BLKÖ:Hessen-Homburg, Ferdinand Heinrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 434. (Quelle)
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Hessen-Homburg, Ferdinand Heinrich, regierender Landgraf (k. k. General der Cavallerie und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Homburg 26. April 1783). Der jüngste von sechs Brüdern dieses Zweiges des hessischen Fürstenhauses, aus welchem vier zugleich in der kaiserlichen Armee gedient, für Deutschlands Befreiung mitgekämpft und herrliche Beweise von Tapferkeit gegeben haben. Mit 13 Jahren bereits, 1794, erhielt er eine Rittmeisterstelle im Kürassier-Regimente Prinz Lothringen Nr. 7. Im Jahre 1805 machte er den Feldzug in Italien mit, wurde dann Major und am 16. Februar [435] 1809 Oberstlieutenant im Dragoner-Regimente Prinz Hohenlohe Nr. 2. In demselben zeichnete er sich noch im genannten Jahre in den Schlachten bei Sacile und an der Piave (8. Mai) aus und wurde in Folge seines Wohlverhaltens vor dem Feinde am 6. August d. J. zum Obersten im Kürassier-Regimente Prinz Lothringen, in demselben ernannt, in welches er vor 15 Jahren in die Reihen der kaiserlichen Armee getreten war. Prinz Ferdinand zählte als Oberst 28 Jahre. An der Spitze seines Regiments kämpfte der Prinz in den Befreiungskriegen der Jahre 1813 und 1815, zeichnete sich bei mehreren Gelegenheiten aus und erkämpfte sich 1813 in der Leipziger Völkerschlacht gleich seinem ältesten Bruder Friedrich [s. d. S. 436], der an diesem Tage den höhern Grad dieser Auszeichnung erwarb, das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Es war am ersten Schlachttage am 16. October. Die russischen Kürassiere Lewaschoff’s waren dem Anpralle der von Letort geführten französischen Reiterei gewichen und hatten Gröbern bereits Preis gegeben. Der linke Flügel der Alliirten unter Kleist war daran, von dem Centrum und von allen am linken Ufer der Pleisse streitenden Truppen völlig abgeschnitten zu werden und der schon zweifelhafte Kampf konnte einen für die Unsrigen ungünstigen Ausgang nehmen. Um 2 Uhr Mittags hatte die Gefahr bereits den höchsten Punct erreicht, als eben die Kürassier-Division des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Nostiz aus Gröbern debouchirte und sogleich das vorderste Regiment Albert-Kürassiere unter dem furchtbarsten Kartätschen- und Kleingewehrfeuer dem anstürmenden Feinde geschlossen entgegenrückte. Der Feind stutzte. Nun rückte auch Prinz Ferdinand mit seinen Lothringen-Kürassieren vor und während Albert-Kürassiere den Feind in der Front angriffen, fielen die von dem Prinzen Ferdinand geführten ihm in die Flanke. Die feindlichen Reiterregimenter wurden geworfen, theils niedergehauen, theils zersprengt. Mehrere Infanteriemassen wurden durchbrochen und niedergeritten und der Rest schlug in eiliger Flucht die Richtung gegen Wachau ein. Aber der Sieg sollte noch Blut kosten. Napoleon’s Kaisergarden rückten vor. Vierfache Uebermacht stürmte auf die beiden Kürassier-Regimenter ein, die in bester Ordnung und langsam auf den Haupttheil der Reserve-Cavallerie sich zurückzogen, aus welcher nun die Regimenter Franz- und Kronprinz-Kürassiere in den Kampf kamen und den Sieg des Tages entschieden. Prinz Ferdinand, an der Spitze seines Regiments kämpfend, hatte mitten im Kugelregen, allen Gefahren unerschrocken sich aussetzend, seinen Kriegern ein leuchtendes Beispiel von Kühnheit und Tapferkeit gegeben. Der Kaiser belohnte den Helden für diese schöne Waffenthat mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens. Am 30. April 1815 wurde Prinz Ferdinand zum General-Major befördert und erhielt eine Brigade in Ungarn. Noch zehn Jahre diente der Landgraf in den Reihen der kaiserlichen Armee, 1824 schied er mit Urlaub aus derselben, rückte aber in diesem Verhältnisse am 21. December 1830 zum Feldmarschall-Lieutenant und 1845 zum General der Cavallerie vor, welche Charge er noch zur Zeit bekleidet. Nach dem Ableben seines Bruders, des regierenden Landgrafen Gustav [s. d. S. 438], am 8. September 1848, übernahm Prinz Ferdinand die Regierung der Landgrafschaft. Seine Majestät der Kaiser [436] zeichnete den Landgrafen auch noch durch das Großkreuz des St. Stephan-Ordens aus.

Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon von Hirtenfeld (Wien 1850, 8°.) Bd. III, S. 176. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1222 und 1749.