BLKÖ:Motelli, Cajetan

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Moth, Franz
Band: 19 (1868), ab Seite: 161. (Quelle)
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Motelli, Cajetan (Bildhauer, geb. in der Lombardie). Zeitgenoß. Ein Künstler, der sich noch zur Zeit der kaiserlich österreichischen Regierung an der Mailänder Kunstakademie gebildet und durch seine Werke einen nicht unbedeutenden Künstlertum erworben hat. Zu Anfang der Fünfziger-Jahre haben seine anakreotischen Gruppen ungewöhnlichen Beifall [162] gefunden, es waren das Gruppen allerliebster Kinder in den verschiedensten, aber immer charakteristischen Stellungen, um Blumenkörbe vertheilt, reizend in ihrer Art und mit einer Zartheit ohne Gleichen ausgeführt. Die Gruppen waren von mittlerer Größe, und M. verfertigte sie bei der starken Nachfrage in immer neuen und lieblicheren Stellungen. Eine solche, die auf der Pariser Ausstellung zu sehen war, stellte zwei Kinder vor, deren Eines dem Anderen die Hand vor den Augen hält, während das auf diese Weise des Augenlichts beraubte, um sich seines Peinigers zu erwehren, in der Hitze des Gefechtes die Eier zu Boden fallen läßt, die es im aufgeschürzten Hemde trägt. Schon das komisch-tragische Sujet an und für sich verfehlt seine Wirkung nicht, um so weniger aber bei der allerliebsten Auffassung und Ausführung dieses Kunstwerkes. Später behandelte er andere und mitunter ganz ernste Stoffe mit gleicher Meisterschaft. In der Ausstellung des Jahre 1852 zu Mailand waren von seinem Meißel zu sehen: „Die blinde Kuh spielenden Kinder“; – „Kain“ – und ein „Grabdenkmal“; – im Jahre 1853: „Die Braut am Altare“; – „Die Fischer“; – „Madonna mit dem Kinde“; – im Jahre 1854: „Die Braut des hohen Liedes“, in den „Gemme d’arti italiane“ für 1857, nach der Zeichnung von Trezzini trefflich von Alfieri in Stahl gestochen; die Statue stellt ein üppiges orientalisches Weib dar, wie ein solches etwa die Stelle des hohen Liedes: deine Linke richte mein Haupt empor, indeß deine Rechte mich umarmt, sich denken läßt; – in eben derselben Ausstellung: „Schmerz einer Sclavenmutter“, Gruppe, zwei Drittel der natürlichen Größe; – „Das Amarotten-Nest“. – und „Die verschleierte Jungfrau“, Marmorbüste; – im Jahre 1857: „Adam und Eva“, Marmorgruppe auf einem Piedestal mit vier Basreliefs, deren erstes „Die erste Begegnung Adams mit Eva“, das zweite „Die Reue nach der begangenen Sünde“, das dritte „Die Vertreibung aus dem Paradiese“, das vierte „Den ersten Erdenschmerz“ (Adam, Kains üble Gemüthsart ahnend) darstellt. Das Werk, wovon eine Abbildung im Stahlstich von Sandini das „Album esposizioni ecc.“für 1857 enthält, die Bestellung eines Herrn Kronenberg, kam nach Warschau. Aus Motelli’s früheren Arbeiten spricht eine ungemein gewinnende Naivität; seine Kleinen, die er voll Grazie und neckischer Schalkheit meißelt, wetteifern untereinander an Lieblichkeit der Gestalt und Harmonie der Stellungen. Aber auch in seinen anderen Arbeiten zeigt sich Phantasie, Schwung, glückliche Auffassung und tadellose Ausführung. Eines seiner reizendsten Werke: „Der Genius der Menschheit“, wie seine „Braut des hohen Liedes“ mußte er wiederholen, das letzte sogar dreimal arbeiten; ein Exemplar ist im Besitze des Herrn William Herbert in England, ein zweites in jenem des Herrn Arthur Shikler, das dritte, für die Pariser große Ausstellung gearbeitet, ist leider auf der Reise so beschädigt worden, daß Liebhaber es vorzogen, eine neugearbeitete Statue, als diese ausgebessert zu erhalten. In Deutschland ist dieser Künstler ganz unbekannt.

Gemme d’arti italiane (Milano, Venezia, Verona, Ripamonti Carpano, 4°.) Anno VIII (1855), p. 130; anno IX (1856), p. 27. – Album Esposizioni di belle arti in Milano ed altre città d’ Italia (Milano, Canadelli, 4°.) Anno XIV (1852), p. 150 e 151; anno XV (1853), p. 138; anno XVI (1854), p. 121; anno XIX (1857), p. 67. – Il Fotografo. Giornale illustrato (Milano, schm. 4°.) 1856, No. 17; 1857, No. 22 [mit Darstellungen der Statuen: „Die Braut des hohen Liedes“ und „Adam und Eva“].