BLKÖ:Kölcsey, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Kölbl, Anton
Nächster>>>
Köller, Joseph
Band: 12 (1864), ab Seite: 215. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Ferenc Kölcsey in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119438399, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kölcsey, Franz|12|215|}}

Kölcsey, Franz (ungarischer Dichter, geb. zu Sző-Demeter in der siebenbürgischen mittleren Szolnoker Gespanschaft am 8. August 1790, gest. zu Szathmar am 24. August 1838). Entstammt einem alten adeligen Geschlechte; seine Ausbildung erhielt er auf dem reformirten Collegium zu Debreczin. Auf das Studium der classischen Sprachen, wie unter den neueren auf jenes der französischen und deutschen, warf er sich mit anhaltendem Eifer, und die ziemlich gut bestellte Bibliothek des Debrecziner Collegiums bot ihm Gelegenheit, sich mit den bedeutendsten Schriftstellern der genannten Sprachen bekannt zu machen. Poesie und Philosophie waren schon zu jener Zeit seine Lieblingsfächer, und selbst versuchte er sich damals schon in lyrischen und dramatischen Arbeiten. In seiner Muttersprache waren es aber zunächst die Schriften Kazinczy’s [Bd. XI, S. 97], die ihn fesselten und ihm in den eigenen Arbeiten zur Richtschnur dienten. Von Debreczin begab sich K. im Jahre 1809 nach Pesth, wo er als Jurat bei der königlichen Gerichtstafel thätig war, sich aber mehr als in diesem amtlichen Berufe im innigen Verkehre mit Gesinnungs- und Sanggenossen gefiel, wie Stephan Horváth[WS 1], Vitkovics, Paul Szemere u. A. Der durch die Pocken bereits in seiner Kindheit herbeigeführte Verlust des rechten Auges hinderte ihn an den damaligen Kriegsereignissen, wie es andere gethan, in Person sich zu betheiligen. Jedoch wollte er in anderer Weise seinem Vaterlande mit den besten Kräften – wenn nicht seines Arms, so doch seines Geistes – dienen. Er wurde Anwalt und als solcher wie später, als er im Jahre 1829 zum Obernotar des Szathmarer Comitates ernannt worden, hielt er im Comitatssaale jene gehaltvollen Reden, die zu den besten Erzeugnissen dieser Art gezählt werden. Auf dem denkwürdigen ungarischen Landtage 1832–1836 erschien K. als Deputirter des Szathmarer Comitates und glänzte in der Versammlung als einer der gewandtesten Redner und der einflußreichsten Männer der liberalen Partei. Als ihm aber die Gespanschaft, deren Vertreter er war, in der Urbarial-Ablösungsfrage eine Instruction gab, die seinen eigenen Ansichten in dieser Frage zuwiderlief, legte er noch im Laufe der Session sein Mandat nieder. Er kehrte sofort nach Szathmar zurück, trat seinen Obernotarsposten wieder an, und war eben mit Abfassung der seinen Freund Wesselény vertheidigenden Schutzschrift beschäftigt, als ihn nach nur kurzer Krankheit, im Alter von erst 48 Jahren, der Tod ereilte und so dem Vaterlande und seiner damals eben im Aufblühen begriffenen Literatur eine seiner Zierden entriß. Schon im Jahre 1814 trat K., und zwar in Horváth’s „Dámák Kalendárioma“, d. i. Damen-Kalender, und in Döbrentei’s „Erdélyi Museum“, d. i. Siebenbürgisches Museum, mit poetischen Arbeiten in die Oeffentlichkeit. Die allgemeine Aufmerksamkeit [216] aber richtete sich erst auf ihn, als eine von ihm verfaßte, gegen den „Mondolat“, wie eine eben damals herausgegebene Schrift hieß, gerichtete Satyre: „Felelet a mondolatra“, d. i. Antwort auf das Gerede (Pesth 1815), fehlerhaft und überdieß ohne sein Wissen gedruckt erschien. War einerseits die Wirkung dieser Satyre lange nicht die erwartete, da zu jener Zeit im großen Publicum jede wärmere Theilnahme für Literatur und literarisches Treiben noch schlummerte, so machte sie andererseits ihrem Verfasser viele Feinde und überdieß in jenen Kreisen, welche dergleichen Angriffe in der Regel nicht ungestraft geschehen lassen. Aber auch dieß entmuthigte nicht den sonst unabhängigen K., der, fest sein Ziel vor Augen, die nunmal betretene Straße weiter ging und dadurch das Uebel noch ärger machte. Er hatte nämlich 1817 in den „Tudományos gyüjtemény“, d. i. Wissenschaftliche Nachrichten, seine freimüthigen Ansichten über Berzsényi [Bd. I, S. 344], Csokonai [Bd. III, S. 62] und Kis [Bd. XI, S. 310] ausgesprochen. Die Aufregung darüber in