BLKÖ:Moschini, Gianantonio

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 19 (1868), ab Seite: 125. (Quelle)
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Moschini, Gianantonio (Geschichtsforscher und Schriftsteller, geb. zu Venedig 28. Juni 1773, gest. ebenda 8. Juli 1840). Die Verhältnisse seiner Eltern gestatteten es ihm, sich den Studien zu widmen, zu denen er sich insbesondere hingezogen fühlte. So besuchte er denn die Schulen der Jesuiten, bei denen er sich in den alten Sprachen und in anderen Fächern ausbildete. Im Alter von 18 Jahren aber trat er aus eigenem Antriebe in die zu ihrer Zeit durch die Gelehrsamkeit, welche viele ihrer Mitglieder auszeichnete, rühmlich bekannte Congregation der Somasker (degli Somaschi), Im Ordenshause derselben zu S. Maria della Salute setzte er die philosophischen und theologischen Studien fort, erlangte im Jahre 1796 die h. Weihen und wurde alsdann im Lehramte verwendet. Zuerst trug er Grammatik und Rhetorik im Seminario di S. Cipriano vor. Er versah diese Stelle auch dann noch, als er nach Aufhebung der Klöster zum Säcular-Clerus übertrat. Später übertrug ihm der Patriarch von Venedig, Franz Maria Milesi, das Präfectenamt über die wissenschaftlichen und literarischen Anstalten in Venedig. Auf diesem Posten entfaltete Moschini eine anerkennenswerthe Rührigkeit nach allen Seiten, in der Regelung der Studien, in der Wahl der Lehrer, insbesondere aber hob er die wissenschaftliche Bedeutung des Seminars, in welchem er selbst seine geistliche Ausbildung erlangt hatte, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln. Er vermehrte die Bibliothek und brachte sie in einen Stand, daß sie nach der Marcianischen die erste Stelle in Venedig einnahm; er sammelte mit einer Sorgfalt ohne Gleichen Gemälde von berühmten Meistern seiner Vaterstadt und brachte durch seinen Fleiß und Scharfblick eine der kostbarsten Sammlungen zu Stande; ferner sammelte er Bildnisse berühmter Menschen, welche er systematisch ordnete, alte und neue Münzen und Medaillen in gut erhaltenen Exemplaren, und andere werthvolle Erzeugnisse der Kunst mit nächstem Hinblick auf die vaterländische Geschichte. Die eigentliche hohe und geistige Bedeutung des Seminars, das durch ihn zu einer wahren Musteranstalt erhoben wurde, ist ausschließlich [126] Moschini’s Werk. Diese unvergänglichen Verdienste des Gelehrten fanden aber auch allenthalben verdiente Würdigung, so wurde er zunächst zum Canonicus des Patriarchal-Capitels ernannt, behielt jedoch sein Amt als Seminar-Präfect bei; erhielt dann von Sr. Majestät dem Kaiser Franz zuerst die große goldene Civil-Verdienstmedaille und später den Orden der eisernen Krone 3. Classe, und schließlich wurde er wirkliches Mitglied des Istituto Veneto di scienze, lettere ed arti. Bei allen diesen mühevollen und zeitraubenden Arbeiten zur Hebung des Unterrichtswesens und der damit in Verbindung stehenden verschiedenen wissenschaftlichen Anstalten behielt M. noch immer Muße zu geistigen Schöpfungen, die auch nach dieser Seite hin ihm ein ehrenvolles Andenken sichern. Die Zahl seiner Schriften, theils Original, theils Uebersetzung, biographischen, archäologisch-topographischen, historischen und literarischen Inhalts, ist sehr groß und kann hier nur der bedeutenderen Erwähnung geschehen. Von seinen biographischen Arbeiten sind anzuführen: „La vita e gli scritti del p. Giambattista Gallicioli (Venedig 1806); – „Vite di tre uomini illustri della famiglia Gradenigo“ (1809); – „Sulla vita e sulle opere di Pietro Brandolese (1809); – „Memorie sulla vita del pittore Bernardino Castelli“ (1810); – „Memorie della vita e della opere di Andrea Rigato“ (1815); – „Della vita del B. Francesco di Posados“ (1818); – „Narrazione della vita e delle opere dell’abb. Jacopo Morelli (1819), vorangedruckt der von Barthol. Gamba veranstalteten Ausgabe in 3 Bänden der „Operette del Morelli“; – „Le vite dei dogi veneziani del secolo XVIII“. – Unter seinen literarhistorischen Werken nimmt die erste Stelle ein seine „Storia della letteratura veneziana del secolo XVIII“, tomi 4 (Venezia 1806–1808, 4°.), mit reichen Mittheilungen über die Schulen, Bibliotheken und andere wissenschaftliche Anstalten, über die gelehrten Akademien Venedigs im letzten Jahrhunderte seiner Selbstständigkeit, eine wahre Fundgrube für den Literarhistoriker Italiens; auch übersetzte er in’s Italienische Antonio Landi’s „Histoire de la litterature d’Italie, tirée