BLKÖ:Petőfi, Alexander

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Petrak, Alois
Band: 22 (1870), ab Seite: 84. (Quelle)
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Petőfi, Alexander[WS 1] (ungarischer Dichter, geb. zu Nagy-Korös im Pesther Comitate, nach Einigen am 31. December 1822, nach Anderen am 1. Jänner 1823, gefallen aller Wahrscheinlichkeit nach in der Schlacht bei Schäßburg in Siebenbürgen am 31. Juli 1849). Sein wahrer Name ist eigentlich Petrovics, der Vater war Fleischer und wohlhabend, die Familie bekannte sich zur evangelischen Confession. Die Kinderjahre verlebte P. in Félegyháza, im Alter von 11 Jahren kam er zum Schulbesuche nach Pesth, später nach Aßód, wo er auch Musik und Zeichnen lernte. Damals schon machte er Verse. Die Ueberschwemmung des Jahres 1838, vereint mit anderen Unglücksfällen, brachte den Vater um sein ganzes Vermögen. Um diese Zeit befand sich P. auf dem Lyceum zu Schemnitz, las bereits den vaterländischen Dichter Vörösmarty und besuchte häufig das Theater, auf welchem eine deutsche Wandertruppe spielte. Das Studiren nahm er sich nicht sehr zu Herzen, so daß der Lehrer dem Vater schrieb: der Junge tauge für die Schule nicht, worauf der Vater erwiederte, daß er von dem Taugenichts die Hand abziehe. Bei dieser unerwarteten Wendung des Geschickes war für P. kein Bleiben länger in Schemnitz, er ging durch und geradeaus nach Pesth, wo er sich als „Gassenjunge“ etablirte und den Schauspielern ihre Kleider in die Garderobe trug. Der Vater war nun, um den flüchtigen Sohn aufzusuchen, nach Pesth gekommen. Nachdem er ihn gefunden, übergab er ihn einem Verwandten, der ihn mit nach Stuhlweissenburg und in einiger Zeit nach Aszonyfa nahm, wo er wieder regelmäßig die Schule besuchte und den Dichter Horaz bald so lieb gewann, daß er ihn ganz auswendig lernte. In Folge einer Mißhelligkeit mit seinem Verwandten entlief er diesem und [85] begab sich nach Oedenburg, dort direct in die Kaserne und ließ sich im Infanterie-Regimente Nr. 48, damals Freiherr Gollner, jetzt Erzherzog Ernst, als Gemeiner assentiren. Die Poesie mochte wohl in dieser grellen Veränderung seines Geschickes sein Schutzgeist geblieben sein. Wie Kertbeny berichtet, „kritzelte er, Wache stehend, das Schilderhaus voll Verse“, was wohl metaphorisch zu nehmen ist, aber doch so viel bedeuten mag, daß er in dieser wenig erquicklichen Stellung in der Poesie noch Trost fand. Im Jahre 1840 bekam das Regiment Gollner Marschordre. Auf halbem Wege erhielt das zuerst nach Tirol dirigirte Regiment Befehl, nach Croatien zu marschiren. Die Anstrengung des Marsches aber hatte P. dermaßen erschöpft, daß er in’s Spital gebracht werden mußte. Dort erklärte der ihm wohlwollende Regimentsarzt ihn für dienstuntauglich und erwirkte seine Entlassung. Nun kehrte P. in seine Heimat zurück, kam Ende des Winters 1841 in strengster Kälte, in Commißkleidern nach Pápa, von wo er seinen Eltern seine Rückkehr meldete. Nun setzte er seine Studien fort, schloß sich einem ungarischen Studentenvereine an und veröffentlichte in dem von demselben herausgegebenen Almanache ein paar Gedichte. In Folge eines muthwilligen Streiches wurde er relegirt und durfte die Schule nicht wieder besuchen. Er begab sich nun nach Preßburg, wo er eine wandernde Schauspielertruppe antraf und sich zu dieser gesellte. Als Schauspieler mochte er nicht viel Glück gehabt haben, denn er trennte sich bald von der Truppe und war wieder nach Pápa zurückgekehrt, wo er sich mit dem nachherigen Maler Petrics-Orlay [S. 115 d. Bds.] und mit Moriz Jókai [Bd. X, S. 246] befreundete. Damals schickte er an die ungarische Wochenschrift „Athenaeum“ in Pesth, noch unter seinem Familiennamen Petrovics, ein Gedicht, welches auch in der Nummer vom 22. Mai 1842 abgedruckt steht. Nun schloß er sich wieder einer Wandertruppe an, mit welcher er nach Debreczin und von dort nach Weissenburg ging. Als der Reichstag 1843 in Preßburg sich versammelte, ging Petőfi über Pesth, wo er unter dem Namen Paul Kis von Pönöge, dem damaligen Redacteur des Athenäums, Bajza [Bd. I, S. 127], persönlich einige Gedichte für diese Zeitschrift übergab, nach Preßburg zur Truppe, die sich mittlerweile dort eingefunden hatte; Noth zwang ihn daselbst, den Dienst eines Landtagsschreibers zu verrichten. Während dieser Zeit wurde er mit dem Dichter Coloman Lisznyai [Bd. XV, S. 243] bekannt, der ihm die Mittel verschaffte, nach Pesth zu reisen, von wo er sich bald darauf nach Gödöllö zurückzog und für seinen Lebensunterhalt mit Uebersetzungen in’s Ungarische beschäftigte. Er übersetzte damals für das von Ignaz Nagy [Bd. XX, S. 51] herausgegebene „Roman-Magazin des Auslandes“ (Külföldi regénytár) zwei Romane aus dem Deutschen, nämlich den französischen Roman von Charles Bernard: „La femme de quarante ans“ (a koros hölgy, im „Regénytár“, Bd. 16) und den englischen von James: „Robinhood“ (im „Regénytár“, Bd. 22 u. 23). Immer aber war noch der Drang zum Theater überaus mächtig in ihm, und merkwürdigerweise besaß er aber nicht die leiseste Spur eines schauspielerischen Talentes, wie denn auch seine ganze äußere Erscheinung für nichts weniger denn die Bühne paßte. So zog er denn wieder nach Debreczin, wo eben damals eine Wandertruppe sich aufhielt und ließ [86] als Mohrenprinz in Shakespeare’s „Kaufmann von Venedig“ sich gehörig auslachen. Trotzdem blieb er vorderhand bei diesem Stande seiner Wahl und gab das Schauspielleben erst auf, als er so sehr erkrankte, daß an ein ferneres Auftreten nicht zu denken war. Leidend, in den ärmlichsten Verhältnissen, von Noth und Krankheit wechselweist gepeinigt, verlebte er einen schweren Winter in Debreczin, und das wesentlichste Ergebniß dieser traurigen Epoche seines Lebens war die Erlernung der französischen Sprache. Da erreicht ihn ein wahrer Rettungsruf, Frankenburg’s [Bd. IV, S. 332] Einladung als regelmäßiger Mitarbeiter seiner Zeitschrift „Életképek“ (Lebensbilder) nach Pesth zu kommen. In Debreczin hatte Petőfi bisher nur von der Hilfe eines alten Freundes aus der Oedenburger Schule, des nachmaligen Journalisten Albert Pákh [s. d. Bd. XXI, S. 177] sein Leben gefristet. Der Ruf nach Pesth kam demnach unter den geschilderten Umständen zu sehr gelegener Zeit. „Dieser junge Mann“, schreibt sein Biograph und Verbreiter seines Ruhmes außerhalb der Grenzen seines Vaterlandes, „eben zwanzig Jahre alt, ging nun aus, die Welt zu erobern. Mit drei Silberzwanzigern in der Tasche, das Manuscript seiner Gedichte unterm Hemd, die Stiefel mit Stroh auswattirt, einen Knittel in Händen, so machte sich Petőfi im December 1843 auf die Reise von Debreczin nach der Hauptstadt des Landes zu Fuß, 35 Meilen vor sich, den Kopf voll von großen Plänen. So nahte der Genius der ungarischen Poesie dem Sitze der ungarischen Intelligenz.