jene des zu früh verblichenen Vaters. H.’s Grabstätte auf dem Währinger Friedhofe ist durch ein eisernes Grabkreuz mit Fiorituren, mit dem Namen in einem herzförmigen Schilde, links nahe am großen Kreuze gegenüber dem Haupteingange, bezeichnet.

Neuere Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Prag, 4°.) Bd. II, S. 15: „Biographie“. – Allgemeiner literarischer Anzeiger 1797, S. 1414 [von Alter]. – Poggendorff ( J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1860, Joh. Ambr. Barth), Sp. 996. – Fitzinger (Leopold Joseph), Geschichte des kais. kön. Hofnaturalien-Cabinetes zu Wien. I. Abtheilung: Aelteste Periode bis zum Tode Kaiser Leopold’s II. 1792 (Wien 1856, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 19, 21, 22, 23, 24, 29, 30, 45, 48. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 8°.) Bd XXIII, Sp. 115. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805, Fleischmann, 8°.) Bd V, S. 78. – Zur Erinnerung an den für seine Familie und Freunde, für Vaterland und Wissenschaft zu früh verewigten Vater Karl Haidinger (Druck von M. Auer, Fol.) [ein Gedenkblatt mit lithographirtem Bilde]. – Porträt. Erinnerungsblatt an die hundertste Wiederkehr seines Geburtstages am 10. Juli 1856, nach einem Miniaturgemälde vom Jahre 1786 mit dem Facsimile der Unterschrift (Kriehuber lithogr. 1856, gedruckt bei Höfelich’s Witwe, Fol.).