BLKÖ:Lannoy, Eduard Baron

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Lanner, Katharina
Band: 14 (1865), ab Seite: 142. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Heinrich Eduard Josef von Lannoy in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118569600, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Lannoy, Eduard Baron|14|142|}}

Lannoy, Eduard Baron (Tondichter, geb. zu Brüssel in Belgien 3. December 1787, gest. zu Wien 29. März 1853). Der Sohn des kaiserlichen Staats- und Conferenzrathes Peter Joseph Albert von Lannoy (geb. zu Brüssel 1733, gest. zu Wildhaus in Steiermark 8. Februar 1825). Der Vater war ein ausgezeichneter Staatsbeamter, der bereits im Jahre 1756 im österreichischen Belgien im Finanzdepartement seine beamtliche Laufbahn begonnen hatte. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurde er Administrator und Generaleinnehmer der Güter des Ordens. Nach Bewältigung der Unruhen in Belgien wurde er der k. k. einrückenden Armee als General-Civilcommissär zugetheilt und als sich später zur Begleichung der Differenzen zwischen Volk und Regierung auf kaiserlichen Befehl die niederländische Junta zu Wien versammelte, befand sich L. als Mitglied bei derselben. Im J. 1794 wurde er zum niederländischen Staatsrathe ernannt, bei der im Jahre 1796 erfolgten Trennung aber ob Unkenntniß der deutschen Sprache in den Ruhestand versetzt. Für seine Verdienste war er mit dem Ritterkreuze des St. Stephans-Ordens ausgezeichnet, und in Folge dessen im J. 1809 in den erbländischen Freiherrnstand erhoben worden. Er besaß eine ungewöhnliche und vielseitige Bildung und arbeitete viele Jahre hindurch an einem größeren Werke über Politik und Geschichte, an dessen Vollendung er jedoch durch die Schwäche seines hohen Alters gehindert worden. – Sein Sohn Eduard wurde zwar in Brüssel geboren, kam aber in jungen Jahren nach Oesterreich und besuchte 1796–1801 in [143] Gratz die Normal- und Gymnasialclassen. Im Jahre 1801 kehrte er nach Brüssel zurück, besuchte dort die École centrale und das Lyceum, dann begab er sich nach Paris, wo er alte und neue Sprachkunde, Philosophie, Jurisprudenz, mit besonderer Vorliebe aber Mathematik und Musik betrieb, in welch letzterer er nicht nur mit der Compositionslehre, sondern auch mit Erlernung verschiedener Instrumente sich beschäftigte. Im Jahre 1806 kehrte er nach Steiermark zurück, wo er bis Mai 1809 in Gratz seine Studien fortsetzte, dann mehrere Jahre auf der von seinem Vater gekauften Besitzung Wildhaus in Steiermark zubrachte, später aber abwechselnd in Wien und in Steiermark lebte. L. führte ein den schönen Künsten, der Musik und der Dichtung gewidmetes Leben. Als Poet trat er in den Wiener Almanachen und Unterhaltungsblättern seiner Zeit auf. Er schrieb in deutscher und französischer Sprache. Die musikalischen Artikel im ästhetischen Lexikon von Ignaz Jeitteles [s. d. Bd. X, S. 122] stammen aus Lannoy’s Feder. Ungleich verdienstlicher aber hat er auf musikalischem Gebiete gewirkt, vielleicht weniger als Compositeur als durch seinen Eifer, den Sinn und Geschmack für Musik zu heben und zu wecken. So z. B. war L. Mitglied der Gesellschaft der Musikfreunde, welche es sich zur Aufgabe gemacht, theils große Oratorien aufzuführen, theils gemischte Concerte abzuhalten. Vincenz Hauschka [Bd. VIII, S. 78] dirigirte die meisten derselben, aber in den Jahren 1824 und 1825 betheiligte sich Lannoy ziemlich stark an der Direction. Auch als die im Jahre 1820 von Franz Gebauer gegründeten Spirituel-Concerte stattfanden, war L. bei denselben als Director thätig. Als Compositeur war er ungemein fruchtbar. Eine von ihm verfaßte Cantate wurde schon 1806 anläßlich einer Preisvertheilung im Lyceum zu Brüssel aufgeführt. Dann schrieb er viele Opern, als: „Margarethe oder die Räuber“, Oper in einem Aufzuge, gegeben zu Gratz 1814 und zu Wien 1819; – „Die Morlaken“, Oper in 2 Acten, gegeben zu Gratz 1817, deren ursprünglich italienischer, von Rossi gedichteter Text von L. in’s Deutsche übersetzt wurde, bei welcher Gelegenheit bemerkt sei, daß L. auch das Textbuch zu Rossini’s „Tancred“ für die deutsche Bühne bearbeitet habe; – „Libussa“, Oper in 2 Aufzügen, gegeben zu Brünn 1819; – „Eine Uhr“, Melodram, gegeben zu Wien 1822, die Ouverture dazu ist bei Haslinger im Stiche erschienen; – „Rütli“, Oper in 1 Act, gegeben im Wiener Hof-Operntheater 1827; – „Der Mörder“, Melodram; – „Emmi Teels“, Melodram; – „Die beiden Galeerensclaven“; – „Der Löwe von Florenz“, Melodram; – „Ouverture und Zwischenacte zu Czar Iwan“, von Castelli; – „Der schwarze Abu“, Melodram, die letztgenannten[WS 1] sämmtlich im Zeitraume von 1823 bis 1830 auf verschiedenen Bühnen Wiens und Deutschlands aufgeführt. Von seinen anderen größeren Tonstücken wurden im Jahre 1821 im Gesellschafts-Concerte der österreichischen Musikfreunde seine „Symphonie in E-dur“ und in einem der Spirituel-Concerte seine „Symphonie in C-dur“, außerdem mehrere Ouverturen, Solostücke für einzelne Instrumente u. dgl. m. aufgeführt. Die Zahl der im Stiche erschienenen Compositionen Lannoy’s erhebt sich an die Siebenzig und sind darunter anzuführen: „Symphonie in E. Auf fünf Stimmen“ (Wien, bei Haslinger); – „Sonate in A-dur“, Op. 6 (Wien, Mechetti); – [144] „Erstes Rondo in C“, Op. 7 (Wien, Haslinger); – „Grosse Sonate in As-moll“, Op. 9 (ebd.); – „Grand Trio pour Piano, Clarinette et Violoncelle“, Op. 15 (ebd.); – „Grand Trio pour Piano, Violon, Violoncelle“, Op. 16 (ebd.); – „Variations et Polonaise p. le Violon“, Op. 27 (Schlesinger); – „National-Tanz- und Sangweisen des österreichischen Kaiserstaates. Eine Sammlung charakteristischer Rondo’s leichter Art“. 1. Heft: „Oesterreich“, 2. Heft: „Steiermark“, Op. 30 u. 31 (Wien, Mechetti); – „General Hentzi. Gedicht von B. Carneri, für Sopran oder Tenor mit Pfte.“, Op. 69 (ebd.); – „Six polonaises faciles“, Op. 69 (ebd.); außerdem mehrere Rondo’s, Sonaten, Trios, Gesangquartetten und Lieder für einzelne Stimmen, Märsche und Tänze. Seit dem Jahre 1830 hat Baron Lannoy seine Zeit fast ausschließlich der Leitung des Wiener Conservatoriums gewidmet, und blieb Director desselben bis zum Jahre 1835. Seine ausgebreiteten Kenntnisse und eine vielseitige Bildung, richtige Ansichten und liebenswürdige Humanität trugen wesentlich zur Förderung und Hebung dieses Institutes bei. – Gerber in seinem „Neuen historisch-biographischen Lexikon der Tonkünstler“ (Bd. III, Sp. 175) gedenkt einer Madame la comtesse de Lannoy, gebornen Gräfin Looz, welche im Jahre 1813 in Deutschland sich aufhielt und in der er eine emigrirte Dilettantin vermuthet. Er führt von ihr mehrere im Jahre 1798 bei Hummel in Berlin im Stiche erschienene Romanzen und Sonaten für Pianoforte und Harfe auf. Vielleicht ist es eine Verwandte, wohl gar die Mutter unseres Eduard Freiherrn Lannoy. Da sie von Geburt eine Gräfin, und Frauen, wenn sie auch unter ihrem Adel heirathen, aus Höflichkeit in der Titulatur der höhere Adelstitel ihrer Geburt gegeben wird, so erklärt sich auch die Titulatur: Madame la comtesss de Lannoy.

Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Frz. Köhler, Lex. 8°.) S. 527. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX, Abthlg. 1, S. 1017, Nr. 4 [nach diesem geb. im J. 1785]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 361 [nach dieser geb. zu Brüssel 1787]. – Oesterreichische Revue (Wien, gr. 8°.) Bd. IV, S. 186, 187, 188, 189, 193 u. 194, im Aufsatze: „Zur Geschichte des Concertwesens in Wien“. Von Dr. Ed. Hanslick. [Was Herr Hanslick von Baron Lannoy als Tonsetzer hält, offenbart sich (S. 189), wo H. von den „Gesellschafts-Concerten“ der österreichischen Musikfreunde spricht, aus der Zeile: „auch ganz unbedeutende, gegenwärtig vollständig vergessene Namen, wie Lannoy u. s. w. erscheinen viel zu oft in diesen Programmen“.] – Schilling (G. Dr.), Das musikalische Europa (Speyer 1842, F. C. Neidhard, gr. 8°.) S. 206. – Schuberth (Julius), Musikalisches Handbuch. Eine Encyklopädie für Tonkünstler und Musikfreunde (Leipzig und New-York, 8°.) S. 157 [bemerkt von Lannoy: „Beim Auftauchen Beethoven’s war er sein heftigster Gegner und in letzterer Zeit sein größter Verehrer“]. – Allgemeine Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle (Wien, gr. 4°.) XLVII. Jahrgang (18533), Nr. 73, S. 307: Nekrolog. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Jul. Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Dresden 1856, Rob. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 718. – Porträt. Unterschrift: Facsimile seines Namenszuges: Eduard Freiherr von Lannoy. Kriehuber (lith.). (Gedr. im lithogr. Instit. in Wien, 4°., auch 8°. und vor dem dritten Jahrgange des im Verlage von Tobias Haslinger erschienenen allgemeinen musikalischen Anzeigers, 1831.) – Ueber Lannoy’s Vater Peter Joseph Albert vergleiche: Wiener Zeitung 1825, Nr. 179. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Bernh. Friedr. Voigt, 8°.) III. Jahrgang (1825), [145] Bd. II, S. 1325, Nr. 101. – Freiherrnstands-Diplom vom 25. Jänner 1809. – Wappen. In Silber drei (zwei über einem) grüne aufrecht gestellte, zum Kampf gerüstete Löwen, mit rothen Klauen und roth ausgeschlagenen Zungen und überschlagenen Schweifen. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone. Schildhalter: Zwei goldene Löwen mit roth ausgeschlagenen Zungen, rückwärts aufgeschlagenen Schweifen, welche mit beiden Vorderpranken den Schild anfassen und der rechte den linken, der linke den rechten Hinterfuß an den Schild stemmt. Helme und Helmschmuck fehlen. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: letzgenannten.