“ Die Theißüberschwemmungen und Pußtenverwehungen hatten jedoch seine Ankunft in Pesth um ein Beträchtliches verzögert. Er war gezwungen, den großen Umweg über Erlau zu nehmen, wo er bei Tarkány freundliche Aufnahme fand, und so langte er denn erst im Frühjahre 1844 in Pesth an, wo ihm ein gutherziger Schneider gratis Quartier gab. In Pesth begab sich P. zunächst zu Ungarns damals gefeiertstem Dichter Vörösmarty, wo aber der noch unbekannte und äußerlich unscheinbare Poet im Anbeginn kühle Aufnahme fand, die aber sofort in wohlthuende Wärme umschlug, nachdem ihm Petőfi einige Gedichte vorgelesen. Der Dichter Vörösmarty rief in bewunderungswürdiger Selbstlosigkeit dem nach seinem Urtheile lechzenden Jünger zu: „Sie sind, mich mit eingeschlossen, der einzige wirkliche Lyriker, den Ungarn je hatte; für Sie muß gesorgt werden“. Von diesem Augenblicke an war das Verhältniß Petőfi’s zu Vörösmarty und blieb es ferner, das eines Sohnes zu seinem Vater. Vörösmarty führte P. zunächst in den National-Verein ein und dieser bestritt vor allem die Druckkosten des ersten Bandes von Petőfi’s Gedichten, welcher unter dem Titel: „Petőfi Sandór versei. 1842–1844“, d. i. Gedichte von Alexander Petőfi (Buda 1844), erschien. Die Wirkung in den maßgebenden Kreisen ließ nicht lange auf sich warten, und Emerich Vahot, damals Redacteur des „Pesti Divatlap“, lud P., der Erste, ein, als Mitarbeiter seines Blattes einzutreten, Einladungen von Redactionen der ersten belletristischen Journale folgten. Jetzt, da er für seine Bedürfnisse nicht mehr zu sorgen hatte, jetzt arbeitete P. mit einem Eifer und entwickelte eine geradezu Staunen erregende Fruchtbarkeit. Das nächste, was er herausgab, war ein komisches Epos in vier Gesängen, betitelt: „A helység kalapácsa“, [87] d. i. Der Dorfhammer (Ofen 1844, 8°.), und nun folgten rasch auf einander: „Czipruslombok Etelka sirjáról“, d. i. Cypressenblätter auf Etelka’s (Adelheids) Grab (Pesth 1845); – „Szerelem gyöngyei“, d. i. Perlen der Liebe (ebd. 1845) – „János vitéz“, d. i. Held János (Ofen 1845), von Emerich Vahot herausgegeben; und außerdem brachten „Pesti Divatlap“ und viele andere ungarische Unterhaltungsblätter Poesien aus Petőfi’s Feder. So war P., ehe er es sich versah, der Held des Tages geworden, sein Dichterruhm warf die Strahlen bereits über Ungarns Grenzen hinaus, denn Kertbeny erzählt in seinen „Silhouetten und Reliquien“, wie Ad. Dux noch in demselben Jahre in den Frankl’schen „Sonntagsblättern“ (1845, Nr. 29, 20. Juli, Beilage S. 689) unter dem Titel: „Magyarische Weisen“ drei Gedichte Petőfi’s in deutscher Uebersetzung mittheilte. So wurde bereits vor einem Vierteljahrhundert Petőfi der deutschen Nation vorgeführt, und gewiß ist es ein höchst liebenswürdiger Charakterzug des Dichters, daß er, nachdem er diese Uebersetzung gelesen, in fast kindischer Freude wiederholt ausrief: „Das ist ja im Deutschen noch hübscher als im Original!“ (Ob nicht die Magyaronen dereinst Petőfi für diesen unüberlegten Ausruf aus Ungarns Wallhalla hinauswerfen?) Petőfi’s Volksthümlichkeit wuchs mit jedem Tage; als er im Jahre 1845 eine Reise durch Oberungarn machte, bereitete man ihm, wo er hinkam, so in Eperies, in Käsmark den festlichsten Empfang, veranstaltete in letzterer Stadt ihm zu Ehren einen Fackelzug und das Gömörer Comitat ernannte ihn zum Tafelrichter (táblabíró). Ein erneuerter Versuch, auf der Bühne sich eine Zukunft zu gründen, mißlang gleich den früheren, denn er fiel wieder durch und erfuhr ein gleiches Schicksal mit zwei für die Bühne geschriebenen Stücken, von denen das eine unter dem Titel: „Tigris és hyaena“, d. i. Tiger und Hyäne, Drama (Pesth 1846) im Drucke erschien. Kein besonderes Glück in der Lesewelt machte auch ein von ihm um diese Zeit herausgegebener Roman: „A hóhér kötele“, d. i. Der Strick des Henkers (Pesth 1846), wie auch einige in der Zeitschrift: „Életképek“ veröffentlichte Novellen; hingegen fand ungetheilten Beifall eine kleinere Sammlung von Gedichten, welche unter dem Titel: „Felhők“, d. i. Wolken (Pesth 1846) erschien. Vielfältige Anregung für sein literarisches und poetisches Schaffen fand er in dem von ihm schon im Jahre 1845 gegründeten Vereine der „Dezemvire“, welcher im Café Pilwax seine Zusammenkünfte hielt und zu welchem außer ihn noch Jókai [Bd. X, S. 246], Albert Pákh [Bd. XXI, S. 177], Lißnyai [Bd. XV, S. 243], Kerényi [Bd. XI, S. 177], Bérczy [Bd. I, S. 294][WS 2], Degré [Bd. III, S. 205], Sárosy, LudwigSárossy]], Tompa und Albert Pálffy [Bd. XXI, S. 199] gehörten. Im Jahre 1846 arbeitete er als Mitredacteur an den Zeitschriften „Pesti Divatlap“ und „Életképek“, bis er durch ein Gelöbniß mit seinen obengenannten neun literarischen Freunden, für Journale nicht mehr zu schreiben, mit der periodischen Tagesliteratur für einige Zeit brach. Neuen und verdienten Ruhm brachte ihm eine im Jahre 1846 veranstaltete Ausgabe seiner Dichtungen, welche in zwei Bänden unter dem Titel: „Petőfi Összes költeményei“ (Pesth 1847) herauskam, und seitdem (bis 1862) acht neue und starke Auflagen erlebte. Man erzählt, daß in einer Periode [88] (1849–1853), in welcher es der herrschenden drakonischen Ausnahmszustände wegen gewagt erschien, eine neue Auflage seiner Gedichte anzukündigen, mehrere neue Auflagen mit der Jahreszahl der ersten auf dem Titel, in das Publicum so zu sagen geschmuggelt wurden. Ich berichte dieß als etwas, was man sich hie und da in vertrauten Kreisen erzählte, ohne die Wahrheit zu verbürgen, wenngleich mir die Sache ganz und gar nicht unglaubwürdig erscheint. Indessen hatte Petőfi, dessen Dichterruhm im fortwährenden Steigen begriffen war, Julie Szendrey, die Tochter eines ungarischen Herrschaftsbeamten in Szathmár, kennen gelernt und für sie eine so tiefe Neigung gefaßt, daß er um ihre Hand anhielt. Der Vater des Mädchens wollte von einer Verbindung lange nichts wissen und gab erst nach vielen Kämpfen im September 1847 seine Einwilligung. Mit seiner jungen Frau unternahm nun P. eine kleine Reise im Lande, auf welcher er seinen Nebenbuhler in der Dichtung, den damals eben aufgetauchten epischen Dichter Johann Arany [Bd. I, S. 58] in Szalonta besuchte und bei ihm gastliche Aufnahme fand, in Eperies mit Tompa zusammentraf und mit einem Jugendfreunde, dem schon erwähnten Friedrich Kerényi, der unter dem Namen Emil Vidor als Dichter auftrat und im Jahre 1852 im Wahnsinne starb, einige glückliche Tage verlebte. P. war berühmt geworden, und im Zenyth seines Dichterruhmes trafen ihn die Märztage des Jahres 1848. Am 15. März schloß sich Petőfi den Mitgliedern der bereits in voller Aufregung begriffenen medicinischen und philosophischen Facultät an und zog im Vereine mit diesen Jünglingen nach der Buchdruckerei von Landerer und Heckenast in der Hatvanergasse, wo sie sich sofort einer Presse bemächtigten und die zwölf Puncte drucken ließen, in welchen die Wünsche der Nation ausgesprochen waren und die nun durch Maueranschlag dem großen Publicum bekannt gegeben wurden. Diese zwölf Puncte sind das erste, in Ungarn gedruckte censurfreie Blatt. Sie lauten: 1) Preßfreiheit mit Aufhebung