BLKÖ:Khevenhüller, Franz Christoph (I.)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 11 (1864), ab Seite: 216. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Christoph von Khevenhüller in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116153687, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Khevenhüller, Franz Christoph (I.)|11|216|}}

7. Franz Christoph (I.) Kh. von der Frankenburgischen Linie (geb. 21. Februar 1588, gest. zu Baden bei Wien 13. Juni 1650). Sohn des Grafen Bartholomäus (I.) [siehe diesen Nr. 2] aus dessen zweiter Ehe mit Blanca Ludmilla Gräfin Thurn. Die Jugend verlebte er in Gratz und Villach abwechselnd am Hofe des Erzherzogs Ferdinand und im Vaterhause. 1604 begab er sich mit seinem Hofmeister Christoph Wiedergut nach Italien, wo er ein Jahr in Padua die Studien fortsetzte, dann nach Florenz ging, wo er im Juni 1605 ankam. Dort begann er seine ritterliche Ausbildung, lernte Reiten, Kriegswissenschaften, überdieß wurde er auch an den glänzenden großherzoglichen Hof gezogen. Nachdem er noch Rom, Neapel und Oberitalien besucht, kam er 1607 nach Padua zurück, wo ihn seine Landsleute zum Assessor an der dortigen Universität erwählten. Nach mehrmonatlichem Aufenthalte daselbst verließ er Italien und kehrte in seine Heimat Kärnthen zurück. Bald aber trat er eine zweite Reise nach Frankreich an, die sich über Belgien, die Niederlande nach England ausdehnte und von welcher er Anfangs 1609 heimkam. Eine Reihe von Jahren verlebte K. abwechselnd nur bei [217] Hofe und daheim, wurde der Günstling des Erzherzogs Ferdinand, der sich nicht selten seines Rathes bediente, wohnte verschiedenen Hoffesten bei, ordnete die Erbschaftsangelegenheiten seines mittlerweile verstorbenen Vaters, bis er im Jahre 1617 mit einer kaiserlichen Sendung, und zwar als außerordentlicher Botschafter nach Madrid, betraut wurde. Damals war Mathias Kaiser und Khlesl sein allmächtiger Minister. Am 26. April 1617 traf er in Madrid ein. Diese Sendung, anfänglich eine außerordentliche, verwandelte sich in ein bleibende, und K. gelang es, Manches zwischen den beiden naheverwandten Höfen in bester Ordnung zu schlichten, insbesondere war die Beendigung des sogenannten Friauler oder Uskokenkrieges, der durch Friedensschluß vom 26. September 1617 beigelegt ward, sein Werk, und die dankbaren Kärnthner beschenkten Khevenhüller’s im Lande zurückgebliebene Gattin für diesen glücklichen Erfolg. Als aber Khlesl und bald darnach auch Kaiser Mathias starben und die Zustände in der Monarchie den betrübendsten Charakter annahmen, gerieth Kh. in drückende Verlegenheiten, Kh. war eifriger Katholik, und dieß genügte, daß in seiner Heimat die Anhänger der neuen Lehre sich seiner Güter bemächtigten. In Spanien war der Herzog von Lerma gestürzt und der Herzog von Uzeda, ein unfähiger Unhold, eine Puppe in den Händen des Großinquisitors Luis de Alliaga, sein Nachfolger. Khevenhüller in seinen „Annalen“ und die Geschichtschreiber dieser Periode berichten von dem ungebührlichen Betragen, welches sich die Spanier gegen den kaiserlichen Minister erlaubten. Aber Kh. war nicht der Mann, der sich solches gefallen ließ, und sein energisches Auftreten, indem er Uzeda’s Ungebührlichkeiten entschieden zurückwies, bewirkte eine Schwenkung des spanischen Hofes zu einer Oesterreich günstigeren Politik. Nach der Schlacht vom weißen Berge hatten sich die Verhältnisse Oesterreichs entschieden gebessert, und jetzt erst – obgleich mit großer Mühe – gelang es Kh., einen kurzen Urlaub in sein Vaterland zu erhalten, um seine Verhältnisse, die durch die Wirren ganz zerrüttet waren, zu ordnen. Anfangs Juli 1621 verließ er Madrid und am 1. März 1622 war er wieder dahin zurückgekehrt, mittlerweile von Kaiser Ferdinand am 20. December 1621 zum geheimen Rathe ernannt. Ueber