BLKÖ:Sina, Simon Georg (jun.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vorwort (Band 35)
Band: 34 (1877), ab Seite: 356. (Quelle)
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Sina, Simon Georg (Bankier und Humanist, geb. 15. August 1810, gest. 15. April 1876). Im Elternhause erzogen, durch bedeutende Glücksgüter [357] noch bei Lebzeiten seines Vaters unabhängig gestellt, nachdem Tode des Vaters der alleinige Erbe eines unermeßlichen Vermögens, nahm Freiherr S. in der Gesellschaft bald eine Stellung ein, die ihn weniger als Besitzer solcher Reichthümer, als vielmehr als Benützer derselben zu den edelsten Zwecken beneidenswerth machte. Der Baron Simon Georg Sohn hatte von seinem Vater Georg Simon neben dem großen Grundbesitz [vergleiche Grundbesitz des Bankhauses Sina Seite 356] auch das große Bankgeschäft geerbt, dasselbe aber, als er griechischer Gesandter am kaiserlichen Hofe in Wien wurde, niedergelegt, um es jedoch später für kurze Zeit wieder aufzunehmen. Alle über S. erschienenen Nekrologe stimmen darin überein, daß, wie sein Sinn für alles Edle und Schöne, so auch seine Wohlthätigkeit von weitausgreifender Art war. Ueberall, wo er seinen Fuß hinsetzte, ward sein Andenken gesegnet. Es wären, wüßte man alles, was er für humane und edle Zwecke gethan, großartige Summen zu verzeichnen. Hier kann sich nur auf Erwähnung jener einzelnen Acte seiner Munificenz beschränkt werden, welche tiefer in das Kunst- und Culturleben der Gegenwart eingreifen und Sina’s Namen unter den Mäcenen eine ehrenvolle Stelle sichern. In Athen hatte er eine prachtvolle Universität erbauen und ihre künstlerische Ausschmückung durch den Maler Karl Rahl [Bd. XXIV, S. 230] ausführen lassen; die Fürsorge für dieselbe erstreckte sich auch über seinen Tod hinaus. Bald nach dem Tode seines Vaters, gleichsam als Vollstrecker der von demselben im letzten Willen unausgesprochenen Intentionen, verfügte er eine Summe von 40.000 Gulden zur Vertheilung an verschiedene öffentliche Institute in Pesth, als: das dortige Museum, den Pensionsfond des Nationaltheaters, die Rebschule des landwirthschaftlichen Vereins u. dgl. m.; 4000 Gulden zur Förderung der landwirthschaftlichen Interessen Ungarns in Aufstellung von Preisen für Beantwortung gemeinnütziger landwirthschaftlicher Fragen, 1000 Gulden zum Ankaufe naturwissenschaftlicher Gegenstände für das Pesther Museum, 10.000 Gulden zur Vermehrung des vom Pesther Landwirthschaftsvereine angelegten Fondes, die Kosten der von Csengeri unternommenen, wissenschaftlichen Zwecken gewidmeten Revue „Budapesti szemle“ wurden von S. gedeckt und im Schlosse Gödöllö eine Gemälde-Gallerie gegründet, welche nur Werke ungarischer Künstler enthalten sollte. Außer den stylvollen Privatgebäuden, welche er in Wien ausführen ließ, ward auf seine Kosten der glanzvolle griechische Tempel auf dem Alten Fleischmarkte, welcher zu Wien’s schönsten Architecturzierden zählt, erbaut. Seine hervorragende Theilnahme an dem Zustandekommen der jüngsten Kunststätten Wien’s, so des österreichischen Museums, des Künstlerhauses, des Musikvereins, Stadttheaters sei hier nur nebenbei erwähnt. Unter seinen letztwilligen Anordnungen befanden sich eine Summe von 30.000 Gulden für die Armen Wien’s und eine zweite von 5000 Gulden für das Armen-Institut in Rappoltenkirchen, wo der Baron eine mit dem reichsten Luxus ausgestattete Herrschaft besaß, welche sein Lieblingsaufenthalt gewesen und wo er auch seine Familiengruft hatte erbauen