BLKÖ:Rollett, Emil

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Rollett, Anton
Band: 26 (1874), ab Seite: 305. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1016442564, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Rollett, Emil|26|305|}}

Rollett, Emil (Arzt und Fachschriftsteller, geb. zu Baden in Niederösterreich 11. December 1835). Zweitgeborner Sohn des praktischen Arztes Dr. Karl Rollett [s. d. S. 308, Qu. Nr. 3] und Bruder Alexander’s [s. d. S. 301]. Den ersten Unterricht empfing er, wie sein Bruder, in Baden, dann am Gymnasium in Wiener-Neustadt und später auf dem Obergymnasium in Melk. Den Gymnasialstudien widmete er sich mit allem Eifer, so daß er von der vierten Classe an unter seinen Mitschülern stets den ersten Platz behauptete. Nach „mit Auszeichnung“ abgelegter Maturitäts-Prüfung bezog er im October 1853 die Universität zu Wien, um sich den medicinischen Studien zu widmen. An der Universität gehörte er einem Club von gleichstrebenden Collegen an, von denen jeder einen anderen Abschnitt der theoretischen Medicin zu eingehendem gründlichem Studium übernahm und in regelmäßigen Versammlungen den Collegen in freiem Vortrage erläuterte. Mit 23 Jahren, am 23. December 1858, erlangte er an der Wiener Universität die medicinische Doctorwürde. Am 7. April 1859 erwarb er das Diplom als Magister der Geburtshilfe und am 28. Juni 1859 den Grad eines Doctors der Chirurgie. Alsbald nach erlangtem Doctordiplome trat er als Aspirant auf einer Abtheilung des großen Wiener Krankenhauses in ärztliche Dienste und wurde bereits [306] am 1. October 1859 Secundararzt II. Classe. Als solchen traf ihn, ohne daß er sich darum bewarb, der ehrenvolle Antrag, die Stelle eines zweiten Assistenten an der Klinik Oppolzer’s [Bd. XXI, S. 76] zu übernehmen. Am 30. Juli 1861 trat er dieselbe an und am 28. September 1863 wurde er vom medicinischen Professoren-Collegium zum ersten Assistenten an Oppolzer’s Klinik ernannt und wirkte daselbst noch weitere vier Jahre. In dieser Stellung an einer der berühmtesten Kliniken der Welt entfaltete sich ein sehr reges wissenschaftliches Leben, das durch den lebhaften Verkehr mit zahlreichen ausländischen Aerzten aus aller Herren Ländern ein besonderes Interesse gewann. Außer der dem Assistenten zukommenden nachmittägigen Anleitung und Unterweisung der Studirenden gab er Curse über Percussion und Auscultation und Diagnostik der Brustkrankheiten, die besonders von ausländischen Doctoren zahlreich besucht wurden. Das reiche Beobachtungs- und Untersuchungsmateriale der Klinik hat er in zahlreichen, auf S. 307 u. 308[WS 1] angeführten Schriften wissenschaftlich verwerthet. Noch als klinischer Assistent suchte er seine Habilitirung als Docent an der Wiener Universität nach. Die aus diesem Anlasse gehaltene Rede behandelte „Den Zusammenhang von Herz- und Unterleibskrankheiten“ und am 22. April 1866 wurde die Habilitirung vom k. k. Staatsministerium genehmigt. Die k. k. Gesellschaft der Aerzte erwählte ihn zu ihrem wirklichen Mitgliede und durch mehrere Jahre fungirte er daselbst als Schriftführer in den wissenschaftlichen Sitzungen und als Bibliothekar im Vereine mit W. Redtenbacher. Mit einer Anzahl Collegen verband er sich zur Gründung des „Aerztlichen Vereines in Wien“, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, neben