BLKÖ:Ingenhouß, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Inganni, Angelo
Band: 10 (1863), ab Seite: 206. (Quelle)
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Ingenhouß, Johann (k. k. Leibarzt und Chemiker, geb. zu Breda in Holland 1730, gest. zu Bowood bei London 7. September 1799). I. beendete seine Studien auf holländischen Universitäten und übte dann die Praxis in seiner Vaterstadt aus. Seine besondere Neigung zum Studium der Chemie, mit deren Anwendung in der Arzneikunst er sich ernstlich beschäftigte, veranlaßte ihn, London zu besuchen, wo er sich mit dem berühmten. Pringle befreundete. Um diese Zeit hatte die Kaiserin Maria [207] Theresia zwei Kinder nach einander an den Pocken verloren. Als die Kaiserin nun einen geschickten Arzt suchte, der ihre übrigen Kinder impfe, wurde ihr von Pringle Dr. Ingenhouß empfohlen, welcher sich auch sofort 1768 nach Wien begab, die jungen Erzherzoge und Erzherzoginen impfte, und sich das Vertrauen der Kaiserin in solchem Grade erwarb, daß er als kaiserlicher Leibarzt angestellt wurde. Insbesondere von Seite des Kaisers Joseph II. erfreute sich I. großer Huld, der Kaiser liebte es, ihn in seinem Arbeitszimmer zu besuchen, seinen chemischen Experimenten beizuwohnen und mit ihm physikalische Versuche anzustellen. Nach einem mehrjährigen Aufenthalte (1785 war I. noch in Wien) kehrte er in seine Heimat zurück, aber auch diese verließ er, um sich nach Bowood in England, einem in Londons Nähe gelegenen Landsitze des Marquis Landsdown, zu begeben, wo er im Alter von 69 Jahren starb. I. spielt in der Geschichte der Chemie eine hervorragende Rolle. Er hat die Anwendung von Glasplatten in der Construction der Electrisirmaschinen eingeführt; ihm verdankt man die Nachweise über die Unterschiede der Geschwindigkeit, mit welchen die Wärme in verschiedenen Metallen sich ausbreitet; mit seinen anläßlich der Beobachtung über die Ernährung der Pflanzen gemachten Versuchen bewies er, daß die blühenden, dem Lichte ausgesetzten Pflanzen Sauerstoff von sich geben, während sie im Schatten Kohlenstoff ausathmen. Auch war er es, welcher der Erste die Anwendung des Kohlenstoffes in der Medicin versuchte. Von seinen Schriften sind hier zu nennen: „Versuche mit Pflanzen hauptsächlich über die Eigenschaften, welche sie besitzen die Luft beim Sonnenschein zu reinigen. Aus dem Französischen von J. A. Scherer“. 3 Bände (Wien 1786 u. f., 8°.); – „Vermischte Schriften physikalisch-medicinischen Inhalts. Aus dem Englischen von N. K. Molitor“. 2 Thle. (Wien 1782, neue Auflage 1784, gr. 8°.). – „Anfangsgründe der Electrizität in Beziehung auf den Elektrophor. Aus dem Englischen von N. K. Molitor“ (Wien 1781, Beck, 8°.); – „Ueber die Ernährung der Pflanzen und Fruchtbarkeit des Bodens. Aus dem Englischen mit Anmerkungen von Gotth. Fischer[WS 1]; nebst einer Einleitung über einige Gegenstände der Pflanzenphysiologie von F. A. Humboldt (Leipzig 1798, Kohn, 8°.); – „Miscellanea physico-medica, Edidit Joh. And. Scherer“ (Wien 1795, 8°. maj.) – „Neue leichte und sichere Heilungsart des Steins, Scorbuts, Podagra’s und Vernichtung der im menschlichen Körper entstehenden Würmer. Aus dem Englischen des Nath. Hulme in’s Lateinische übersetzt von J. Ingenhouss. Aus dem Lateinischen in’s Deutsche übersetzt (von X. J. Lippert)“ (Wien 1781, Heubner, 8°.). Die theils in englischer, theils in französischer Sprache erschienenen Originalausgaben seiner Werke, wie die zahlreichen in den „Philosophical Transactions“, im „Journal physic.“ und in den Verhandlungen der Amsterdamer gelehrten Gesellschaft abgedruckten Abhandlungen führt Poggendorff in dem unten in den Quellen verzeichneten Werke an.

Rose (Hugh James), New Biographical Dictionnary (London 1848). – Biographie universelle (Paris 1811 et suiv., 8°.) Tome XXI, p. 214. – Biographie médicale par Jourdan et Desgenettes (Paris 1820 et suiv.). – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., 8°.) Tome XXV, p. 863. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. A. Barth, Lex. 8°.) Sp. 1070. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in [208] Linz] 1785[WS 2], kl. 8°.) S. 106. [Diese schreibt über Ingenhouß: „Ein ächter Gelehrter und großer Physiker“, eine Zierde Wiens und – ein Biedermann.] – Porträt. Unterschrift: J. Ingenhousz. C. et Archiat. Caes. ob caesaream prolem insitione variolarum servatam. A. L. L. ad vivum delin. Cunego inc. Romae 1769. 4°. – Die zwei Pflanzengattungen Ingenhouszia, die eine zur letzten Ordnung der Linné’schen Classe und zur natürlichen Familie der Malvaceen, die andere zur ersten Ordnung der 19. Linné’schen Classe, zur Gruppe der Radiaten und zur natürlichen Familie der Compositae gehörig, sind nach Ingenhouß benannt, letztere Gattung aber später nach dem Botaniker J. B. Balbis (gest. 1831) in Balbisia umgetauft worden.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Fischer von Waldheim, Gotthelf (ADB).
  2. Vorlage: 1578.