der Censur; 2) Ein verantwortliches Ministerium; 3) Jährlich einzuberufender Landtag in Pesth; 4) Gleichheit vor dem Gesetze in politischer und religiöser Hinsicht; 5) Nationalgarde; 6)[WS 3] Gleiche Besteuerung, gleiche Vertheilung der Lasten; 7) Aufhebung der Urbarialgesetze; 8) Geschwornengerichte, Volksvertretung auf dem Principe der Gleichheit; 9) Eine Nationalbank; 10) Beeidigung des Militärs auf die Verfassung, Abmarsch der fremden, Rückkehr der heimischen Truppen; 11) Freilassung der politischen Staatsgefangenen; 12) Union, Verbindung mit Siebenbürgen. Um 3 Uhr Nachmittags wurde dieses erste censurfreie Blatt von der jugendlichen Schaar in das Museum getragen und dem Director mit dem Auftrage übergeben, dasselbe zu ewigem Andenken an den ersten Sieg der Preßfreiheit im Archive aufzubewahren. Die Hatvanergasse wurde gleichzeitig in eine Preßfreiheitsgasse (Szabadsajtó utcza) und über Petőfi’s Antrag der Rathhausplatz in einen Freiheitsplatz (Szabadságtér) umgetauft. Auch dichtete Petőfi die ungarische Marseillaise, später die ungarische National-Hymne genannt, welche mehrere Abende hindurch im National-Theater bei freiem Eintritte und unter Begleitung von Seite des Publicums gesungen wurde. Die ungarische National-Hymne P.’s wurde mehrere Male in’s Deutsche übersetzt, zuerst von einem später verschollenen [89] Dichter Namens Hoffmann, dann von Gustav Zerffi und zuletzt von Ritter von Levitschnigg, der sie in seinem Werke: „Kossuth und seine Bannerschaft“, Bd. II, S. 257, abdrucken ließ. Auch als Volksredner leistete P. in den ersten Tagen der Bewegung seinen Antheil. Im Museum an der Seite des schnell beliebt gewordenen Paul Vasváry, seines Freundes, übte P. sein urwüchsiges Rednertalent und verlief sich in seinen Vorträgen nur zu oft auf von der gesunden Vernunft verpönte Gebiete, so daß Vasváry diese Irrläufe dann mit den Worten entschuldigte: „Die Worte meines Freundes Petőfi gleichen mitunter den Füchsen, welche der starke jüdische Samson mit brennenden Schwänzen durch die Garbenfelder der Philister jagte“. Als die Wahlen für den Reichstag stattfanden, bewarb sich auch P. um eine Abgeordnetenstelle; nach Kertbeny wurde er in Félegyháza, einem Marktflecken in Klein-Kumanien, etliche Meilen von Szegedin, in den Reichstag gewählt; nach Levitschnigg hatte er einem glücklicheren Gegner – Karl Nagy – weichen müssen, worüber es zu unerquicklichen Erörterungen, endlich gar zu einer Herausforderung kam, welcher aber der Gegner auswich. In dieser ganzen Affaire spielte P., um mit Kertbeny zu reden, eine „sehr übertriebene Rolle“. Sonst veröffentlichte er zahlreiche, oft unvergleichlich schöne patriotische Gedichte, nahm an der Bewegung mehr oder minder werkthätigen Antheil, schrieb bei Gelegenheit der Demonstration gegen die angebliche Verrätherei des commandirenden Generals der Drauarmee, Adam Graf Teleki, eine Proclamation, welche am 17. September in einer Nachmittagssitzung des Gleichheitsclubbs vorgelesen, von den Anwesenden mit Jubel aufgenommen und durch Maueranschläge veröffentlicht wurde. Endlich, als die vorrückende Bewegung des Banus die Gefahr für das Vaterland steigerte, und um den Feind abzuhalten, selbst die Jugend zu den Waffen griff, trat auch Petőfi im October 1848 in die Kämpferreihen. Als Hauptmann im 27. Honvéd-Bataillon nahm er an den Kämpfen im Banate persönlich Theil. In der Sitzung vom 14. December verlas Pázmándy einen an den Ministerpräsidenten Szemere gerichteten Brief Petőfi’s, dessen Inhalt beiläufig dahin lautete: „ein französischer General habe einmal dem Convent geschrieben, wenn man ihm keine Munition sende, so sollte man ihm doch wenigstens die Marseillaise schicken. Darum unterbreite er ein Gedicht: „Talpra Magyar hí a haza“ (Auf, Ungar, das Vaterland ruft) und bitte, dasselbe auf Landeskosten in recht vielen Exemplaren abdrucken zu lassen und in der Armee zu vertheilen“. Das Gedicht wurde in der National-Versammlung vorgelesen, mit Beifall aufgenommen und das Gesuch der Regierung zur weiteren Behandlung überwiesen. Ueber die ferneren Schicksale P.’s als Honvéd erhalten wir aus einem seiner Briefe ddo. Száßsebes 11. April 1849, der in Nr. 89 des „Közlöny“ abgedruckt war, nähere Aufschlüsse. „Nachdem ich“, schreibt Petőfi, „von meiner mehrwöchentlichen Krankheit genesen war, kehrte ich zu Anfang dieses Monats (April 1849) zu jener Armee zurück, von der ein Glied zu sein ich stolz bin, denn – Bem ist ihr Anführer, der anzugehören meine Glückseligkeit ausmacht, denn Bem ist mir ein Freund, ein Vater. Das Schicksal hat es so gewollt, daß ich an so vielen Mühen, Gefahren und Unglücksfällen [90] der Armee theilnehmen, bei ihrem Siege aber nicht zugegen sein sollte. Es rollte kein Donner der Kanonen, es sausten und toseten keine Waffen, als ich in Hermannstadt ankam, es war still und ruhig – der Feind hatte sich in die Walachei zurückgezogen. In Hermannstadt fand ich Bem, ich begab mich zu ihm als einfacher gemeiner Soldat, ohne Ansprüche und Wünsche, er aber verlieh mir neuerdings die Hauptmannscharge und machte mich zu seinem Adjutanten. Das erste nahm ich gleichgiltig an, das zweite mit Entzücken. Tags darauf brachen wir gegen Gyula-Fejérvár auf, welches wir am selben Tage ungefähr drei Stunden lang bombardirten und zur Capitulation aufforderten, die Antwort der Festung kam aus Vierundzwanzigpfündern. Der General ließ das zur Cernirung nöthige Corps zurück und begab sich nach Száßsebes. Morgen oder übermorgen brechen wir nach Ungarn auf. ... Gestern hat Bem einige Verdienstmedaillen an die Bravsten der Braven in seinem Heere vertheilt. Schreiber dieser Zeilen hatte das Glück, unter diese zu gehören. So bin ich auch am Ende belohnt, jedoch über mein Verdienst, aber nicht bloß durch die Medaille, sondern durch die Art, wie sie mir von Bem überreicht wurde. Mag es Schwäche sein oder was immer, so kann ich mich doch nicht enthalten, diese Scene zu beschreiben. Mit eigener Hand, mit der linken, die rechte – weil Bem verwundet war – ist noch immer aufgebunden, heftete mir der General die Medaille mit den Worten an die Brust: „ich hefte sie Ihnen mit der linken Hand auf, mit der Hand ober meinem Herzen“, sodann umarmte er mich und hielt mich lange warm umschlungen. Die Welt weiß doch, ich bin kein sehr bescheidener Mensch, aber bei Gott, so viel habe ich nicht verdient. Mit einer Rührung, bei deren Erinnerung mein Herz noch jetzt erzittert, erwiederte ich: „Mein General! ich verdanke Ihnen mehr als meinem Vater; mein Vater hat mir nur das Leben gegeben, Sie aber geben mir meine Ehre.