BLKÖ:Rudnay de Rudna und Divék-Ujfalú, Alexander

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rudmasch, Simon
Band: 27 (1874), ab Seite: 223. (Quelle)
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Rudnay de Rudna und Divék-Ujfalú, Alexander (Fürstprimas und Cardinal-Erzbischof von Gran in Ungarn, geb. zu Szent-Kereszt im Neutraer Comitate am 4. October 1760, gest. zu Gran am 13. September 1831). Entstammt einer im Neutraer und Pesther Comitate ansässigen Adelsfamilie. Sein Vater Andreas war Oberstuhlrichter des Neutraer Comitates. Das Gymnasium und die Humanitätsclassen besuchte der Sohn in Neutra bei den Piaristen, die philosophischen und theologischen Studien hörte er zu Preßburg, Tyrnau und Ofen. Im Jahre 1783 erlangte er die Priesterweihe, im folgenden die theologische Doctorwürde. Nun trat er als Erzieher in das Haus des Grafen Franz von Berényi, bald darauf aber als Caplan zu Csaßka im Preßburger und zu St. Benedict im Bacser Comitate in die Seelsorge. Nun kam er als Actuar zu dem Cardinal und Reichsprimas Joseph Grafen Batthyány [Bd. I, S. 177] und wurde Secretär des Tyrnauer General-Vicariats. Im Jahre 1789 erhielt er die Pfarre Korosch im Neutraer Comitate, wurde aber schon im folgenden Jahre Vice-Erzdiacon im Topoltschaner Districte des Graner Erzbisthums. 1805 zum Domherrn in Gran ernannt, wurde er zugleich Rector des Seminars zu St. Stephan in Tyrnau, dann Abbas B. M. V. de Kolos und 1808 General-Vicar in Gran. Zugleich wurde er bei Verleihung der Titular-Bischofswürde [224] kön. ungar. Statthaltereirath und Referent in geistlichen Angelegenheiten bei der kön. ungarischen Statthalterei. Im Jahre 1816 verlieh ihm Se. Majestät das Bisthum von Siebenbürgen, welche Würde er durch drei Jahre versah, worauf im Jahre 1819 seine Erhebung zum Erzbischof von Gran und Fürst-Reichsprimas von Ungarn erfolgte. Die Türken hatten bei ihren Einfällen in Ungarn die erzbischöfliche Residenz und die Metropolitankirche in Gran zerstört, so daß die Graner Erzbischöfe gar nicht in Gran residirten. R. beschloß, seine Residenz wieder nach Gran zu verlegen und hielt am 15. Mai 1820 seinen feierlichen Einzug; auch wurde das erzbischöfliche Domcapitel, das seit 1545 in Tyrnau sich befand, nach Gran versetzt. Der Primas selbst bezog einstweilen die ehemalige Jesuitenresidenz und bestimmte die dabei befindliche Jesuitenkirche zur interimistischen Kathedrale. Für die aus Tyrnau nach Gran übersiedelten Domherren wurden auf dem Festungsberge stattliche Domherrnhäuser erbaut. Nun griff Primas Rudnay den Gedanken seines Vorgängers, des Erzbischofs Barkoczy [Bd. I, S. 159], eine neue Residenz und Kathedrale zu erbauen, an dessen Verwirklichung ihn der Tod gehindert, wieder auf. Am 23. April 1822 legte R. den Grundstein zu beiden und zu den Seminarien. Es war ein gigantischer Prachtbau, der sich auf dem mit vielen Kosten planirten Festungsberge erheben sollte; die Kosten bis zu Rudnay’s Ableben erhoben sich über 3 Millionen W. W., welche der Fürstprimas aus seinen – freilich ungemein reichen – Einkünften bestritt. Was die fernere Thätigkeit des Primas R. betrifft, so besteht sie in folgenden bemerkenswerthen Momenten: im Jahre 1822 hielt er eine National-Synode der ungarischen r. k. Kirche; im September 1825 krönte er auf dem Reichstage zu Preßburg die Kaiserin Karolina Augusta zur Königin und im October 1830 den Kronprinzen Ferdinand zum Könige von Ungarn. Im Neutraer Comitate ließ er in seinem Geburtsorte Szt. Kereszt eine schöne Kirche erbauen, eine andere zu Heregh im Komorner Comitate, ferner eine zu Gran nach dem Muster der Rotonda in Rom, die Kirche zur h. Anna. Im hohen Grade mildthätig, unterstützte er als Bischof von Siebenbürgen gänzlich 12 arme Studirende, gab große Summen bei Gelegenheit der im Lande ausgebrochenen Hungersnoth, machte beträchtliche Stiftungen zu Gunsten des in Ruhestand übertretenden und des jüngeren Clerus, und treu seinem Wahlspruche: „beatius est dare quam accipere“, unterstützte er, wie er konnte, die Armen und Hilfsbedürftigen. In gleichem Maße war er bedacht, Religiosität, Zucht und Sitte in seiner Erzdiöcese zu fördern. Am 15. December 1828 ernannte ihn Papst Leo XII. zum Presbyter Cardinalis und am 3. Jänner 1829 setzte ihm Se. Majestät der Kaiser in der kais. Hofburg zu Wien das Cardinalsbarett auf. Der Cardinal starb nach kurzer Krankheit im Alter von 71 Jahren, und am 25.–27. October 1831 wurden die feierlichen Exequien in der Graner Kathedrale abgehalten, bei welcher Gelegenheit Leichenreden in lateinischer, ungarischer und deutscher Sprache und eine lateinische Parentation von Dr. Karl Rumy im Drucke erschienen.

Ehrentempel der katholischen Geistlichen (Wien 1845, J. Dirnböck, 8°.) S. 159. – Hohenegger (Laurenz), Nekrolog Sr. Eminenz des Herrn Fürsten A. v. Rudna und Divék-Ujfalú (Wien 1833, 8°.). – Feierstunden. Herausgegeben von Ebersberg [225] (Wien, 8°.) 1831, S. 143: „Exequien des Reichsprimas Alexander Rudnay“. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XV. Jahrg. (1824), S. 65. – Der katholische Christ (Pesth, 4°.) Jahrg. 1857, Nr. 16, S. 132. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 431. – Memoria Basilicae Strigoniensis anno 1856 die 31. Augusti consecratae (Pestini 1856, J. Beimel et B. Kozma, Lex. 8°.) p. 102. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Mor. Ráth, 8°.) Bd. IX, S. 794. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntagszeitung (Pesth, 4°.) 1856, Nr. 35. – Porträte. 1) Unterschrift: Alexander Cardinalis Rudnay, A. Eppus Strig. Primas Regni, Legatus natus Ord. S. Stephani. R. a. Praelatus et M. Crucis Eques etc. Jos. Bauer del. (Ex officina artistica Reiffenstein et Rösch, Viennae 1856, 4°.); – 2) Unterschrift: Alexander Rudnay, weiland Cardinal Fürst Primas von Ungarn. L. Kohlmann (?) sc. (gr. 8°.); – 3) Unterschrift: Rudnai és Divék Ujfalusi Herczeg Rudnay Sándor apost. sz. szek. szül. követe Primasa, estergami bibornok érsek, magyarország Magy. v. Primas (Pesth 1859, Lauffer u. Stolp, gr. 8°.), schöner Holzschnitt mit Abbildung des Wappens.