BLKÖ:Huber, Franz Xaver (I.)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 9 (1863), ab Seite: 369. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Franz Xaver Huber in Wikidata
GND-Eintrag: 104137746, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Huber, Franz Xaver (I.)|9|369|}}

Huber, Franz Xaver (I.) (Schriftsteller, geb. in Böhmen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, gest. in Wien um 1809). Ist mit seinem Namensvetter, Franz Xaver (II.) H. aus Oberösterreich [S. 374, Nr. 6] nicht zu verwechseln. Die „Vaterländischen Blätter“ nennen ihn ausdrücklich einen Böhmen. Ueber seine Jugend und seinen Bildungsgang ist nichts bekannt. In der Josephinischen Epoche war er einer der gelesensten Tagesschriftsteller in Wien, verließ aber die Stadt alsbald nach dem Regierungsantritte des Kaisers Franz und lebte mehrere Jahre in Norddeutschland. Später kehrte er wieder nach Wien zurück, wo er, ohne ein öffentliches Amt zu bekleiden, lebte, Schauspiele und Opern schrieb, die sich jedoch nicht über die Mittelmäßigkeit erhoben. Eine vorübergehende Berühmtheit oder besser Berüchtigkeit erwarb ihm seine beißende Kritik der Josephinischen Gesetzgebung in der Schrift: „Herr Schlendrian, der Richter nach den neuen Gesetzen“. In auswärtigen Blättern wurde ihm auch ein wesentlicher Antheil an der berüchtigten Zeitschrift: „Der Morgenbote“, zugeschrieben. Dieses Blatt war insbesondere gegen Oesterreich gerichtet. Meine weiteren Nachforschungen über diesen nicht ganz uninteressanten Schriftsteller, der in einer merkwürdigen Epoche längere Zeit den Ton angab und trotz seiner Verschollenheit die Aufmerksamkeit des Bibliographen und Literaturfreundes fesselt, sind vergeblich gewesen. Nach der „österreichischen Biedermannschronik“ war er Hauslehrer in Wien. Seine Schriften sind: „Der Luftball, ein komisches Heldengedicht in Knittelversen“ Augsburg 1786, Doll. 8°.); – „Laudon’s Leben und Heldenthaten“, 2 Theile (Wien 1788, 4. Aufl. Salzburg 1790, Mayr, 8°.); der erste Theil ist von F. J. von [370] Krsowitz; der zweite auch unter dem Titel: „Gemälde der Kriegsthaten des k. k. Heeres im Jahre 1789“ erschienene, ist von Huber; – „Geschichte Joseph’s II.“ 2 Theile (Wien 1792, Mösle, 8°.); – von seinen dramatischen Arbeiten sind bekannt: „Julchen oder liebe Mädchen spiegelt euch. Lustspiel in 5 Aufzügen“ (ebd. 1793, 8°.); – „Die unvermuthete Entdeckung. Original-Lustspiel in 5 Acten“ (ebd. 1795); – „Der Bettelstudent. Komische Oper“ (Wien 1802, Wallishausser, 8°.); – „Das Sternenmädchen im Meidlinger Walde, in 3 Aufzügen“ (ebd. 1802); – „Soliman II. oder die drei Sultaninen. Singspiel in 2 Aufzügen nach dem Französischen“ (ebd. 1807, 8°.); – „Die Todtenfackel oder die Höhle der Siebenschläfer. Schauspiel mit Gesang in 4 Aufzügen“ (Wien, Wallishausser, 8°.). Auch schrieb H. die Worte zu dem von Beethoven componirten Oratorium: „Christus am Oelberge“ (Wien 1803, Degen), welche weder im Geiste dieser Dichtungsart gehalten, noch aber der Schöpfung des großen Meisters der Töne ebenbürtig sind.

Archiv für Geschichte u. s. w. Redigirt von G. Megerle von Mühlfeld und Em. Th. Hohler (Wien. 4°.) Jahrg. 1829, S. 597. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) 1809, S. 384.