BLKÖ:Torre, Adalbert Della

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Torre, Lelio Della
Band: 46 (1882), ab Seite: 157. (Quelle)
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Torre, Adalbert Della (Typograph, geb. in Wien 25. November 1796, gest. ebenda am 31. März 1871). Der Buchdrucker Joseph Della Torre, welcher durch die Gnade des Kaisers Franz I. in der orientalischen Akademie zu Wien ausgebildet, die orientalischen Sprachen vortrefflich verstand, ertheilte seinem Sohne Adalbert gründlichen Unterricht in denselben, vornehmlich im Arabischen, und so wurde es möglich, daß Letzterer nach des Vaters Tode eine längst erstrebte Stelle als Lehrling in der zu jener Zeit (um 1812) in hoher Blüte stehenden orientalischen Buchdruckerei des Anton Edlen von Schmid [Bd. XXX, S. 209, Nr. 6] in Wien erhielt. Dort arbeitete nun Torre als Schriftsetzer viele Jahre an den gelehrten arabischen, persischen, griechischen und syrischen Werken, welche die beiden bedeutendsten Orientalisten Oesterreichs, Freiherr von Hammer-Purgstall [Bd. VII, S. 267] und Oberleitner [Bd. XX, S. 455], drucken ließen. Im Laufe der Jahre wurde er Geschäftsleiter der Schmid’schen Druckerei und verließ diese erst, nachdem er sich für eine dreijährige Studienreise in die Türkei, nach Kleinasien, Aegypten, Griechenland und Italien die nöthigen Geldmittel erspart hatte. Auf seiner Wanderfahrt erhielt er die Einladung zur Errichtung einer Buchdruckerei in Smyrna, und [158] eben stand er im Begriffe, dem Rufe Folge zu leisten, als ihn eine Erbschaftsangelegenheit nöthigte, nach Wien zurückzukehren, welches er nun nicht mehr verließ. Im Jahre 1840 erlangte er für seine Person das Buchdruckereirecht, das sein Vater seit 1812 besessen hatte. Nun errichtete er eine eigene Officin und wählte als Hauptzweig seines Druck- und Verlagsgeschäftes, welches sich immer mehr und mehr ausdehnte, die hebräische Literatur. Als in Folge der politischen Veränderungen, welche 1859 in Oesterreich eintraten, die Großcommune Wien ihre Vertreter frei wählen durfte, brachte 1861 die radicale Partei des Bezirkes Alsergrund auch den bereits 65jährigen Torre in den Gemeinderath. Dort schloß sich derselbe der Fraction der äußersten Linken an und blieb ihr bis zu seinem Austritte treu. Ueber Torre’s Verhalten im Gemeinderathe schreibt einer seiner Biographen wörtlich: „Als Gemeinderath zog sich der bereits hochbejahrte Mann wegen seiner schneidigen Anträge auf Reform des Schulwesens und der Waisenpflege den Haß der klerikalen Partei zu, die ihm manche schwere Kränkung und empfindliche Benachtheiligung in seinem Geschäfte zufügte, ihn aber in seiner Ueberzeugung: daß kein Heil in Oesterreich sei, bevor nicht der Concordatspartei werde das Haupt vor die Füße gelegt worden sein, nicht einen Augenblick wankend machte“. Die Intriguen seiner Gegner, die sich kein Gewissen daraus machten, seinen durchaus ehrenhaften Privatcharakter zu verdächtigen, bestimmten ihn zu dem Schritte, in seinem Selbstverlage eine Vertheidigungsschrift erscheinen zu lassen, betitelt: „Der Wahrheit ihr Recht! Gegenschrift auf die anonyme Broschüre: Hinaus mit den Schulbrüdern“ (Wien 1862, 8°., 78 S.). Offen bekannte er sich als Verfasser dieser Broschüre, die aber in Wirklichkeit sein einziger Sohn verfaßt hatte, welcher im Jahre 1865 starb, und dessen Verlust der Vater nicht mehr verwinden konnte. Ein schweres Leiden zwang Torre, nach siebenmonatlichem Krankenlager seine von 1861–1866 bekleidete Stelle als Gemeinderath niederzulegen, aber mit dem trostreichen Bewußtsein, zu der schönsten Schöpfung der Commune, den städtischen Waisenhäusern, durch einen von ihm gestellten Antrag die erste Anregung gegeben zu haben. Seit seiner Erkrankung blieb er von allem öffentlichen Wirken völlig zurückgezogen bis zu seinem im Alter von 74 Jahren erfolgten Tode. Torre wurde auf dem Währinger allgemeinen Friedhofe im eigenen Grabe bestattet. Seine hebräische Druckerei besaß er auf dem Alsergrund in der Karlsgasse im Strudelhof, welcher den Namen nach seinem Erbauer, dem berühmten Bildhauer Peter Freiherrn von Strudel, führte. Ueber hundert Jahre hatte die Familie Della Torre in diesem Hause ununterbrochen gewohnt.

Die Neuen Väter der Großcommune Wien, hervorgegangen aus der freien Wahl, dem Vertrauen ihrer Mitbürger im Jahre 1861. Von Moriz Bermann und Franz Evenbach (Wien 1861, 8°.). – Fremden-Blatt Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1871, Nr. 92, unter den „Hof- und Personalnachrichten“.