BLKÖ:Müller, Leopold Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Müller, Malvina
Band: 19 (1868), ab Seite: 394. (Quelle)
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In seine Fußtapfen – als Künstler, und zwar als selbstschaffender, den Vater weit überragend – trat aber sein (in Dresden im Jahre 1835 geborener) Sohn Leopold Karl, der schon im zartesten Kindesalter mit seinen Eltern nach Wien kam. In das Jünglingsalter getreten, wurde seine Liebe zur Malerkunst, die zu seinem Talente dafür im richtigen Verhältnisse stand, so groß, daß er die Studien an dem polytechnischen Institute in Wien aufgab und sich ganz der Malerei widmete, umsomehr, als sein Vater, der das Talent des Knaben zu würdigen wußte, damit einverstanden war. Unter dessen Leitung machte er auch, so zu sagen seine ersten Ausflüge auf dem künstlerischen Gebiete, und zwar zuerst als Zeichner. Viele Blätter in dem 1851 von Dr. J. von Tschudi herausgegebenen großen Werke: „Antiguedades peruanas“ sind bereits von ihm lithographirt. Der Custos an der k. k. Gemäldegallerie, Schnorr von Carolsfeld, führte ihn in das Gebiet der Malerei ein, und als endlich auch Prof. Karl Blaas das vielversprechende Talent des Jünglings dem Vater gegenüber fortwährend hervorhob, kam er 1853 mit dessen Zustimmung an die k. k. Akademie der bildenden Künste. Prof. Karl Blaas sah seine Erwartungen auch bald gerechtfertigt, denn schon in einem Jahre hatte sein Schützling so große Fortschritte gemacht, daß er ihn bei der Ausführung großer Fresken in der neuen Kirche zu Fóth sehr gut verwenden [395] konnte. Von besonders großem Einflusse auf M.’s Weiterentwicklung war aber die Gesellschaft von gleichstrebenden Freunden, die er in der Meisterschule des Directors der Akademie, Ch. Ruben, im Jahre 1855 fand. Sie bestand aus jungen Künstlern, die hier die ersten Schritte zu ihrer künftigen Tüchtigkeit thaten, wie Karl Swoboda, Laufberger [Bd. XIV, S. 220], Trenkwald, Grottger [Bd. XI, S. 420], Rieser und Sig. L’Allemand [Bd. XIV, S. 15][WS 1]. Müller’s Talent fand sich in dieser Gesellschaft, indem man sich gegenseitig freundschaftlichst mit Rath und That an die Hand ging, bald sehr gefördert, und so vollendete er der Reihe nach folgende Bilder: „Ludwig der Bayer befreit Friedrich den Schönen aus der Kerkerhaft“; – „Philippine Welser mit ihren Kindern vor Ferdinand I.“, wofür er mit dem Reichel’schen Preise ausgezeichnet wurde. – „Die heilige Elisabeth“, als Altarbild für die Hofkirche zu Kladrup bestimmt; – „Soldaten aus dem 30jährigen Kriege, einen Wald passirend“, das mit einem Preise aus dem Ausstellungsfonde ausgezeichnet wurde und das sich gegenwärtig in der ständischen Gallerie zu Prag befindet; „Bettelnde Zigeuner in einem deutschen Dorfe“; – „Zigeunerlager“, Eigenthum des Fürsten Rohan; – „Fischende Knaben an der Theiss“; – „Die vier Evangelisten“, Altarbilder für die griechische Kirche in Horrowitz; – „Ungarische Mädchen, aus der Kirche kommend“; – „Die Ueberschwemmung in der Brigittenau anno 1862“, gemalt im Auftrage des Staatsministeriums. Außerdem sind noch viele Porträts und kleinere Genrebilder von ihm vorhanden. Wie aus einzelnen der eben aufgezählten Bilder zu ersehen ist, hatte Müller auch eine Periode, in der er dem Nazarenenthum in der Malerei huldigte, aber sein gesundes Wesen, das endlich doch mehr dem Irdischen zuneigt, so wie sein offenes Gemüth und seine ganze frische Lebenslustigkeit brachten ihn bald wieder davon zurück. Als nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1862 die Sorge für seine Schwestern ihm zufiel, fing er des leichteren Verdienstes wegen zu zeichnen