BLKÖ:Teuffenbach, Rudolph (1582–1653)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Teuffenbach, Polykarp
Band: 44 (1882), ab Seite: 78. (Quelle)
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53. Rudolph (geb. 1582, gest. im Jahr 1653), von der Linie Teuffenbach-Mayrhofen, ein Sohn des berühmten Christoph, dessen S. 63, Nr. 14, des Näheren gedacht ist, studirte zu Tübingen. Erst 21 Jahre alt, lieh er dem in steten Geldnöthen steckenden Kaiser Rudolph II. gegen Bürgschaft der Städte Neustadt, Hradisch, Schönberg, Gaya und Neutitschein 40.000 Thaler. Im Jahre 1608 war er einer der Führer der Mährer in dem gegen den Kaiser Rudolph ziehenden Heere des Königs Matthias. Im nämlichen Jahre übertrug ihm der mährische Landtag das Commando über ein Regiment Fußvolk von 3000 Mann, welches gegen den drohenden Einfall der Passauer aufgestellt werden sollte. 1611 war Teuffenbach wieder einer der Führer der mährischen Völker im Zuge des Königs Matthias gegen Rudolph: in demselben Jahre veranstaltete er Matthias zu Ehren bei dessen Krönung zum böhmischen Könige in Prag ein Ringelrennen und Feuerwerk. 1613 wurde er Commandant der Festung Neuhäusel und fungirte daselbst ungeachtet der Protestation der Ungarn noch 1615 als kaiserlicher Hofkriegsrath und Obrister. Im ersten unglücklichen Kriegszuge Bucquoy’s gegen Böhmen rettete er im Vereine mit Collalto und Maradas im Kampfe bei Budweis (November 1618) die Kaiserlichen. Bei dem Tode des Kaisers Matthias (20. März 1619) erhielt er die Stelle eines Oberstfeldwachtmeisters über das gesammte kaiserliche Fußvolk, und sein im genannten Jahre errichtetes Regiment Fußvolk ist das älteste der österreichischen Armee. Weniger glücklich als bei Budweis war er in Ungarn. Als Gabriel Bethlen sich Oberungarns bemächtigt hatte, wollte Erzherzog Leopold Preßburg und die ungarische[WS 1] Krone sichern und sandte deshalb im October 1619 tausend deutsche Söldner unter Teuffenbach’s Befehl dahin ab; sie wurden aber weder in die Stadt noch in das Schloß eingelassen, vielmehr während der Nacht von Bethlen’s Soldaten überfallen und ungeachtet der heftigsten Gegenwehr zusammengehauen. Teuffenbach selbst rettete sich durch die Flucht. An der Schlacht bei Prag (8. November 1620), welche das Schicksal der böhmischen Länder entschied, nahm er, als Führer des rechten Flügels, welchen die Oesterreicher bildeten, rühmlichen Antheil. Maximilian von Bayern bezeichnete dem Kaiser Ferdinand den Feldwachtmeister von Teuffenbach, den Marschall Spinelli und den Grafen Wilhelm Verdugo als diejenigen, welche in der Schlacht vor Allen sich auszeichneten. Nun rückte Teuffenbach mit einem Armeecorps vor Iglau, brachte die Stadt zur Capitulation (12. December 1620) und betheiligte sich bei der weiteren Unterwerfung Mährens. Im nächsten Jahre stand er gegen Bethlen in Ungarn im Felde und übernahm, nachdem Bucquoy bei einem Ueberfalle von Neuhäusel (10. Juli 1621) von seinen wegen Nichtzahlung des Soldes unzufriedenen Leuten verlassen, mit sechzehn Wunden gefallen war, das Commando. Die Meuterei dreier Regimenter unterdrückte er, indem er im geschlossenen Ringe der Meuterer die Rädelsführer erschoß, durch welche That er sich den persönlichen Dank des Kaisers erwarb. 