den maßgebenden Kreisen war groß; die Stimmung, wenngleich die edleren Geister zu ihm standen, ward gegen ihn noch erbitterter, als sie ohnehin schon war; zudem wurde seine Kritik Berzsényi’s, obgleich er von den „Tudományos“ zu wiederholten Malen aufgefordert wurde, alle ungarischen Schriftsteller älterer und neuerer Zeit einer Beurtheilung zu unterziehen und diese Arbeiten im genannten Blatte zu veröffentlichen, so stark gestrichen, daß er sofort, ebenso unangenehm berührt von den mancherlei Anfeindungen, die er sich zugezogen, wie über die willkürliche Censur einer perfiden Redaction, nunmehr beschloß, vor der Hand dem kritischen Amte zu entsagen, zu welchem aber gerade er vor vielen Anderen am meisten befähigt war. Wenn er aber auch für jetzt der Kritik entsagte, der Poesie blieb er treu und die verschiedenen damals in Ungarn erscheinenden, nur einigermaßen in literarischen Kreisen geachteten Almanache und Zeitschriften, als: „Tudományos gyüjtemény“[WS 2], d. i. Wissenschaftliche Nachrichten, „Hebe“, „Aspasia“, „Felső Magyar Ország“, „Minerva“, „Aurora“, „Muzarion“, „Kritikai lapok“, d. i. Kritische Blätter, „Emleny“, „Athenaeum“, „Koszoru“, d. i. der Kranz, enthalten seine poetischen Beiträge, als Balladen, Romanzen, Lieder, Epigramme u. dgl. m. Aus seiner ländlichen Einsamkeit in Csak, wohin er sich zurückgezogen, lockte ihn erst sein Freund Szemere, der ihn einlud, mit ihm gemeinschaftlich die Zeitschrift „Elet és literatura“ herauszugeben. In zwanglosen Heften erschien sie in den Jahren 1826 und 1827 (Pesth, gr. 12°.); alles was auf Leben und Literatur sich bezieht, mit charakteristisch hervorstechend kritischer Tendenz aufnehmend, und eben durch die philosophischen und ästhetisch-kritischen Beiträge Kölcsey’s, der sich durch dieselben zu Ungarns erstem Kunstphilosophen erhob, noch heute für den ungarischen Literaturhistoriker von Werth. Der zweite Band dieser Zeitschrift enthält auch Kölcsey’s Literaturbriefe an Döbrentei, welche wegen der treuen Schilderung seiner eigenen Individualität höchst anziehend sind. Schon bei des Dichters Lebzeiten begann sein Freund Paul Szemere die Herausgabe seiner gesammelten Werke; es erschienen aber davon nur die „Versei“, d. i. Gedichte (Pesth 1832, Hartleben), welche den ersten Band bilden. Hingegen brachten bald nach seinem Tode Baron Eötvös, Paul Szemere und Ladislaus Szalay [217] eine Gesammtausgabe seiner Schriften unter dem Titel: „Minden munkái hat kötetben“, d. i. Sämmtliche Werke in 6 Bänden (Pesth 1840–1842. 8°.), zu Stande, welche seine Gedichte, Novellen, Literatur-Charakteristiken, Kritiken, Landtagsreden und auch den musterhaften Uebersetzungsversuch von Homer’s Iliade – leider nur den ersten Gesang – enthalten. Sein an Aufschlüssen über die damaligen geheimen Parteibestrebungen sehr reiches Tagebuch aus den Jahren 1832–1836 konnte erst im Jahre 1848, in welchem es unter dem Titel „Kölcsey Ferenc naplója“ erschien, veröffentlicht werden. Die ungarische gelehrte Gesellschaft hatte ihn am 17. November 1830 zum ordentlichen Mitgliede der linguistischen Abtheilung gewählt und Baron Eötvös auf den Verewigten die Gedächtnißrede gehalten, welche in den Jahrbüchern der ungarischen Akademie (A Mag. Tarsálkodó Évkönyv, Bd. V, p. 109–123) abgedruckt steht. Kölcsey zählt zu den edelsten Charakteren der ungarischen Nation, seinem Leben wie seinen Schriften nach. Als Landtagsredner nahm er eine hervorragende, wo nicht gar die erste Stelle ein, und müssen die Erfolge, die er als solcher feierte, um so höher gestellt werden, als er in seiner Kindheit von einer schweren Krankheit heimgesucht, deren Folgen sich immer wieder fühlbar machten, von der Natur mit äußeren Mitteln nur sehr karg ausgestattet worden war. Als Schriftsteller, theils Poet, an Schiller’s und Göthes Meisterwerken großgezogen, die Ballade und Romanze auf den ungarischen Parnaß verpflanzend, theils Kunstphilosoph und Kritiker, als solcher geistreich, scharfsinnig, tiefeinschneidend in die schwülstigen Ausgeburten der Phantasie mehrerer seiner literarischen Zeitgenossen, zählt er zu jenen geistigen Heroen seines Volkes, denen dasselbe in dankbarer Erinnerung und in echter Begeisterung Tempel erbaut und Denkmäler errichtet.

