BLKÖ:Hermann, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Herman, Andreas
Band: 8 (1862), ab Seite: 378. (Quelle)
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Hermann, Anton (Oberst, geb. zu Barzdorf in Oesterreichisch-Schlesien 6. Juli 1789, gest. zu Wien 10. August 1856). Sohn unbemittelter Eltern, trat er nach beendetem Gymnasium am 2. September 1808 als Freiwilliger in’s 3. Artillerie-Regiment, wurde bald Kanonier, am 1. März 1809 in’s Bombardiercorps übersetzt, wo er im Juli 1812 zum Feuerwerker [379] vorrückte. Als solcher machte er die Feldzüge der Jahre 1813 und 1814 mit, nahm an der Schlacht bei Leipzig (18. und 19. October 1813), an den Gefechten bei Chalendrey und Langres, an der Schlacht bei Brienne (1. und 2. Februar 1814), bei Bar-sur-Aube (26. und 27. Februar d. J.), am Sturme auf Lesmont, an dem Gefechte bei La Ferté-sur-Aube, am Sturme bei Bar-sur-Seine, an den Gefechten bei Arcis-sur-Aube und Mery, und endlich an den Schlachten bei Troyes und Paris (29. und 30. März d. J.) Theil. Bei allen diesen Anlässen bewährte er persönlichen Muth, Umsicht und Eifer; in der Relation über die Schlacht bei Brienne steht sein Name unter den Braven des Tages. Am 1. April 1815 wurde H. Oberfeuerwerker, am 1. August 1816 Unterlieutenant im 2. Artillerie-Regimente, kam im April 1817 in’s Bombardiercorps und von da im August 1820 als Oberlieutenant in’s 5. Artillerie-Regiment. Einige treffliche Aufsätze H.’s in der „Oesterreichischen Militär-Zeitschrift“, die unter Feldmarschall-Lieutenant Grafen Rothkirch einen bemerkbaren Aufschwung genommen hatte, richteten dessen Aufmerksamkeit auf den talentvollen Officier; Rothkirch veranlaßte H.’s Uebersetzung in den Generalstab, welche am 1. April 1822 erfolgte, und in dieser Stellung war H. neben seinem dienstlichen Berufe ein fleißiger Mitarbeiter der genannten Zeitschrift, in welcher seine zahlreichen kriegsgeschichtlichen, militärisch-philosophischen und didaktischen Aufsätze, meist mit H. unterzeichnet sind. Im Generalstabe arbeitete er in der kriegsgeschichtlichen Abtheilung; 1827 wurde er Hauptmann im Corps, 1828 und 1829 war er bei der Militär-Landesbeschreibung in Oberösterreich, 1830 bei der Lager-Baucommission in Linz in Verwendung; am 11. April 1835 zum Major im Corps befördert, wurde er am 1. Juli 1841 zur Dienstleistung nach Wien berufen und mit der Reorganisirung der Grenzschulen betraut. 1842 erfolgte seine Ernennung zum Director der kriegsgeschichtlichen Abtheilung, bald darauf jene zum Director des statistischen und noch zu Ende des Jahres zum Vorstande des kriegsgeschichtlichen Bureau’s. Sein leidender Zustand nöthigte ihn um Versetzung in den Ruhestand zu bitten, welche am 27. Juli 1846 mit gleichzeitiger Verleihung des Obersten-Charakters und der mit dieser Charge verbundenen Pension erfolgte. Im Jahre 1848 wurde H. mit Armee-Obercommando-Befehl ddo. Schönbrunn 12. November zur Uebernahme des Commando’s in dem befestigten Posten Neugebäude bei Wien beordert, den er bis um die Mitte 1850 bekleidete. Dann nach Wien berufen, erhielt er den Allerhöchsten Auftrag die Feldzüge der Jahre 1813, 1814 und 1815 zu bearbeiten, und übernahm in Folge dessen die Direction des k. k. Kriegsarchivs, welche er auch interimistisch einige Zeit führte. Außer den bereits erwähnten Arbeiten in der „österreichischen Militär-Zeitschrift“, von denen er leider keine Sammlung veranstaltet hat, erschienen noch in den Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften folgende Aufsätze: „Verbesserung der Callet’schen Tafel der gemeinen Logarithmen mit 20 Decimalen nebst Vorschlägen für die weitere Förderung dieses Zweckes“ (Bd. I, S. 113) und „Bestimmung der trigonometrischen Functionen aus den Winkeln und der Winkel aus den Functionen bis zu einer beliebigen Grenze der Genauigkeit“ (Bd. I, S. 465 u. f.); auch dürfte [380] er der Verfasser sein der „Abhandlung über die wahre Natur des Positiven und Negativen, nebst einer Berichtigung der Begriffe von den sogenannten unmöglichen Größen und ihrem Einfluße auf die Theorie der Gleichungen“ (Wien 1818, Gerold, gr. 8°.). Geachtet als Soldat, gründlich in seinen wissenschaftlichen Arbeiten, zählte H. zu denjenigen Officieren in der kaiserlichen Armee, welche nicht nur mit der Waffe in der Hand, sondern auch mit den Waffen des Geistes und der Wissenschaft zu kämpfen verstanden. Er war, als er betrauert von der Armee starb, 67 Jahre alt.

Militär-Zeitung (Fortsetzung des „Oesterreichischen Soldatenfreundes“, 4°.) Jahrg. 1856, Nr. 79: „Nekrolog“. – Hirtenfeld (J.), Oesterreichischer Militär-Kalender für das Jahr 1858 (Wien, kl. 8°.) Jahrg. IX, S. 251.