BLKÖ:Stohl, Heinrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 130. (Quelle)
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Stohl, Heinrich (Maler, geb. in Wien im Jahre 1826). Ein Sohn des Franz Stohl [s. d. S. 127]. Da er Talent für die Kunst zeigte, kam er im Jahre 1841, im Alter von 15 Jahren, in die k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien. Später begab er sich nach München, wo unter des kunstsinnigen Königs Ludwig Aegide Männer wie Cornelius, Schnorr von Karolsfeld, Kaulbach, Schwind, Adam eine künstlerische Thätigkeit entfalteten, deren Erzeugnisse noch Jeder, der München heute besucht, daselbst in Kirchen, im königlichen Palaste und in den öffentlichen Sammlungen bewundern wird. Dort unter den genannten Meistern erweiterte Heinrich seine Kunstanschauungen und kehrte dann nach Wien zurück. Daselbst begann er seine künstlerische Thätigkeit zunächst mit Lithographiren, und zwar wählte er dazu Werke des Malers Ranftl [Band XXIV, S. 328], wir gedenken hier nur der Bilder: „Die Waisen der Stadt“, – „Die Waisen des Landes“, – „Die Witwe“; dann machte er Pferdestudien und malte für den Grafen Johann Waldstein Pferdebildnisse in Oel. Später begab er sich nach Triest, wo er eine große Anzahl Bildnisse zeichnete und in Oel malte, und von da nach Venedig, wohin ihn vornehmlich der berühmte Aquarellist Karl Werner zog, in dessen Haus er sein Atelier aufschlug. Bald bildete sich dort eine kleine Künstlercolonie, zu welcher von österreichischen Malern nebst Stohl u. A. Ludwig Passini [Bd. XXI, S. 326, in den Quellen] und Romako [Bd. XXVI, S. 315] gehörten. In Venedig malte Heinrich eine große Anzahl Aquarelle, von denen in den Monat-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins viele zu sehen waren, deren Uebersicht weiter unten folgt. Mit der Uebersiedlung Werner’s nach Leipzig löste sich der Freundes- und Künstlerkreis, der sich um diesen gesammelt, auf, nur Stohl blieb noch zehn Jahre, vielbeschäftigt von der hohen Aristokratie und von Kunstfreunden. Er malte ungemein fleißig, copirte viele Gemälde der großen Künstler, welche die Lagunenstadt birgt, und die Fresken, welche die St. Marcuskirche schmücken. Ab und zu stellte er auch aus, und vom Jahre 1854 an treffen wir seine Arbeiten ziemlich oft in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins, und zwar waren daselbst zu sehen: 1854 im November: „Anticamera im Dogenpalaste“, Aquarell (200 fl.); – „Empfangzimmer für die Gesandten im Dogenpalaste“, Aq. (vom Kunstverein angekauft, 80 fl.); – „Weiblicher Studienkopf“, Aq. (40 fl.); – „Venetianerin“, Aq. (40 fl.); – „Brunnen im Dogenpalaste“, Aq. (60 fl.); – „Studienkopf, ein Mädchen“, Aq. (30 fl.); – „Studienkopf, ein Gondelführer“, Aq. (30 fl.); – 1855 im März: „Madonna mit dem Kinde und vier Heiligen“, Aq. nach dem Altarbilde Giovanni Bellini’s in Venedig (375 fl.); – im November: „Das Innere der St. Marcuskirche in Venedig“, Aq.; – 1856 im Februar: „Chorstühle in der Kirche ai frari in Venedig“, Aq. (vom Kunstverein angekauft, 80 fl.); – „Portal der [131] St. Zenokirche in Verona“, Aq.; – „Innere Ansicht der Taufcapelle in S. Marco“, Aq. (Eigenthum