BLKÖ:Herchenhahn, Johann Christian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Herbsthofer, Karl
Band: 8 (1862), ab Seite: 363. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Johann Christian Herchenhahn in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116730080, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Herchenhahn, Johann Christian|8|363|}}

Herchenhahn, Johann Christian (Geschichtsforscher, geb. zu Coburg 31. Mai 1754, gest. zu Wien 23. April 1795). Sohn eines Rathsherrn zu Coburg, erhielt im Elternhause eine sorgfältige Erziehung, besuchte dann das akademische Gymnasium seiner Vaterstadt, und betrieb mit besonderem Eifer neben dem Studium der Geschichte und Philosophie jenes der neueren Sprachen. Da seine Schwester mit dem berühmten Literator J. G. Meusel, Professor der Geschichte zu Erfurt, verheirathet war, begab sich H. 1776 nach Erfurt, wo er in den Bücherschätzen seines Schwagers reiche Nahrung für seine Lieblingsstudien, und im Hause desselben, welches der Sammelplatz vieler ausgezeichneter Männer [364] und Schriftsteller war, vielfältige Anregung fand. In Erfurt versah H. auch die Erzieherstelle bei zwei Freiherrn von Mandelsloh, und da er nun die Rechte studieren wollte, begab er sich mit seinen Zöglingen 1777 nach Jena. Im Jahre 1779 nahm er eine Erzieherstelle in Wien im Hause des Reichshofrathes von Braun an, der selbst früher Professor der Rechte in Jena und Erlangen gewesen, und also in diesem Fache gründlich bewandert war, welcher Umstand für Herchenhahn nicht ohne förderlichen und wohlthätigen Einfluß war. In Wien trug ihm auch der Buchdrucker Kurzbeck im Jahre 1784 die Redaction der Wiener Realzeitung an, die bis zum genannten Jahre der Dichter Blumauer [Bd. I, S. 436], besorgt hatte. H. hatte den Antrag angenommen und so den schriftstellerischen Boden betreten. Im Jahre 1789 hatten ihm der Herzog von Meiningen und der Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt den Charakter eines Legationsrathes verliehen, im Jahre 1792 erhielt er dazu noch die Stelle eines Reichshofrath-Agenten. Nach der österreichischen National-Encyklopädie hatte er schon 1788 die Stelle eines Reichshofrathes erhalten, was aber irrig ist. Neben seinem Berufe betrieb er fleißig seine literarischen Arbeiten und würde noch manche tüchtige Arbeit geleistet haben, wenn ihn nicht der Tod vor der Zeit, im Alter von 41 Jahren, plötzlich (er war nur einen Tag krank) dahingerafft hätte. H. hat nachstehende Werke herausgegeben: „Geschichte der Oesterreicher unter den Babenbergern; aus Quellen und quellenmässigen Schriftstellern geschöpft“ (Leipzig 1784, 8°.); – „Geschichte der Regierung Kaiser Joseph’s des Ersten. Mit einem Gemälde von dem verschiedenen Interesse der vornehmsten Europäischen Staaten bei dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts“, 2 Bde. (Leipzig 1786 u. 1789, gr. 8°.); das Werk ist unvollendet geblieben; – „Die Belagerung von Belgrad unter Anführung des Prinzen Eugen. Eine Gallerie historischer Gemälde“ (ebd. 1788, 8°.); – „Geschichte Albrecht’s von Wallenstein, des Friedländers; ein Bruchstück vom dreissigjährigen Kriege“, 3 Thle. (Altenburg 1790 u. 1791, 8°.); – „Fehde des päpstlichen Stuhles mit der Kaiserkrone über die Investitur“ (ebd. 1791, 8°.); – „Geschichte der Entstehung, Bildung und gegenwärtigen Verfassung des kaiserl. Reichshofrathes nebst der Behandlungsart der bei demselben vorkommenden Geschäfte“. 3 Thle. (Mannheim 1792 u. 1793, gr. 8°.). Dieses Werk, das beste über diesen Gegenstand erschienene, ist Herchenhahn’s Hauptwerk; den 4. und letzten Theil hat er in vollständiger Ausarbeitung handschriftlich hinterlassen, er ist aber nicht im Drucke erschienen. Außerdem hat H. Recensionen für Meusel’s „historische Literatur“ und seine „Wiener Realzeitung“ geschrieben. Was mit seinem Nachlasse geworden, der manches Brauchbare enthalten mochte, unter anderem auch ein größeres Gedicht, auf das er seinen Briefen zu Folge, viele Zeit verwendet hat, ohne jedoch dessen Titel und Inhalt mitzutheilen, ist nicht bekannt.

Schlichtegroll (Friedrich), Nekrolog auf das Jahr 1797 (Gotha, Perthes), Bd. II, S. 351. – Koppe (Joh. Christ.), Lexikon der in Teutschland jetzt lebenden juristischen Schriftsteller (Leipzig 1793), Theil I, S. 268. – Desselben, Juristischer Almanach auf das Jahr 1796 (Rostock, 8°.) S. 239. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805, Gerh. Fleischer d. J., 8°.) Bd. V, S. 383. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 561.