“ Späterhin, heißt es, sei Petőfi in einem der Departements des Kriegsministeriums als eine Art Militärreferent mit dem Range eines Oberstlieutenants angestellt gewesen. In Folge eines Streites mit dem Kriegsministerium habe er aber dann plötzlich seine Entlassung genommen. Er trat nun wieder in die Reihen der Honvéds; traf im Juli mit Bem in der Moldau zusammen und kam mit ihm nach Maros-Vásárhely. Nun tritt die räthselhafte Katastrophe seines Verschwindens ein. Es war am 31. Juli 1849. Die Schlacht bei Schäßburg wüthete von 10 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends. Der Flügeladjutant des Czaren, General Skariatin, hatte in derselben den Tod gefunden, Bem war vom Pferde gestürzt und konnte, während sein Generalstab zersprengt wurde, nur mit Mühe gerettet werden. Petőfi sah man während des Kampfes in Bem’s Umgebung, am Kampfe selbst theilnehmend, dann will man ihn mit zwei oder drei Anderen quer über den Kampfplatz einem Welschkornfelde zuschreiten gesehen haben – seit dieser Zeit sah ihn Niemand wieder. Er ist verschollen, es fand sich weder sein Leichnam vor, noch er selbst sich unter den Gefangenen oder Emigrirten. Es tauchten später hin und wieder Vermuthungen über sein Verschwinden auf, ja die Gerüchte über die Art und Weise seines Verschwindens bilden förmlich eine kleine Literatur. Und merkwürdig! Petőfi’s Name wurde von seinen Zeitgenossen in eine mythische Wolke eingehüllt, eine Wolke, [91] die ihn ebenso dauernd umgibt, wie der Glorienschein seines Dichterruhmes. Daß P. trotz aller Gerüchte, er sei noch am Leben, nach Einigen in Sibirien, nach Anderen in den tiefsten Katakomben eines Festungskerkers – von allen Vernünftigen für todt gehalten wird, dafür gibt die zweite Heirath seiner Frau, die jedoch vor Kurzem auch ihrem ersten Gatten in’s Jenseits nachgefolgt, den besten Beleg. Ein paar Jahre, nachdem alle Zweifel an sein Ableben geschwunden, hatte sich nämlich seine Witwe mit dem Professor Árpád Horváth [vergl. die Quellen S. 97: VI. Einzelnheiten: Petőfi’s Gattin] vermält. Was Petőfi’s fernere im Drucke erschienene Dichtungen betrifft, so ist Folgendes zu bemerken: den zwei Bänden seiner bei Lebzeiten noch erschienenen, schon erwähnten sämmtlichen Dichtungen („“) folgte nach seinem Tode ein 3. und 4. Band (Pesth 1850); für eine von Arany und Vörösmarty veranstaltete Sammlung von Uebersetzungen der Dramen Shakespeare’s vollendete er jene des Coriolan, die im Jahre 1848 im Drucke erschien; von seinen zahlreichen Revolutionsliedern wurde eine besondere Ausgabe veranstaltet und dieselbe unter dem Titel: „Hangok a multból“ (Leipzig 1850, Keil) herausgegeben, eine deutsche Uebertragung davon aber in den „National-Liedern der Magyaren“ (Braunschweig 1853) veröffentlicht. Viele Jahre später sammelte der berühmte ungarische Literator und Kritiker Paul Gyulai [Bd. VI, S. 83] die verschiedenen, hie und da zerstreut gedruckten und im Nachlasse vorgefundenen Arbeiten Petőfi’s und gab sie in drei Bänden unter dem Titel: „Petőfi Sándor vegyes művei. 1838–1849“, d. i. Alexander Petőfi’s vermischte Schriften. Aus den Jahren 1838–1849, 3 Bände (Pesth 1863, E. Pfeiffer, I: 225; II: 339, u. III: 320 S., 8°.), heraus. Von seinem Roman „Der Strick des Henkers“ (a hoher kötele) hat Hartleben in Pesth im Jahre 1863 einen neuen Abdruck veranstaltet; und eine Auswahl seiner Dichtungen in Miniaturausgabe Gustav Emich in Pesth im Jahre 1867 unter d. Tit.: „Petőfi Sándor válogatott költeményei. Elbeszélő költemények“auf den Markt gebracht. Nur 27 Jahre hatte der Dichter gelebt, und viel, wie unendlich viel hatte er in dieser Spanne Zeit geschrieben! Innerhalb der fünf Jahre seiner eigentlichen literarischen Thätigkeit, 1844–1849, hat er über 3000 Gedichte, theils Lieder, theils größere epische Dichtungen, einen Roman, zwei Dramen, sechs Novellen (diese sämmtlich in belletristischen Blättern abgedruckt) veröffentlicht, ungerechnet seine Tagebuchblätter und eine große Menge von Briefen. Treffend schreibt sein Uebersetzer, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben schien, Petőfi bei der deutschen Nation einzubürgern: „Sohn eines armen Fleischers, während der ersten zwanzig Jahre seines Lebens Gassenjunge, Vagabund, Student, gemeiner Soldat, herumziehender Comödiant, oft dem Hungertode nah, fast aufgezehrt von Elend, Noth und Ehrgeiz, und während der nächstfolgenden fünf Jahre Liebling der Nation, ihr größter Dichter, populär wie nie Einer vor ihm, Umbildner und Befruchter der Sprache, Schöpfer ganz neuer Elemente in der heimischen Poesie, vom einfachsten Liede bis zur höchsten Dichtungsgattung gleich gewandt und genial, vielseitig und fruchtbar wie Wenige seines Gleichen in der Weltliteratur, dazu im bürgerlichen Leben in behaglichster [92] Gesellschaftsstellung, die er sich durch eigene Kraft errungen, glücklicher Gatte und Vater, Wohlthäter seiner verarmten Eltern, die ihn längst für verloren aufgegeben, dann Volksredner, Deputirter (?) Parteiführer, endlich Held auf dem Schlachtfelde und endlich endlich, erst 25 (27) Jahre alt, in der Vollkraft seiner Jugend und seines Genies, verschollen, am Abend nach der Schlacht in Nichts zerronnen, wie ein Flugstern vom Himmel schießend, zur Mythe im Volksmunde werdend! – Dieß Leben ist selber ein Gedicht!“ Bei Beurtheilung dieses meteorgleichen Dichters müssen zwei sich leicht aufdrängende Annahmen zuerst auf richtiges Maß zurückgeführt werden. Petőfi, zuerst und zumeist im Volksliede glänzend, war aber nichts weniger als bloßer Volkslieddichter, vielmehr schuf er in allen nur erdenklichen Genren und Metern gleich Vollendetes; ferner hat Petőfi nicht, wie man hie und da lesen mag, die ungarische Revolution gemacht – der Franzose Chassin hat dieß in seiner Schrift über Petőfi zum Besten gegeben – er hat sie nicht einmal getragen, aber er wurde von ihr getragen und verlieh dem Kampfe Ungarns um seine Selbständigkeit, die herrliche Weihe seiner Poesie. Ueber die nicht sparsamen Quellen zu seiner Biographie, über die zahlreichen, vornehmlich deutschen Uebertragungen seiner Gedichte, über die seinen Tod betreffenden Gerüchte, seine Bildnisse und mehreres Andere vergleiche die Quellen. Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß Petőfi nicht Mitglied der ungarischen Akademie war, die sonst mit der Ertheilung der Mitgliedschaft nicht eben zu kargen pflegt.

I. Biographien Petőfi’s. a) Selbstständig erschienene. Petőfi. Ein Lebensbild. Von Alfred Teniers (Sigmund A. Herzl) (Wien 1866, Albert Last, 12°.). – Ein ungarischer Dichter. (Ein Roman und doch kein Roman.) Nach Jokai von L. Rosner (Separat-Abdruck aus dem „National-Kalender“ von Franz Schuselka) (Wien o. J., Druck von Friedr. u. Moriz Förster, Lex. 8°.). – Szeberényi (Lajos), Nehány év Petőfi életéből, d. i. Einige Jahre aus Petőfi’s Leben (Szegedin 1861, Sigm. Burger) [Auszüge dieser Schrift in deutscher Sprache enthält der „Pester Lloyd“ 1861, Nr. 284, im Feuilleton: „Alexander Petőfi in Preßburg“]. – Zilahi (Károly), Petőfi Sándor életrajza, d. i. Lebensbeschreibung Alex. Petőfi’s (Pesth 1864, Karl Osterlamm, 8°., XIV u. 159 S.). – „Lapok Petőfi Sándor naplójából“. Első iv, d. i. Blätter aus Alex. Petőfi’s Tagebuch. Erster Bogen (Pesth 1848). – Chassin (Victor), Le poète de la révolution hongroise. Alexandre Petöfi (Paris 1861, 8°.).