I. Biographie. a) Ungarische Quellen. Kállay (Ferencz), Kölcsey Ferencz gyermek-s ifjúkori életrajza s néhány eredeti levele, d. i. Franz Kölcsey’s Biographie mit einigen nachgelassenen Briefen (Pesth 1839). – Der von Franz Toldy veranstalteten Gesammtausgabe der Werke Kölcsey’s: „Kölcsey Ferencz minden munkai“ (Pest 1859, Heckenast, 8°.), steht Kölcsey’s von Toldy verfaßte Biographie voran. – Egyesült magyar és erdélyiországi nagyképes naptára. Kiadja Müller Gyula és Vahot Imre, d. i. Ungarischer und siebenbürgischer Bilder-Kalender. Jahrgang 1857, S. 168 [mit Kölcsey’s Porträt und Abbildungen seines Grabes, Grabdenkmals, Monumentes und seines Arbeitszimmer [in Holzschnitten]. – Magyar irók arczképei és életrajzai, d. i. Ungarische Schriftsteller in Bildern und Lebensbeschreibungen (Pesth 1858, Gustav Heckenast, kl. 4°.) S. 79. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Jos. Danielik (Pesth 1856, G. Emich, 8°.) I. Theil, S. 262. – Magyar és Erdélyország képekben. Kiadják Kubinyi Ferencz és Vahot Imre, d. i. Ungarn und Siebenbürgen in Bildern. Herausgegeben von Franz Kubinyi und Emerich Vahot (Pesth, 4°.) Bd. II, S. 100 bis 110. – Magyar néplap, d. i. Ungarisches Volksblatt (Pesth, 4°.) 1856, Nr. 1. S. 4: „Kölcsey Ferencz“ [mit Porträt in schönem Holzschnitt]. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Mor. Ráth, 8°.) Bd. VI, S. 435 [nach diesem gestorben 27. August 1838]. – Nemzeti képes naptár. Szerkeszti Tóth Lőrinc, d. i. National-Bilder-Kalender (Pesth, gr. 8°.) Jahrg. 1857, S. 105. – Pesti Naplo 1862, Nr. 3806: „Kölcsey“. Von Paul Jámbor [im Feuilleton]. – Toldy (Ferencz), A Magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig, d. i. Geschichte der ungarischen Dichtung seit der Schlacht von Mohács bis auf unsere [218] Tage (Pesth 1857, Heckenast, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 471–502. – Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Neues ungarisches Conversations-Lexikon (Pesth 1852, Heckenast, 8°.) Bd. V, S. 116. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntagszeitung (Pesth, gr. 4°.) 160, Nr. 38 [mit Porträt in Holzschnitt; nach dieser geb. 8. August 1790, gest. 24. August 1838]. – b) Deutsche und andere Quellen. Album hundert ungrischer Dichter. In eigenen und fremden Uebersetzungen. Herausgegeben von C. M. Kertbeny (Dresden und Pesth 1854, 12°.) S. 84, 92, 505. – Brockhaus’ Conversations-Lexikon, 10. Auflage, Bd. II, S. 105. – Handbuch der ungrischen Poesie. In Verbindung mit Julius Fenyéry herausgegeben von Franz Toldy (Pesth und Wien 1828, G. Kilian und K. Gerold, gr. 8°.) Bd. II, S. 164–192. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Supplement-Band IV, S. 280. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 234. – Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Prag 1862, A. G. Steinhauser, 8°.) S. 271. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXVIII, p. 4.
II. Porträte. Außer den schon angegebenen im Vasárnapi ujság, in Magyar irók, Magyar néplap und in dem von Jul. Müller und Emerich Vahot herausgegebenen ungarischen Bilder-Kalender, meist in guten Holzschnitten ausgeführten Porträten, sind mir keine anderen Porträte Kölcsey’s bekannt, obwohl kaum zu zweifeln ist, daß deren in Stich oder Lithographie in selbstständigen Blättern erschienen sind.
III. Grab, Denkmal und Erinnerungsfeste. Abbildungen und Beschreibungen seines Grabes, des darauf befindlichen Denkmals, des ihm zu Ehren errichteten Monuments und seines Schreibzimmers enthält der schon oben angeführte Kalender: Egyesült magyar és erdélyiországi u. s. w., Jahrg. 1857, S. 168; überdieß von seinem Grabdenkmale: Magyar néplap, d. i. Ungarisches Volksblatt (Pesth, 4°.) 1856, Nr. 2, S. 12: „Kölcsey Ferencz síremléke“, d. i. des Franz Kölcsey Grabdenkmal [mit Abbildung des Denkmals, das auf einem Piedestal einen gebrochenen Säulenschaft, Piedestal und Schaft von Epheu umrankt, darstellt]; und von seinem Monumente: Nemzeti képes naptár, d. i. National-Bilder-Kalender (Pesth, gr. 8°.) Jahrg. 1857, S. 107 [Abbildung des Denkmals Kölcsey’s]. – Nachricht von einem Kölcsey zu Ehren stattgehabten Erinnerungsfeste gibt: Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, gr. 4°.) 1858, Nr. 26: „Erinnerungsfest zu Ehren Franz Kölcsey’s“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Stephan Kovacs.
  2. Vorlage: „Tudományos güyjtemény“.