de l’italien de Tiraboschi et abregée“, 5 Bände (Bern und Paris 1784, 8°.), welche mit zahlreichen Anmerkungen ausgestattete Uebersetzung in Venedig (1801) erschien. – Von seinen vielen archäologisch-topographischen und kunsthistorischen Arbeiten sind besonders bemerkenswerth: die „Descrizione dell’ Isola di Murano“ (1807), schon im folgenden Jahre vermehrt als „Guida per l’isola di Murano“ und mit einem Anhange: „Discorso sopra l’ isola di S. Giorgio Maggiore“, versehen, besonders reich an kunsthistorischen Mittheilungen über die auf beiden Inseln befindlichen Kunstwerke; – ferner die „Guida di Venezia“, vol. 4 (Venezia 1815, Alvisopoli, 12°.), öfter mit Verbesserungen und Zusätzen wieder gedruckt (1828, 1834, 1849) und im Auszuge in’s Französische übersetzt. – „Guida della città di Padova“ (Padua 1817), an welche sich gleichsam als Ergänzung anschließt die Monographie: „Della origine e delle vicende della pittura in Padova“ (1825), worin die Wandlungen des Kunstlebens in Padua vom 12. bis zum 19. Jahrhunderte in lichtvoller und kenntnißreicher Weise dargestellt werden; – „L’origine i progressi e lo stato presente del seminario patriarcale [127] di S. Cipriano in Murano“, ein Denkmal, das er der Anstalt setzte, in welcher er seine eigene Ausbildung erlangt hatte; – „Ragguaglio delle cose notabili nella chiesa e nel seminario patriarcale di S. Maria Salute“ (Venezia 1817), ein Werk, das bald nach seinem Tode sein Biograph Mons. Giul. Cesare Parolari veröffentlichte. An diese selbstständigen topographisch-historischen Monographien reihen sich noch einige andere kleinere Arbeiten, und zwar: „Le Belle arti in Venezia“, in Almanachform in den Jahren 1825, 1826 und 1827 erschienen und eine wahre Fundgrube kunsthistorischer Notizen über Gemälde, Sculpturen und Bauwerke in Venedig; – „Giovanni Bellino e i pittori contemporanei“ (1834, gleichsam eine Ergänzung der vorgenannten drei Hefte; – „Della Statua di Marco Agrippa“ (1829) und „Dilettevole passeggiata per Venezia“ (1833). Noch besorgte Moschini eine Uebersetzung der Geschichte Rußlands von Karamsin, welche unter dem Titel „Storia della Russia del Cons. Karamsin (Venedig 1820 u. f.) nur bis zum achten Bande gediehen war. Mit den bisher angeführten Werken ist aber die literarische Thätigkeit dieses unermüdlich schaffenden Gelehrten noch lange nicht erschöpft. Er schrieb noch eine Menge von Fest- und Gelegenheitsreden, literarischen und culturhistorischen Inhalts, zahlreiche Elegien, wohl über dreißig Panegyriken, Leichen- und Bewillkommnungsreden; lieferte Beiträge zu der Geschichte des venetianischen Clerus; arbeitete seit Jahren an einem Werke über die kirchliche Redekunst in Italien, das er in lexikalischer Form herauszugeben die Absicht hatte. Auch fand sich im Nachlasse der Vollendung nahe vor eine „Storia dell’incisione veneziana“. Viele andere, meist kleinere Aufsätze an den verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten, die er mit besonderer Vorliebe pflegte, finden sich zerstreut in Zeitschriften und gelehrten Sammelwerken seiner Zeit. Als Moschini im Alter von 67 Jahren starb, wurde in Anerkennung seiner Verdienste ausnahmsweise seine Beisetzung im kleinen Oratorium della Sma Trinità, welches sich bei dem Patriarchal-Seminar befindet, gestattet, und seine neben dem Patriarchen Milesi befindliche Ruhestätte auf kaiserlichen Befehl durch einen Denkstein bezeichnet. Seine eigenen reichen, sein ganzes Leben, hindurch sorgfältig vermehrten und geordneten Sammlungen hatte er seinem Lieblingsinstitute, dem Patriarchal-Seminar, als Legat hinterlassen.

Parolari (Giulio Cesare), Della vita e degli scritti di G. A. Moschini, narrazione (Venezia 1842, 8°.). – Visentini (Antonio), Della lodi di monsignore G. A. Moschini, orazione (Venezia 1840, 4°.). – Tipaldo (Emilio de)'', Biografia degli Italiani illustri nelle scienze, lettere ed arti del secolo XVIII e de’ contemporanei ecc. ecc. (Venezia, 1841, tipogr. d’Alvisopoli, gr. 8°.) Vol. VIII, p. 149–154: Biografia scritta da Giulio Cesare Parolari. – Dandolo (Girolamo), La caduta della Repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’anni. Studii storici (Venezia 1855, Naratovich, 8°.) p. 271. – Zanotto (Francesco), Nuovissima guida di Venezia e delle Isole della sua Laguna (Venezia 1856, Giov. Brizeghel, 12°.) p. 84, 317, 399, 440, 485, 563, 574, 575, 669, 674. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXXVI, p. 707.