I. b) Kleinere, in Journalen und Werken zerstreute, Episoden aus Petőfi’s Leben u. s. w. Constitutionelle österreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1862, Nr. 475 u. 477, im Feuilleton: „Ungarische Reminiscenzen. Von Carl Schramm. 1. Petöfy Sándor und Paprica Jancsi“. – Donau (Wiener polit. Blatt, gr. 4°.) 1855, Nr. 239, S. 1483: „Aus Petöfi’s Leben“. Nach Jókai von A. Agay. [Petöfi’s Zusammentreffen mit Anton Várarady, in einer Zeit, als Petöfi noch unbekannt war; Vörösmarty’s Bemühungen, für Petöfi’s Dichtungen einen Verleger zu finden. Nachgedruckt in der Olmützer Eilpost 1855, Nr. 28.] – Fata Morgana (belletristisches, in Pesth herausgegebenes Blatt, schm. 4°.) 1865, Nr. 7–9: „Gallerie ungarischer Dichter. VI. Alexander Petöfi“ [nach Gyulay’s Aufzeichnungen). – Fremden-Blatt. Herausg. von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1867, Nr. 78. I. Beilage: „Petőfi und der Zensor“. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) X. Band (1848), Nr. 254, S. 311. [Daselbst sein Bildniß im Holzschnitt. Seines Auftretens als Redner bei Beginn der ungarischen Wirren geschieht im Aufsatze: „Die Erhebung von Pest“, S. 313 u. f., Erwähnung.] – Kertbeny (K. M.), Silhouetten und Reliquien. Erinnerungen an Albach, Bettina, Grafen Louis und Casimir Batthyány u. s. w. (Wien und Prag 1861, Kober und Markgraf, 8°.) Bd. II, S. 50–61. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten [93] Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. III, S. 606. – National-Zeitung (Berliner polit. Blatt) 1864, Nr. 269, 275, 277, 281, im Feuilleton: „Mit Petöfi“. Tagebuchblätter 1848 von Karl Beck [oft in verschiedenen deutschen und österreichischen Blättern nachgedruckt; unter anderen im „Pester Lloyd“ 1864, Nr. 31–53 im Feuilleton]. – Pannonia (ästhetische Zeitschrift, Pesth, gr. 8°.), von Karl Groß, S. 124–139: Ausführliche Biographie Petöfi’s von Karl Groß. – Pester Lloyd 1861, Nr. 281, im Feuilleton: „Petöfi in Sáros-Patak. Eine Erinnerung aus dem Jahre 1847“ [aus dem Ungarischen eines von Coloman Kisházy im „Hölgyfutár“ mitgetheilten Aufsatzes]. – Ungarische Post (Pesther polit. Journal, Fol.) 1855, Nr. 3, 4, 5, 6 u. 7: „Aus dem Leben eines ungarischen Dichters. Ein Roman und doch kein Roman“. Von Moriz Jókay. – Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Prag 1862, Steinhausser, 8°.) S. 295–316, dann folgen die Poeten, welche Petöfi’s Schule bilden [s. diese S. 99]. – Wanderer (Wiener polit. Journal) 1855, Nr. 286, im Feuilleton in der „Correspondenz aus Pest“ [Auszüge aus Jókai’s Werk: „Tarka élet“, d. i. Buntes Leben, welches Mehreres über Petöfi enthält]. – Wiener Telegraf (polit. Journal) 1855, Nr. 155: „Ein ungarischer Dichter“ [biographische Einzelnheiten]. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) I. Theil, S. 365. – Magyar irók arczképei és életrajzaj, d. i. Ungarische Schriftsteller in Bildern und Lebensbeschreibungen (Pesth 1858, Gustav Heckenast, kl. 4°.) S. 133. – Magyar néplap (Pesther illustr. Blatt, gr. 4°.) 1857, Nr. 15, S. 118: „Petöfi“. – Napkelet, Der Orient (Pesther belletr. Blatt, 4°.) 1858, Nr. 27: „Aus den Jugendjahren des Alexander Petöfi“, von Victor Szokoly. – Szépirodalmi közlöny, d. i. Oeffentliches Organ für Belletristik, 1858, Nr. 69: „Petöfi und die Erlauer Kleriker“. – Toldy (Ferenc), A’ Magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig, d. i. Geschichte der ungarischen Dichtung von der Schlacht von Mohacs bis auf unsere Tage (Pesth 1857, Gust. Heckenast, gr. 8°.) Bd. II, S. 786–808 [mit reichem literarhistorischem Apparat in den Anmerkungen 1–20]. – Új Magyar Muzeum, d. i. Neues ungarisches Museum (Pesth, 8°.) 1851, erstes Heft. Enthalt eine interessante Biographie Petöfi’s aus Paul Gyulay’s Feder. Mittlerweile sind jedoch eine Menge neuer Daten über sein Leben und seinen Tod, viele noch ungedruckte Briefe und Gedichte P.’s bekannt geworden, welche nicht unwichtige, zum Theile obige Biographie berichtigende Aufschlüsse über Petöfi’s Leben und Ende geben, so daß der Wunsch einer neuen Bearbeitung seines Lebens von kundiger Hand, wie ihn der „Pester Lloyd“ 1862, Nr. 14, ausspricht, nicht ungerechtfertigt ist. – Le Souvenir. Journal de la Noblesse (Paris), 1855, 12me livr., p. 569–571: „Petöfi et Lisznyai“ [von Kertbeny]. – Dziennik literacki, d. i. Literarisches Tageblatt (Lemberg, gr. 4°.) 1861, Nr. 7: „Żywot Alexandra Petoefi“ [eine kurze Biographie Petöfi’s auf Grundlage des französischen Schriftchens von L. Chassin über Petöfi].
II. Petöfi’s Tod. Interessant ist es, daß um Petöfi, der ja mit uns und unter uns gelebt, dessen die Zeitgenossen noch mit aller Lebendigkeit eigener Anschauung gedenken, die Sage bereits ihre poetischen Ranken schlingt. Petöfi, wie bekannt, ist seit der Unterdrückung der ungarischen Revolution 1848 und 1849 verschollen. Man behauptet, er sei todt und in der That ist seine Frau eine zweite Ehe eingegangen. Nun kränzt die Sage das Haupt des gefeierten Poeten mit allerlei geheimnißvollen Blumen aus dem Zaubergarten des Märchens. Sie erzählt, der Dichter, schwer verwundet und bewußtlos auf dem Schlachtfelde liegend, sei von zarter Hand gerettet worden. Die Liebe pflegte ihn, gab ihn dem Leben wieder, aber nie hat sein Auge das Antlitz des liebenden Mädchens geschaut, das ihn dem sicheren Tode entrissen. Sie hatte Tage und Nächte hindurch an seinem Bette gesessen, als die Fieberhitze seine Sinne umstrickt hielt, aber sie verschwand, als ihm das Bewußtsein wiederkehrte! Nur die Spenden der zartesten Sorgfalt sah er, nie die Spenderin selbst. Wiederhergestellt, kehrte er, dessen die strafende Vergeltung harrte, unter dem Schutze der Nacht und der Verkleidung nach Pesth zurück, um das geliebte Weib aufzusuchen – aber er kam zu ihrer zweiten Hochzeit. Und er wollte die Ruhe ihres [94] Gewissens nicht stören, kehrte zurück in die Einöden, welche ihn verborgen hielten, um dort seinem Schmerze und seiner Muse zu leben. So erzählt, wie bemerkt, die Sage, und mehr als dieß dürfte nach Allem, was bisher über Petöfi’s Ende bekannt geworden, das hier Mitgetheilte wohl kaum sein. – Nicht unwichtig als Beitrag zu den Vermuthungen über Petöfi’s Ende erscheint eine Stelle aus Egressy’s Tagebuch, datirt: Schäßburg 10. August 1849[WS 4]. Sie lautet: „Es sind schon zehn Tage, daß mein Alexander dahin ist! Entsetzlich! – Gefangen ist er nicht, denn Bauer, den die Russen in Schäßburg gefangen genommen hatten und der ihnen wieder entfloh, hat Alexander unter den Gefangenen weder gesehen, nach etwas von ihm gehört! Gewiß ist er verloren! Entweder hat ihn ein Kosak erstochen, oder die Walachen haben ihn todtgeschlagen – Du hast Siebenbürgen zum Land deiner Ruhe gewünscht – siehe, es ist in Erfüllung gegangen. .... Wie schnell hat ihn sein Fatum dahingerafft! nur zwei Wochen!! – Und wenn ich bedenke, wie strahlend die letzten Tage dieses Genius waren!! – Das Schwanenlied seiner Poesie, nachdem er sich von seinem Weibe trennte; die Wildheit seiner Lust während unseres ganzen Weges; seine funkensprühende Laune: waren das nicht Vorboten eines herannahenden großen Momentes! Und plötzlich verschwindet er vor unseren Augen, wie der Glanz eines Planeten. Er verschwindet wie Homer, damit Niemand sein Grab wisse!“ – Der „Hon“ erzählt in neuester Zeit Petöfi’s Ende in folgender Weise: er sei als Adjutant Bem’s in der Schlacht bei Segesvár den Heldentod gestorben. Der Berichterstatter, Honvéd-Officier, sah ihn schwer verwundet, das Opfer einer Kartätschensalve, welche die Reihen der Honvéd gelichtet. Ein breiter Blutstrom entquoll seiner Brust, er selbst erklärte, daß es aus mit ihm sei. Später hörte der Honvéd-Officier, wie ein wohlgesinnter Postmeister sich rühmte, die Verwundeten aus jener Schlacht lebendig begraben zu haben. Auch der Dichter soll unter jenen Unglücklichen gewesen sein, die noch mit gefalteten Händen um Schonung ihres Lebens gejammert, während der grausame Todtengräber die Erde über sie schüttete!! „Hon“ bezweifelt die Richtigkeit dieser Mittheilung, die auch ohne Nennung des Honvéd-Officiers wenig Gewicht hat. Sie machte die Runde durch die deutschen Journale, und auch die „Blätter für literarische Unterhaltung“ 1867, Bd. II, S. 463, berichteten diese Version von Petöfi’s Tod. – Debatte (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 169, im Feuilleton: „Ueber Petöfi’s Ende“. – Auch andere Blätter gaben Varianten über das Ableben des Dichters, so z. B.: Fremden-Blatt (Wiener polit. Journal, gr. 4°.) Herausg. von Gustav Heine, 1860, Nr. 289: „Alexander Petöfi’s Lebensende“ [aus den Mittheilungen der Pesther illustrirten Blätter: „Vasárnapi ujság““]. – Magazin für die Literatur des Auslandes. Herausgegeben von Lehmann (Leipzig, 4°.) 1865, S. 138: „Das Ende des Dichters Petöfi“. – Militär-Zeitung, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) XV. Jahrg. (1862), S. 616 [über Petöfi’s Ende]. – Pest-Ofner Zeitung 1861, Nr. 48, in der Rubrik: Tagesneuigkeiten: „Petöfi’s Tod“ [Nachrichten darüber, wie es in der Notiz heißt: „aus glaubwürdigster Quelle“, aus einem Schreiben aus Félegyháza]. – Pester Lloyd 1861, Nr. 30, in der Rubrik: Tagesneuigkeiten [Notiz, welche allen Todesnachrichten Petöfi’s widerspricht, da ein aus Kufstein entlassener Gefangener behauptet, in den ersten Jahren seiner Gefangenschaft in Kufstein mit Petöfi, der auch dort gefangen war, gesprochen zu haben]. – Waldheim’s illustrirte Blätter (Wien, gr. 4°.) 1865, Beilage S. 38: „Das Ende des Dichters Petöfi“. – Zeitung für Norddeutschland 1862, Nr. 4194: „Petöfy’s Ende“ [aus dem Werke: Der Sommer-Feldzug des Revolutionskrieges in Siebenbürgen im Jahre 1849. Von einem österreichischen Veteranen (Leipzig 1862)].
