BLKÖ:Ottinger, Franz Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ottmayer, Anton
Band: 21 (1870), ab Seite: 132. (Quelle)
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Ottinger, Franz Freiherr von (k. k. General der Cavallerie und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Oedenburg in Ungarn im Jahre 1792, gest. zu Wien 8. April 1869). Im Alter von 18 Jahren, im April 1810, trat er als Cadet in das 5. Huszaren-Regiment, damals König von Sardinien, und kam aus demselben noch vor Beginn des Feldzuges 1813, am 16. April g. J., als Lieutenant zu Coburg-Huszaren Nr. 8 und aus diesem schon am 25. Juni d. J. als Oberlieutenant in’s 5. Huszaren-Regiment zurück. Mit dem Regimente bei der italienischen Armee eingetheilt, hatte er im Feldzuge des Jahres 1814 Gelegenheit, sich als tüchtiger Reiterofficier zu bewähren. Zunächst im Februar bei dem Rückzuge der Brigade des General-Majors Gundaker Grafen Starhemberg von Piacenza. O. führte mit einer Abtheilung des Huszaren-Regiments Nr. 5 die Arrièregarde. Der Feind suchte das Defilée an der Brücke von Firenzuola zu forciren. O. warf ihn in mehreren kurz aufeinander folgenden Cavallerie-Attaquen zurück, hatte bei dieser Gelegenheit 2 Compagnien unsers 8. Jäger-Bataillons aus der Gefangenschaft befreit und außerdem 5 Officiere und mehrere Leute der feindlichen Cavallerie gefangen genommen. O. selbst verlor dabei ein Pferd unterm Leibe und erhielt einen tiefen Säbelhieb am linken Arme. Noch von seiner Säbelwunde nicht hergestellt, fand sich O. schon bei der Truppe ein. Die Armee war in den ersten Tagen des April im Vorrücken begriffen. Bei dem Uebergange über den Taro bildete O. mit einer halben Escadron die Avantgarde. An mehreren Stellen mußte der Fluß durchschwommen werden, um auf das rechte Ufer zu gelangen. Bald sah er in Entfernung von wenigen hundert Schritten eine feindliche Batterie, welche durch Beschießen den Uebergang der Unseren wo nicht vereiteln, so doch erschweren sollte. Das Gros unserer Armee rückte nur langsam nach. O., ohne erst Befehl abzuwarten, unternahm eine Attaque auf diese Batterie und erhielt bei dieser Gelegenheit einen Bajonnetstoß in die linke Kinnbacke und eine tödtliche Schußwunde in den Hals. Diese Attaque selbst aber hatte die baldige Deplacirung der feindlichen Artillerie zur Folge gehabt. O. wurde vom Schlachtfelde getragen, auf welchem ihm der König von Neapel den Orden des vereinigten Sicilien verlieh, und lag sieben Monate an seinen Wunden darnieder. Im Feldzuge des Jahres 1815, nach der Schlacht bei Tolentino (4. Mai), erhielt O. Befehl, den Rückzug des Feindes auf der von Macerata nach Fermo führenden Straße zu beobachten. Mit einer aus Huszaren seines Regiments und Toscana-Dragonern zusammengesetzten Abtheilung kam er diesem Auftrage nach. Da gewahrte er feindliche Cavallerie,. die eben aus einem Hohlwege debouchiren wollte. O. griff sie sofort an und verwickelte sie in einen hartnäckigen Kampf, standhaft seine Stellung behauptend, bis die Brigaden Sennitzer und Graf Starhemberg nachrückten, was die bekannte Auflösung dieses Theils der neapolitanischen Armee und den Verlust ihres ganzen Gepäckes zur Folge hatte. Auch that sich O. noch bei der neapolitanischen Expedition des Jahres 1821 auf einem Streifzuge hervor, [133] auf welchem er dem kaiserlichen Consul in Ancona Depeschen und mündliche Aufträge zu überbringen hatte. Dann nahm er in einem Gefechte bei Monte Rialto dem Feinde nebst mehreren Gefangenen eine Verpflegscasse mit mehreren tausend Thalern ab. Am 16. Februar 1825 rückte O. zum zweiten, am 16. November 1830 zum ersten Rittmeister, am 1. November 1834 zum Major, am 5. August 1836 zum Oberstlieutenant und am 7. December 1838 zum Obersten im Regimente vor. Aber schon mit 1. Jänner 1839 wurde O. als Oberst in das 1. Huszaren-Regiment Kaiser übersetzt, welches er bis Juli 1846 commandirte. In der Friedenszeit und während seines ganzen Dienstes im 5. Huszaren-Regimente bis zu seiner Vorrückung zum Oberstlieutenant hatte O. die Equitation und die theoretischen Winterschulen geleitet. Zu neuer Thätigkeit berief ihn das Jahr 1848, in welchem er als General-Major und Brigadier zu Ofen weilte. Als die Ereignisse eine entschiedene Färbung angenommen und nachdem der Banus im September die Drau überschritten, begab sich O. in dessen Hauptquartier und stellte sich ihm zur Verfügung. Er erhielt nun das Commando der Cavallerie-Brigade Wallmoden und Hardegg-Kürassiere, mit welcher er am 28. December vor dem von dem Feinde stark besetzten Babolna erschien. Den Säbel versorgend, führte er die Majors-Division des Kürassier-Regiments Wallmoden bis auf 30 Schritte vor das Quarré des Feindes, diesen zur Unterwerfung auffordernd. Eine Decharge war die Antwort der ritterlichen Empörer!! Genug für Ottinger und seine Reiter. Im Nu war das Quarré gesprengt und was nicht niedergesäbelt wurde, ergriff