den strengwissenschaftlichen auch die Interessen des öffentlichen Gesundheitswohles und des ärztlichen Standes zu wahren. Die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft, die anthropologische, die chemisch-physikalische Gesellschaft und mehrere Universitäts- und humanitäre Vereine zählen ihn außerdem zu ihrem Mitgliede. Im Jahre 1872 vereinigte er sich mit mehreren Collegen zur Gründung der „allgemeinen Polyklinik“, eines Institutes, das seither als Humanitäts- und Unterrichtsanstalt eine anerkannt segensreiche Thätigkeit entfaltet hat, und übernahm er daselbst die erste Abtheilung für innerliche Krankheiten als ordinirender Arzt und Universitäts-Docent, nachdem vom Unterrichtsministerium die Anerkennung und Giltigkeit der an der Polyklinik abzuhaltenden Vorlesungen als Universitäts-Collegien erwirkt worden war. In die ärztliche Privatpraxis trat er schon zur Zeit ein, als er an der Seite Oppolzer’s wirkte, und wurde bald einer der gesuchtesten Aerzte der Residenz. Nach dem Tode seines Vaters, des Dr. Karl R., dessen Name wie der des Großvaters, BLKÖ:Rollett, AntonAnton Rollett, in Baden noch fortlebt, übt er einen Theil des Jahres, nämlich während der Sommersaison, die ärztliche Praxis in dem Curorte Baden aus, während der Wintersaison lebt er er aber der ursprünglichen Bestimmung treu als Arzt und Lehrer an der Wiener Universität. Dieser zuletzt eingeschlagene Weg war auch der Grund, daß er einem ehrenvollen Rufe des Professoren-Collegiums an der Stelle des verstorbenen Meisters Oppolzer die Supplirung der verwaisten Lehrkanzel der medicinischen Klinik zu übernehmen, nicht mehr folgen konnte.

Uebersicht der wissenschaftlichen Arbeiten des Dr. Emil Rollett. A. Selbstständig hat [307] er herausgegeben: „Pathologie und Therapie der beweglichen Niere“ (Erlangen 1866, Ferd. Rieke, gr. 8°.), die erste wissenschaftliche Monographie eines bisher ziemlich vernachlässigten, jedoch sehr wichtigen und interessanten Gebietes der Pathologie, das von der Fachkritik in anerkennender Weise gewürdigt wurde. – B. Original-Abhandlungen in medicinischen Fach-Journalen, welche Beiträge zur Pathologie und Diagnostik enthalten. In der Wiener medicinischen Wochenschrift: „Zur Pathologie des Pemphigus“ (1862, Nr. 19); – „Seltene Beobachtungen an einer Krebskranken“ (ebd. Nr. 23 u. 24); – „Krankheitserscheinungen in Folge von Compression des obersten Dorsalstückes des Rückenmarkes“ (1864, Nr. 24, 25, 26); – „Ueber Blutungen der Leber in Folge von Leberkrebs“ (1865, Nr. 14, 15); – „Ueber Meningitis cerebrospinalis“ (ebd. Nr. 42, 43); – „Ueber Darmeinschiebung“ (ebd. Nr. 69 u. 70); – „Die toxischen Wirkungen der Beeren und Blätter der Tollkirsche“ (ebd. Nr. 95, 96, 97); – „Ueber den Croup der Bronchien“ (1866, Nr. 20, 21); – „Ueber die Periodicität mancher Blutungen und über periodisches Blutbrechen bei Lebercirrhose“ (ebd. Nr. 99, 100, 101); – „Beiträge zur Symptomatologie der in der Brusthöhle verborgenen Aneurysmen“ (1868, Nr. 1–5); – „Ueber den als „Geräusch des gesprungenen Topfes“ bezeichneten Percussionsschall“ (ebd. Nr. 88, 89, 90). – In der Spitals-Zeitung: „Allgemeine Peritonitis in Folge von Ruptur eines zu einer Cyste herangewachsenen Graaf’schen Follikels“ (1863, Nr. 47, 48); – „Krebs der Prostata“ (1864, Nr. 30, 