III. Uebersetzungen der Dichtungen Petöfi’s (chronologisch geordnet). a) Selbstständige. Ausgewählte Gedichte von Petöfi. Aus dem Ungarischen übersetzt von Adolph Dux. (Wien 1847, bei Mörschner u. Bianchi; neue Ausgabe Wien 1867, Capeller, 16“.). [Dux ist der Erste, der Petöfi dem deutschen Publicum vorgeführt hat. Das Büchlein ist dem Dichter Ludwig August Frankl gewidmet.] – „Gedichte von Alexander Petöfi. Nebst Anhang, Lieder anderer ungarischer Dichter. Von Kertbeny.“ Heinrich Heine gewidmet (Frankfurt am Main 1849, Literar. Anstalt, 8°., XXII u. 466 S.). [Vorwort über Petöfi, dann Uebersetzungen von 170 Gedichten desselben, außerdem von Liedern von A. Horváth, Vitkovics, Kisfaludy, Czuczor, Vörösmarty, Gaal [95] Erdélyi, Kriza, Tompa u. Szakál. Vergleiche darüber: Blätter für liter. Unterhaltung 1853, Bd. I, S. 218.] – „Der Held János. Ein Bauernmärchen von Alexander Petöfi. Aus dem Ungarischen übersetzt durch Kertbeny“ (Stuttgart 1850, Druck und Verlag von Eduard Hallberger, XVI u. 132 S. 12°., mit Petöfi’s Bildniß) [vergl. darüber: Blätter für liter. Unterhaltung 1853, Bd. I, S. 249]. – Alex. Petöfi’s Gedichte. Aus dem Ungarischen übersetzt von Fr. Szarvady und Mor. Hartmann (Darmstadt 1851, Leske, 16°., XI u. 224 S., mit 1 Stahlst.). – „Des Henkers Strick. Roman von Petöfi. Aus dem Ungarischen von Kertbeny“ (Halle 1852, Schmidt, 8°., 170 S.) [vergl. darüber: Blätter für literar. Unterhaltung 1852, Bd. I, S. 542]. – „Dichtungen von Alexander Petöfi. Aus dem Ungrischen in eigenen wie fremden Uebersetzungen von K. M. Kertbeny. Mit einem Vorworte von Friedrich Bodenstedt“ (Leipzig 1858, F. A. Brockhaus, 8°., XXII u. 592 S.). [Vorwort; Volkslieder 1–38; Volksromanzen 1–7; Schenkenbuch 1–18; Gestalten 1–13; Cypressenblätter 1–10; Liebesperlen 1–11; Sternenlose Nächte 1 bis 25; Naturbilder 1–18; Dritter Liebe Blüthen 1–13; Tage des Eheglücks 1–21; Rhapsodien 1–8; Wolken 1–37; Dem Vaterlande 1–9; A. Petöfi. Ein Dichterbild von Kertbeny; Petöfi, dem Sonnengotte, von Bettina Arnim; A. Petöfi, par Thalès Bernard; Anhang. Vergl. darüber: Blätter f. liter. Unterhaltung 1858, Bd. I, S. 458: Kritik von Rud. Gottschall.) – „Zaubertraum. Von Alexander Petöfi. Aus dem Ungrischen von Kertbeny.“ A. Schwartzer gewidmet (Wien 1859, J. B. Wallishausser, gr. 8°., 12 S.). – „Alexander Petöfi’s Dichtungen. Nach dem Ungarischen, in eigenen wie fremden Uebersetzungen, gesammelt von Kertbeny.“ Karl Freiherrn von Münch gewidmet (Berlin 1860, A. Hoffmann u. Comp. XIV u. 138 S.) [bildet auch den 55. Band der Classiker des In- und Auslandes. Enthält 68 Gedichte, darunter 59 bis 68 aus dem handschriftlichen Nachlaß: Marie Szécsi, Der Liebe Fluch, Der Führer Lehel u. s. w.; vergl. darüber: Blätter für literar. Unterhaltung 1861, Bd. I, S. 413]. – „Erzählende Dichtungen von Alex. Petöfi. Aus dem Ungrischen metrisch übersetzt von Kertbeny.“ Fürst K. F. Hohenlohe gewidmet (München 1860, G. Franz, Miniatur-Ausg., 168 S.) [I. Zaubertraum; II. Held János, Märchen in 27 Gesängen; III. Istók, der Narr]. – Lyrische Gedichte Alexander Petöfi’s. Von Theodor Opitz. 2 Bde. (Pest 1864, Gustav Heckenast). [Der erste Band enthält die Gedichte von 1842–1846, der zweite jene von 1847–1849. Vergleiche darüber: Blätter f. liter. Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1864, Bd. II, S. 841: Kritik von Rud. Gottschall; – Presse (Wiener politisches Blatt) 1869, Nr. 35.] – Dieselben, 2. Auflage, mit einem durch Herrn Benkert-Kertbeny provocirten Vorwort. Mit dem Porträt Petöfi’s im Stahlstich. 2 Bände (Pesth 1867, Gustav Heckenast, 8°., XXIV, 506 u. 422 S.). – Sechzehn erzählende Dichtungen. Aus dem Ungrischen metrisch und unter Beobachtung absoluter Reim-Correctheit übersetzt von K. M. Kertbeny. 3. Ausgabe, theils gänzlich überarbeitet, theils jetzt zum Erstenmale übersetzt. Mit dem Bildnisse des verewigten Dichters (Prag 1866, Steinhauser, LXXVI u. 264 S. 12°.). – Alexander Petöfi. Von Theodor Opitz (Wien 1868, Friedrich Beck, 8°.) [enthält außer einer ausführlichen Biographie Petöfi’s die Uebersetzung von folgenden seiner Dichtungen: „Der Zaubertraum“, „Salgó“, „Istók, der Narr“, „Maria Szécsi“, „Patriotische und revolutionäre Lyrik“, unter letzterer gegen fünfzig bisher deutsch noch nicht gedruckter revolutionärer Lieder Petöfi’s).
b) In anderen Werken Zerstreutes. Album hundert ungrischer Dichter. In eigenen und fremden Uebersetzungen herausgegeben durch C. M. Kertbeny (Dresden 1854, Rob. Schäfer; Pesth, Hermann Geibel, Min. Ausg.) S. 512 [enthält die Uebersetzungen folgender Gedichte: „Lieder im Volkston“, 1–6 von Adolph Dux; Volksromanzen: „Der Juhász“, von Hartmann und Szarvady; „Das gestohlene Pferd“, von Alex. Dux; „Der Kleinbéres“; „Schenkenbild“; „Der Wahnsinnige“; „Wolken I–V. Aufgegebener Plan“, von Dux; „Lieder der Schenke“, I–VI von Dux; „Stammbuchblätter“; „Die Ruinen der Csárda“; „Von der Heimat“; „Die Pußta des Winters“; „Das Ochsen-Viergespann“; „Klein-Kunság“; „Der gute Lehrer“; „Winter-Welt“; Muhme Sári“; „Wie soll ich dich umarmen“; „Das Wiegenlied“; „Homer und Ossian“; „Mein Weib und mein Schwert“; „Die Hundekratzer Csárda“; „Mannheit“]. – „Nationallieder [96] der Magyaren. Uebersetzt von Vasfi und Benkö“ (Braunschweig 1852, G. Jeger, Min. Ausg.) [Unter Benkö versteckt sich der bekannte Petöfi-Uebersetzer Benkert-Kertbeny. In dieser Sammlung befinden sich unter Liedern von Berzsenyi, Kölcsei, beiden Kisfaludy[WS 5], Vörösmarti, Czuczor, Tompa, Arany u. A. auch deren von Petöfi.] – Pannonia (ästhetische Zeitschrift in Pesth, gr. 8°.), von Karl Groß, 1860, S. 78 u. f., enthält folgende Uebersetzungen Petöfi’scher Gedichte: „Winterabende“, von Moriz Straßmann; „Schöner Herbst“, „So höre denn“, von Karl Groß; „Zöld Marczi“, „Volkslieder“, von Ignaz Schnitzer; „Wenn der Herr“, von Friedrich Feldinger; „Die Ruinen der Csárda“, von Karl Horschetzky. – Der Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 124, im Feuilleton: „Die Flüchtlinge“, von Alexander Petöfi [Uebersetzung aus dem von P. Gyulay herausgegebenen Nachlasse Petöfi’s). – Hamburger literarische und kritische Blätter 1850, Nr. 66: „Der Liebe Fluch. Sage.“ Deutsch durch Kertbeny. – Deutscher Musen-Almanach. Herausgegeben von Christian Schad (Nürnberg, 12°.) Jahrg. 1852, S. 36 u. f.: „Nach Petöfi“, fünf Lieder von G. Friedrich Daumer. – Wojak Janosz. Poemat Szandora Petőfiego przełozył Wladyslaw Sabowski (Krakow 1869, Karol Budweiser, 8°.) [polnische Uebersetzung der Dichtung: „Held János“]. – Eine englische Uebersetzung von Petöfi’s Gedichten bereitete schon im Jahre 1850 J. Platt vor. – Eine andere englische Uebersetzung mehrerer Dichtungen Petöfi’s hat Sir S. Bowring im Jahre 1866 in London bei Trübner herausgegeben. Den bibliographischen Titel dieser beiden Uebersetzungen konnte ich nicht erlangen, – G. Vitali soll Mehreres von Petöfi in’s Italienische übersetzt haben; was davon und wo es gedruckt, ist mir auch nicht bekannt. – Magazin für Literatur des Auslandes. Von Lehmann (Leipzig, 4°.) 1866, S. 96: „Petöfi und seine deutschen Uebersetzer“.
