BLKÖ:Hickel, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hickel, J. Karl
Band: 9 (1863), ab Seite: 3. (Quelle)
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Hickel, Joseph (k. k. Kammermaler, geb. zu Böhmisch-Leipa 1734, nach Anderen 1736, gest. zu Wien 28. März 1807). Erhielt, wie bei seinem Bruder Anton [s. d. Vorigen] bemerkt worden, von seinem Vater, der Maler in Böhmisch-Leipa war, den ersten Unterricht in der Kunst; im Alter von 12 Jahren malte er schon in Oel und vollendete, 15 Jahre alt, das Altarbild für die Stadtkirche zu Hirschberg in Böhmen. Im Jahre 1754 kam er nach Wien und besuchte daselbst die Akademie der bildenden Künste. Vornehmlich verlegte er sich auf die Porträtmalerei. Seine Arbeiten zogen die Aufmerksamkeit der Kaiserin Maria Theresia auf sich, die ihn 1768 auf ihre Kosten nach Italien reisen ließ, wo er zu Mailand, Parma und Florenz viele Porträte hoher Personen arbeitete. Da es seinen Feinden gelungen war, ihn bei der Kaiserin zu verläumden und H. längere Zeit nicht nach Hofe durfte, benützte er diese Zwischenzeit zu gründlichen Studien in seiner Kunst, und nun erst, wie er in einem Briefe selbst schreibt, erkannte er, daß ihn die Schmeicheleien verdorben hatten und er erst, nachdem er die Kritik von Kennern gewürdigt, ein wahrer Maler geworden sei. Bei Hof wieder in Gnaden aufgenommen, wurde er k. k. Kammermaler, Mitglied der kais. Akademie der bildenden Künste zu Wien und jener zu Florenz. H. hat eine unglaubliche Menge von Porträten, über 3000 an der Zahl, vollendet. Viele davon wurden in Kupfer gestochen. Zu seinen berühmtesten Bildern zählen: „Kaiser Joseph II.“, der ihm fünfmal gesessen sein soll; eines derselben befindet sich im großen Rathsaale des Magistrates in Wien; und sie wurden theils von J. C. Schwab, theils von W. F. Gmelin in Kupfer gestochen; – die „Kaiserin Maria Theresia“; – „Ferdinand, König von Neapel, seine Gemalin Karoline, Erzherzogin von Oesterreich, sammt ihren Kindern“; – „Die Erzherzogin Maria Elisabeth“; – die „Erzherzogin Christine mit ihrem Gemale Albert, Herzog von [4] Sachsen-Teschen“; – die „Königin Maria Antoinette“; – „Erzherzog Ferdinand, Gouverneur von Mailand, mit seiner Gemalin Maria Beatrix“; -– „Kaiser Leopold II. mit seiner ganzen Familie“; – „Kaiser Franz I.“; – „Elisabeth von Württemberg“, erste Gemalin des Kaisers Franz; – „Maria Theresia von Neapel“, zweite Gemalin des Kaisers Franz; -„Kaiser Leopold II.“, für die Stadt Frankfurt; – „Papst Pius VI.“, als er 1782 den Kaiser Joseph in Wien besuchte: – „Erzherzog Maximilian Franz, Hoch- und Deutschmeister“, von W. F. Gmelin gestochen; – „Fürst Kaunitz“; „Wenzel Fürst Lichtenstein“, von J. Ph. Kilian in Kupfer gestochen; – „FM. London“; – „FM. Lascy“;– „Ferdinand, Prinz von Württemberg, Commandant des österr. Aufgeboths 1797“‘, – „Franz Graf Saurau, Errichter des Wiener Aufgeboths 1797“, beide Bilder im Wiener Universitätssaale; – „Emmanuel Ernst, Graf zu Waldstein, Bischof von Leitmeritz“, in der Bibliothek des Stiftes Strahow in Prag; – „Ullrich Fürst Kinsky, Feldmarschall“; – „Adolph Georg Groll, Bischof von Raab“, von Johann Balzer 1775 in Kupfer gestochen; – der „Schauspieler Prehauser“; – der „Schauspieler Brockmann“ als Montalba in „Lanassa“; – „Lange“ als Hamlet; – „Weidmann“ als Bedienter im „Kobold“; – die „Schauspielerin Jaquet“ als Ariadne; – die „Schauspielerin Adamberger“ als Rosine in „Jurist und Bauer“; – die Schauspieler „Nouseul“; – „Sacca“; – „Weidner“; – „Stierle“; – „Müller der Vater“; – „Steigentesch“, alle von Brockmann an im Versammlungszimmer der Hofschauspieler im Burgtheater in Wien befindlich; – „Franz Tuma, k. k. Kapellmeister in Wien“, von J. Balzer 1775 gestochen; – „Florian Leopold Gassmann, k. k. Hofkapellmeister“, von J. Balzer 1775 gestochen. H. hatte bis in sein hohes Alter – er war 73 Jahre alt geworden – gemalt. Er arbeitete sehr geschwind, wie dieß die große Zahl der von ihm vollendeten Bilder beweist; ungeachtet dessen ist sein Pinsel kräftig und ausdrucksvoll, die Aehnlichkeit seiner Porträte sprechend, das Colorit lebhaft und stark, die Personen sind in der Regel in ihrer ganzen Eigenthümlichkeit aufgefaßt. Als Mensch war H. eine echte Künstlernatur, heiter im Umgange, wohlthätig gegen Arme, bieder in seiner Denkungsart, offen und rückhaltslos in seinen Urtheilen.

Neue Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthums (Wien. Doll. 4°.) Jahrg. 1807, 2. Band, Intelligenzblatt, Sp. 16. – (Becker’s) National-Zeitung 1807. Stück 18. – Der Verkündiger (herausgegeben in Nürnberg von J. M. Leuchs) 1807. Nr. 32. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, Lex. 8°.) Bd. I, Sp. 618. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VI, S. 172. – Dlabacz (Gottfr. Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen … (Prag 1815, Haase, kl. 4°.) Bd. I, Sp. 620. – Die Künstler aller Zeiten und Völker oder Leben und Wirken der berühmtesten Baumeister, Bildhauer. Maler u. s. w. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1857, Ebner und Seubert, Lex. 8°.) Bd. II, S. 378. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section. 8. Theil. S. 1. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 577. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum im österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Fr. Beck, 8°.) S. 24, 45, 52, 53, 84, 365.