BLKÖ:Thürheim, Ludwig Egbert Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 303. (Quelle)
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Thürheim, Ludwig Egbert Graf (k. k. Major und Reisender, geb. zu Wien am 27. Mai 1818), Sohn des Joseph Ferdinand Ignaz Grafen von Thürheim aus dessen Ehe mit Leopoldine geborenen Gräfin von Starhemberg, trat, mit Sorgfalt im elterlichen Hause erzogen, am 9. November 1837 als Cadet in das 4. Kürassier-Regiment (damals Baron Mengen, jetzt 4. Dragoner-Regiment), in welchem er im Mai 1838 zum Lieutenant avancirte. Am 1. November 1842 als Oberlieutenant in das 1. Uhlanen-Regiment Herzog von Coburg übersetzt, sah er sich im Mai 1844 zum k. k. Kämmerer ernannt, stieg noch im September letzteren Jahres zum Rittmeister bei Coburg-Huszaren Nr. 8, im Juli 1853 zum Major bei Fürst Windischgrätz-Dragonern Nr. 7 auf und quittirte am 1. Mai 1854 mit Beibehalt des Militärcharakters. Am 22. Mai 1852 wurde er Rechtsritter des Malteserordens. Im Mai 1844 dem als außerordentlicher Gesandter zur Thronbesteigung des Königs Oskar I. von Schweden abgesendeten Generalmajor Eduard Grafen Woyna als Adjutant zugetheilt, erhielt er bei dieser Gelegenheit das Ritterkreuz des schwedischen Schwertordens. Die Feldzüge in[WS 1] Ungarn 1848 und 1849 machte er als Ordonnanzofficier des Feldzeugmeisters [304] Baron Jellačić, Banus von Croatien, mit, den Gefechten bei Parndorf, Wieselburg, Moór, Tétény, den Schlachten bei Kapolna, Iszazeg, bei Ó-Becse[WS 2] und Hegyes beiwohnend. Für sein umsichtiges und tapferes Benehmen in letzterer wurde ihm mit ah. Entschließung vom 2. September 1849 die kaiserliche Belobung und in Folge dessen das Militär-Verdienstkreuz mit der Kriegsdecoration zutheil. Im October 1855 schiffte sich Graf Ludwig auf einem englischen Schiffe über Constantinopel nach der eben belagerten Festung Sebastopol ein und verweilte noch während der Beschießung derselben durch die Franzosen und Engländer in deren Hauptquartier. Im März 1856 aber seinem Drange, den Orient zu besuchen, folgend, unternahm er eine größere Reise über Dalmatien, Montenegro, Antivari und die ionischen Inseln nach Griechenland, wo er am Hofe König Otto’s I. freundlichste Aufnahme fand, und von da weiter über Smyrna nach Ephesus, Rhodus, Egypten, das Delta, ganz Syrien, Aleppo und Alexandretta; auch besuchte er zweimal Palästina und das heilige Grab zu Jerusalem, durchwanderte ferner das peträische Arabien, Gaza, Elarich, Akaba, befuhr das rothe Meer bis Moka, durchzog Jambo, Jedda, Gamfeda, Lohen und Hodeida, Massana, die Boghos- und Barkaländer, den Sudan, Chartum, Senaar, Abyssinien bis gegen den zehnten Grad nördlicher Breite. Auf den Petermann’schen Karten von Afrika, welche 1861 in Gotha erschienen, sind Wege, die bis dahin kein Europäer gewandelt, mit ausdrücklicher Benennung nach seinem Namen angegeben. In Abyssinien weilte er einige Zeit am Hofe Theodors, der ihm ein Pferd mit Sattel und Zeug schenkte, eine Auszeichnung, die den Nehmer als einen Freund des Königs in jenen Gegenden bezeichnet und der Verleihung irgend eines Großordens gleichgehalten wird. Ende September kehrte Graf Ludwig nach einer Abwesenheit von zweieinhalb Jahren nach Europa zurück, mit vielen Jagdtrophäen reich beladen, denn er hatte Leoparden, wilde Büffel, Rhinocerosse, Hyänen, eine Unzahl wilder Affen, Wildschweine, Antilopen und