IV. Literarische und auch politische Charakteristik Petöfi’s. Schon bei den Uebersetzungen der einzelnen Dichtungen Petöfi’s ist auf verschiedene Kritiken, namentlich auf die sehr eingehenden und mit feinem Verständniß des großen ungarischen Poeten geschriebenen, von Rudolph Gottschall in den „Blättern für liter. Unterhaltung“ Bedacht genommen, und wo sie zu finden, angegeben worden. Sie gehören alle zur literarischen Charakteristik des Dichters, werden aber hier, um Wiederholungen zu vermeiden, nicht wieder erwähnt. Sonst sind anzuführen: Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1864, Beilage zwischen Nr. 262–263: Literarische Briefe [Alexander Petöfi]. – Die Debatte (Wiener polit. Blatt, gr. Fol) 1865, Nr. 239, im Feuilleton: „Petöfi“ [von einem Deutschen, der nach kurzem Aufenthalte in Ungarn Land und Leute liebgewonnen]. – Deutsches Museum. Herausgegeben von Rob. Prutz und K. Frenzel (Leipzig, gr. 8°.) 1866, Nr. 8, u. 1867, Nr. 2: „Ueber Petöfi’s lyrische Dichtungen“. – Dudumi (Demeter), Pesther Briefe über Literatur, Kunst, Theater und gesellschaftliches Leben (Pesth 1856, Lauffer u. Stolp, 8°.) S. 36, im fünften Briefe. – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, G. Heckenast, 8°.) Bd. II, S. 254 bis 262. – Magazin für die Literatur des Auslandes. Herausgegeben von Lehmann (4°.) 1864, S. 29: „Petöfi’s lyrische Gedichte“. – Neue freie Presse (Wiener polit. Journal) 1868, Nr. 1256 u. 1298, in der literarischen Abtheilung (auf der 4, Seite) des Abendblattes. [Eine eingehende, mit Wärme und genauer Kenntniß der Werke des Poeten geschriebene Charakteristik. Der Verfasser verbirgt sich unter der Chiffre E. Sch.] – Neue preußische (Kreuz-) Zeitung (Berlin, gr. Fol) 1860, Beilage zu Nr. 138: „Ungarische Poesie“ [vornehmlich eine literarische Charakteristik Petöfi’s]. – Pester Lloyd (polit. Blatt, gr. Fol.) 1855, Nr. 152 u. 153, im Feuilleton im Aufsatze: „Die ungarische Poesie der Neuzeit“; – derselbe 1860, Nr. 106, im Feuilleton: „Die Revue des deux mondes über Petöfi“ [Uebersetzung des Urtheils von Saint-Réné Taillandier]; – derselbe 1864, Nr. 221, im Feuilleton: „Ein deutsches Urtheil über Petöfi“. – Petöfi’s Triumphzüge in der Weltliteratur. 1846–1866 (Elberfeld 1866, Samuel Lucas, 8 S. 8°.). [Dieses von Kertbeny, Petöfi’s energischestem Verbreiter in der deutschen, ja in der Weltliteratur, herausgegebene Heft gibt eine ausführliche Darstellung der Ansichten über diesen großen Poeten und theilt u. a. die Aussprüche von Heinrich Heine, Alexander von Humboldt, Bettina [97] von Arnim, Varnhagen, Ludwig Uhland, Friedrich Bodenstedt, Zedlitz, Fallmerayer, Hermann Grimm, Anastasius Grün, Freiligrath, Sealsfield und Taillandier über Petöfi mit.] – Tagespost (Gratz, kl. Fol.) 1864, Nr. 220, im Feuilleton: „Alexander Petöfi“, W. L. – Ungarische Nachrichten (Pesth-Ofner polit. Blatt, gr. Fol.) 1864, Nr. 55, im Feuilleton: „Karl Beck über Petöfi“ [eine aus Beck’s Erlebnissen mit Petöfi herausgenommene Charakteristik des Poeten Petöfi). – Ungarns politische Charaktere. Gezeichnet von F. R. (Mainz 1850, J. G. Wirth Sohn, 8°.) S. 206. – Unterhaltungen am häuslichen Herd. Herausg. von Frenzl, 1864, Nr. 11 u. 12, im Beiblatt: „Petöfi I u. II.“ – Wiener (amtliche) Zeitung 1860, Abendblatt Nr. 22: „Petöfi Sándor, der ungarische Dichter in Frankreich“ [anläßlich des in der Revue de deux mondes von Saint-Réné Taillandier veröffentlichten Aufsatzes: „La poésie hongroise au XIX siècle“, den Taillandier auf Grundlage der Kertbeny’schen Uebersetzungen von Petöfi’s Dichtungen geschrieben]. – Wiener Lloyd 1864, Nr. 265, im Feuilleton: „Alexander Petöfi“. – Toldy (Ferencz), A Magyar nemzeti irodalom története a legrégibb időktől a jelenkorig rövid előadásban, d. i. Geschichte der ungarischen National-Literatur von der ältesten Zeit bis auf die Gegenwart (Pesth 1864 bis 1865, Gust. Emich, gr. 8°.) S. 381, 383, 404, 414, 427. – Uj Magyar Muzeum in (Pesth, 8°.) 1854, Heft 1: „Petőfi Sándor és lyrai költészetünk“. Von Paul Gyulay. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, 4°.) Jahrg. 1856, Nr. 9: „Petőfi Sándor“.
V. Petöfi’s Bildnisse. 1) Petőfi család. (die Familie Petőfi). Herausgegeben von Emerich Vachot (Pesth 1861, Lauffer u. Stolp, Fol.). – 2) Petőfi Debreczenben (Petöfi zu Debreczin). Lithogr. von Petrics-Orlai. Groß-Fol. [18 Z. hoch, 131/2 Z. breit) (Pesth 1861, Lauffer u. Stolp; im Jahre 1867 erschien eine zweite Auflage] [Petrics-Orlai war Petöfi’s Freund noch aus den Tagen seines Schulbesuches in Pápa 1842 und hat den Dichter in Lebensgröße in Oel gemalt; nach diesem Originale sind obige Bildnisse ausgeführt worden.] – 3) Alexander Petöfi im Jahre 1848, 1849. Oelfarbendruck. Ausgeführt von Ch. Gerold [20 Z. hoch, 16 Z. breit] (Klausenburg 1863, Ladisl. Denyén), 8 fl. – 4) Unterschrift: Petőfi. Kiadó tulajdonos Paterno F. Becsbén, nyemta Haller J. (Halb-Fol.). – 5) Unterschrift: Petőfi Sándor. Holzschnitt ohne Ang. des Zeichners u. Xylogr. [auch in dem bei Heckenast 1853 erschienenen „Magyar irók arczképei és életrajzai“. Möchte wohl das ähnlichste Bildniß des Dichters sein]. – 6) Nach einer Zeichnung von Nikolaus Barabás bei Kertbeny’s Uebersetzung des „Held János“ von Petöfi, im Verlage von Ed. Hallberger, 1850. – 7) In der „Vasárnapi ujság“ 1856, Nr. 9, [ein Porträt im Holzschnitt o. A. d. Z. u. X. [nach den gangbaren Bildnissen P.’s geschnitten. Es befinden sich noch in Zeitschriften, dann vor einzelnen Ausgaben seiner Dichtungen Bildnisse in Holzschnitt, Stahl und Kupferstich, alle nach einer Schablone; außer dem erwähnten Bildnisse von Petrics-Orlai, das im Besitze seiner Gemalin war und jetzt wohl in jenem ihres verwitweten Gatten Árpád Horváth sein mag, sind nur noch die Bildnisse von Barabás und eine Lithographie von Eybl erwähnenswerth].
