BLKÖ:Horváth, Johann (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 315. (Quelle)
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Horváth, Johann (I.) (Bischof von Stuhlweissenburg, geb. zu Csicso im Zalaer Comitate Ungarns 5. November 1769, gest. zu Preßburg, nach den „Vasárnapi Ujság“ 25. Februar 1834). Der talentvolle Knabe besuchte zuerst die Mittelschule zu Pápa, dann jene zu Veszprim, begab sich 1786, um die philosophischen Studien zu hören, an die Preßburger Akademie und begann 1788, entschlossen, sich dem geistlichen Stande zu widmen, die theologischen Studien. Er kam in das geistliche Seminar nach Preßburg, wo er neben den Wissenschaften seines Berufes vornehmlich die orientalischen Studien betrieb. 1792 erhielt er die h. Weihen und trat in Veszprim, wohin er gesendet worden, in die Seelsorge. Im Jahre 1797 berief ihn die Familie Jankovich als Pfarrer nach Szölös Györk im Somogyer Comitate, und 1801 Georg Graf Festetics nach Keszthely, mit welcher Pfarrei damals die Abtei Hahot verbunden war. Seinen erweiterten Wirkungskreis benützte H. nunmehr zur Förderung humanistischer Zwecke und vornehmlich zur Hebung des dortigen Erziehungshauses, der Zeichnen-, Musik- und Nationalschule, des Zalaer Waiseninstitutes u. dgl. m. In Anerkennung [316] seiner Verdienste wurde H. am 14. September 1808 zum Domherrn in Veszprim, und am 23. d. M, zum Abte von Rudina erhoben; auch wurde er noch im nämlichen Jahre Director des dortigen Seminars und Leiter der theologischen Studien. Als Abgeordneter seines Domcapitels erschien er im Jahre 1822 auf der Nationalsynode, 1825 aber auf dem Landtage, wo er an den Gesetzgebungsarbeiten und an den Beschlüssen, welche die Förderung der nationalen Sprache und Literatur zum Zwecke hatten, wesentlichen Antheil nahm. 1826 wurde er durch Verleihung der theologischen Doctorwürde ausgezeichnet, bald darauf zum Statthaltereirath, 1829 zum Referenten der ungarischen Hofkanzlei, am 8. September 1830 zum Bischofe von Stuhlweissenburg und 1832 zum wirklichen geheimen Rathe ernannt. Die ungarische Akademie aber erwählte ihn in Anerkennung seiner literarischen Verdienste am 11. September 1832 zum Ehrenmitgliede. Aber schon anderthalb Jahre später betrauerte das Vaterland den Tod des hochverdienten Kirchenfürsten, der im Alter von 65 Jahren starb. Von ihm sind folgende Werke im Drucke erschienen: „Pásztori dal“, d. i. Das Hirtenlied (1796); – „Az Istennek imádása“, d. i. Die Anbetung Gottes (1796 und 1812); – „Vitéz Kinizsi Pálnak hamvasi“, d. i. Die Ueberreste des Helden Kinizsi Pal (1797); – „Jésusnak az emberi nemzetet tőkeletes szentségre és boldogságra vezető tudományának és példaadásinak szivreható“, d. i. Eine herzergreifende Skizze der Lehre und Religion Jesu, die das menschliche Geschlecht zur Heiligkeit und Glückseligkeit führen (1800); – „Buza kalász koszoru“, d. i. Der Kranz aus Weitzenähren; – „Miképen kell embernek a kereszteket viselni tiszti hivatalában? Első áldozat alkalmatosságáral“, d. i. Wie muß der Mensch in seinem Berufe das Kreuz tragen? – „Hitbeli és erkökcsi oktatások“, d. i. Christliche und moralische Belehrungen (1815), nach Nicole übersetzt; – auch hat H. durch fünf Jahre (1820–1824) die theologische Zeitschrift: „Egyházi ertekezések“, d. i. Kirchliche Abhandlungen, redigirt. Als er später zur Belebung des wissenschaftlichen Fortschrittes in Ungarn, Anstalten machte, eine neue Serie zu beginnen, vereitelte der Tod sein Vorhaben. Mehrere seiner wissenschaftlichen Abhandlungen sind in gelehrten Sammelwerken, und zwar in der vorgenannten Zeitschrift, im „Tudományos gyüjtemény“, im „Erdélyi Museum“ u. A. erschienen: „Verbőczy első része második czikkének magyarazátja“, d. i. Die Erklärung des 2. Capitels des 1. Theiles von Verbőczy, auch besonders gedruckt 1820; „A’ régi magyarok vallásbeli és erkölcsi állapotjokról“, d. i. Von dem Zustande des Glaubens und der Moral der alten Magyaren [in den „Tud. Gyütem.“ 1817 , 2. Heft). Vieles hat er in Handschrift hinterlassen. H. besitzt wesentlichen Antheil am Aufschwunge der theologischen Literatur in Ungarn. Zu einer Kirchengeschichte Ungarns hat er viele Jahre hindurch Materialien gesammelt, die sich in seinem Nachlasse vorfanden, auch hat er die nationale Literatur mit Geldmitteln und durch sonstige werkthätige Theilnahme unterstützt. Man erzählt sich Züge aus seinem Leben, welche herrliche Belege seiner christlichen Milde und echten Humanität sind. In Betreff derselben, wie seiner Spenden und Stiftungen, wird auf die Quellen hingewiesen.

Vasárnapi Ujság, d. i. Sonntagsblätter (Pesth, 4°.) 1857. Nr. 6. – „Horváth Janos“ [317] püspök“ [mit seinem Porträt im Holzschnitt; nach dieser Lebensskizze ist H. am 4. November 1769 geboren, am 25. Februar 1834 gestorben]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 649 [nach dieser geboren 5. November 1796, gestorben 15. Jänner 1835; nach dieser wäre er also nur 39 Jahre alt geworden, was ganz irrig ist]. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gust. Emich, 8°.) S. 198 [nach diesem geb. 5. November 1769, gest. 21. Jänner 1835]. – Scriptores faculatis theologicae qui ad C. R. scientiarum universitatem pestinensem ab ejus origine a. 1635 ad annum 1858um operabantur (Pestini 1859, J. Gyurian, 8°.) S. 11. – Nach Iván Nagy’s „Magyarorszag csaladai czimerekkel …“ (Pesth, Moriz Rath, 8°.) Bd. VI, S. 173, ist Bischof Johann H. am 4. November 1769 geboren und am 16. Jänner 1835 gestorben.