BLKÖ:Ráday, Gedeon (I.) Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Radakovics, Joseph
Band: 24 (1872), ab Seite: 171. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 12023677X, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Ráday, Gedeon (I.) Graf|24|171|}}

Ráday, Gedeon (I.) Graf (ungarischer Dichter, geb. zu Ludány in Ungarn 1. October 1713, gest. zu Péczel 6. August 1792). Entstammt einer alten ungarischen Adelsfamilie [s. d. S. 173, in den Quellen] und ist der Sohn des berühmten Rakoczy’schen Kanzlers Paul R. [siehe ebenda, S. 174] aus dessen Ehe mit Clara Kajaly. Gedeon erhielt eine ausgezeichnete Erziehung und vervollständigte dieselbe auf einer im Jahre 1730 unternommenen Reise, auf welcher er mehrere deutsche Universitäten besuchte. Als im Jahre 1733 sein berühmter Vater starb, kehrte Gedeon in sein Vaterland zurück und trat als einziger Sohn die Verwaltung seiner Güter an. Er lebte nun wechselweise zu Pesth und zu Péczel, hingegeben der Pflege der Wissenschaften. Er richtete der Erste die Aufmerksamkeit [172] der ungarischen Lesewelt auf die Zrinyade, ein von dem Enkel des Szigether Leonidas verfaßtes Epos über den Fall von Szigeth und den Heldentod Zriny’s, das im Jahre 1651 erschien, allmälig[WS 1] vergessen und jetzt durch Ráday’s Umarbeitung in Hexametern und hinzugefügte Erläuterungen dem Publicum wieder in’s Gedächtniß zurückgerufen wurde. Ein noch größeres literarisches Verdienst erwarb er sich aber dadurch, daß er durch Kenntniß der besten Werke deutscher Dichter jener Zeit angeregt, in seinen Versen der Erste den Reim mit Sylbenmaß verband, wodurch er denn auch zur Ausbildung der dichterischen Sprache seines heimischen Idioms nicht unwesentlich beitrug. Ráday schrieb einzelne Lieder, Fabeln, Uebersetzungen und außer der schon erwähnten Umdichtung der Zrinyade, ein Epos, welches die Besitznahme seines Vaterlandes durch Arpad zum Gegenstande hat und das er in schönen und volltönenden achtzeiligen Stanzen von eigenem Bau – daher die Bezeichnung: Ráday’sche Versart – zu schreiben begonnen, aber bald aufgegeben hat, denn es ist davon nur ein Fragment in die Oeffentlichkeit gelangt. Seine Dichtungen erschienen in den Zeitschriften „Magyar Musa“, „Orpheus“ und „Magyar Muzeum“, der größte und wichtigste Theil seiner Arbeiten ist aber verloren gegangen. Franz Toldy, der gewiegteste Kenner der ungarischen Poesie, stellt Ráday als Dichter nicht eben hoch. Er besaß, wie er schreibt, keine schöpferische Kraft. Als Uebersetzer wußte er aber fremde Stoffe sich ganz anzueignen. Er bezeichnet seine dichterischen Arbeiten als schwer erworbene Errungenschaften eines Dilettanten, welche aber durch seinen ausgebreiteten Briefwechsel, worin er mit fast allen vaterländischen Schriftstellern stand, unter diesen verbreitet, vielfach anregend wirkten, so daß der Reiz eines geläuterten Geschmackes überall fühlbar wurde. R. war auch ein großer Bücherfreund und ist der Stifter der besonders für unsere Literaturgeschichte äußerst wichtigen Bibliothek zu Péczel, welche seiner Zeit der ungarische Landtag um den Preis von 40.000 fl. C. M. für die Nation ankaufen wollte. Einer Mittheilung zufolge, welche der ungarische Superintendent Paul Török im Jahre 1860 gemacht, hat sich aber die gräfliche Ráday’sche Familie im protestantischen und patriotischen Eifer bereit erklärt, die Bibliothek, wenn sie in den Besitz der Pesther protestantischen Hauptschule übergeht, für die Hälfte der von dem Landtage bewilligten Kaufsumme, also für 20.000 fl., zu überlassen, und wurden zu diesem Zwecke sofort Sammlungen eingeleitet, welche in kurzer Zeit ein erfreuliches Resultat lieferten. Gedeon Ráday wurde von Kaiser Joseph in den Freiherrn- und von Kaiser Leopold in den Grafenstand erhoben. Er starb auf seiner Besitzung Péczel im hohen Alter von 79 Jahren, aus seiner Ehe mit Susanna Fáy nur einen Sohn, gleichfalls Gedeon, hinterlassend, der gleich seinem Vater ein Freund der Wissenschaften und schönen Literatur war.

Toldy (Ferencz), A’ Magyar költészet kézikönyve a Mohácsi vésztől a legújabb időig, d. i. Geschichte der ungarischen Dichtung von der Schlacht von Mohács bis auf unsere Tage (Pesth 1853, Gust. Heckenast, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 562 u. f. [nach diesem gest. am 5. August 1792]. – Koppi Károly, Oratio quam Gedeoni Com. de Ráda monumentum esse voluit (Pest 1792, 8°.). – Toldy (Franz), Geschichte der ungrischen Dichtung von den ältesten Zeiten bis auf Alex. Kisfaludy. Aus dem Ungrischen übersetzt von Gustav Steinacker (Pesth 1863, Heckenast, 8°.) S. 409 u. f. – Handbuch der ungrischen [173] Poesie u. s. w. in Verbindung mit Julius Fenyéry herausgegeben von Franz Toldy (Pesth u. Wien 1828, Kilian u. Gerold, 8°.) Bd. I, S. 212 u. f. [nach diesem und den meisten anderen Quellen gestorben am 6. August 1792]. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1856, Gust. Emich, 8°.) Bd. I, S. 377. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 334. – Porträte. 1) Gestochen von Mannsfeld, vor dem 5. Bande von Kazinczy’s Schriften. – 2) Lithographie von Rohn und Grund in Pesth 1864 (Fol.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: allmällig.