VI. Einzelnheiten (Petöfi’s Gattin – Handschrift – Personsbeschreibung – Reliquien – Gedenktafeln – Monument – P. über Göthe und Beranger –– Gedichte an Petöfi). – Petöfi’s Gattin. Petöfi’s Gattin Juliane geborne Szendrey ist zu Pesth am 6. September 1868 gestorben. Sie war eine Schwägerin des Dichters Paul Gyulai, der ihre Schwester zur Gattin hatte, die im Jahre 1866, auch am 6. September, gestorben ist. Juliane hatte nach Petöfi’s allgemein angenommenem Tode den Universitäts-Professur Árpád Horváth geheirathet. Sie starb nach langem Leiden im Alter von 40 Jahren. – Petöfi’s Handschrift. Das Facsimile seines vollen Namenszuges Petőfi Sándor befindet sich im 2. Bande von Levitschnigg’s „Kossuth und seine Bannerschaft“, S. 262. – Petöfi’s Personsbeschreibung. Interessant ist die „Personsbeschreibung“ Petöfi’s, welche im Jahre 1849 Windischgrätz von Pesth nach Hermannstadt geschickt. Sie lautet: Alter: 36 Jahre. Geburtsort: Siebenbürgen. Stand: verehelicht. Religion: reformirt. Sprache: Deutsch, Ungarisch und Walachisch. Beschäftigung und Charakter: früher Dichter. Körperbau: klein, mager. Gesicht: mager. Gesichtsfarbe: brünett. Stirn: hoch. Haare: schwarz. Nase: breit. Mund: proportionirt. Zähne: gut. Kinn: [98] etwas spitz. Bart: Schnurbart. Besondere Kennzeichen: pflegt mit entblößtem Hals zu gehen. Bekleidung: nach der deutschen Mode. Petöfi selbst macht über diese Personsbeschreibung folgende Bemerkungen: „Diese Personsbeschreibung, welche Windischgrätz von Pesth nach Hermannstadt geschickt, habe ich im Februar 1849 auf der Post in Mühlbach bekommen, als wir diese Stadt eroberten. Es sind viele Fehler darin; wie es scheint, hat man die Aeußerlichkeiten meinem Porträt entnommen und das Uebrige nur so auf gut Glück hineingeschrieben. Daß sie mich um zehn Jahre älter gemacht, daß sie sagen: „früher“ Dichter und die übrigen Lügen und Dummheiten haben mich nicht verdrossen; aber darüber war ich sehr aufgebracht, daß sie mich „nach der deutschen Mode“ gekleidet sein lassen, mich, der ich mein ganzes Leben lang in ungarischen Kleidern gegangen.“ Man sieht daraus, daß der große Poet Petöfi doch auch recht kleinlich sein konnte; als wenn es ein Unglück gewesen wäre, wenn er einmal ein deutsches Gewand getragen hätte. – Petöfi-Reliquien. Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1869, Nr. 1916. Feuilleton: „Petöfi-Reliquien“. [Die eine dieser Reliquien ist die oben mitgetheilte „Personsbeschreibung Petöfi’s“ mit dessen Anmerkungen und die zweite ist ein „Brief Petöfi’s an den Minister-Präsidenten Szemere“, ein von Petöfi verfaßtes, für die nationale Armee bestimmtes Lied betreffend. Petöfi macht wegen seines Antrages am Schlusse des Briefes die sarkastische Bemerkung: „nehmen Sie mein Anerbieten nicht für eine Unbescheidenheit; wenn ich das Mitglied einer andern Nation wäre, so hätte ich es nicht nöthig gehabt, dieses Anerbieten selber zu stellen, da die Nation es mir gemacht hätte“. Schade, daß Petöfi nicht mehr lebt, es wäre in jeder Hinsicht interessant zu erfahren, welche „andere Nation“, welche Nation überhaupt – es wäre denn die englische – Petöfi im Sinne hatte. Uns ist keine solche Nation und kein Beispiel ähnlichen Vorganges von irgend einer Nation bekannt.] – Petöfi’s Monumente. Ungarische Nachrichten (Pesther polit. Blatt, Fol.) 1863, Nr. 289, in der Rubrik „Lokales“. [Bericht über den Stand der Sammlungen für das von Eduard Reményi angeregte Petöfi- Monument, welche damals (1863) die Gesammtsumme von 8591 fl. 43 kr. bildeten. Ich habe nach Pesth geschrieben, um Nachrichten über das Petöfi-Monument zu erhalten, da seit 1863 sieben Jahre verflossen sind und die Denkmal-Angelegenheit doch wohl nicht ad acta gelegt worden; aber ich warte noch immer darauf.[ – Petöfi’s Geburtsstadt Nagy-Körös und die Umgegend ließ den Manen des Dichters auf dem Platze des Nagy-Köröser ev. Schulgebäudes, einige hundert Schritte von Petöfi’s Geburtshause, ein Denkmal aufstellen. Dasselbe ist aus Gerenday’s Atelier hervorgegangen, besteht aus einer 4 Schuh hohen Büste des Dichters und einem 10 Schuh hohen Postament (aus Sóskuter Stein) mit der einfachen Inschrift: Petőfinek Nagy-Körös és vidéke. – Gedenktafel. Das Haus in Félegyháza, in welchem Petöfi seine ersten Jugendjahre verlebte, ist mit einer marmornen Gedenktafel versehen worden, welche in goldenen Lettern folgende Inschrift zeigt: „E házban élte gyermekévelt Petőfi Sándor. A nagy költő emlékének tisztelői 1861.“ (In diesem Hause hat Alexander Petöfi die Jahre seiner Kindheit zugebracht. Dem Andenken des großen Dichters seine Verehrer 1861.) Die Kosten dieser Marmortafel sind auf Aufforderung Reményi’s von den Bewohnern Félegyháza’s bestritten worden. Die Tafel lieferte Gerenday. – Petöfi über Göthe und Beranger. Der berühmte ungarische Literaturhistoriker Paul Gyulai hat im Jahre 1863 Petöfi’s vermischte Schriften herausgegeben, in welchen man unter anderem die Aussprüche Petöfi’s über Göthe und Beranger findet. Göthe nennt er eine Riesen-Statue, aber einen Götzen, den vor allen Götzen die Zukunft stürzen wird!!! – Beranger ist ihm der neue Welterlöser, der Freiheit größter Apostel, der erste Dichter der Welt. – Petöfi’s barokes Urtheil über Göthe ist nicht etwa böswillige Verkleinerungssucht eines Pygmäen, sondern der unbeherrschte Ausdruck eines großen Herzens; schuf doch Petöfi selbst seine schönsten Lieder im Rausche, nämlich in jenem – der Freiheit. Die Begeisterung für Beranger erklärt sich aus der poetischen Verwandtschaft Beider. [Blätter für liter. Unterhaltung 1866, Bd. II, S. 686.] – Gedichte an Petöfi. Joh. Nep. Vogl’s Volkskalender (Wien, Tendler, 8°.) Jahrg. 1867, S. 204: „Petöfi als Soldat“, Gedicht von Johann Nep. Vogl [mit einem Holzschnitte nach einer Zeichnung von Katzler, Petöfi als Schildwache darstellend]. – Fata Morgana (deutsches belletrist., in Pesth ausgegebenes Blatt, gr. 4°.) [99] 1865, Nr. 18: „Petöfi’s Wiege und Grab“, von Karl Szász. Aus dem Ungarischen übersetzt von K. M. Kertbeny. [Uebrigens ist Petöfi noch öfter, und zwar von den jüngeren Poeten seines Heimatlandes, die gleichsam seine Schule bilden, besungen worden. Die bedeutendsten Petöfianer sind: Adorján, Sigmund Beöthy, Kaspar Bernát, Ludwig Dienes, Paul Gyulai, Paul Jámbor, Friedrich Kerényi, Jos. Lévai, Coloman Lißnyai, Ladisl. Losonczy, Flora Majthényi, Franz Mentovich, Anton Pajer, deren Lebensskizzen bereits in diesem Lexikon enthalten sind. Ferner: PompéryJohann Pompéry]], Julius Sárossy, Karl Sükei, Karl Száß, dessen Gattin Pauline Száß, Ladislaus Szelestey, Michael Tompa, Coloman Tóth, Johann Vaida, Janka Wohl, Joseph Zalár.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Nachtrag Petőfi, Alexander (Nachtrag).
  2. Vorlage: [Bd. I, S. 194].
  3. Nummerierung ergänzt.
  4. Vorlage: 1859.
  5. Alexander und Karl Kisfaludy.