vielerlei Geflügel erlegt. Im März 1862 begab er sich von Neuem auf Reisen, abermals über Egypten nach Sumatra, von da nach Japan, an den Himalaya, nach Kleintibeth, Kaschmir, weilte längere Zeit in Indien, an den damaligen englischen Gouverneur Lord Elgin empfohlen, und machte mit englischen Officieren mehrere Tigerjagden mit, so bei Lahore und Bombay, wo er einige Monate verblieb. Von da reiste er nach Persien, daselbst längere Zeit zu Ispahan und Teheran sich aufhaltend, besuchte dann noch die Ruinen von Persepolis und kehrte im October 1864, ebenfalls nach zweieinhalbjähriger Abwesenheit, fast erblindet, über den Kaukasus, das kaspische Meer, Moskau und Petersburg, wieder mit zahlreicher Jagdbeute, sowie mit Waffensammlungen aus den durchwanderten Ländern in die Heimat zurück. Sein ungeachtet einer Operation durch den berühmten Dr. Gräfe vorgeschrittenes Augenübel hinderte ihn leider, seine Absicht, eine dritte noch größere und längere Reise anzutreten, in Ausführung zu bringen. Ueber seine afrikanischen Jagden brachte die von Hug redigirte „Jagd-Zeitung“ im November 1858 einen längeren Artikel. Andere Aufzeichnungen über seine ausgedehnten Reisen dürfte der Graf wohl im Pulte liegen haben. Nach seiner Heimkehr nahm er seinen bleibenden Sitz auf dem Schlosse Weinberg, [305] welches er noch zur Stunde nicht nur in gutem, sondern auch in dem altherkömmlichen Stande in eifriger Sorge zu erhalten sucht. Zu diesem Zwecke ließ er die bereits schadhaft gewordenen äußeren Ringgrabenmauern, sowie die Schloßbrücke neu aufführen und die seit mehreren Jahren eingegangenen zwei Zug- oder Aufziehbrücken in ihrer vormaligen Art wieder herstellen. Ueberdies ordnete er persönlich die Aufstellung der Rüstkammer an, welche eine Unzahl breiter Schwerter, Helme, Brustkürasse, Spieße, Morgensterne aus der Zeit des Bauernkrieges, vier große Kanonen aus dem siebzehnten Jahrhunderte und sehr viele Familienandenken enthält. Er legte ferner reichhaltige Sammlungen von arabischen, persischen, indischen und japanesischen Waffen, Costümen, Münzen, Schilden u. s. w. an, die er von seinen orientalischen Reisen mitgebracht; desgleichen von Jagdtrophäen, als ausgestopfte Büffel, Nilpferde, Leoparden, Hyänen, Schakale, Antilopen, Affen u. s. w., die er alle persönlich erlegt hat. Er ließ die Thürme der Schlösser Weinberg und Schwertberg mit Kupfer decken und erwarb sich ein besonderes Verdienst um die Ruine Dörnach, den einstigen Besitz der ausgestorbenen Herren (späteren Grafen) von Volkra, indem er den das Land und die Gegend hochüberragenden Thurm decken ließ und hiedurch vor gänzlichem Verfalle rettete. Anläßlich der Vermälungsfeier des Kronprinzen Rudolph mit der Prinzessin Stephanie von Belgien im Jahre 1881 widmete Graf Ludwig Egbert ein Capital von 200 fl., dessen Interessen alljährlich am 10. Mai, als dem Vermälungstage des Kronprinzen, an einen altgedienten, durch tadellose Conduite sich auszeichnenden Soldaten des Infanterie-Regiments Kronprinz Rudolph Nr. 19 zu verabfolgen sind.

Frankfurter Conversationsblatt (4°.) 1858, Nr. 277, S. 992. – Didaskalia (Frankfurt, 4°.) 1858, Nr. 273. – Militär-Zeitung. Herausgegeben von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1858, S. 611. – Oesterreichisch-ungarische Wehrzeitung, V. Jahrg. (1881), Nr. 38.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: n.
  2. Vorlage: Ó-Bbecse.