die Flucht. Nun wurde Babolna genommen und so waren das kaiserliche Gestüte und der Ort, die, wie es von Seite der Rebellen ausgesprochen war, niedergebrannt worden wäre, gerettet. Zwei Tage später, am 30. December, vollführte er eine noch glänzendere Waffenthat. Mit seiner 1500 Mann starken Reiterbrigade und zwei Cavallerie-Batterien bewegte er sich von Aszór über Moor gegen Szered. Vor Moor stieß er auf den an 10.000 Mann starken Gegner, der eine dominirende feste Stellung einnahm. Ottinger hatte Befehl, den Angriff auf den weit überlegenen Gegner nicht vor Eintreffen der Division Hartlieb zu unternehmen. Bald aber hatte er mit einem Blicke auf die ganze feindliche Position seine Dispositionen getroffen, die ihm, wenn sie rasch ausgeführt wurden, ein günstiges Resultat in Aussicht stellten. Er schritt, ohne die nachrückende Division Hartlieb abzuwarten, sofort zum Angriffe. Die von ihm zum Angriffe des Gegners auf verschiedenen Puncten abgesendeten Abtheilungen vollführten trefflich ihre Aufgabe, Alles griff in einander, der überraschte Feind wich auf allen Seiten mit starkem Verluste, und als er zuletzt sich auf der Straße nach Moor zu hartnäckiger Vertheidigung festsetzte, dirigirte Ottinger das Regiment Hardegg-Kürassiere in zwei Colonnen gegen denselben. Als die Kürassiere im Galopp heransprengten, ergriff der Feind die Flucht und verlor über 300 Mann an Gefangenen und Verwundeten. Ottinger selbst setzte mit 2 Divisionen Wallmoden-Kürassieren dem fliehenden Feinde nach, um ihm die Rückzugslinie gegen Szered ganz abzuschneiden, wobei er ein Honvéd-Bataillon gefangen nahm. Als Ottinger nach der Einnahme von Ofen-Pesth zur Verfolgung des Feindes [134] beordert wurde, nahm er Szolnok, wo er am 21. und bei Czegled am 25. Jänner 1849 hartnäckige Gefechte zu bestehen hatte. Im April 1849 zog er mit der Armee des Banus nach Süden; am 30. g. M. zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, erhielt er nun das Commando einer Division, nahm ruhmvollen Antheil an mehreren Gefechten, namentlich bei Kaacs am 7. Juni, wo er durch einen der schönsten Cavallerieangriffe den Sieg des Tages entschied, aber auch seinen alten Ruhm als trefflicher Reitergeneral bewährte. In der 153. Promotion vom 29. Juli 1849 wurde O. mit dem Maria Theresien-Orden ausgezeichnet. Nach Bewältigung der Revolution behielt O. ein Divisionscommando, wurde im Jahre 1852 zweiter Inhaber des 1. Huszaren-Regiments Kaiser Franz Joseph und im November 1856 Oberlieutenant der Arcièren-Leibgarde, bei welcher Gelegenheit er auch das Commandeurkreuz des Leopold-Ordens erhielt. Im Jahre 1866 trat O. als General der Cavallerie in den Ruhestand, den er nur wenige Jahre mehr genoß. Er starb zu Wien im Alter von 77 Jahren. Die den Statuten des Maria Theresien-Ordens gemäß mit Diplom vom 22. Februar 1851 ihm verliehene Freiherrnwürde ging durch die kaiserliche Gnade auf seine beiden Neffen und Adoptivsöhne Gottfried und Gustav Adolph, beide derzeit Oberste in der kais. Armee, und zwar auf ersteren mit Diplom vom 18. October 1858, auf letzteren mit Diplom vom 16. September 1865, über.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 22. Februar 1851, und Bestätigungs-Urkunden der Uebertragung des Freiherrnstandes auf seine Adoptivsöhne Gottfried und Gustav Adolph ddo. 18. October 1858 und 16. Sept. 1865. – Oesterreichische illustrirte Zeitschrift, herausg. von Reyhongs Wien, Engel, Keck u. Pierer, 4°.) IV. Jahrg. (1854), Nr. 203. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1869, Nr. 1658. – Strack (Joseph), Die Generale der österreichischen Armee. Nach k. k. Feldacten und anderen gedruckten Quellen (Wien 1850, Keck u. Pierer, 8°.) S. 538. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1620 u. 1753. – Porträte. 1) Nach der Natur gezeichnet und lithogr. von Kriehuber (Wien, Paterno, Halb-Fol.. auch gr. 4°.); – 2) Holzschnitt in der oberwähnten „Oesterreichischen illustr. Zeitung“ 1854, Nr. 203. – Wappen. Quadrirter Schild. 1 und 4: ein silbernes Feld; 2: in Roth ein aus dem linken Seitenrande hervortretender geharnischter Arm, dessen Faust einen blanken alterthümlichen Säbel an goldenem Gefäße trägt, der an die Hirnschale eines vorwärts gekehrten, mit dem Rumpfe versehenen, am rechten Seitenrande befindlichen Mohrenkopfes einschlägt; 3: in Roth auf einem aus dem Fußrande sich erhebenden Hügel ein aus Quaderstücken erbauter gezinnter Thurm mit verschlossenem Thore, in welchem das Fallgitter zur Hälfte herabgelassen ist, und zwei über dem Thore nebeneinander angebrachten gewölbten Fenstern. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher ein in’s Visir gestellter gekrönter Helm sich erhebt, aus dessen Krone zwei offene, mit den Sachsen gegeneinander gekehrte, von Silber und Roth abwechselnd quergetheilte Adlerflügel emporragen. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten roth, mit Silber belegt.