BLKÖ:Lamberg, Leopold Joseph Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lamberg, Leopold Graf
Band: 14 (1865), ab Seite: 35. (Quelle)
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36. Leopold Joseph Graf L. (geb. 13. Mai, nach Anderen 13. März 1654, nach Anderen [36] 1653, gest. 28. Juni 1706). Von der Sprinzenstein’schen Linie, ein Sohn des Grafen Johann Franz aus dessen Ehe mit Maria Constantia Freiin von Questenberg. Nachdem er, erst 13 Jahre alt, bereits seinen Vater verloren, setzte er unter Leitung seiner Mutter seine Studien fort, machte nach deren Beendigung Reisen und trat nach seiner Rückkehr in den Staatsdienst, die diplomatische Laufbahn ergreifend. Im Jahre 1690 schickte ihn der Kaiser als Principal-Commissär auf den Reichstag nach Regensburg. Am 10. November 1667 wurde er mit seinen Brüdern Franz Sigismund und Karl Anton und mehreren Vettern in den Grafenstand erhoben; er selbst im December 1699, an die Stelle Georg Adam’s Grafen von Martinitz, als außerordentlicher Botschafter an den päpstlichen Hof geschickt, an welchem er für zwei Kaiser, Leopold I. und Joseph I., unter zwei Päpsten, Innocenz XII. und Clemens XI., die Interessen Oesterreichs vertrat, und Rom erst verließ, als der Kaiser genöthigt war, seinen Botschafter von dem von französischen Einflüssen beherrschten päpstlichen Hofe abzuberufen. Zu gleicher Zeit wurde auch dem Nuntius am kaiserlichen Hofe sein Creditiv zurückgestellt. Die Pracht, mit welcher der Graf nach der Wahl Clemens XI. zum Papste seinen Einzug in Rom hielt, war ein Ereigniß jener Zeit, und wird im Theatrum Europaeum] ausführlich beschrieben. Ohne Dienerschaft bildeten 21 Edelleute und Pagen sein Gefolge. Die Beschläge der Gallawägen und die Reifen der Räder, die Hufe der Pferde waren Silber. Jede einzelne Livrée der zahlreichen Dienerschaft kostete über Tausend Gulden. Der Hausaltar, den der Graf auf seiner Gesandtschaft mitführte, und der das Leiden Christi vorstellte, war von gediegenem Silber. Er wurde noch bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts auf der später in den Besitz des Wiener Erzbisthums übergegangenen Familienherrschaft Kranichberg aufbewahrt. Der Graf war (seit 23. Jänner 1679) mit Katharina Eleonora Gräfin von Sprinzenstein (geb. 1660, gest. 28. November 1704) vermält, und gelangte durch diese Heirath das ganze Sprinzenstein’sche Majorat mit den Herrschaften Waidhofen, Drosendorf, Weickhartsschlag, Thaya, Tumnitz, Pyrrha an ihn und seine Descendenz [siehe Karl Joseph Franz X. Graf L., Nr. 32]. Von seinen in obiger Ehe erzeugten drei Kindern starben ein Sohn und eine Tochter in jungen Jahren, der überlebende obige Karl Joseph Franz X. pflanzte diese Linie fort. –