BLKÖ:Lichtensteiner, Meinrad

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lichtenthal, Peter
Band: 15 (1866), ab Seite: 85. (Quelle)
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Lichtensteiner, Meinrad (gelehrter Benedictiner, geb. in der Vorstadt Gumpendorf zu Wien 18. Jänner 1759, gest. zu Wien 2. Mai 1834). Sein älterer Bruder Benedict, damals ein junger Priester, unterrichtete ihn in den alten Sprachen und in der Philosophie. Dabei verlegte er sich selbst mit großem Eifer auf das Französische und, erst 17 Jahre alt, gab er: „Augustin Calmet’s Abhandlung, in welcher der Vorzug der hebräischen Geschichte vor den Geschichten aller übrigen Nationen bewiesen wird. Aus dem Französischen übersetzt von Joseph Lichtensteiner“ (Wien 1776, Rudolph Gräffer, 8°.) im Drucke heraus. Der Name Joseph war sein Taufname, den er erst nach seinem Eintritte in’s Kloster mit dem Namen Meinrad vertauschte. Der Titel dieser Schrift, wie er in der „Oesterreichischen National-Encyklopädie“ angegeben wird: „Calmet’s Abhandlung über das Alterthum der Hebräer“, ist ganz unrichtig. Gleich seinem Bruder wählte er das Klosterleben und trat in den letzten Tagen des October 1778 in das Stift zu den Schotten in Wien, legte am 25. Jänner 1783 die Ordensgelübde ab und las am 5. October d. J. die erste heilige Messe. Seiner Lehrgeschicklichkeit wegen wurde er Katechet an der Schule der Stiftspfarre und versah durch zehn Jahre diesen Posten. Während dieser Zeit viel im persönlichen Verkehr mit hervorragenden Gelehrten, übersetzte er auf deren Zureden Bonaventura Racine’s Kirchengeschichte, welche in 20 Bänden (in erster Auflage, Wien 1784–1789, bei David Hörling, 8°.), in dritter verbesserte Auflage aber unter dem Titel: „Herrn Abts Racine Kirchengeschichte aus dem Französischen übersetzt, nach der neuen mit einigen Anmerkungen und Zusätzen vermehrten Auflage“ (Wien 1790–1796, bei demselben Verleger) erschien. L. ist auf dem Titelblatte als Uebersetzer nicht genannt, wohl aber auf der bei der dritten Auflage vorkommenden Vorrede als Uebersetzer unterschrieben. Im Jahre 1793 wurde er Cooperator in der Pfarre am Schottenfeld und blieb es durch zwei Jahre; dann erhielt er die zum Schottenstifte gehörige Landpfarre Gaunersdorf. Von 1801 bis 1805 war er Pfarrer zu Hoebersbrunn, später in der Nachbarpfarre Martinsdorf, wo er, kundig der französischen Sprache, in jener für Wien und das ganze Land so traurige Epoche voll Geistesgegenwart die friedlichen Wohnungen vor der Wuth des Feindes rettete. Als im Jahre 1807 das ehemalige Jesuiten-Gymnasium von Sanct Anna an das Schottenstift übertragen wurde, berief ihn sein Abt von der Pfarre zur Präfectur des Gymnasiums, der er bis an sein Lebensende vorstand. In der Zwischenzeit war er zweimal, 1817 und 1823, Decan der philosophischen Facultät, im Schuljahre 1825/26 Rector magnificus der Universität und seit 1820 Vicedirector der Gymnasialstudien in Niederösterreich. Außer obiger Uebersetzung der Kirchengeschichte erschien von ihm noch im Drucke: „Beruhigungen beim Ausbruche des gegenwärtigen Krieges. Eine Predigt, gehalten bey Gelegenheit des zweiten Dankfestes, dass durch das Aufgeboth das Vaterland ist gerettet worden“ (Wien 1799, Anton Pichler, 4°.), auch wird ihm die Schrift: „Die Pflichten des Priesters. Herausgegeben von Christoph Bengel“ (Wien 1782, 8°.) zugeschrieben, da man auf der inneren Seite des Umschlages eines [86] Exemplares in seiner Büchersammlung von L.’s eigener Hand geschrieben fand: „Aus dem Französischen von M. Lichtensteiner“. L. war ein ausgezeichneter Schulmann und ihm vornehmlich verdankt das Schottengymnasium den Ruf, den es noch heute hat, denn er regte an und unterstützte thatkräftig wissenschaftliche Bestrebungen; von seiner auserlesenen Bibliothek, die an dritthalbtausend Bände zählte, machte er den liberalsten Gebrauch und entlehnte kostbare historische und philologische Werke strebenden, oft weit von Wien lebenden Männern, die er aus ihrer Studienzeit kannte. Auch besaß er eine kleine Münzensammlung, vornehmlich Thaler. In einer kurzen Skizze seines Lebens werden seine vortrefflichen Eigenschaften gepriesen, und zwar „Seine Humanität gegen jeden seiner Schützlinge, die nicht selten so weit ging, daß er diese, etwa im Falle einer Krankheit oder Verlegenheit, in ihren Wohnungen besuchte und als Rettungsengel auftrat; sein rastloses Streben, Tugend und Kenntnisse unter sie zu verbreiten, der Scharfblick, mit welchem er den Edelgesinnten von dem Leichtsinnigen, den Geschickten von dem minder Fähigen, den Fleißigen von dem Taugenichtse beim ersten Begegnen zu sondern wußte, und vor Allem sein liebevolles Herz, mit dem er den Kreis der Seinen, ja der ganzen Menschheit umfing, welche Eigenschaften ihm schon bei Lebzeiten den ehrenvollen Namen „Vater Meinrad“ brachten.“

Hauswirth (Ern. Dr.), Abriß einer Geschichte der Benedictiner U. L. F. zu den Schotten (Wien, 4°.) S. 161, 162. – Oesterreichischer Zuschauer, redig. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1838, Bd. I, S. 80. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 422. – Nach einer handschriftlichen Mittheilung des Herrn Directors des Münz- und Antiken-Cabinetes, Joseph Bergmann, sollen auch lateinische Nachrufe an seine Ordensbrüder von dem Stiftsabte Sigmund Schultes und dem Prior P. Edmund Götz vorhanden sein.