seine gesandtschaftliche Thätigkeit, durch welche er mitunter überraschende Erfolge erzielte, sich hier weiter auszulassen, verbieten Raum und Zweck des Werkes. Die Erhaltung des Elsaß, welches Erzherzog Leopold, als er, den geistlichen Stand verlassend, sich vermälte und als seinen Antheil aus dem Gesammtgute des Hauses in Anspruch nahm, worauf aber Spanien in Folge eines geheimen Vertrages Ansprüche erhob, ist Kh.’s Werk, wie auch die Heirath der spanischen Infantin Maria mit Ferdinand’s II. Sohn Ferdinand III., deren Vermälung mit Karl, dem Sohne und Thronfolger Jacob’s von England, eine schon abgemachte Sache war, durch welche Heirath aber die schon stark gelockerten Interessen der zwei Habsburgischen Linien, der deutschen und der spanischen, nun wieder enger geknüpft wurden. Am 1. Februar 1631 wurde Kh. zum Obersthofmeister der Königin Marie, nachmaligen Kaiserin, ernannt und blieb auf diesem Posten, auf welchem er oftmals zu diplomatischen Sendungen an verschiedene Höfe verwendet wurde, bis an sein Lebensende. Noch eine traurige Episode trifft sein Leben, der oberösterreichische Bauernkrieg, in welchem er selbst von 2000 Rebellen in seinem schwach befestigten Schlosse Köppach belagert wurde, sie aber zurückschlug. Als aber der Aufruhr gedämpft war, trat K. nicht als Rächer, sondern als ein wahrer Wohlthäter der Verirrten auf. Tief beugte ihn auch der Verlust seines ältesten Sohnes Mathias [s. d. 2. 221, Nr. 25]. Franz Christoph ist der Verfasser des sowohl wegen seiner Unparteilichkeit, wie der zahlreichen Kunstbeilagen wegen höchst interessanten Werkes, dessen letzte Ausgabe unter dem Titel: „Annales Ferdinandei“, Th. I–XII (Leipzig 1721–1726, Fol., mit K. K.), Conterfei-Kupferstiche regierender großer Herren, Th. I und II (ebd. 1721–1722, Fol.) erschienen ist. Das goldene Vließ, dessen Ritter er war, hatte ihm König Philipp IV. am 28. November 1623 eigenhändig verliehen. Aus zwei Ehen [vergl. die genealog. Tafel I] hatte er 13, n. A. 14 Kinder, von denen Franz Christoph (II.) der Stammvater der heutigen älteren gräflich Frankenburgischen Linie ist. Franz Christoph’s kupferner Sarg wurde im Jahre 1838 auf dem Friedhofe zu Schörfling am Attersee[WS 1] gefunden. Der Graf lag darin im spanischen Costüme mit dem Orden des goldenen Vließes und mit einer Gedenktafel, die in präcisester Form ein curriculum vitae enthält. Ihr Inhalt, welchen Fiedler in der unten bezeichneten Quelle mittheilt, ist gleichlautend mit dem in der Kirche zu Kammer in Marmor gemeißelten [218] Epitaphium und mit der dem I. Bande seiner „Annalen“ vorgedruckten Grabschrift. [Hormayr’s Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1823, Nr. 45–50: „Bruchstück eines biographischen Versuchs von Carl Adalbert Veith“. – Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) 1854, Nr. 6, S. 21), und im Separatabdrucke dieser von dem Capitular Heinrich Hermann verfaßten Monographie, S. 5 u. f. – Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren- und Ritter-Stande (Wien 1804, 4°.) Bd. V, S. 83 u. f. – Archiv für Kunde österr. Geschichts-Quellen, herausg. von der kaiserl. Akademie der Wissenschaften (Wien, gr. 8°.) 1850, Bd. I, S. 331: „Frz. Chr. Kh.’s Jugend- und Wanderjahre“. – Fiedler (Dominicus), Die weiland Khevenhüller’sche Majoratsgrafschaft Frankenburg u. s. w. (Wien 1860, gr. 8°.) Zweite Auflage. Bd. I, S. 27–166. – Porträte. 1) G. Strauch del., J. F. Leonart fec. (4°.), Hüftbild, Schwarzk.; –2) mit der Unterschrift: Graf Franz Christoph Khevenhüller von Frankenburg, k. k. Staats- und Conferenz-Minister (Knobloch lith., gedr. bei Jos. Stouf’s, Wien. 8°.). ganze Figur, mit landschaftlichem Hintergrunde und in der oberen und unteren linken Ecke mit Wappen.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Schärfling am Artersee.