des Herrn Figdor); – 1858 im April: „Zimmer aus Venedigs Glanzperiode“, Aq. (100 fl.); – „Seitenportal am Dom zu Verona“, Aq. (vom Kunstverein angekauft, 130 fl.); – „Kanzel in der Kirche San Fermo zu Verona“, Aq. (120 fl.); – im Mai: „Porta von Axel in Venedig“, Aq. (angekauft von der Gräfin Harrach, 120 fl.); – 1859 im März: „Inneres eines Palastes zu Venedig“, Aq. (Eigenthum der Gräfin Harrach); – „Inneres eines venetianischen Hauses aus der Zopfzeit“, Aq. (20 Nap.); – „Palazzo d’oro am Canal grande“, Aq. (20 Nap.); – „Inneres der Kirche Sa. Maria nuova ai miracoli“, Aq. (Eigenthum des Grafen Alex. Erdödy); – „Palazzo Sagredo mit dem Traghetto Sa. Sofia am Canal grande“, Aq. (25 Nap.); – im December: „Ein Trödler“, Aq. (450 fl.); – „Eine Lautenspielerin“, Aq. (120 fl.); – 1862 im März: „Markt in Oberitalien“, Aquarell (160 fl.); – „Seitenportal eines Domes zu Verona“, Aq. (40 fl.); – „Hof in Murano“, Aq. (40 fl.); – „Santa Fosca“, Aq. (50 fl.); – im Mai: „Porträt einer Dame“, Aq.; – im December: „Zwei Studien“, Aq. (a 50 fl., b 35 fl.); – „Zwei Studien“, Aq. (à 20 fl.); – 1863 im Jänner: „Studie“, Aq.; – „Alpensteig“, Aq. (35 fl.); – im April: „Zwei landschaftliche Studien“, Aq.; – 1866 im Februar: „Madonna mit dem Kinde“, Copie nach dem in Verona aufgefundenen Gemälde Raphael’s, Aq. (100 fl.); – im April: „Knaben mit Hunden spielend“, Aq. (angekauft, 40 fl.); – „Schulkinder im Schlitten“, Aq. (20 fl.); – „Bauernfamilie“, Aq. (50 fl.); – „Felspartie mit Schafen“, Aq. (30 fl.); – „Mädchen mit Ziegen“, Aq. (20 fl.); – „Pferde an der Tränke“, Aq. (30 fl.); – 1868 im April: „Dogenpalast in Venedig im Mondenschein“; – „Piazza delle Erbe in Verona“, – im Mai: „Kirche dei Miracoli in Venedig“, Aq. (Eigenthum des Grafen Victor Wimpffen). – Viele von den Arbeiten des Künstlers gelangten in den Besitz Seiner Majestät des regierenden Kaisers, weiland Ihrer kaiserlichen Hoheit der Erzherzogin Sophie und anderer Kunstfreunde. Des Künstlers angenehmen, ganz der Kunst gewidmeten Aufenthalt in Venedig trübte plötzlich ein schweres Nervenleiden, welches ihn befallen hatte. Man sprach davon, daß das Herz dabei eine Rolle gespielt. Stohl kehrte nach Wien zurück und lebt seither abwechselnd in Italien und in Oesterreich seiner Kunst. Noch sei hier erwähnt, daß der Künstler im Jahre 1865 zu Verona bei Antonio Tortella eine „Heilige Familie“ von Raphael entdeckte, von welcher sich Copien unter dem Titel „Madonna di Loreto“ in Paris und anderwärts befinden; und daß er das Ehrenbürger-Diplom der Stadt Triest für den Fürsten Felix Schwarzenberg mit Scenen aus der Geschichte Triests ausgeschmückt hat.

Monats-Verzeichnisse der Ausstellungen des österreichischen Kunstvereines, 1854, November und December; 1855, März und November; 1856, Februar; 1858, April und Mai; 1859, März und December; 1862, März und December; 1863, Jänner und April; 1868, Februar und April; 1868, April und Mai. – Die Künstler aller Zeiten und Völker u. s. w. Begonnen von Professor Fr. Müller, fortgesetzt und beendigt durch Dr. Karl Klunzinger und A. Seubert (Stuttgart 1864, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. IV, Nachträge, S. 413.