31). – In der Oesterreichischen Zeitschrift für praktische Heilkunde: „Ueber Thermometrie in der Privatpraxis“ (1868, Nr. 40). – In der Wiener Medicinal-Halle: „Ein Fall von Urämie“ (1864, Nr. 47 u. 48). – C. Die folgenden Aufsätze haben den Zweck, dem Praktiker eine rasche Recapitulirung der wichtigsten diagnostischen und therapeutischen Momente gewisser wichtiger Krankheitsprocesse zu ermöglichen; es sind in dem von Dr. Wittelshöfer herausgegebenen „Taschenbuch für Civilärzte“ (Wien, Jahrg. 1869): „Kurze Charakteristik der Lungen- und Herzkrankheiten“; – in Dr. Nader’s Medicinal-Kalender: „Behandlung der Urämie“ (1865, S. 23); – „Therapie der Pyelitis“ (1867, S. 36). – D.Die folgenden Aufsätze bilden eine Reihe von klinischen Beiträgen zur Casuistik der internen Krankheiten. Die Mannigfaltigkeit des ausgewählten Stoffes und die den einzelnen Krankheitsfällen angefügten Erörterungen und Bemerkungen sollen dazu dienen, dem Arzte und Studirenden ein treues Bild von den an der Wiener medicinischen Klinik geltenden Ansichten, Untersuchungs- und Heilungsmethoden zu liefern; sie sind sämmtlich in der Spitals-Zeitung (Wien) enthalten: „Einige Fälle von Puerperlafieber“ (1862, Nr. 1, 2, 4, 5); – „Ein Fall von Hirnembolie“ (ebd. Nr. 3); – „Peritonitis circumscripta, Perityphlitis“ (ebd. Nr. 7, 8); – „Hypertrophia et Dialtatio utriusque ventriculi cordis, Insufficientia valvular. bicuspid. et aortae, Aneurysma aortae ascendentis“ (ebd. Nr. 11, 12); – „Carcinoma medultare retroperitoncale“ (ebd. Nr. 13, 14); – „Stomatitis mercurialis“ (ebd. Nr. 17); – „Meningitis tuberculosa“ (ebd. Nr. 18); – „Pericarditis et Eucarditis“ (ebd. Nr. 19); – „Icterus in Folge von Gallensteinbildung“ (ebd. Nr. 35, 40); – „Typhus abdominalis“ (ebd. Nr. 44); – „Spondylitis cervicalis rheumatica“ (ebd. Nr. 45); – „Luft und Flüssigkeit in einem abgesackten Raume der Brusthöhle u. s. w.“ (ebd. Nr. 47–51); – „Colica saturnina“ (1863, Nr. 1, 2); – „Peritonitis circumscripta traumatica“ (ebd. Nr. 3, 4); – „Encarditis, Embolia cerebri“ (ebd. Nr. 5 u. 7); – „Rundes Magengeschwür“ (ebd. Nr. 9, 10); – „Bronchiectasia, Pneumothorax circumscript. Pleuritis“ (ebd. Nr. 11–13); – „Dilatatio ventriculi cum vomitu sarcinoso“ (ebd. Nr. 14, 15); – „Bronchitis capillaris“ (ebd. Nr. 16, 17); – „Parametritis“ (ebd. Nr. 18, 19); – „Erysipelas faciei, Hyperaemia et Oedema cerebri“ (ebd. Nr. 20, 21); – „Lungen- und Darmtuberculose mit Uteruskrebs (ebd. Nr. 22–24); – „Carcinoma hepatis, Emphysema pulmonum“ (ebd. Nr. 25, 26); – „Myositis, Thrombosis venae crural. sinistr. iliac. et cavae inferioris“ (ebd. Nr. 27, 28); – „Insufficientia valv. tricuspidalis, Stenosis ostii venosi sinistri“ (1864, Nr. 19). – Ueberdieß enthält Kritiken aus seiner Feder über einzelne Werke der deutschen, französischen und englischen Literatur das Wochenblatt der k. k. Gesellschaft der Aerzte 1868 und 1869; – ferner kritische Referate über neue Publicationen auf dem Gebiete der internen Medicin die Medicinisch-chirurgische Rundschau 1863, Bd. 1, 2, 4; – [308] endlich besorgte Dr. Emil Rollett das stehende Referat über allgemeine Krankheiten und Krankheiten der Harnwerkzeuge in den Medicinischen Jahrbüchern, Jahrg. 1869, XVII. Bd., u. Jahrg. 1870, XIX. Bd.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: S. 301 u. 302.