1622 schoß er zur Bezahlung der Belagerungstruppen bei Glaz 100.000 Gulden vor, wofür ihm ansehnliche Bürgschaft gewährt wurde, von welcher d’Elvert im unten bezeichneten Artikel über die Teuffenbach’schen Stiftungen ausführlich handelt. Bis dahin war Teuffenbach dem protestantischen Glauben seines Vaters treu geblieben, nun kehrte er zum Katholicismus zurück, worüber der Kaiser in einem besonderen Glückwunschschreiben vom Jahre 1623 in die Worte ausbricht: „Ich würde den Scheitel deines Hauptes küssen, wäre ich gegenwärtig“. Als Katholik war er nun 1625 dem bei Zurückführung der Stadt Iglau in den Schoos der katholischen Kirche persönlich einschreitenden Cardinal Dietrichstein mit sieben Fähnlein Soldaten behilflich. [79] Als am 23. Juli 1623 die Krönung der Kaiserin zur Königin von Ungarn stattfand, verliehen die Stände Ungarns aus eigenem Antriebe dem Freiherrn von Teuffenbach zugleich mit dem Freiherrn von Eggenberg das Indigenat. Inzwischen hatte Bethlen immer mehr Boden gewonnen, und bereits forderte seine Vorhut Tyrnau zur Uebergabe auf (5. October 1622); die Stadt verweigerte dieselbe, weil Teuffenbach mit 2000 deutschen Soldaten im Anzuge war. Dieser wurde aber auf den mit dichter Mauer umgebenen Kirchhof zu Bogdanócz zurückgedrängt und nach tapferster Gegenwehr zur Ergebung gezwungen, worauf auch Tyrnau in sein Schicksal sich fügte. Im Jahre 1625 trat Teuffenbach in die neugebildete Armee Wallenstein’s und half ihm bei Wolgast die Dänen überwinden. Vor Stralsund aber wurde sein Regiment fast gänzlich aufgerieben. Zur Zeit, als Wallenstein sein Commando niedergelegt hatte, war Rudolph bereits Feldmarschall und als solcher dem Heere Tilly’s zugeordnet. Er rückte nun gegen Frankfurt an der Oder, ohne sich jedoch gegen den Schwedenkönig Gustav Adolph halten zu können, welcher im April 1631 die Stadt im Sturme nahm und Teuffenbach zwang, sich nach Glogau zu retten. Nach der Schlacht bei Breitenfeld (17. September 1631) unternahm Rudolph einen Streifzug bis vor Dresden, auf welchem er die kursächsischen Lande jämmerlich durch Brand und Raub verwüstete. Zu Ende des Jahres 1631 stellte er sich in Böhmen den unter Arnimb daselbst eindringenden Sachsen entgegen und übergab dann das Commando an Wallenstein, als dieser am 15. December 1631 den Feldherrnstab zum zweiten Male übernahm. Sein körperlicher Zustand verhinderte ihn, an den ferneren Kriegsoperationen theilzunehmen. Erst nach Wallenstein’s Ermordung begleitete er den König von Böhmen Ferdinand III. in dieses Land, 1634 zur Schlacht bei Nördlingen und erhielt vom Kaiser für seine treuen Dienste ein Geschenk von 200.000 Gulden. Von dieser Zeit an kämpfte zwar sein Regiment noch in den Reihen der Kaiserlichen; er selbst aber wirkte nur im Cabinet. 1644 besuchte er den Convent in Tyrnau und verhandelte nebst Questenberg und dem Palatin Eszterházy den Frieden mit dem Siebenbürger Fürsten Georg Rákóczy. Noch 1646 bis 1647 wirkte er für den Kaiser in Ungarn, bis er endlich im Alter von 68 Jahren sein Leben beschloß. Rudolph von Teuffenbach war einer der dreizehn Feldmarschalle, welche Kaiser Ferdinand II. ernannte, nach dem österreichischen Hof- und Staatsschematismus von 1637 einer der vier Hofkriegsräthe in Wien und noch Ende 1652 Leiter des österreichischen Geschützwesens. Von dem Könige von Spanien war er mit dem Orden des goldenen Vließes ausgezeichnet worden. Aber nicht nur als Kriegsheld und Staatsmann hat er ein ehrenvolles Andenken hinterlassen. sondern auch in nicht minder hohem Grade durch seine mit Testament vom 24. Juli 1650 für sechzehn Stiftlinge in der kaiserlichen Ingenieurakademie errichteten, von Kaiser Ferdinand III. am 22. August 1650 bestätigten großartigen Stiftungen, welche später in das