BLKÖ:Institoris-Mossóczy, Michael (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Institoris, Elias
Band: 10 (1863), ab Seite: 210. (Quelle)
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Institoris-Mossóczy, Michael (I.) (Schulmann und protestantischer Prediger, geb. zu Bißtricska in der Thuroczer Gespanschaft 29. September 1731, gest. zu Preßburg 7. October 1803). Entstammt einer adeligen, durch unglückliche Zufälle verarmten protestantischen Familie, welche in früher Zeit aus Deutschland nach Ungarn eingewandert ist und sich durch ihre Gelehrsamkeit ausgezeichnet hat. Vielleicht ist der Dominikanermönch Heinrich Institoris, auch Institor (gest. um 1500), den Papst Gregor VIII. zur Ausrottung der Hexen nach Deutschland geschickt und der das berühmte Buch „Malleus Maleficorum“ (Lyon 1484)geschrieben – denn die Genitivbildung der eigenen Namen: Ernesti, Henrici, Herepaei, Jacobi, Petri, Pauli und auch Institoris ist eine häufige[1] – ein Urahn dieser später nach Ungarn eingewanderten Gelehrtenfamilie. Michael’s Vater Thomas und seine Mutter Susanna, eine geborne Lehoczky, leiteten die Erziehung des Knaben, der 1738 die Schule seines Geburtsortes zu besuchen anfing. 1741 schickten sie ihn auf das Gymnasium zu Iwankofalva im Thuroczer Comitate, später kam er nach Szulyow, dann nach Netzpál, zuletzt 1750 nach Preßburg; dort nahm sich ein Verwandter mütterlicher Seits, Daniel Lehoczky, des strebenden Jünglings an, schickte ihn auch auf eigene Kosten nach Debreczin, wo sich I. insbesondere die Kenntniß der ungarischen Sprache aneignete, worauf er nach Preßburg zurückkehrte und das Studium der Theologie, jedoch mit der Absicht begann, sich mehr für die Schule als für die Kanzel zu bilden. Im Jahre 1756 begab er sich in’s Ausland, und zwar auf die Universität in Wittenberg, welche er 1758 verließ, einem Rufe als Prediger der ungarisch-slavischen Gemeinde in Preßburg folgend. Mit seinem Berufe als Prediger verband er aus freien Stücken das Lehramt und trug am Preßburger Gymnasium öffentlich theologische Wissenschaften vor. Der Ruf seiner großen Gelehrsamkeit verbreitete sich alsbald, und der Zudrang der Jugend zu seinen Vorträgen mehrte sich in Preßburg so sehr, daß I. alle Anträge anderer Gemeinden, die ihn beriefen, ausschlug, um in Preßburg für das Lehramt thätig sein zu können. Der Einfluß, den I. auf die neuen sich bildenden slavischen Gemeinden in Ungarn, Böhmen und Mähren übte, wuchs in solchem Grade, daß man in wichtigen [211] Fällen stets um seine Ansicht fragte und sein Ausspruch immer auch angenommen wurde. Seinen Bemühungen gelang die Erbauung des protestantischen Bethauses in Preßburg, für welches er in der Gemeinde Beiträge sammelte, den Bau überwachte und leitete und nach dessen Vollendung als Ueberschuß der von ihm verwendeten Summe den Betrag von 500 fl. dem Preßburger Kirchenconvente einhändigte. Als Lehrer, Humanist und Schriftsteller entfaltete I. eine segensvolle Wirksamkeit. Meine Versuche, ein bibliographisches Verzeichniß der Schriften I.’s zusammenzustellen, blieben ungeachtet meiner Bemühungen erfolglos. Es können also im Folgenden nur die wichtigeren angedeutet werden. Außer vielen Gelegenheitsreden, Liedern und Gedichten, welche er bei festlichen Anlässen in ungarischer, slavischer und lateinischer Sprache herausgegeben hat, schrieb er einen „Nucleus precum et cantionum christianarum“, welcher auf Kosten des k. Rathes Johann Jeszenak de Kiralyfia [S. 171] gedruckt wurde, ein ungarisches Passionale, ein slavisches Passionsliederbuch, ein ungarisches und ein slavisches Gebetbuch für gemeine Soldaten; ferner besorgte er eine vermehrte und verbesserte Ausgabe des berühmten slavischen, unter dem Namen Tranoscius bekannten Gesang- und Gebetbuches [vergl. darüber die Biographie des Sam. Hruszkowicz im IX. Bande, S. 363 u. 364], gab noch das Werkchen „Impunitas vagae veneris, humano generi reique publicae multum noxia“ (Pressburg 1798), eine