BLKÖ:Hoffmann, Johann (VII.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hofmann, Johann (VI.)
Band: 9 (1863), ab Seite: 172. (Quelle)
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23. Johann (VII.) Hoffmann[BN 1] (Sänger und Schauspieldirector, geb. zu Wien 1805), Sohn eines Beamten in Wien, studirte daselbst, beendete die Rechte und trat im Juni 1820 in Dienste des Magistrates der Stadt Wien. Auf seine schöne Stimme aufmerksam gemacht, nahm er Unterricht im Gesange bei Elsler, dem Bruder der berühmten Tänzerin Fanni Elsler [Bd. IV, S. 27], und nachdem er gehörig ausgebildet war, nahm er seine Entlassung vom Amte, März 1826, indem er ein Engagement Duport’s am kaiserl. Hof-Operntheater annahm, welches er am 28. November des genannten Jahres in Caraffa’s „Klausner am wüsten Berge“ in der Titelrolle zum ersten Male betrat. Nach Auflösung der Hof-Oper begab er sich nach Aachen, März 1828, und folgte im Mai 1829 einem Rufe nach Berlin, wo er bis 1835 verblieb, und sich dann zur deutschen Oper nach St. Petersburg begab. Dort sang er bis 1838, indem er schon im August 1836 die Regie der Oper übernommen hatte. 1838 verließ er Petersburg, gab in Riga Gastrollen, 14. September 1838, wo er so gefiel, daß er dort blieb, und als Holtei nach dem Tode seiner Gemalin[WS 1] die Leitung der Bühne niederlegte, diese übernahm, und diese zuerst für Holtei bis September 1839, dann auf eigene Rechnung bis Juli 1844, führte. Nun kehrte Hoffmann nach Deutschland zurück, gastirte an mehreren Bühnen, bis er mit Decret vom 13. August 1845 die Direction des ständischen Theaters in Prag erhielt, welche er zu Ostern 1846 übernahm und bis Ostern 1852 führte. Im November des laufenden Jahres übernahm er die Direction des Stadttheaters zu Frankfurt a. M. und führte diese bis 1855, in welchem Jahre er in seiner Vaterstadt Wien das zum Kaufe ausgebotene privil. Theater in der Josephstadt sammt den dazu gehörigen Realitäten käuflich an sich brachte und im folgenden Jahre das geschmackvolle Thaliatheater hinter der Lerchenfelder-Linie erbaute und noch zur Zeit die Leitung beider Bühnen führt. Als Sänger glänzte Hoffmann im Anfange vornehmlich im Vortrage Schubert’scher Lieder; als er die Bühne betrat, waren seine Glanzrollen Titus in Mozart’s gleichnamiger Oper, Adolph in „Marie“, Simeon in Mehul’s „Joseph in Aegypten“, Jacob in Weigl’s „Schweizerfamilie“, Othello, Oberon, in den gleichnamigen Opern, Sever in „Norma“, Masaniello in der „Stummen von Portici“, Fra Diavolo, Cortez in Spontini’s gleichnamiger Oper und Tamino in Mozart’s „Zauberflöte“. Als Director hat er überall, wo er gewesen, ein ehrenhaftes Andenken hinterlassen. Hoffmann ist zum zweiten Male vermält. Seine erste Frau war Katharina Krainz, genannt Greis, eine treffliche Sängerin, welche er in Wien kennen gelernt, und am 30. Jänner 1830 geheirathet hatte. Er gastirte mit ihr in Hamburg, Aachen, Prag, später sang sie mit ihm in Petersburg und Riga. Seine zweite Frau, welche er in Prag geheirathet, ist die Schwester des kais. Hofschauspielers Baumeister;[WS 2] sie war früher Mitglied der Hannover’schen Hofbühne, spielte später in Prag und ist gegenwärtig im Theater in der Josephstadt in Wien thätig. Frau Hoffmann-Baumeister[WS 3] ist eine vortreffliche Darstellerin, in früherer Zeit erster Heldinen, jetzt weiblicher Charakterrollen. [Album des königl. Schauspiels und der königl. Oper zu Berlin. Für die Zeit von 1796 bis 1851 (Berlin 1853, Gust. Schauer, kl. 4°.). Porträte. Unterschrift: Johann Hoffmann. Lithogr. ohne Angabe des Zeichners und Lithographen, 4°., auch im vorgenannten „Album“; – Lithogr. von Kriehuber (Wien. Spina, Fol.).] –

Berichtigungen und Nachträge

  1. Hoffmann, Johann [s. d. Bd. IX, S. 172, Nr. 23, Johann (VII.) Hoffmann], geb. zu Wien 22. Mai 1805, gest. ebenda 13. September 1865. Nachdem H. im Jahre 1855 die Direction des Josephstädter Theaters in Wien übernommen hatte, ließ er mit großem Kostenaufwande eine Oper und ein reichbesetztes Schauspiel in’s Leben treten. Nun ging sein früher erworbenes Vermögen bei der völlig verunglückten Speculation in die Hände von Wucherern. Seine Tochter aus erster Ehe, Jenni, ist eine nicht unrühmlich bekannte Opernsängerin.
    Wiener Chronik. Sonntags-Abend-Beilage der Const. österr. Zeitung 1865, Nr. 42. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1865, Nr. 254 u. 255. – Presse 1865, Local-Anzeiger Nr. 255. – Neue freie Presse (Wiener polit. Journal) 1865, Nr. 384: „Theater-Briefe“ von Junius Novus. [Bd. 14, S. 482.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Julie Holzbecher.
  2. Bernhard Baumeister (Wikipedia).
  3. Marie Baumeister (Wikipedia).