Theresianum übertragen wurden. Außerdem verordnete er, daß von seinem Vermögen 20.000 Gulden zu nehmen seien, deren Interessen ein Jahr zur Auslösung der in der Türkei gefangenen[WS 2] Christen, das zweite Jahr zur Betheilung von Hausarmen mit je fünfzehn Gulden und das dritte Jahr für arme verwaiste Mädchen zu Heiratsaussteuern von je vierzig Gulden verwendet werden sollten. Ueber den Wortlaut dieser Stiftungen und die im Laufe der Zeit damit vorgenommenen Veränderungen vergleiche die in den Quellen genannten Werke und Schriften von Brandl, d’Elvert und Geusau. Freiherr Rudolph war zweimal vermält, zuerst mit Anna Katharina geborenen von Ratkay [S. 62, Nr. 5] und nach deren 1641 erfolgtem Tode mit Eva Elisabeth geborenen von Sternberg, verwitweten Michael Adolph Graf Althann, Herrin und Tochter des berühmten böhmischen Oberstburggrafen Adam v. Sternberg. Ueber den aus ersterer Ehe stammenden Sohn Georg und dessen Sohn Andreas fehlen alle Nachrichten. Rudolph von Teuffenbach ist es, den Schiller in seinem „Wallenstein“ in der Unterschriftsscene der Anhänger des Friedländers einführt. [Piccolomini, IV. Aufzug, 6. Auftritt]. „Ein Kreuz steht hier“, fragt Trczka, und Tiefenbach erwidert: „Das Kreuz bin ich“, worauf Isolani zu Trczka mit den Worten sich wendet: „Er kann nicht schreiben, doch das Kreuz ist gut und wird ihm honorirt von Jud und Christ“. Nun, hat auch Schiller hier fehlgegriffen, wenn er einen Tübinger Studenten, und das war Rudolph von Teuffenbach, des Schreibens nicht kundig sein läßt, wie es denn auch durch Documente erwiesen ist – führt [80] doch Heß in dem unten angegebenen Werke das Facsimile des Feldmarschalls an – daß derselbe schreiben konnte, so entschädigt uns der Dichter doch durch den Humor seiner Darstellung für den im Uebrigen wenig bedeutenden Irrthum. [Brandl (Vincenz). Urkundenbuch der Familie Teuffenbach. Im Auftrage des mährischen Landesausschusses herausgegeben (Brünn 1867, 4°.) S. 357 u. f. Anhang: „Testament des Rudolph von Teuffenbach ddo. 24. Juli 1650“. – d’Elvert (Christian Ritter von). Notizenblatt der historisch-statistischen Section, der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde (Brünn, 4°.) Jahrg. 1876, Nr. 10 und 11: „Zur mährisch-schlesischen Adelsgeschichte. LXXXII. Die Freiherren von Teuffenbach und ihre Stiftung“. – Geusau (Anton Reichsritter von). Geschichte der Stiftungen, Erziehungs- und Unterrichtsanstalten in Wien von den ältesten Zeiten bis auf gegenwärtiges Jahr [1803] (Wien 1803, Ign. Grund, 8°.) S. 251 (Stiftungen bei der Ingenieurakademie), S. 356 (Stiftungen beim Theresianum), S. 487 (Ausstattungsstiftung). – Heß (Johann Eduard). Biographien und Autographen zu Schiller’s „Wallenstein“. Nach geschichtlichen Quellen bearbeitet und mit Abbildung der Unterschriften (Jena 1850, F. Maucke, Lex.-8°.) S. 95, mit dem Facsimile der Unterschrift. – Oesterreichisch-ungarische Wehrzeitung (Wien, gr. 4°.) XIII. Jahrg. (1874) Nr. 16 und 17: „Charakterköpfe aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges“. Von W. E. v. Janko. I. Vom alten Tiefenbacher. – Porträt. Unterschrift: „Rudolph Freyherr von Tieffenbach, Kaysers Ferdt. II. | geheimder (sic) und Kriegrath, Cämmerer und Feldmarschalckh, | Obrister Land- und hauss Zeugmeister, auch bestellter | Oberster vber ein Regiment teutsches Kriegs | volcks zu fuess (sic) auch Ritter dess gülden Flüss“. Wolfg. Kilian sculp.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: uugarische.
  2. Vorlage: gefangenenen.