BLKÖ:Sapieha-Kodeński, Leo Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Saphir, Sigmund
Band: 28 (1874), ab Seite: 232. (Quelle)
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Sapieha-Kodeński, Leo Fürst (galizischer Landtagsmarschall, geb. am 18. September 1802). Aus einem alten lithauischen Adelsgeschlechte, über dessen Ursprung die Quellen Näheres berichten. Ein Sohn des Fürsten Alexander Sapieha [S. 236, Nr. 2], lithauischen Landesvorschneiders, aus dessen Ehe mit Anna Gräfin Zamoyska. Der Vater, der in den napoleonischen Kriegen gekämpft und für seine Tapferkeit zu wiederholten Malen ausgezeichnet worden, wurde Kämmerer und Schwertträger des Großherzogthums Warschau, starb aber bereits am 9. September 1812 im Alter von erst 39 Jahren, da sein Sohn Leo erst 10 Jahre zählte. Hingegen erreichte die Mutter ein hohes Alter, denn, 88 Jahre alt, starb sie zu Paris am 26. November 1859. Der junge Fürst erhielt eine sorgfältige Erziehung, nach deren Vollendung er, sich dem öffentlichen Dienste widmend, ein Amt im sogenannten Congreßpolen antrat. An der Seite des Ministers Lubecki arbeitete er auf administrativem Gebiete und bethätigte alsbald eine seltene Geschäftstüchtigkeit. Als die polnische Revolution im Jahre 1830 ausbrach, stellte sich auch der damals 27jährige Fürst in die Reihen der Vaterlandsvertheidiger, machte als Adjutant Bem’s [Bd. I, S. 254] den Sturm von Warschau mit und rückte in dieser Zeit zum Artillerie-Officier vor. Nach dem Sturze Polens rettete sich auch S. vor der Rache des Siegers durch die Flucht und fand in Galizien gastliche Aufnahme. Einige Jahre verlebte er nun zu Piskorowice, einer Besitzung im [233] Przemysler Kreise, später auf seinem Gute Krasiczyn. Die ziemlich im Argen liegenden landwirthschaftlichen Verhältnisse in Galizien und der in Folge dessen herrschende finanzielle und volkswirthschaftliche Verfall der Provinz ließen ihn auf Mittel sinnen, um diesem bedrohlichen Uebelstande abzuhelfen. Als nächstes und ersprießlichstes Mittel gegen diesen Verfall der ökonomischen Verhältnisse erschien dem Fürsten die Belebung des gesunkenen Credits, der durch Gründung eines Landes-Credits-Institutes unter Garantie der galizischen Stände bewerkstelligt werden sollte, welches auch am 3. November 1841 in’s Leben trat. Dieses Institut war wesentlich eine Schöpfung des Fürsten Sapieha, dem in Anerkennung dessen die galizischen Stände auch die Stelle des ersten Präsidenten in dieser Credit-Gesellschaft übertrugen. Damals auch, bevor man noch an den Bau einer Eisenbahn von Krakau an die preußische Grenze dachte, betrieb Fürst Sapieha bereits mit Eifer, freilich noch vergeblich, den Bau der Krakau-Lemberger Bahn und die Gründung einer galizischen Landwirthschafts-Gesellschaft, wie er auch wesentlichen Einfluß nahm auf die Organisirung der Lemberger Sparcasse. Unter dem Einflusse des Fürsten hoben sich nun diese, deren Curator der Fürst war, sowie die Landwirthschafts-Gesellschaft, welche auf ihrer öffentlichen Versammlung den Fürsten zu ihrem Präsidenten erwählt hatte, in sichtlicher Weise. In dieser letzteren Eigenschaft richtete der Fürst sein nächstes Augenmerk auf Errichtung von Ackerbauschulen, deren erste nach langjährigen rastlosen Bestrebungen endlich im Jahre 1856 zu Dublany eröffnet wurde. Im nämlichen Jahre trat endlich das Eisenbahn-Project in’s Leben, zu welchem Zwecke sich eine Actiengesellschaft gebildet hatte, deren Präsident auch der Fürst wurde. Endlich ist noch die Begründung einer Filiale der anglo-österreichischen Bank in Lemberg ein Werk des Fürsten und er selbst ist Director dieser Filiale. Die Hebung der volkswirthschaftlichen und agrarischen Zustände Galiziens ist demnach vornehmlich ein Werk Sapieha’s, der bei allen die Erreichung derselben bezweckenden Vorgängen den Hauptantheil hatte. Dabei war er selbst durch Anlegung von Musterwirthschaften auf seinen ausgedehnten Besitzungen bei Przemysl mit gutem Beispiele vorangegangen. Nicht minder einflußreich, wenngleich in