BLKÖ:Kinsky von Wchinitz und Tettau, Franz Ulrich (I.) Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 11 (1864), ab Seite: 280. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Ulrich Kinsky in der Wikipedia
GND-Eintrag: 123530822, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kinsky von Wchinitz und Tettau, Franz Ulrich (I.) Graf|11|280|}}

11. Franz Ulrich (I.) Graf K. (Staatsmann und Ritter des goldenen Vließes, geb. 1634, gest. zu Wien 27. Februar 1699). ältester Sohn Johann Octavian’s, ersten Grafen des Hauses Kinsky, aus dessen Ehe mit Margaretha Magdalena Gräfin Porzia. Bildete sich auf der damals so berühmten Universität zu Löwen, machte dann Reisen, und trat nach seiner Rückkehr in den Staatsdienst. Im Jahre 1664 schickte ihn der Kaiser Leopold I. nach Polen, um die verpfändeten Fürstenthümer Oppeln und Ratibor einzulösen, die Verschreibung der polnischen Krone an einen österreichischen Prinzen zu erneuern, den Fürsten Lubomirski mit dem Könige zu versöhnen und dessen Restitution in Polen zu erwirken. Nach seiner Rückkehr aus Polen, indem er vor seinem Abgange dahin schon Vicekanzler von Böhmen war, wurde er königlicher Statthalter, dann Appellationspräsident in Böhmen. Im Jahre 1676 schickte ihn der Kaiser als bevollmächtigten außerordentlichen Gesandten zum Friedenscongresse nach Nymwegen, wo der Uebermuth des französischen Gesandten die Geduld des Grafen auf harte Proben stellte. Als sein Vater 1679 starb, erhielt er das böhmische Hofmeisteramt, im April 1683 die eben erledigte Würde eines Oberstkanzlers von Böhmen und von dem Könige von Spanien das goldene Vließ. Als er nach der Belagerung Wiens durch die Türken (1683), während welcher Zeit er in Böhmen war und dort als Oberstkanzler alle Anstalten traf, das Land vor den Schrecken des Krieges zu wahren, nach Wien kam, entwarf er ein neues System der Vertheidigung Ungarns, welches auch angenommen wurde. Er erhielt in Folge dessen auf dem Landtage zu Preßburg 1687 das ungarische Incolat und von dem Kaiser die Bestätigung des Reichsgrafenstandes. Schlosser’s Vorwurf: in dieser Zeit gegen die Protestanten Ungarns große Härte geübt und den kaiserlichen General Caraffa, dessen trauriges Andenken in dem Blutgerichte zu Eperies fortlebt, im Cabinete unterstützt zu haben, wird von Folkmann mit Franz Ulrich’s sanftem duldsamen Charakter, für den viele Beweise vorliegen und mit der Thatsache zurückgewiesen, daß er sich aus dem der reformirten Kirche zugethanen Hause der niederländischen Barone von Kinsky einen Erben nehmen wollte. Bei der Eröffnung des Reichstages in Regensburg am 25. Juli 1689 fungirte er als erster Gesandter bei der Wahl des Erzherzogs Joseph zum römischen Könige. Bald nach seiner Zurückkunft nach Wien wurde er in den geheimen Conferenzrath des Hofes aufgenommen, wo er fast ausschließlich die auswärtigen Angelegenheiten über sich hatte. Seiner gewandten Leitung vornehmlich ist es in dieser Zeit zu danken, daß Friedrich August von Sachsen die Krone Polens erhielt. Graf Franz Ulrich war ein gewandter Staatsmann, der mit reichem Wissen eine seltene Menschenkenntniß verband und in bedrängnißvollen Zeiten ein treuer, umsichtiger, opferwilliger Rathgeber der Krone war. Seine Ehe mit Anna Maria Gräfin v. Ursenbeck (gest. 19. Jänner 1708) blieb kinderlos. Bei Wißgrill heißt die Gräfin Maria Franziska Katharina. [Folkmann (Joseph Erwin), Die gefürstete Linie des uralten und edlen Geschlechtes Kinsky (Prag 1861, Karl André, gr. 8°.), S. 46. – Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren- und Ritter-Stande (Wien 1804, 4°.) Bd. V, S. 134. – Wiener Zeitung 1861, Nr. 223, S. 3462. – Schlosser’s Geschichte, gearbeitet von Kriegk, Bd. XV, S. 579. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., 8°.) Tome XXVII, p. 259. – Porträte. 1) C. Borcking sc. (kl. Fol.); – 2) H. Quiter fec. et exc. (Fol., Schwarzkst.).] –