slavische Uebersetzung von Arndt’s „Wahres Christenthum“ und von dessen „Paradieß-Gärtlein“ heraus. In mehreren Vorreden zu seinen Uebersetzungen und zu anderen Werken legte er kleine literar-historische und philosophische Schätze nieder; so z. B. in jener zu Arndt’s „Wahres Christenthum“ sprach er über die Vorzüge der christlichen Moral-Theologie vor der philosophischen; in einer anderen zur Ausgabe einer ungarischen Bibel, welche 1776 in Leipzig gedruckt wurde, gab er Nachricht von den verschiedenen Uebersetzungen und Ausgaben der Bibel in ungarischer Sprache, und diese ist reich an bibliographischen und philologischen Daten; in einer Vorrede zu der von Balthasar von Pongracz 1783 veranstalteten slavischen Uebersetzung von Kreuzberg’s „Betrachtungen auf alle Tage im Jahr“ setzte er die gleichen Rechte auseinander, welche Laien und Geistliche auf die h. Schrift und Theologie haben, und in einer andern zu der von Lautschek veranstalteten slavischen Bibelconcordanz schildert er die Verdienste, welche die Slaven, vornehmlich aber die Böhmen, um die Bibel sich erworben haben. Und doch verschwinden alle die bisher angeführten Verdienste des Lehrers und Schriftstellers, wenn sie der humanistischen Güte, der Menschenliebe entgegengehalten werden, die aus seinen bei Lebzeiten getroffenen und in den letztwilligen Anordnungen enthaltenen Verfügungen spricht. Am 24. Mai 1800 erlegte er 8000 fl. unter der Bedingung, daß mit den Interessen von diesem Capital ein vierter Professor der höheren Classen an dem Preßburger Gymnasium salarirt werden und der jedesmalige Prediger an der ungarisch-slavischen Gemeinde diese von I. gestiftete Professur bekleiden solle; ferner bestimmte er für das Preßburger Alumneum 2000 fl., zur Bekleidung armer Alumnisten 2000 fl., für Anlegung eines Prämienfondes zur Belohnung fleißiger Studiosen 1000 fl., für arme Knaben, die sich dem Handwerke oder dem Handelstande widmen wollen, 1000 fl., [212] für den evangelischen Kirchenconvent in Preßburg 2000 fl., für Bestreitung der Bedürfnisse jener Gemeinde, deren Prediger er war, 4000 fl., dem Lazareth in Preßburg 2000 fl. für Hausarme 1400 fl., mehrere kleinere Beträge von 100, 300, 400 fl. für Anlegung eines Schularchivs und zu wissenschaftlichen Zwecken; endlich vermachte er der Preßburger Schule seine ganze, an sehr werthvollen Büchern reiche Bibliothek nebst einer Summe von 3000 fl., aus deren Interessen die Auslagen für Nachschaffung neuer Werke und für denjenigen, der mit ihrer Aufsicht betraut ist, bestritten werden sollen. Diese Summe, welche in ihrer Gesammtheit den Betrag von 27.000 fl. übersteigt, hat der schlichte protestantische Bürger während einer 73jährigen Lebenslaufbahn von seinen eben nicht glänzenden Einkünften durch Sparsamkeit – I. war unverheirathet – zurückgelegt, damit sie nach seinem Tode zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden solle. Nach solchem 45jährigen Wirken schloß der Greis im Alter von 70 Jahren, gesegnet von seinen Mitbürgern und tief betrauert von seiner Gemeinde, das Auge zur ewigen Ruhe.

Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és leszármazási táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1857 u f., Moriz Ráth, 8°.) Bd. V, S. 246. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) S. 329 [unter Mossoczi; nach diesem geboren 14. September 1732). – Ballus (Paul von), Preßburg und seine Umgebungen (Preßburg 1823, Schwaiger und Landes, 8°.) S. 180. – Catalogus Bibliothecae hungaricae Francisci comitis Széchényi (Sopronii 1799, Siess, 8°.) Pars I, p. 537; Supplementum I, p. 283. – Ungarischer Plutarch oder Nachrichten aus dem Leben merkwürdiger Personen des Königreichs Ungarn und der dazu gehörigen Provinzen. Von Carl Vincenz Kölesy und Jakob Melzer (Pesth 1816, Eggenberger, 8°.) Bd. IV, S. 177. –

  1. Vergleiche darüber des Herausgebers „Historische Wörter, Sprichwörter und Redensarten“ (Prag 1863, Kober), S. 307 u. 308.