BLKÖ:Lodron, Paris (XI., auch XII.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lodron, Petrus Otto
Band: 15 (1866), ab Seite: 380. (Quelle)
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15. Paris XI. nach And. der XII. dieses Namens, von der von Georg gestifteten Hauptlinie, ist ein Sohn des Grafen Hieronymus; von welcher seiner drei Frauen, ob [381] von Margaretha Taparelli oder Katharina von Arco, oder aber Eleonora de Gretta ist nicht bekannt. Er lebte zu Ende des siebzehnten und in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Er bekleidete die Würde eines Oberstjägermeisters von Ober- und Niederösterreich und erfreute sich einer großen Beliebtheit unter dem Landvolke. Als im Jahre 1703 die Bayern und die Franzosen unter persönlicher Anführung des Churfürsten in Tirol einbrachen und sich der schlechtvertheidigten Hauptveste Kufstein und bald darauf Rattenbergs bemächtigten. damals beschwichtigte Graf Paris die über den Verlust von Kufstein aufgeregten Landstürmer und überredete sie, dem belagerten Rattenberg, dessen Fall noch nicht bekannt geworden und welches man zu halten gedachte, zu Hilfe zu ziehen. Am 23. Juni brach der Landsturm, mit dem Grafen an der Spitze, von Innsbruck auf. Ueber tausend Forstjäger und Schützen gaben ihm das Geleite. Eine andere Abtheilung, bei der sich nahezu ein halbes tausend Akademiker befand, war bereits vorausgegangen. Aber beide Abtheilungen waren kaum abgerückt, als die Nachricht von der Einnahme Rattenbergs sich allenthalben verbreitete. Während nun Viele in Bestürzung über diese Hiobspost das Hasenpanier ergriffen, kehrte Lodron mit seiner Abtheilung in Ordnung nach Innsbruck zurück, wo er auch bereits Alles in voller Flucht, die Regierung aber in förmlicher Auflösung begriffen fand. Als General Gschwind von Pockstein[WS 1], der Landescommandant, mit seiner Mannschaft über Amras, um die Abfahrt des dortigen Schatzes zu decken, dem Brenner zu abzog, begab sich auch Graf Paris mit den Regierungsräthen, einer größeren Menge von Lehenpferden und Jägern ebenfalls dahin und von dort auf seine Herrschaften nach Kärnthen, welche durch das anscheinend gänzliche Aufgeben Tirols zunächst bedroht waren. Der Churfürst hatte ohne Schwertstreich Innsbruck besetzt und der Feind sich immer weiter gegen Kärnthen zu ausgedehnt. Als aber der erste panische Schrecken vorüber und die Fassung der Tiroler wieder gewonnen war, erfolgten die Aufstände im Burggrafenamte, an der Etsch und am Eisack. Das Leben des Churfürsten ward sogar gefährdet und an seiner Seite fiel der Graf Arco, Graf Porzia wurde erschlagen. Der Churfürst verließ alsbald Innsbruck und zuletzt das Land. In Südtirol war zwar Vendome eingebrochen, hatte sogar Trient bombardirt, aber in den Judiciarien, wo der Trienter Stadthauptmann Graf Wolkenstein den Landsturm commandirte, und bei den Verschanzungen zu Storo, Lodrone und Rocca d’Anfo wurde er in solcher Weise empfangen, daß er über Hals und Kopf trachtete, aus dieser Gegend zu kommen, die keines Feindes Fuß weiter betrat.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Porkstein.