BLKÖ:Lubomirski, Georg Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 16 (1867), ab Seite: 106. (Quelle)
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Lubomirski, Georg Fürst[BN 1] (Abgeordneter des Wiener Reichstages im Jahre 1849, geb. zu Przeworsk in Galizien 28. Mai 1817). Ist der älteste Sohn des (am 20. October 1850 verstorbenen) Fürsten Heinrich [s. d. S. 118] aus besten Ehe mit Therese geb. Fürstin Czartoryska. Der Fürst tritt erst im Jahre 1848 in den Vordergrund, und zwar hatte er sich schon in Prag auf dem dort abgehaltenen Slavencongresse eingefunden und auf demselben eine bemerkbare Rolle gespielt. Seine Theilnahme an dem vorerwähnten Congresse, insbesondere an dem Entwurfe des, von Seite der Slaven an die Völker Europa’s erlassenen Programms, war eine sehr einflußreiche. Er selbst gehörte zum Vorstande des Congresses. Nach den blutigen Pfingstereignissen erhielt der Fürst die Weisung, Prag zu verlassen. Nach Einigen soll seine Entfernung von Prag unter militärischer Escorte bewirkt worden sein. Als später der Reichstag in Wien zusammentrat, erschien der Fürst auf demselben als Abgeordneter für Lancut in Galizien und zeigte sich ebenso als glühender Anhänger des Slaventhums, wie des demokratischen Princips, hielt sich in den Verhandlungen auch stets zu denjenigen, die in der Debatte die freiere Seite einer Frage vertraten. In der Entschädigungsfrage sprach er für theilweise Ablösung, obgleich er und seine Freunde aus einer solchen Maßregel keinen Nutzen zu haben erklärten, da sie das Unterthansverhältniß auf ihren Gütern bereits im Jahre 1846 aufgehoben hätten. Als am 28. Juni 1848 ein Aufruf zur Bildung einer polnischen Liga erging, fand sich unter den Begründern dieses Vereins auch L.’s Name. Die Octoberrevolution verleidete ihm aber den Geschmack für ein ferneres Verbleiben im Kreise der Reichstagsabgeordneten. Sobald es möglich geworden, verließ er Wien, ging in’s Bad nach Gräfenberg und legte von dort aus sein Mandat als Abgeordneter nieder. Einige [107] Zeit blieb nun des Fürsten Name verschollen, bis er im Jahre 1850 in Angelegenheiten des gräflich Ossolinski’schen Institutes wieder genannt wird. Das unter dem früheren Directorium immer mehr erschlaffende Nationalinstitut schien unter des Fürsten Leitung, der sich auch zu mehreren großartigen Spenden bereit gezeigt, um junge tüchtige Arbeitskräfte sich umgesehen u. s. w., sich von Neuem zu beleben. Doch blieb die Leitung nicht lange in seinen Händen. Kurz bevor er aber dieselbe niedergelegt, gab er heraus: „Zbiór ustaw i documentów tyczących się zakladu imienia Ossolinskich“, d. i. Sammlungen der Satzungen und Actenstücke, welche sich auf das gräflich Ossolinskische Institut beziehen (Lemberg 1851). Der Fürst, der seitdem sich in’s Privatleben zurückgezogen und mehrere Jahre in Dresden gelebt hat, ist (seit 15. Juli 1853) vermält mit Cäcilie Gräfin Zamoyska und entstammen dieser Ehe drei Töchter: Prinzessin Therese (geb. 8. September 1857), Prinzessin Isabella (geb. 4. October 1858, gest. 17. September 1859) und Prinzessin Marie (geb. 20. December 1869).

Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, 12°.) Theil II, S. 376. – Frankl (Ludwig August), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) VII. Jahrgang (1848), Nummer vom 1. October, S. 711: „Reichstags-Silhouetten“. – Reichstags-Gallerie. Geschriebene Porträts der hervorragendsten Deputirten des ersten österreichischen Reichstages (Wien 1848,. Jasper, Hügel und Manz, 8°.) II. Heft, S. 38. [Der Zeichner dieser Porträts, für den der Publicist Adolph Neustadt gilt, entwirft folgende Charakteristik des Fürsten Georg: „Geborner Fürst und Aristokrat, doctrinärer Demokrat aus Dilettantismus und Mode – schwärmt für Freiheit und ein Ministerportefeuille. Wir wissen nicht, welcher von beiden Damen er den Vorzug einräumt. Wahrscheinlich der jüngeren Neigung. Für einen Fürsten hat er jedenfalls viel politische Bildung – ziemlich wortgewandt – jedoch nur in der zerfließenden Allgemeinheit zwischen Himmel und Erde, ohne positive Grundlage. Er spielt ungeheuer Egalité, legt sehr viel Accent auf seine Blouse – sein Händedruck spricht herablassend – und seine Collegialität mit den polnischen Bauern-Deputirten ist Koketterie mit Glacéhandschuhen, und läßt das Bojarenthum durchblicken. Edel geformtes Gesicht – viel Ausdruck – echt polnischer Typus.“]

Berichtigungen und Nachträge

  1. Lubomirski, Georg Fürst [Bd. XVI, S. 106], gestorben im Jahre 1872.
    (Dębicki, Z. L.) Jerzy ks. Lubomirski, d. i. Georg Fürst Lubomirski (Krakau 1872, Leon Paszkowski, 8°., 29 S.) [nach diesem wäre der Fürst in Wien geboren]. [Bd. 28, S. 365.]