an, und zwar zunächst für die Zeitschrift „Mußestunden“ und für Waldheim’s „Illustrirte Blätter“. Vornehmlich in letzteren erschien eine Reihe ganz köstlicher Wiener Chargen und sonstiger Bilder, als zum Beispiel, 1862: „Mädchen aus der Theißgegend“ (S. 52); – „Die Brigittenau. Ueberschwemmungsscene“ (S. 89); – „Die Klostersuppe“ (S. 148 u. 149); – „Zigeuner“, nach der Natur gezeichnet (S. 156 u. 197, 257 u. 485, neun Ansichten); – „Der Tandelmarkt in Wien“ (2 Ans. S. 196); – „Fürst’s Singspielhalle im Prater“ und „Scene aus dem Geigerfranzl“ (S. 340); – „Skizzen aus der Ramsau“ (S. 436); – „Neuer Plan von Wien“ (S. 513), ein Bild voll köstlichen Humors; – „Eine Fuhre Holz“ (S. 525); – „Eine Ofengeschichte“ (S. 537); – „Erinnerungen an den Allerseelentag“ (S. 549). – „Warnungen und Warnungszeichen“ (S. 461); – „Wien am Morgen“ (S. 573). – „Von der Katharinen-Redoute“ (S. 585); – „Die Getränke“ (S. 592 u. 593), gemeinschaftlich mit Arthur Grottger; – „Der Prozeßgang im Hause“ (S. 609); – „Der Eßterházykeller in Wien“ (S. 616); – und im Jahrg. 1863: „Am Neujahrstage“ (S. 633); – „Stadtchronistische Aufzeichnungen“ (S. 649); – „Vom Maskenballe. Faschingstudien“ (S. 661); – „Faschingsfataliläten“ (S. 673); – „Vom Narrenabend des Wiener Männergesang-Vereines“ (S. 721); – „Der Müller [396] Eismangel in Wien“ (S. 733); – „Das Publicum der Freitheater“ (S. 745); – „Frisurstudien“ (S. 757); – „Ein neuer Stiefel“ (S. 793); – „Jeder glaubt nur eine Passion zu haben“ (S. 805). – „Wodurch sich in Wien der Eintritt der schönen Jahreszeit zuerst bemerklich macht“ (S. 853). Es wurde im Vorstehenden mit Absicht eine Reihe von Compositionen Müller’s angeführt, weil deren Anblick am besten seinen Witz, seine kecke Führung des Stiftes und seine scharfe Beobachtungsgabe bestätigt. Als Illustrator des humoristisch-satyrischen Wochenblattes „Figaro“ ist er aber geradezu populär geworden. Er huldigt als solcher mehr der englischen als der französischen Art und Weise; seine Porträte hervorragender Männer im Staatsleben sind oft drastisch bei aller Aehnlichkeit, und was man seinen humoristischen Bildern überhaupt nachrühmen darf, ist, daß sie nie gegen den guten Geschmack verstoßen und wenn sie noch so muthwillig ersonnen sind, doch immer den Künstler verrathen. Es sei hier nur beispielsweise bemerkt, daß Müller der Erfinder der äußerst komischen Figur „Sixtus Plützerl“ ist. Das Verdienst Müller’s muß darum gerade in dieser Beziehung besonders hervorgehoben werden, denn mit den Zeitungs-Illustrationen war es bis dahin in Oesterreich sehr schlecht bestellt. Ein Bild voll des köstlichsten Humors war auch sein in der Aquarellen-Ausstellung des österreichischen Kunstvereins im Mai 1868 ausgestelltes Bild: „Mariazeller Prozession“. Daß Müller’s frischer und geradezu nicht immer genug vorsichtiger Humor ihn in manche Conflicte verwickelt hat, wird Niemand bezweifeln, der die Aera seines Aufblühens als Illustrator, 1859–1866, miterlebt und alle die verschiedenen Preßprocesse dieser Periode aufmerksam verfolgt hat. In neuester Zeit hat sich M. auch dem Porträt zugewendet und in der dritten allgemeinen deutschen Kunstausstellung in Wien war von seiner Hand das Bildniß des Wiener Schriftstellers Johannes Nordmann zu sehen.

Paterno’s Verlags-Katalog. – Kataloge der Jahres-Ausstellung im Akademiegebäude der bildenden Künste bei St Anna in Wien, 1858, Nr. 7; 1859, Nr. 149. – Katalog der Kunstausstellung in Prag 1857, Nr. 111. – Neue freie Presse (Wiener politisches Blatt) 1868, Nr. 1323, „Oesterreichischer Kunstverein“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XIV, S. 13]