einer den vorbezeichneten Erfolgen kaum analogen Weise, war der Fürst auf politischem Gebiete. Schon im Jahre 1848 führte er eine Deputation nach Wien, welche die Wünsche Galiziens dem Kaiser vorzubringen hatte. Im nämlichen Jahre nahm er auch Antheil an dem Slavencongresse, welcher zu Prag tagte, und war später Mitglied des Reichstages zu Kremsier, ohne sich eben auf demselben besonders bemerkbar gemacht zu haben. Bald nach dem Umschwunge der politischen Verhältnisse im Kaiserstaate und der Reactivirung der Provinzial-Landtage wurde auch er wiederholt vom Großgrundbesitze in den galizischen Landtag gewählt und im April 1861 zum Landmarschall von Galizien und Krakau ernannt, welche Stelle aber der Fürst im Mai 1869 niederlegte. Ueberdieß ist der Fürst erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes, Präsident des Verwaltungsrathes der galizischen Karl Ludwig-Bahn und stand auch einige Zeit an der Spitze des Generalrathes der anglo-österreichischen Bank. Was nun seine politische Haltung anbelangt, so enthält die „Neue freie Presse“ im Jahre 1870 eine Mittheilung, [234] welche die Tendenzen des Fürsten und jener Partei, zu der er gehört oder die er vertritt, vollkommen illustrirt. Als nämlich Ludwig Graf Wodzicki und Ritter von Grocholski im Jahre 1870, um ihr Ausscheiden aus der Delegation mit dem Scheine der Loyalität zu decken, auf eine Stelle der Adresse aus dem Jahre 1868 hinwiesen, in welcher es am Schlusse im Hinblicke auf den Monarchen heißt: „Wir stehen zu Dir, allerdurchlauchtigster Herr, und wollen zu Dir stehen“, da erhob sich, wie das genannte Blatt es als „Historische Reminiscenz“ mittheilt, das Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes, der durch das Vertrauen seines Kaisers zum Landmarschall Galiziens berufene Fürst Leo Sapieha und meinte: „daß die Galizianer eine solche Versicherung, zu Oesterreich zu stehen, schlechterdings nicht geben können, denn, wer weiß, was schon die nächste Zukunft bringen wird“. Nun, der Herr Landmarschall Galiziens sprach dieß wohl im Namen des Bruchtheiles der Polen, welche zu Galiziens Bewohnern zählen, er wird sich aber gewiß auch erinnern, daß außer diesen noch Ruthenen, Deutsche und Juden nicht minder ansehnliche Bruchtheile der Bevölkerung bilden. Fürst Sapieha ist seit 19. December 1825 mit Hedwig gebornen Gräfin Zamoyska (geb. 9. Juli 1806) vermält und stammt aus dieser Ehe ein Sohn Adam (geb. 4. December 1828), vermält (seit 22. April 1852) mit Hedwig Clementine gebornen Prinzessin Sanguszko-Lubartowicz (geb. 28. November 1830), aus welcher Ehe folgende Kinder: Prinz Wladislaus (geb. 30. Mai 1853), Prinzessin Maria (geb. 23. Jänner 1855), Prinz Leo (geb. 14. August 1856) und Prinzessin Helene (geb. 30. December 1857) vorhanden sind. Ueber Fürst Adam Sapieha vergleiche das Nähere in den Quellen [S. 235, Nr. 1].

Kalendarz powszechny na rok 1867, d. i. Allgemeiner Kalender auf das Jahr 1867 (Lemberg, bei Julius Wild, 8°.) S. 28 [mit wohlgetroffenem Bildniß im Holzschnitt]. – Hajnal. Arczképekkel és életrajzokkal diszitett Album. Tulajdonos szerkesztő és kiadó: Sarkady István, etc., d. i. Die Heimat. Bilder- und Biographien-Album, herausgegeben von Stephan Sarkady (Wien 1867, Leopold Sommer, 4°.) Blatt 14. – Der Reichsrath. Biographische Skizzen der Mitglieder des Herren- und Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes (Wien 1862, Förster und Bartelmus, 8°.) II. Heft, S. 9. – Hahn (Sigm.), Reichsraths-Almanach für die Session 1873/74 (Wien 1874, Rosner, 8°.) S. 88. – Zeitgenossen. Almanach für das Jahr 1863 (Gratz, Settele, 8°.) S. 254. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1870, Nr. 2024, Correspondenz aus Lemberg, 15. April: „Eine historische Reminiszenz“. – Presse (Wien, Fol.) 1869, Nr. 1705: Ueber die Resignation des Landmarschalls Fürsten Leo Sapieha. – Porträte. 1) Marastoni Jos. (lith.) 1861 (4°.), auch im Hajnal-Album; – 2) im „Floh“ (Wien, kl. Fol.) V. Jahrg. (1873), Nr. 50, von Demarre [zugleich mit Giskra und Ofenheim].