lassen, in welcher seine Leiche beigesetzt wurde. Baron Sina war wirklich geheimer Rath, seit 1874 lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses, überdieß Großkreuz des kaiserlich österreichischen Leopold-Ordens und Ritter [358] der eisernen Krone 1. Classe, er war ferner Indigena von Ungarn, Mitglied der Magnatentafel des ungarischen Reichstages, Mitglied des dirigirenden Senates der kön. ungarischen Akademie der Wissenschaften. Und daß ihn noch viele andere Potentaten, die Geld gebraucht, decorirt, versteht sich von selbst. Was er ferner durch Reformen und Verbesserungen auf landwirthschaftlichem Gebiete auf seinen zahlreichen Herrschaften in Ungarn, Böhmen, Mähren und Niederösterreich geleistet, entzieht sich in diesem Werke einer ausführlichen Darstellung. Der Pavillon Sina auf der Wiener Weltausstellung 1873 zeigte Proben der Agricultur-Erzeugnisse seiner Herrschaften und der amtliche Katalog der genannten Ausstellung, welcher im Verlage der General-Direction und in der Druckerei des Journals „Die Presse“ erschienen ist, gibt auf Seite 42, Nr. 202 und auf Seite 50, Nr. 5 eine gedrängte Darstellung. Der Baron war mit Iphigenie geborenen Fürstin Ghika von Desanfalva, aus dem fürstlichen Hause Ghika, vermält. Ein Sohn aus dieser Ehe, Georg, starb vor dem Vater; sonst entstammen derselben noch vier Töchter: Helene vermälte Gregor Fürst Ypsilanti; Anastasie vermälte Victor Graf Wimpffen; Irene vermälte Georg Maurocordatos, und Iphigenie vermälte Ed. Fürst de Castries. Bezüglich der Universität in Athen verpflichtete der Baron noch in einem Codicill die Erben, daß für den Fall, als die zu dem Baue dieser Universität bestimmte Summe von einer Million bei seinem Ableben, noch nicht erschöpft sei, den etwa noch entfallenden Restbetrag diesem Zwecke zuzuwenden.

Oesterreichisches Freiherrnstands-Diplom ddo. 26. Juli 1832 [Verleihung vom 8. März g. J.]. – Ungarisches Freiherrn Diplom ddo. 29. März 1832. – Neue illustrirte Zeitung, Oesterreichisches Familienblatt. Redigirt von Johannes Nordmann (Wien, kl. Fol.) 1876, Nr. 17, S. 270: „Simon Freiherr von Sina“ [mit Porträt]. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien 4°.), 1876, Nummer 105 und 106. – Wiener Salonblatt (gr. 4°.) VII. Jahrg. (1876), Nr. 17: „Simon G. Freiherr von Sina“. – Sonntags-Zeitung (Pesth, gr. 4°.) 1857, Nr. 50, S. 395: „Simon Freiherr von Sina“. – Bombe (Wiener Witzblatt) 1873, Nr. 31: „Ausstellung der Agricultur- und Forstproducte der Freiherr von Sina’schen Güter“. – Wiener Börsen-Zeitung II. Jahrg, (1871), Nr. 53: „Simon Freiherr von Sina“. – Magyar néplap (Pesth, 4°.) 1857, Nr. 51: „Báró Sina Simon“ [mit Porträt in Holzschnitt). – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntagsblatt (Pesth, 4°.), 1857, Nr. 48 [mit Porträt in Holzschnitt].
Porträt. 1) Freiherr von Sina. H. Demare, Wien 1873, gezeichnet. In der Beilage zu Nr. 47, 1873, des „Floh“ (Weltausstellungs-Zeitung) [sehr ähnlich]; – 2) in den „Humoristischen Blättern“ von Klić 23. April 1876, Nr. 17, Gezeichnet von Klić 1876; – 3) in der „Bombe“ (Wiener Witzblatt) 2. Juli 1871, Nr. 26, Zeichnung von Corregio; – 4) Holzschnitt von Paar, nach Zeichnung von Wf., in der „Neuen illustrirten Zeitung“ (Wien, Zamarsky) 1876, Nr. 17; – 5) Holzschnitt im „Salon-Album“ (Wien 1872); – 6) Holzschnitt im „Magyar néplap“ 1857, Nr. 56, und – 7) im „Vasárnapi ujság“ 1857, Nr. 48. [Die letzten drei ohne Angabe des Zeichners und Xylographen.]


Ende des vierunddreißigsten Bandes.